Beginnen wir von vorne: Wie sahen Ihre paddlerischen Anfänge aus?
Meine Familie war schon immer sehr aktiv im Kanurennsport – man könnte sagen, ich bin mit dem Paddel in der Hand aufgewachsen. Der Weg war gewissermaßen vorgezeichnet, und mit der Zeit ist aus dem Zuschauen echte Begeisterung geworden. Schon als Kind saß ich regelmäßig im Boot, und mit etwa zwölf oder 13 Jahren habe ich dann im Renncanadier gezielt mit dem Training begonnen. Seitdem lässt mich die Leidenschaft für den Kanusport nicht mehr los.
Und wie wurden Sie zum Wettbewerbs-Paddler?
Mein erster Wettkampf mit 13 Jahren kam eher ungeplant zustande. Mein damaliger Trainer hat mir ein oder zwei Tage vorher gesagt, dass er mich angemeldet hat – und dass er überzeugt ist, dass ich mich gut schlagen werde.
Für mich kam das überraschend, denn meine Ambitionen im Wettkampfbereich waren zu diesem Zeitpunkt noch nicht besonders ausgeprägt. Ich fühlte mich im Boot noch nicht sicher und war nach meinem eigenen Empfinden noch nicht vollständig bereit.
Letztlich lief es aber deutlich besser als erwartet – am Ende sprang sogar eine Medaille heraus. Dieses Erlebnis hat viel verändert. Von da an wurde ich Teil der Wettkampfmannschaft im Training, und das hat mir enorm viel Selbstvertrauen und Motivation gegeben den Weg weiterzugehen.
Schildern Sie doch mal Ihre wichtigsten Erfolge in den verschiedenen internationalen Wettbewerben! Und welche davon waren Ihnen am wichtigsten?
Im Kanu-Rennsport durfte ich zahlreiche Erfolge feiern. Besonders stolz bin ich darauf, mehrfach Deutscher Meister geworden zu sein. Ein weiterer Höhepunkt meiner Laufbahn war der Titelgewinn bei den Junioren-Weltmeisterschaften. Jeder dieser Erfolge hatte seinen eigenen Stellenwert, weil hinter jedem Titel viele Jahre Training, Disziplin und auch Rückschläge standen. Am wichtigsten war für mich jedoch der Weltmeistertitel im Juniorenbereich. Auf internationaler Ebene ganz oben zu stehen und sich mit der Weltspitze zu messen, war ein ganz besonderer Moment und eine Bestätigung für die harte Arbeit der Jahre zuvor.
Wie verlief denn Ihr erster Kontakt mit Outrigger-Kanus?
Meinen ersten Kontakt mit Outrigger-Kanus hatte ich etwa im Alter von 28 Jahren. Was mich sofort begeistert hat, war der enorme Einsatzbereich dieser Bootsklasse. Im Renncanadier ist man im Grunde auf absolutes Flachwasser beschränkt – der Outrigger dagegen ist unglaublich vielseitig. Ob heimischer See, Fluss oder das offene Meer – es gibt kaum Grenzen.
Besonders prägend war für mich das erste Mal auf dem Meer. Wenn man beginnt, die Wellen anzusurfen, entsteht eine Begeisterung, die ich aus anderen Bootsklassen so nicht kannte. Man erreicht auf einer Welle Geschwindigkeiten, die sich völlig anders anfühlen und eine ganz eigene Dynamik entwickeln.
Nach meinem ersten Einsatz auf dem Meer war für mich klar: Ich bin vom »Outrigger-Virus« infiziert. Diese Kombination aus Technik, Naturerlebnis und Geschwindigkeit hat mich sofort in ihren Bann gezogen.
Und was hat Sie dazu gebracht, Nalu Canoes zu gründen?
Die Gründung von Nalu Canoes war anfangs weniger eine strategische Geschäftsentscheidung als vielmehr ein sehr persönliches Projekt. Zu dieser Zeit war es in Europa äußerst schwierig, überhaupt an Outrigger-Kanus zu kommen. Der Sport stammt aus dem polynesischen Raum – also buchstäblich von der anderen Seite der Welt – und war hier noch eine echte Nische. Entsprechend hatte kaum ein Hersteller passende Boote im Programm.
Ein entscheidender Wendepunkt war meine erste Teilnahme an der Weltmeisterschaft, dem Molokai Solo auf Hawaii. Dort habe ich erlebt, wie weit entwickelt der Sport bereits war – technisch, sportlich und vor allem materialseitig. Die Athleten paddelten dort bereits unter zehn Kilogramm leichte Carbon-Boote. Das war für mich ein echtes Aha-Erlebnis.
