Ausrüstung Einzeltests

Ein gutes Werk

Palm stattet ab 2026 einen großen Teil seiner Paddelkleidung mit einem Material aus recycelten Fischernetzen aus – und verbannt einen gesundheitsschädlichen Stoff aus der Produktion. Der neue Atom-Trockenanzug und die gleichnamige Paddeljacke gehören zu den ersten »Kandidaten«, auf die beides zutrifft.

Palm Equipment

Im Jahr 2026 führt Palm Schritt für Schritt ein neues Material für einen großen Teil seiner Paddelkleidung ein. Dabei handelt es sich um ein recyceltes Nylon namens Seawastex® – und es soll zunächst Verwendung finden im Außengewebe von Jacken, Trockenanzügen und Hosen aus 2,5-Lagen- und 4-Lagen-Materialien. Der Clou dabei: Die Seawastex-Garne werden aus entsorgten Fischernetzen und anderem Nylon-Müll hergestellt, die in Zusammenarbeit mit den Regierungen von Küsten-Anrainerstaaten, Herstellern und Recyclingbetrieben gesammelt, gereinigt und wiederverwertet werden.
Ein wichtiger Schritt zur Linderung eines dramatischen Problems: Jahr für Jahr landen rund 640.000 Tonnen Fischereiausrüstung im Meer, die zu den enormen Mengen Plastikmüll dazukommen, die ohnehin schon in den Ozeanen schwimmen – und oft genug in den Mägen von Meerestieren landen (und auf lange Sicht über die Nahrungskette auch in unseren eigenen).

Unmengen von Plastikmüll verschmutzen die Meere und landen in Tiermägen – und auf Dauer auch in unseren eigenen. Foto: shutterstock.com

Das Recycling dieser Netze vermindert die Verschmutzung, reduziert die CO₂-Emissionen um bis zu 49 Prozent und spart im Vergleich zur Herstellung von herkömmlichem Neunylon 15 Prozent Energie. Außerdem schaffen die Rücknahmesysteme ein Einkommen für einheimische Fischergemeinden und bieten ihnen so einen Anreiz, ausrangierte Netze aus dem Meer zu holen.
Wichtig für den Kunden: Die Umweltfreundlichkeit bringt keinen Verlust an Qualität mit sich. Unabhängige Tests haben gezeigt, dass das Seawastex-Material in Sachen Haltbarkeit, Festigkeit und Abriebfestigkeit einem »konventionellen« Nylon oft sogar überlegen ist. So bietet es die gleiche Wasserdichtigkeit und Atmungsaktivität, fühlt sich aber weicher und geschmeidiger an, ohne das planenartige Gefühl einer schweren Regenjacke. Außerdem entsteht bei Bewegungen weniger Rascheln, und so gleitet man auf dem Wasser mit gedämpfter Lautentwicklung durch die stille Natur.

Das zweite Problem

So weit, so gut. Aber damit nicht genug, denn Palm nimmt sich noch eines weiteren Umweltproblems an: dem PFAS (per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen). Diese Stoffe sind äußerst wirksam im Abweisen von Wasser und Schmutz und finden daher häufig Verwendung in der äußeren Beschichtung von Outdoor-Kleidung. Das Problem dabei: PFAS sind sogenannte »Forever Chemicals« – sie bauen sich nicht ab, verbreiten sich leicht über Luft und Wasser und reichern sich in Böden und Pflanzen, im Blut von Menschen und Tieren an. Das bringt ein erhöhtes Risiko mit sich, an Krebs zu erkranken oder Probleme mit dem Herz-Kreislaufsystem zu bekommen – unter anderem. Grund genug für Palm, das Zeug so weit wie möglich aus seinen Produkten zu verbannen. Der Hersteller verzichtet heute bei seinen XP 2,5-Lagen- und 4-Lagen-Bekleidungsstücken vollständig auf absichtlich zugeführtes PFAS. Das bedeutet: 88 Prozent der Lieferkette sind frei davon. Eine hundertprozentige PFAS-Freiheit ist bis heute nicht möglich, da geringe Mengen davon immer noch in globalen Rohmaterialien und Produktionsprozessen anfallen. Aber was nicht ist, kann ja noch werden, und so verspricht Palm für die Zukunft: »Wir arbeiten entlang der gesamten Lieferkette, um unbeabsichtigte PFAS weiter zu reduzieren.«

