Ausrüstung Vergleichstests

Ungleiche Zwillinge

Zwei schnittige Seekajaks aus einem Hause: Die WIG Kayak-Modelle Hunter 520 und Player 525 ähneln sich so stark, dass immer wieder nach den Unterschieden gefragt wird. Die gibt es – und zwar mehr, als man auf den ersten Blick meinen könnte (Text: Alex von Strombeck).

Alex von Strombeck

Hier liegen sie nun vor uns, an einem spätwinterlichen Tag im norddeutschen Flachland: zwei schlanke Seekajaks von echtem Schrot und Korn, eins schwarz, das andere orange, aber sonst auf den ersten Blick fast Zwillinge: Beide Kajaks folgen klar der britischen Designlinie, beide unterscheiden sich in der Größe nur marginal. Natürlich muss es Unterschiede geben – trotzdem ist es in diesem Fall sinnvoll, zuerst auf das zu schauen, was beide Boote miteinander verbindet.

Der etwas größere Zwilling: der WIG Player 525.

Gemeinsamkeiten

Der ausgeprägte Kielsprung sorgt bei beiden Booten für eine hohe Wendigkeit. Bug und Heck sind scharf geschnitten, wodurch eine lange effektive Wasserlinie entsteht, ohne die Manövrierfähigkeit einzuschränken.
Im Bereich des Cockpits zeigt die Rumpfform bei beiden einen deutlich ausgeprägten U-Spant mit flachem Unterwasserschiff. Diese Kombination macht die Boote sehr gut kontrollierbar und besonders effizient beim Steuern über Ankanten.
Auch das Cockpitlayout der »Zwillinge« ist nahezu identisch. Beide Kajaks besitzen eine Sitzluke von 77 × 40 Zentimetern, die einen sehr guten Kontakt zum Boot ermöglicht. Gleichzeitig bieten die Cockpits ausreichend Platz für lange Beine und große Füße, ohne dass der Halt darunter leidet. Beide Kajaks punkten mit einem praktischen Detail: Der Sitz ist auf einer Schiene montiert und längs verstellbar. Damit lässt sich die Sitzposition optimal auf Körpergröße und persönliche Vorlieben abstimmen und obendrein perfekt zu den Schenkelstützen ausrichten.
Das flache Achterdeck ist bei beiden Modellen bewusst niedrig gehalten und frei von störenden Aufbauten. Das erleichtert Rollen, Re-Entry-Techniken und Rettungsmanöver deutlich und entspricht der klassischen Seekajak-Philosophie des britischen Stils.

WIG Hunter 520
WIG Player 505

Unterschiede

Der Hunter ist mit 5,20 Metern etwas kürzer als der Player 525 mit 5,25 Metern. Nicht die Welt, aber immerhin. Mit 53,5 Zentimetern Breite fällt der Hunter zudem minimal schmaler aus als der 54 Zentimeter breite Player. Deutlicher wird der Unterschied beim Deck: Der Hunter ist insgesamt flacher geschnitten, sowohl im Deck als auch im Cockpitbereich. Die lichte Höhe unter dem Deck am vorderen Süllrand liegt beim Hunter bei etwa 29,5 Zentimetern und damit rund 1,5 Zentimeter niedriger als beim Player. Auch hinter dem Sitz zeigt sich dieses Verhältnis: Die Oberkante des Cockpitsülls liegt beim Hunter bei etwa 22,5, beim Player bei rund 24 Zentimetern.
Im Cockpitbereich sind beide zwar, wie gesagt, nahezu identisch – zwischen Kiel und Seitendeck liegen jeweils etwa 16 Zentimeter. In Bug und Heck unterscheiden sie sich jedoch deutlich: Der Hunter ist vorne 28,5 Zentimeter hoch, der Player 33 Zentimeter. Im Heck lautet das Verhältnis rund 23 Zentimeter beim Hunter zu 28 Zentimeter beim Player.
Ergo: Insgesamt ist der Hunter das volumenärmere Kajak. Was das beim Paddeln bedeutet, werden wir nun sehen.

