Ausrüstung Einzeltests

Gemischtes Doppel

Das Triton advanced Canoe und das Pakboats PakCanoe 160 (großes Bild): beides Faltcanadier, beide aus dem Hause Out-Trade, beides ausbaufähige Doppelsitzer. Und doch jeder mit seinem ganz eigenen Charakter.

Hersteller, Lars Brinkmann, Stefanie Holtkamp

Beginnen wir mit dem Offensichtlichen: Wir haben es mit zwei Faltcanadiern zu tun. Ergo: Beide Boote bieten viel Platz für die zwei vorgesehenen Paddler und für reichlich Gepäck, wenn die Tour einmal länger werden sollte. Oder auch für eine dritte Person – für beide Boote ist optional ein dritter Sitz erhältlich. Beide passen, Maxime bei Out-Trade, im zerlegten Zustand in eine einzige Packtasche, in der man sie problemlos ans Wasser tragen kann. Und beide lassen sich mit Fug und Recht als Allrounder bezeichnen: Sowohl das Pakcanoe 160 als auch das Triton advanced Canoe sind unter fünf Meter lang und eignen sich somit neben Seen und breiten Wanderflüssen auch für etwas schmalere Fließgewässer (wenn auch nicht für die ganz engen Bäche). Aber hier fangen die Unterschiede auch schon an.

Das Triton Advanced Canoe.
Das PakCanoe 160.

Konstruktion und Aufbau: Triton advanced Canoe

Das Triton advanced Canoe verfügt mit seinen hochgezogenen Bug- und Heckpartien über die zeitlose Eleganz eines »Indian Canoe«. Deren Rumpf war zwar einst aus Birkenrinde und nicht aus PVC/PU, aber sei’s drum – die Aura passt. Soviel zum äußeren Eindruck. Ein Blick auf die einzelnen Teile macht schnell deutlich, dass ein Boot mit einer übersichtlichen und klaren Struktur vor uns liegt, mit vergleichsweise wenig Gestänge und Bauteilen. Die Folge: Das Triton-Kanu ist einer der am schnellsten und einfachsten aufzubauenden Faltcanadier auf dem Markt – ein Umstand, der noch dadurch verstärkt wird, dass viele Bauteile an verschiedenen Stellen eingesetzt werden können. Fehler sind so kaum noch möglich, auch nicht bei frischgebackenen Besitzern eines Triton advanced Canoe, die noch nicht so häufig in ihrem Leben ein Faltboot aufgebaut haben.
Wenn das Gestänge »steht«, kommt die Pumpe zum Einsatz – und füllt formgebende, integrierte Luftschläuche, die Bestandteil der Außenhaut sind. Und die erstens für große Kippstabilität sorgen und zweitens für reichlich Auftrieb. Falls der Canadier doch einmal voll Wasser schlagen sollte, ruhig Blut: Selbst bei vollgelaufenem Rumpf ist das Boot nahezu unsinkbar und behält sogar seine stabile Lage. Serienmäßig an Bord sind Kielstreifen und verstärkte Dollbords. Und falls man doch einmal auf stärker bewegtem Wasser unterwegs sein möchte, gibt es im optionalen Zubehör ein Verdeck, das auf dem am Boot vorinstallierten Klettstreifen befestigt wird. Außerdem eine feste Bodenmatte aus geschlossen-porigem Schaumstoff, die beim Wildwassereinsatz einen Puffer zwischen Haut und Gestänge bildet.

Fast fertig: das Triton Advanced Canoe beim Aufbau.

Konstruktion und Aufbau: PakCanoe 160

Beim PakCanoe 160 hat man es mit etwas mehr Gestänge zu tun – das »Gerüst« dieses Bootes besteht immerhin aus 18 Einzelteilen, von langen Dollbord- und Kielstangen bis hin zu großen und kleinen Spanten. Aber auch hier hat sich der Hersteller etwas einfallen lassen, um den Aufbau so einfach wie möglich zu gestalten: Zunächst sind die Stangensegmente – ähnlich wie bei einem Zeltgestänge – mit einer Gummischnur verbunden, was einem das Zusammenstecken enorm erleichtert. Dann zeigen farbliche Markierungen Position und Ausrichtung der einzelnen Teile an, Schnellverschlüsse an den Spanten fixieren die Bauteile schnell und sicher. Die bereits vorfixierte Bodenmatte muss beim Aufbau nicht ausgerichtet werden und bringt zusätzlichen Auftrieb. Die seitlichen Luftschläuche sorgen für eine Riesenportion Kippstabilität – das Boot bleibt selbst vollgelaufen stabil auf Kiel liegen. Allerdings gibt es bei den Luftschläuchen einen Unterschied: Die Exemplare beim Pakcanoe sind nicht in die Bootshaut integriert, sondern abnehmbar. Wie ein Puffer liegen sie zwischen Außenhaut und Gestänge und beugen so Beschädigungen der Bootshaut vor. Serienmäßig verbaut sind verstärkte Dollbords, vier Kielstreifen sowie D-Ringe an Bug und Heck.