Der Atom-Trockenanzug

Zu den ersten Palm-Kleidungsstücken, in deren Produktion beide Aspekte berücksichtigt werden, gehören der neue Atom-Paddelanzug und die ebenfalls neue Atom-Paddeljacke.
Bei ersterem handelt es sich um einen Trockenanzug mit sechsteiligem, ergonomischen Schnitt im Oberkörperbereich, was für eine enorme Bewegungsfreiheit sorgt. Neben dem neuen Material hat der Anzug auch neue Farben bekommen – und bringt ansonsten all die bewährten Features eines hochwertigen, robusten Trockenanzugs mit, der sich bei Bedarf auch für harte Einsätze im Wildwasser eignet: Latex-Manschetten an Hals und Handgelenken halten das Wasser draußen und werden von Außenbündchen aus GlideSkin-Neopren geschützt. Der Einstieg erfolgt über einen Rückenreißverschluss, der von Schulter zu Schulter verläuft – ein YKK AquaSeal-Reißverschluss, wie er auch beim Pinkelzipper für die Herren und beim Dropseat für die Damen Verwendung findet. Eine spritzwasser-geschützte Brusttasche nimmt Kleinigkeiten auf, sei das nun der wasserdicht verpackte Autoschlüssel oder Süßkram für unterwegs. Der Doppelbund mit Neopren-Taillenabschluss hält in Symbiose mit der Spritzdecke das Wasser aus dem Cockpit. Und verstärkte Einsätze an stark beanspruchten Stellen und doppelt verklebte, angesetzte Socken sorgen für Unverwüstlichkeit.

Und hier ein paar Bilder vom Atom-Trockenanzug im Einsatz:

Die Atom-Paddeljacke

Über all die genannten Features (vom Rückenreißverschluss und von den Socken mal abgesehen) verfügt auch die Atom-Jacke, die in einer Unisex-Variante auf den Markt kommt. Wie der Anzug besticht sie mit jeder Menge Bewegungsfreiheit – und gleichzeitig mit einer großen Portion Robustheit. Sie beide sind geschaffen, um ihren Träger für den Einsatz im Wildwasser und auf langen, anspruchsvollen Expeditionen auszustatten. Was aber nicht bedeutet, dass man mit ihnen nicht eine entspannte Binsenbummelei auf dem heimischen Wanderfluss genießen könnte. Während man sich darüber freut, dass der Anzug oder die Jacke, die man da gerade trägt, das Meer ein kleines Stückchen sauberer gemacht haben.

So entsteht Seawastex

  1. Sammlung. Ausrangierte Netze werden über Programme in Taiwan zurückgeführt und schaffen so einen Mehrwert für die beteiligten Gemeinden.
  2. Recycling. Mittels Depolymerisation wird Caprolactam, der Rohstoff von Nylon, zurückzugewonnen.
  3. Faserherstellung. Das Caprolactam wird zu leistungsstarken Seawastex®-Fasern versponnen.
  4. Stoffweberei. Beim Weben entstehen langlebige, wasserdichte Stoffe. Recycling und Weberei finden in und um Taiwan statt. Die Folge: keine langen Schiffstransporte von der Sammlung zur Verarbeitung.
  5. Bekleidungsherstellung. Palm fertigt aus diesen Stoffen Jacken, Hosen und Trockenanzüge für Paddler.

Technische Daten

Palm Atom (allgemein)
Material: Seawastex, XP 4-Lagen
Reißverschluss: YKK Aqua Seal
Halsmanschette: Latex, Neoprenschutz
Handgelenk-Manschetten: Latex mit Neoprenschutz

Palm Atom Trockenanzug
Kapuze: nein; Kamin: ja; Brusttasche: 1
Toiletten-Zipper/Dropseat: ja
Größen Herren: S, M, MB, L, LT, XL, XXL
Größen Damen: WS, WSR, WM, WL, WXL
Farben Herren: pine/tangelo, fiesta/samba, azure/navy
Farben Damen: ceramic/pine, purple/pine
Preis: 939,– Euro

Atom-Trockenanzug, Männerversion, Farbkombination pine und tangelo
Atom-Trockenanzug, Damenversion, Farbkombination purple und pine

Palm Atom Paddeljacke
Kapuze: nein; Kamin: ja; Brusttasche: 1
Größen: XS (nur azure/navy)
S, M, L, XL, XXL
Farben: azure/navy, pine/tangelo
Preis: 359,– Euro
Infos: https://palm.equipment/de/

Atom-Paddeljacke, Unisex, Farbkombination azure und navy