Ausrüstung Einzeltests

Leichtes Spiel!

Das Stellar S18 Expedition G2: ein schnelles, schlankes Kajak mit viel Volumen für Zuladung. Mit diesem Boot kann man das Paddeln auf die leichte Schulter nehmen – im doppelten Wortsinn.

Lars Brinkmann

Ein echtes Leichtgewicht. Das wird schon bei den ersten Kontakten mit dem Stellar S18 Expedition G2 deutlich – Allensbach am Bodensee, im Spätsommer 2025: Am Einstieg angekommen, hebt eine einzelne Person das Kajak vom Autodach. Und zwar mühelos, ohne dass sonst jemand mit anpacken muss. Für den Weg ans Ufer greift eine Hand den Süllrand und trägt das Boot ins Wasser, am langen Arm. Natürlich ist der Vergleich mit einer Damenhandtasche heillos übertrieben, aber angesichts der nonchalanten Trageweise blitzt er eben doch kurz in den Gehirnwindungen auf. Ein völlig müheloses Handling an Land also, das in scheinbarem Widerspruch zu den Ausmaßen des Testobjekts steht – das S18 ist immerhin fünfeinhalb Meter lang. Das Geheimnis der Gewichtsersparnis ist das sogenannte Multisport-Layup, eine Kombination aus Carbon-Kevlar im Unterschiff und Fiberglas im Deck. Die wiederum macht das Boot nicht nur leicht, sondern auch relativ unempfindlich gegen ruppige Begegnungen, beispielsweise mit steinigem Strand beim Anlanden in der Brandung. Der Grund: Das Unterschiff-Material ist leicht flexibel, gibt also im Falle eines Stoßes nach, statt zu brechen. Was das Stellar S18 Expedition jetzt nicht gerade wildwassertauglich macht – aber etwas Gerumpel über Steine an flachen Stellen steckt es schon weg.

Stellar S18 Expedition G2

Ausstattung

Was allerdings nur selten vorkommen dürfte, denn für schmale, flache Flüsschen mit Kiesbett-Gefahr ist dieses Boot schlicht zu lang. Geschaffen wurde es eher für Touren auf breiten Wanderflüssen à la Main und Donau, auf Seen und auf dem Meer, seien die nun ein paar Stunden oder mehrere Tage lang. Für diesen Zweck optimiert wurde auch die umfangreiche Ausstattung: So verfügt das Kajak über zwei Gepäckluken mit geräumigen, abgeschotteten Stauräumen. Reichlich Platz für Gepäck also, auch wenn man der Zivilisation mit Zelt, Schlafsack und Proviant an Bord für ein, zwei Wochen Lebewohl sagen möchte.
Dazu kommen zwei Tagesluken für wichtigen Kleinkram, den man unterwegs schnell greifbar haben möchte. Eine befindet sich vor, eine hinter dem Cockpit. Und wenn das immer noch nicht ausreicht für das Reise-Necessaire, verfügt das S18 auf Deck über Gepäcknetze und Bungees zum Befestigen von weiterer Ausrüstung. Für ein Seekajak unabdingbar: die Rundumleine für den Kenterungsfall und als Unterstützung beim Wiedereinstieg. Wie bei vielen anderen Seekajaks ist sie im Cockpitbereich unterbrochen – macht nichts, hier kann man sich ja am Süllrand festhalten.
Nächster Pluspunkt: Das S18 kommt serienmäßig mit SmartTrack-Steueranlage (auf Anfrage auch mit Skeg). Zur Bedienung des Steuerblatts sind die Fußstützen geteilt – sie bestehen aus einem festen unteren Teil zum Abstützen des Fußes und einem flexiblen oberen Abschnitt, mit dem das Ruder bewegt wird. Und sollte man beim Anlanden an einem steinigen Strand mal vergessen, das Ruder hochzuklappen, auch kein Problem: Wenn es auf Widerstand trifft, schiebt es sich von alleine hoch.

Das Cockpitinnere kann mit wenigen Handgriffen an die eigene Körperlänge und die gewünschte Trimmung angepasst werden: Die gepolsterte Sitzfläche kann nach vorne und hinten verschoben, die Lehne verstellt, die Fußrasten mühelos vom Sitz aus eingestellt werden. Dazu kommen gepolsterte Schenkelstützen, ein Kevlar-Kielstreifen, der das Unterschiff über die gesamte Länge des Bootes schützt, eine Trinkflaschenhalterung vor dem Sitz und eine Kompassmulde. Hinter dem Cockpit, quer über das Oberdeck, zieht sich eine Vertiefung, die sich beim Einsatz eines Paddlefloats oder der Paddelstütze beim Ein- oder Aussteigen als überaus angenehm erweist. Und, last but not least, befindet sich direkt dahinter ein kleines, unauffälliges Feature: eine Art Haken, an dem man beispielsweise ein Notfallseil befestigen oder das kostbare Kajak wie ein Fahrrad an einem Laternenmast anschließen kann, wenn man es über Nacht alleine und unbeaufsichtigt lassen muss.