Gut zu erkennen: das Gestängesystem des PakCanoe 160.

Unterwegs: Triton advanced Canoe

Der Fokus beim Triton advanced Canoe liegt klar auf zwei Dingen: zum einen auf Kippstabilität und Sicherheit. Zum anderen auf einem makellosen Geradeauslauf. Dafür verantwortlich: eine Kombination aus geringem Kielsprung und Knickspantriss mit fließendem Übergang in einen Rundspantriss. Was nicht heißen soll, dass der Canadier auf einem mäandernden Wanderfluss nicht um die Kurven käme. Unterstützt wird das durch die mittschiffs etwas hochgezogenen Dollborde, durch die auch bei starkem Ankanten ausreichend Abstand zur Wasseroberfläche besteht. All das macht das Triton advanced Canoe zu einem optimalen »Streckenboot« für Seen und ruhige Flüsse, mit ausreichend Stauraum für eine mehrtägige Tour und jeder Menge Sicherheit.

Unterwegs mit dem Triton Advanced Canoe in der Dordogne. Foto: Stefanie Holtkamp

Unterwegs: PakCanoe 160

Revier und Einsatzmöglichkeiten des PakCanoe überschneiden sich zwar mit denen des »Kontrahenten«, sind aber etwas weiter gefasst. Zwar liegt auch dieses Boot kippstabil auf dem Wasser, wobei die höhenverstellbaren Flechtsitze eine Anpassung des Schwerpunktes ermöglichen. Und auch dieses Boot hält seine Nase geradeaus, wenn man ihm nichts anderes befiehlt – ist aber auch etwas wendiger und agiler. All das macht es nicht nur für Seen und Wanderflüsse tauglich, sondern in Symbiose mit seiner robusten Konstruktion auch für Wildwasser bis zum dritten Grad: Die Pakboats-Canadier haben auf vielen Expeditionen bewiesen, dass sie mit »weißem Wasser« umgehen können.
Womit wir beim Thema Expeditionen wären. Und damit beim Gepäck: Das Pakboats 160 »schluckt« problemlos Ausrüstung und Proviant für zwei- bis dreiwöchige Fluchten aus der Zivilisation. Wobei das Gepäck in diesem Fall nicht nur eine »belastende« Rolle spielt, sondern auch eine konstruktive – über die Gewichtsverteilung lässt sich der Trimm variieren: Mehr Gewicht in der Bootsmitte bedeutet mehr Kurvenfreude, mehr Gewicht in Bug und Heck verbessert den Geradeauslauf.

Gut geeignet auch für wildere Wasser: das PakCanoe 160.

Fazit: Beim Triton Advanced Canoe haben wir es mit einem vielseitigen, schnell einsetzbarem und anfängerfreundlichem Faltcanadier zu tun, mit Fokus auf Geradeauslauf und Strecke auf Seen und ruhigen Flüssen. Das gleiche Revier beherrscht das PakCanoe 160 – aber erweitert um Wildwasser bis zum dritten Grad sowie enormen Platzreserven für lange Expeditionen. Und die gemütliche Eintagestour mit Kleinkind in der Bootsmitte, Picknick unterwegs und Aussicht auf eine ruhige Nacht im heimischen Bettchen? Nun, das können beide.

Technische Daten \
Pakboats PakCanoe 160

Material: goldeloxiertes Aluminium, Gewebe-PVC
Sitzplätze: 2 (3)
Länge: 490 cm
Breite: 94 cm
Gewicht: 24 kg
Zuladung: 345 kg
Aufbauzeit: 20-25 min.
Packmaß: 90x43x33 cm
Farben: rot oder grün, Boden schwarz
Preis: 1899,- Euro (aktuell als »Jubelpaket« erhältlich für 1.999,- Euro, dann mit Mittelsitz und zwei Fiberglas-Stechpaddeln)
Infos: http://www.nortik.com

Lieferumfang: Bootshaut und Gestänge, Packtasche, zwei Bench-Seats, zwei installierte D-Ringe, fünf installierte Kielstreifen, verstärkte Dollbordkanäle, Pumpe, Endkappen, Reparaturset
Optional: Verdeck, Kniepolster, weitere Sitze, Tragejoch

Technische Daten \
Triton Advanced Canoe

Material: eloxiertes Aluminium, PVC/PU
Sitzplätze: 2 (3)
Länge: 480 cm
Breite: 98 cm
Gewicht: 25 kg
Zuladung: 330 kg
Aufbauzeit: 15-20 min.
Packmaß: 120x48x35 cm
Farben: hellgrau/schwarz, mattes rot/schwarz
Preis: 1999,- Euro
Infos: http://www.nortik.com

Lieferumfang: Bootshaut und Gestänge, zwei Standardsitze, Packrucksack, Pumpe, Verstärkungsstreifen an den Dollborden, Reparaturset
Optional: Bodenmatte, Sitze für knieendes Paddeln, Mittelsitz, Verdeck