Zurück in Deutschland stellte sich die Frage: Wie komme ich an so ein Boot? Da es kaum Serienproduktion gab und nur wenige Bootsbauer auf Hawaii existierten, waren Kaufpreis und Transport für mich schlicht nicht realisierbar. Also entstand der Gedanke: Wenn ich es nicht kaufen kann, baue ich es selbst.
Ich entwarf mein erstes eigenes Boot und habe es eigenhändig gebaut. Der Weg war deutlich anspruchsvoller, als ich zunächst – vielleicht etwas blauäugig – gedacht hatte. Doch Schritt für Schritt entwickelte sich das Projekt weiter, bis zur Serienreife. Parallel dazu wuchs die Outrigger-Szene in Deutschland und Europa stark an. Durch meine sportlichen Erfolge in meinem eigenen Boot entstand zusätzliche Nachfrage – und aus der ursprünglichen Idee wurde über die Jahre ein Unternehmen.
Heute produzieren wir mit modernsten Hightech-Materialien wie Prepreg-Carbon im Sandwich-Verbund und härten im Hochdruck-Autoklaven. Das sind Verfahren, die man eher aus dem Flugzeugbau oder der Formel 1 kennt – und sie ermöglichen uns ein Qualitätsniveau, das im Outrigger-Bereich Maßstäbe setzt.
Worin unterscheidet sich das Paddeln mit Outrigger-Kanus vom Paddeln mit »normalen« Canadiern oder Kajaks?
Der größte Unterschied liegt in der Konstruktion: Outrigger-Kanus verfügen über einen seitlichen Ausleger, der für enorme Stabilität sorgt. Dadurch müssen beim Rumpfdesign keine Kompromisse hinsichtlich der Kippstabilität eingegangen werden. Die Rümpfe können sehr schlank und konsequent auf Geschwindigkeit optimiert gebaut werden.
Der Ausleger bietet eine sichere Plattform – sowohl bei den ersten Paddelschlägen als auch bei rauen Bedingungen auf offenem Wasser. Gesteuert wird über ein Pedalsystem, das mit den Füßen bedient wird. Das Boot selbst ist ein geschlossener Körper und dadurch unsinkbar. Ein integriertes Lenzsystem im Cockpit sorgt dafür, dass überkommendes Wasser schnell wieder abläuft.
Auch in der Handhabung ist der Outrigger sehr benutzerfreundlich: Dank Stecksystem ist er in wenigen Sekunden auf- oder abgebaut, und durch das geringe Gewicht lässt er sich leicht transportieren. Die Sitzposition ist hoch und ergonomisch sehr angenehm, was auch dem Rücken zugutekommt.
Der entscheidende Unterschied zum klassischen Canadier oder Kajak ist jedoch die Geschwindigkeit. Man erhält ein schnelles Wettkampfboot – kombiniert mit einer außergewöhnlich hohen Kippstabilität. Diese Kombination ist einzigartig. Gleichzeitig ist der Einsatzbereich nahezu unbegrenzt: vom heimischen See bis zu drei Meter hohen Wellen auf dem Ozean. Genau diese Vielseitigkeit macht den besonderen Reiz des Outrigger-Paddelns aus.
Was ist die Zielgruppe für die Nalu Canoes? Richten sich diese Boote nur an Wettbewerbs-Sportler oder auch an Hobby-Paddler?
Sowohl als auch. Wir haben viele Kunden, die gezielt nach dem bestmöglichen Material für den Wettkampf suchen und höchste Ansprüche an Gewicht, Steifigkeit und Performance stellen. Gleichzeitig sprechen unsere Boote aber auch ambitionierte Hobby-Paddler an, die den Outrigger-Sport für sich entdecken möchten.
Viele Freizeitpaddler sind überrascht, wie zugänglich diese Bootsklasse ist. Trotz der hohen Geschwindigkeit vermittelt der Outrigger durch den Ausleger ein sehr sicheres Gefühl. Oft entsteht nach den ersten Ausfahrten eine große Begeisterung – gerade wegen der Kombination aus Tempo, Stabilität und Naturerlebnis.
Unser Anspruch ist es daher, Boote zu bauen, die im Wettkampf auf höchstem Niveau bestehen, aber gleichzeitig auch ambitionierten Einsteigern und Freizeitpaddlern ein außergewöhnliches Erlebnis bieten.