Fahrverhalten

Und wie schlägt sich das schnittige Teil nun auf dem Wasser? Nun, um das vorherzusagen, muss man weder Physik studiert noch Bootsbau gelernt haben. Angesichts der Grunddaten (5,50 Meter Länge, schlanke Form und weniger als 20 Kilogramm Gewicht) kann man zuverlässig vorhersagen: Dieses Boot wird abgehen wie Schmidts vielzitierte Katze, und der Paddler, der drin sitzt, wird dieses Tempo über lange Strecken mit vergleichsweise geringem Kraftaufwand beibehalten können. Eine Vorhersage, die sich auf dem Bodensee prompt bestätigt – es ist mit diesem Boot keine Belastung, Distanz machen zu müssen, sondern eine Freude. Ist ja auch logisch: Wer mit jedem Paddelschlag ein paar Kilogramm weniger bewegen muss, der merkt am Tagesende den Unterschied.
Zum genussvollen Vorwärtskommen trägt sicher auch der enorm gute Geradeauslauf des Bootes bei, der vor allem aus der langen, ans Surfski-Design angelehnten Wasserlinie resultiert. Das S18 ist auf Spurtreue hin konstruiert, nicht dafür, auf kleinstem Raum enge Kurven zu fahren. Und doch: Wer das Ruder der Steueranlage einsetzt, der bewältigt problemlos den Slalom zwischen den vor Allensbach geankerten Segelbooten (oder ähnliche Herausforderungen). Außerdem reagiert das S18 prompt aufs Kanten, was seine Wendigkeit um ein weiteres Stückchen erhöht.
Soviel zum Vorhersehbaren. Eher überraschend ist die Kippstabilität des S18. Auf Tempo konstruierte Boote neigen ja eher dazu, im Vergleich zu anfängerfreundlichen Freizeitkajaks ein bisschen kippeliger zu sein, und das trifft sicher auch ein Stück weit auf das S18 zu. Und doch fühlt sich dieses Boot nie wirklich wackelig an – fortgeschrittenen Paddlern eröffnet es ungeahnte Möglichkeiten, ein ambitionierter Einsteiger hat damit keinerlei Probleme.

Im Einsatz: Hier bei einer Tour rund um die Insel Reichenau im Bodensee.

Fazit: Das S18 ist geschaffen für mittelgroße bis große Paddler, mitsamt großzügig bemessenem Cockpit für einfachen Ein- und Ausstieg. Geringes Gewicht, viel Tempo und Spurtreue, dazu jede Menge Stauraum – dieses Boot eignet sich nicht nur für die kleinen Abenteuer in Heimatnähe, sondern auch für mehrtägige Expeditionen in Schweden oder Grönland, vor Kroatien oder Sardinien, in der Mecklenburger Seenplatte oder auf dem Bodensee. Wer normalerweise in einem PE-Allrounder unterwegs ist, fühlt sich im S18, als wäre er von einem Mittelklassewagen in einen Porsche umgestiegen. Und wenn die flotte Fahrt dann vorbei ist, landet das Kajak ohne viel Geächze wieder auf dem Autodach. Auch dabei hat man mit diesem Boot leichtes Spiel.

Technische Daten \
Stellar S18 Expedition G2

Bauweise: laminiert
Layup: Multisport (Carbon-Kevlar)
Gewicht: 18,5 kg (teilbare Version 20,5 kg)
Länge: 550 cm
Breite: 55,7 cm
Cockpit: 84×44 cm
Zuladung: 175 kg
Stauraum Bug: 87 l
Stauraum Heck: 130 l
Tagesluken: vorn und hinten
Paddlergewicht: 70-120 kg
Preis: ab 3790,- Euro
Infos: www.liteventure.de

Extras: laminierter Kielstreifen ab 120,- Euro, Skeg ab Werk 300,- Euro, Holzdeck 795,- Euro, Teilbarkeit 995,- Euro

Alternativen

Das Stellar S18 Expedition G2 gibt es auch als teilbare Variante – sicher sinnvoll für alle, die mit Transport und Lagerung eines 5,50 Meter-Bootes ein Problem haben. In diesem Fall sind bei der Skeg-Variante alle dazugehörigen Teile im Heckteil untergebracht, so dass beim Zusammenbau nicht mühsam Skeg-Verbindungen zwischen den einzelnen Modulen hergestellt werden müssen.
Ebenfalls erhältlich: eine Sit-on-Top-Variante, die den Namenzusatz Egret trägt.
Oder noch mehr Rasanz gefällig? Dann wäre vielleicht die R-Version des S18 die richtige. Wobei das R für Race steht. Und für einen noch schmaleren Rumpf, mit viereinhalb Zentimetern weniger in der Breite als beim Expedition.

Teilbar: das Stellar S18 EXP MOD.
Sit-on-top: das Stellar S18 EXP Egret.
Rasant: das Stellar S18R.