Auf dem Wasser

Auf dem Wasser gibt es zunächst wenig Überraschungen – beide Kajaks zeigen genau das Verhalten, das man aufgrund ihrer Rumpfform erwarten darf. Durch ihre Länge und die scharf geschnittenen Enden laufen sie auch ohne früh eingesetztes Skeg sehr kursstabil.
Gleichzeitig sorgt das flache Unterwasserschiff dafür, dass beide Boote wendig und manövrierfreudig bleiben. Richtungswechsel lassen sich effizient durchführen – ein Drehen »auf dem Teller« gelingt mit wenigen, gezielten Paddelschlägen.
Der ausgeprägte U-Spant im Cockpitbereich erleichtert das Ankanten und macht diese Technik zu einem wirkungsvollen Werkzeug beim Steuern und Drehen. Gleichzeitig sorgt die Bauform für eine hohe Endstabilität, was sich besonders beim kontrollierten Surfen und Manövrieren in Wellen positiv bemerkbar macht.
Doch natürlich macht sich der Volumenunterschied bemerkbar. Der Hunter lässt sich bereits von Paddlern ab etwa 70 Kilogramm Körpergewicht sehr gut bewegen. Und doch: Auch als Testpaddler mit 110 Kilogramm bei 1,92 Metern Körpergröße fühlte ich mich darin sehr gut aufgehoben.
Der Player 525 richtet sich mit seinem größeren Volumen eher an kräftigere oder schwerere Paddler. Ein Gewicht von etwa 90 Kilogramm aufwärts passt sehr gut zu diesem Boot. Meine 110 Kilogramm liegen dabei sicher noch nicht an der oberen Grenze, auch wenn der Hersteller einen Gewichtsbereich von 90 bis 110 Kilogramm als optimales Paddlergewicht angibt.
Für leichtere Paddler bietet sich die kleinere Variante an, der Player 505 (siehe technische Daten). Grund: Wer deutlich leichter oder kleiner ist, benötigt im größeren Player bei anspruchsvollen Bedingungen mehr Kraft und Technik, um das Boot auf dem Wasser optimal zu kontrollieren.

Auf dem Wasser: der WIG Player 525.
Auf dem Wasser: der WIG Hunter 520.

Fazit: Beide Kajaks lassen sich ausgesprochen lebendig und mit viel Freude paddeln. Sie vermitteln genau das Gefühl, das viele mit britisch geprägten Seekajaks verbinden: direkte Rückmeldung vom Wasser, präzise Kontrolle über Kantensteuerung und ein sehr aktives, spielerisches Fahrverhalten. Der Hunter wirkt durch sein geringeres Volumen und das flachere Deck insgesamt etwas agiler. Besonders bei bewegtem Wasser, im Seegang oder bei anspruchsvolleren Bedingungen verspricht er einen Tick mehr Dynamik und unmittelbare Kontrolle.
Der Player 525 setzt dagegen stärker auf Volumen und Zuladung. Damit spielt er seine Stärken vor allem auf längeren Touren und Expeditionen aus, bei denen zusätzlicher Stauraum für Gepäck gefragt ist. Gleichzeitig bietet das höhere Deck im Cockpitbereich spürbar mehr Platz für große Paddler und lange Beine, was für manche Paddler einen deutlichen Komfort- und Passformvorteil darstellen kann.
Unter dem Strich sind beide Boote klassische Vertreter des britischen Seekajak-Stils – wendig, kantenfreudig und mit viel Charakter auf dem Wasser. Die Entscheidung zwischen ihnen hängt weniger vom grundsätzlichen Fahrverhalten ab als vielmehr von den persönlichen Prioritäten: maximale Agilität und niedriges Volumen beim Hunter oder mehr Platz und Expeditionskapazität beim Player 525.

Der Autor

Alex von Strombeck ist Schiffbauingenieur, Segler, Inhaber des Sporthochseeschiffer-Zeugnisses und begeisterter Paddler. Erfahrung mit Paddelexpeditionen hat er auf der Ost- und Nordsee, dem Mittelmeer und dem Atlantik gesammelt. 2015 hat er in Cornwall ein sechswöchiges Seekajak-Guide-Training und ein 4*-Sea Training absolviert. In Bremen bietet er mit »Alex, Freunde & Kajaks« Schulungen und Touren an. Außerdem betreibt er das »Testcenter Nord« von LiteVenture. Infos: www.liteventure.de/testcenter

Schiffbauingenieur, Segler, Inhaber des Sporthochseeschiffer-Zeugnisses und mit allen Wassern gewaschener Paddler: Autor Alex von Strombeck

Technische Daten
WIG Hunter 520

Länge: 520 cm
Breite: 53,5 cm
Cockpit: 77 x 40 cm
Gepäckluken: 2
Tagesluken: 2
Gewicht: 19 kg Ultra Carbon, 20 kg Carbon, 21 kg Carbon/Kevlar, 23 kg A Core
Paddlergewicht: > 70 kg
Preis: ab 3695,- Euro (Carbon/Kevlar)
Infos: www.liteventure.de, www.wigkayaks.com

Technische Daten
WIG Player 525 (505)

Länge: 525 cm (505 cm)
Breite: 54 cm
Cockpit: 77 x 40 cm
Gewicht: 20 kg
Ladekakazität: 150 kg (130 kg)
Paddlergewicht: 90-110 kg (70-100 kg)
Preis: ab 3555,- Euro (Carbon/Kevlar)
Infos: www.liteventure.de, www.wigkayaks.com