Ausrüstung Einzeltests

Bewährungsprobe

Der Player 505 von WIG Kayaks im Dauertest: Sechs Wochen Einsatz, teils bei Sturm und Seegang, zeigten ein klares Ergebnis. Text und Fotos: Norbert und Karin Heller.

Norbert und Karin Heller

Dieser Testbericht über den WIG Player 505 ist das Ergebnis von sechs Wochen Einsatz zwischen dänischer Südsee und Kroatien. Oft bei hartem Wind oder sogar Sturm. Mal von der Seite, mal von vorne. Dazu häufig mit beachtlichem Seegang.
In diesen sechs Wochen haben sich die Player 505 prächtig bewährt. Die 21 Kilogramm unserer Carbon/Kevlar-Modelle ließen sich bequem auf die Schulter nehmen und tragen, auch wenn das Wasser etwas weiter weg war. Diese Kajaks haben uns so viel Spaß gemacht, dass wir sogar bei echtem Schmuddelwetter immer wieder Lust hatten auf eine Extra-Runde – und ein größeres Kompliment kann man einem Seekajak kaum machen. Dabei ist der extrem trockene Lauf der Player 505 erstaunlich. Oft sind wir (Karin 68 Kilogramm, ich 80 Kilogramm) selbst bei Starkwind und Kabbelwellen nur im T-Shirt gepaddelt, die griffbereiten Paddeljacken blieben in der Tagesluke. Egal woher die Wellen kamen, die Spritzer gingen vor uns quer übers Deck, oder der voluminöse Bug teilte sie seitlich von uns weg. Ein toller Komfort, ganz ohne schwitzige Paddeljacke.

Auch wenn sich diese Seekajaks beim ersten Einstieg etwas kippelig anfühlen, so spürt man nach kurzer Eingewöhnung die enorme Endstabilität. Bug und Heck der Player 505-Kajaks stehen sehr steil, so dass die effektive Wasserlänge fast so lang ist wie die Rumpflänge. Das bringt ein Plus an Speed. Diese Kajaks sind in Bug und Heck scharf geschnitten, aber das U-Spant-Mittelschiff besitzt seitlich scharfe Kanten. Durch diese harten Kanten reagieren die Player hochsensibel auf Hüftknick. So lassen sie sich ausgezeichnet dirigieren und auf Kurs halten, selbst bei kabbeligem Wasser. Und auch wenn man durch das hohe Vorderschiff auf den Gedanken käme, dass die Player empfindlich auf Seitenwind reagieren könnten, so wird man in der Praxis eines Besseren belehrt. Der Bug und die scharfen Kanten des Mittelschiffs beißen sich im Wasser fest, und mit etwas Skegeinsatz ziehen die Player wie auf Schienen dahin, sogar besser als viele Low Volume-Kajaks.
Diese Kanten sorgen naturgemäß für eine enorme Wendigkeit – zumindest, wenn man die Kanttechnik beherrscht. Somit sind die Player 505 eine ausgezeichnete Wahl sogar für kurvenreiche Wanderflüsse. Die Boote werden meist mit Skeg und Steueranlage ausgeliefert. Gute Seekajakpaddler dürften allerdings alleine mit dem Skeg jede Situation meistern! Die Steueranlage war zum Kurshalten in sechs Wochen nie wirklich nötig – ich nutzte Sie nur dann zum Kurshalten, wenn ich beidhändig mit der Kamera hantierte.
Das Achterdeck ist beim Player bewusst niedrig gehalten und frei von störenden Aufbauten. Das erleichtert Rollen, Re-Entry-Techniken und Rettungsmanöver deutlich und entspricht der klassischen Seekajak-Philosophie des britischen Stils.

Flottes Tempo

Wir waren mit Kajakgruppen unterwegs, die sehr schnelle Boote aus Deutschland und Großbritannien fuhren, mit 535 bis 560 Zentimetern Länge und teils mit schnellem Rundspant im Mittelschiff. Da hält ein 505 Zentimeter-Kajak mit harten Kanten natürlich nicht mit, für ein Formel 1-Tempo kauft man sich besser ein WIG Rapid oder ein anderes Kajak. Die Player sind gebaut für harte See und für jede Menge Spaß beim Surfen. Und doch: Eines schönen Tages paddelten wir auf der Schlei bei Missunde bei sechs bis sieben Beaufort starkem Westwind, erst von der Seite und dann direkt von vorne. Die norddeutsche Seekajak-Gruppe, mit der wir unterwegs waren, erwies sich als gut trainiert und hatte wesentlich längere und schnellere Kajaks, doch ich erreichte mit meinem Player 505 als Erster die große Breite bei Burk. Je härter die See, desto besser liefen die Player – diese Erfahrung machten wir öfter.

Die Ausstattung

Im Bug verfügt der Player über einen großen Stauraum und eine kleine Tagesluke für Kleinzeug, hinten über zwei Stauräume, einer davon während der Fahrt gut zugänglich. Reichlich Platz für lange Fahrten. Die ovalen Lukendeckel lassen sich gut bedienen und erleichtern das Beladen. Was will man mehr? Der Sitz ist auf einer Schiene montiert und längs verstellbar. Damit lässt sich die Sitzposition optimal auf Körpergröße und persönliche Vorlieben abstimmen und perfekt zu den Schenkelstützen ausrichten.
Die Deckleinen sind praxisgerecht angeordnet. Die Schenkelstützen fallen ziemlich groß aus, was ein schnelles Ein- und Aussteigen nicht unbedingt leichter macht. Und doch: Mit etwas Eingewöhnung kommt man schnell genug aus dem Cockpit heraus, auch wenn man bei Brandung am Strand anlanden muss oder an einem hohen Steg.
Meine Empfehlung für das Paddlergewicht: Selbst 100 Kilogramm sind kein Problem, auch wenn man vollbepackt auf mehrtägige Touren gehen möchte – das Volumen ist in jedem Fall reichlich bemessen. Leichtgewichte von unter 60 Kilogramm Körpergewicht, die auf dem Meer unterwegs sein möchten, sollten unserer Ansicht nach Abstand nehmen zum Player – für diese Personengruppe empfehlen sich eher Low Volume-Kajaks. Vielleicht gibt’s ja irgendwann mal einen Player LV? Wäre eine tolle Sache.

Und hier noch mehr Bilder vom WIG Player 505 im Einsatz:

Fazit: Seit über 40 Jahren paddeln wir zwischen Skandinavien, Kroatien und Südfrankreich und betreiben heute eine Kanuschule. In all den Jahren hat uns nur selten ein Seekajak so überzeugt wie der Player. Ganz gleich, ob bei ruhigen Verhältnissen oder bei hartem Wind, Sturm und Seegang. Ganz gleich, ob bei der Performance auf dem Wasser oder bei der Ausstattung: Der Player ist uns in sechs intensiven Wochen ans Herz gewachsen – und konnte schließlich auf der Schlei trotz relativ kompakter Länge mit einigen der schnellsten Seekajaks auf dem Markt mithalten.

Technische Daten

Länge: 505 cm
Breite: 54 cm
Cockpit 77 x 40 cm
Gewicht: A Core 23 kg, C/K 21 kg, Carbon 19 kg
Ladekapazität: 130 kg
Paddlergewicht: 70-100 kg
Preis: ab 3.295,- Euro
Infos: www.liteventure.de, www.wigkayaks.com