Das scubi speed erblickte im Frühjahr 2024 das Licht der Welt, nur ein paar Monaten nach der Geburt des scubi lite. Allzu viel gemeinsam haben die beiden Geschwister allerdings nicht. Wobei – ein paar Familienähnlichkeiten gibt es natürlich schon. Die Grund-Charakeristika der ganzen scubi-Familie, beim Lite auf die Spitze getrieben, gelten auch beim speed: wenig Gestänge, wenig Gewicht, wenig Packmaß, leichter Aufbau, leichtes Handling am und auf dem Wasser.
Und doch sticht das speed aus seiner Geschwisterschar heraus, wirkt ein bisschen wie der Athlet in einer sonst eher am Breitensport orientierten Familie. Der Grund: Das neue Boot ist deutlich stärker auf Sportlichkeit und Geschwindigkeit ausgelegt als die anderen scubi-Hybridboote, deutlich besser dazu geeignet, flott und ohne großen Kraftaufwand große Distanzen zurückzulegen, auch und gerade auf stillen Gewässern, die beim Vorwärtskommen nicht sonderlich hilfreich sind.
Ergo: Ja, wir haben es hier immer noch mit einem waschechten, userfreundlichen scubi zu tun – allerdings mit einem, das eine gehörige Portion Tourenkajak-Gene in sich trägt. Out-Trade-Geschäftsführer Steffen Sator sagt dazu: »Das speed dürfte eine Lücke schließen zwischen den scubi-Freizeitbooten in unserem Programm und den Falt-Tourenkajaks mit deutlich mehr Gestänge.«
Aufbau in wenigen Minuten
Schon Monate vor der geplanten Markteinführung im Frühjahr 2024 können wir das neue Boot testen. Also stehen wir im Herbst 2023 an einem Donau-Abschnitt bei Ulm und holen das gute Stück aus seinem Packrucksack. Und jetzt, noch bevor es auf’s Wasser geht, zeigen sich auch beim speed die angenehm unkomplizieren Seiten der scubi-Familie – vor uns liegen eine Bootshaut, vier Kielstangen, ein Bug- und ein Hecksteven sowie vier kleine Spanten. Der Sitz ist bereits in der Bootshaut installiert, die Geschichte vom Aufbau flott erzählt: Sitzfläche an einer Seite lösen. Die Steven an Ort und Stelle drücken. Die Kielstangen damit und miteinander verbinden, auf Spannung bringen und mit Splint fixieren. Sitzfläche auf der losen Seite wieder befestigen. Die Spanten anbringen, je einen in Bug und Heck, je einen vor und hinter dem Sitz. Dann ein bisschen pumpen, und fertig ist das Boot. Zehn Minuten etwa, beim ersten Mal vielleicht ein bisschen mehr.
Tempo wie ein Tourer
Danach geht’s aufs Wasser – und damit verabschieden wir uns fürs erste von den Familien-Ähnlichkeiten. Der Autor dieser Zeilen kann von sich behaupten, schon jedes scubi gepaddelt zu haben – und ist ziemlich baff, als er merkt, wie schnell dieses Modell Fahrt aufnimmt. So flott, dass er erstmal drosseln muss, um den bedauernswerten Fotografen am Uferweg nicht in einen strammen Laufschritt zu zwingen. Woher die namensgebende Geschwindigkeit kommt, wird beim Blick auf ein paar Fakten schnell offensichtlich: Mit 460 Zentimetern ist das speed für ein einsitziges scubi ziemlich lang und dementsprechend spurtreu, mit 68 Zentimetern Breite relativ schlank. Dazu kommt, dass mit etwa zwölf Kilogramm nur wenig Gewicht in Bewegung versetzt werden muss – und dass das Boot extrem stromlinienförmig geschnitten ist, mit einem scharfen Bug, der durch das Wasser schneidet wie ein Jagdmesser durch Sahnetorte. Ebenfalls ein Faktor: die für ein Hybridboot große Steifigkeit – mit bis zu 0,6 bar verträgt das scubi speed eine Menge Druck. Lange Rede, kurzer Sinn: nomen est omen – das zeigt sich spätestens, als der Fotograf am Uferweg zurück bleibt und das Paddel das speed auf der stillen Donau auf Touren bringt. Und zwar ohne, dass die Paddlerschultern nach kurzer Zeit Ermüdungserscheinungen zeigen würden.
Ob der schlanke Schnitt es mit sich bringt, dass der Neuling ein bisschen kippeliger ist als seine Geschwister? Ja, um ein paar Nuancen schon. Ein bisschen was passiert durchaus mit dem Boot, wenn man entschlossen mit dem Hintern wackelt oder es auf die Kante legt. Aber nichts Dramatisches, nichts, wovor Paddeleinsteiger sich fürchten müssten.
Was die Kurvenfreude angeht, lässt sich konstatieren: alles im grünen Bereich. Mit dem scubi speed lässt sich so ziemlich jeder Wanderfluss befahren. Auf ganz engen, kurvigen Bächen stößt es vermutlich an seine Grenzen, aber für einen Mäander-Slalom ist es schließlich nicht gebaut.
Zurück am Ufer ist das Boot mit wenigen Handgriffen zerlegt und verschwindet im Nullkommanix in einem übersichtlich dimensionierten Packrucksack (85x55x22 cm). Der wiederum findet mühelos im Kofferraum Platz, auch in dem eines Kleinwagens. Mit Bus und Bahn an Fluss oder See, mit dem Flieger nach Schweden oder in irgendein Tropenparadies mit Strand und Palmen? Alles kein Problem. Bei allem Tempo, bei aller Geschwindigkeit – das speed ist eben doch ein echtes Hybridboot, ein echtes scubi.
Fazit: Mit dem speed hat nortik die scubi-Familie um ein schnelles, schlankes, sportliches Mitglied erweitert. Wer bisher meinte, Hybridboote eigneten sich nur für gemütliche Binsenbummelei, darf seine Meinung korrigieren – das neue Boot taugt durchaus für ambitionierte Touren auf (nicht allzu engen) Wanderflüssen, auf Seen und in geschützten Meeresbuchten. Vom elegant-schnittigen Äußeren mal ganz abgesehen.
Technische Daten
Sitzplätze: 1
Länge: 460 cm
Breite: 68 cm
Gewicht: 12 kg (mit Verdeck 13,6 kg)
Material Haut: PVC/PU
Material Gestänge: eloxiertes Aluminium
Aufbauzeit: ca. 10 min
Packmaß: 85x55x22 cm
Farben: rot/schwarz, blau/schwarz
Preis: 1599,- Euro
Infos: www.faltboot.de
Lieferumfang: Bootshaut, Gestänge, Sitz, Packrucksack, Pumpe mit Manometer, installierter Kielstreifen, Schenkelriemen, Überdruckventile, D-Ringe, Reparaturset.
Optionales Zubehör: Drop Stitch-Einlegeboden, Verdeck, Thermal-PU-Schürze, Fußstütze, Seesocke, extra hohe Lehne, Lukendeckel, Steueranlage, nortik kayak sail.