Warum sind Outrigger-Kanus Ihrer Meinung nach bis heute in der Paddelbranche wenig verbreitet?
Ich denke, man darf nicht vergessen, dass der Outrigger-Sport – insbesondere in Europa und Deutschland – im Vergleich zu anderen Paddeldisziplinen noch sehr jung ist. Es gibt bislang keine über Jahrzehnte gewachsenen Vereins- und Verbandsstrukturen, wie man sie etwa im Kajak- oder Canadierbereich kennt. Der Sport befindet sich noch klar in einer Wachstumsphase.
Ein weiterer Punkt ist die Herstellung der Boote. Ein Outrigger-Kanu ist konstruktiv deutlich komplexer als ein klassisches Kajak. Neben dem eigentlichen Rumpf kommen Ausleger, Verbindungssysteme und Steuermechanik hinzu. Das erfordert spezielles Know-how, präzise Fertigung und entsprechende Investitionen.
Diese höhere technische Komplexität hat sicherlich dazu geführt, dass viele Hersteller bislang gezögert haben, diese Bootsklasse in ihr Programm aufzunehmen. Gleichzeitig sehe ich genau darin aber auch eine Chance – denn mit zunehmender Professionalisierung und Verfügbarkeit wird sich der Sport weiterentwickeln und langfristig etablieren.
Wodurch zeichnen sich die Nalu Canoes aus, in Bauweise, Material, Gewicht und Fahrverhalten?
Wie schon kurz angesprochen, werden unsere Boote in einem sehr speziellen Fertigungsverfahren hergestellt, das sich deutlich vom klassischen Bootsbau unterscheidet. Unsere Herangehensweise ist eher mit dem Motorsport oder dem Flugzeugbau vergleichbar.
Wir arbeiten mit Prepreg-Carbon in Kombination mit einem Sandwichkern. »Prepreg« steht für pre-impregnated – das bedeutet, dass die Carbonfasern bereits vom Hersteller mit einer exakt definierten Harzmenge maschinell imprägniert werden. Dieses Harz reagiert erst bei hohen Temperaturen. Das Material wird tiefgekühlt geliefert und erst unmittelbar vor der Verarbeitung aufgetaut.
Die einzelnen Lagen werden computergesteuert zugeschnitten, anschließend präzise in die Form eingelegt und unter Vakuum sowie zusätzlichem Druck bei etwa 120 Grad in den Autoklaven ausgehärtet. Durch dieses Verfahren erreichen wir eine deutlich höhere Verbindung der einzelnen Lagen, extrem leichte Gewichte und gleichzeitig maximale Steifigkeit.
Ein weiterer großer Vorteil dieses Materials ist die sehr hohe Reproduzierbarkeit der Qualität. Das Prepreg ermöglicht ein sauberes und präzises Arbeiten beim Laminieren – ohne offene Harztöpfe oder überschüssiges Abfallmaterial. Dadurch entstehen keine trockenen Stellen und keine harzreichen Bereiche im fertigen Boot. Das Ergebnis ist eine gleichmäßige, kontrollierte Struktur mit konstant hoher Qualität – und somit sehr leichte, steife und langlebige Boote.
Beim Design lege ich großen Wert auf eine Kombination aus Performance und Ergonomie. Die Boote sind schnell und direkt im Ansprechverhalten, gleichzeitig aber komfortabel – auch über lange Distanzen. Genau diese Verbindung aus Hightech-Bauweise, geringem Gewicht und ausgewogenem Fahrverhalten zeichnet unsere Boote aus.
Inwieweit kann man die Nalu Canoes individuell konfigurieren?
Wir bieten aktuell vier verschiedene Modelle an – drei Einer (OC1) und einen Zweier (OC2). Je nach Körpergewicht, Erfahrungsniveau und Einsatzbereich findet so jeder das passende Boot. Ob reiner Wettkampf, Langdistanz oder vielseitiger Allround-Einsatz – die Modelle sind entsprechend ausgelegt.
Alle Boote sind zudem in vier unterschiedlichen Grundkonstruktionen erhältlich. Diese reichen von einer ultraleichten Acht-Kilogramm-Carbon-Variante für den High-Performance-Wettkampf bis hin zu einer robusten Glasfaser-/Carbon-Hybrid-Konstruktion. So können wir sowohl maximale Performance als auch eine langlebige, alltagstaugliche Alternative anbieten.
Darüber hinaus steht eine breite Farbpalette zur Verfügung, die individuell kombiniert werden kann. Damit lässt sich jedes Boot auch optisch personalisieren.
Gleichzeitig verfügen wir über ein großes Lager mit sofort verfügbaren Booten. Das bedeutet, dass Kunden nicht zwingend lange Produktionszeiten einplanen müssen, sondern in vielen Fällen direkt starten können.
Unser Ziel ist es, sowohl technisch als auch organisatorisch maximale Flexibilität zu bieten – vom individuell konfigurierten High-End-Wettkampfboot bis hin zum sofort einsatzbereiten Modell.
Was ist denn von Nalu Canoes und Márton Buday in naher Zukunft zu erwarten? Sind neue Boote in der Entwicklung? Und welche Wettbewerbe stehen 2026 im Terminkalender?
Die Entwicklung bei Nalu Canoes geht kontinuierlich weiter. Innovation ist für uns ein fortlaufender Prozess. Aktuell sind wir mit unserer Modellpalette sehr zufrieden, da sie ein breites Spektrum abdeckt – vom ambitionierten Einsteiger bis zum internationalen Wettkampfsportler. Natürlich arbeiten wir im Hintergrund ständig an Optimierungen, aber derzeit liegt der Fokus auf Feinschliff und Weiterentwicklung im Detail.
Da wir inzwischen weltweit vertreten sind, läuft die Rennsaison praktisch zwölf Monate im Jahr. Während in einer Region Winterpause ist, finden anderswo bereits Wettkämpfe statt. Aktuell bereiten wir uns intensiv auf die deutsche und europäische Saison 2026 vor. Besonders spannend sind Rennen an der Ostsee, verschiedene nationale Rennserien sowie Veranstaltungen in Berlin, Nordrhein-Westfalen, Frankfurt und weiteren Standorten.
Interessierte können sich über anstehende Wettkämpfe jederzeit auf unserer Website oder über unsere Social-Media-Kanäle informieren. Wir unterstützen gerne jeden, der mehr über den Sport erfahren oder selbst einmal an einem Rennen teilnehmen möchte.
Persönlich habe ich mir vorgenommen, möglichst alle deutschen Rennen zu bestreiten und zusätzlich ausgewählte Wettbewerbe in Europa sowie einzelne internationale Events zu fahren. Der sportliche Anspruch bleibt – ebenso wie die Leidenschaft für den Outrigger-Sport.
Die Boote von Nalu Canoes
Nalu Supersonic OC 1
Der Klassiker im Nalu-Portfolio. In dieses Boot sind 15 Jahre Entwicklungsarbeit eingeflossen. Guter Allrounder, aber mit langer Wasserlinie und wenig Rocker standen Tempo und Effizienz beim Design im Vordergrund. 100 Prozent Prepreg-Carbon oder Glasfaser-Carbon, Länge 6,35 Meter, Breite 0,41 m.
Nalu Shaka OC1
Allround-Modell, dass für mehr Wendigkeit, für Downwind- und Surfbedingungen optimiert wurde – also mit etwas mehr Rocker als das Supersonic, stärker in der Bootsmitte konzentriertem Volumen und kürzerem Rumpf. 100 Prozent Prepreg-Carbon oder Glasfaser-Carbon, Länge 6,20 Meter, Breite 0,41 m.
Nalu Supernova OC1
Einsitzer mit weniger Volumen, geschaffen für leichtere Paddler bis etwa 70 Kilogramm Körpergewicht, mit einem gelungenen Mix der Eigenschaften von Supersonic und Shaka. Mit 570 Zentimetern das kürzeste Nalu-Modell, ausgestattet mit einem sehr schmalen Unterwasserschiff – und somit mit relativ wenig vom Wasser benetzter Fläche, was Leichtläufigkeit und Geschwindigkeit erhöht. 100 Prozent Prepreg-Carbon oder Glasfaser-Carbon, Länge 5,70 Meter, Breite 0,41 m.
Nalu Synergy OC2
Die Entwicklung dieses Zweier-Outriggers basierte auf den Erfahrungen mit den einsitzigen Modellen. Ein »high-performance racing-canoe«, heißt es auf der Nalu-Website, und doch auch geeignet für Freizeitpaddelei. Der Ausleger verfügt über mehrere Trimming-Optionen, um die beste Abstimmung für alle Crews und Bedingungen zu finden. 100 Prozent Prepreg-Carbon oder Glasfaser-Carbon, Länge 7,50 Meter, Breite 0,43 m.
Weitere Infos: www.nalucanoes.com