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Tested on Tour

Ein echter Klassiker

Das Wilderness Systems Tsunami 14.0: ein klassisches Tourenkajak mit ausgewogenem Fahrverhalten, echten Allround-Eigenschaften und hochwertiger Ausstattung.

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Das Angebot an Tourenkajaks ist immens. Um nicht zu sagen unüberschaubar. Wer in diesem Segment das richtige Boot für sich finden will, muss sich zunächst über die geeignete Länge im Klaren werden: Will er ein Boot mit Tendenz zum Seekajak (also in Richtung auf die Fünf-Meter-Marke) oder eher eines, mit dem er später auch engere Flüsse und leichtes Wildwasser befahren kann (also eher unter vier Meter Länge)? Oder am besten die goldene Mitte dazwischen? Wenn man diese Entscheidung getroffen hat, steht man allerdings immer noch vor einer riesigen Auswahl – und nun hilft ein Blick auf Details und Ausstattung weiter.

Das Wilderness Tsunami 140 ist mit seinen 427 Zentimetern Länge ein Tourenkajak der mittleren Kategorie. Beim Blick auf die Ausstattung fallen zwei Dinge sofort ins Auge: Da sind zum einen die beiden serienmäßigen (!) Decktaschen, die direkt vor dem Cockpit angebracht werden. Die sind zwar nicht so wasserdicht wie eine Tagesluke, erlauben es dem Paddler aber, sein »Reise-Necessaire«, das er stets griffbereit haben will, geordnet und gut sichtbar vor dem Süllrand unterzubringen – so dass er jederzeit flott darauf zugreifen kann. Lästiges Kramen nach der Actioncam oder dem Müsliriegel in den unsichtbaren Tiefen der Tagesluke entfällt damit. Das Anbringen dieser Decktaschen geschieht denkbar einfach: Auf dem Oberdeck an zwei Schrauben der Decksbeleinung »anknöpfen«, seitlich neben dem Rumpf mittels Klettverschluss an der Leine befestigen – schon fertig. Ist einfach und stabil und muss zudem nicht nach jeder Tour entfernt werden. Wenn man die Taschen nicht reinigen möchte, können sie genauso gut vor Ort bleiben. Und das auch problemlos beim Transport auf dem Dachgepäckträger.

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Mehr Thron als Sitz

Das zweite auffällige Ausstattungsmerkmal ist der Sitz – eine für Wilderness-Boote typische Komfort-Variante eines Kajak-Sitzes. Das gute Stück nennt sich Phase 3 AirPro Tour und ist so einstellbar, dass es sich optimal an die Konturen des Körpers anpasst, vor allem mittels flexibler Rückenlehne, Beinerhöhung und atmungsaktivem Polster. Wer seinen Allerwertesten hier hinein sinken lässt, fühlt sich fast so gut aufgehoben wie im High-Tech-Schreibtischstuhl. Der Sitz ist so bequem, dass er dem sportlich ambitionierten Paddler etwas Selbstdisziplin abverlangt: Die Versuchung, sich nach hinten zu lehnen und nicht aufrecht sitzend aus dem Oberkörper heraus zu paddeln, ist ziemlich groß. Zudem ist der Sitz nicht unbedingt ideal für das Rollen – aber seien wir doch mal ehrlich: Im Einsatzrevier dieses waschechten Tourenkajaks dürfte die Notwendigkeit einer Kenterrolle (die darüberhinaus ein Großteil der Wanderpaddler ohnehin nicht beherrscht) eher selten ausfallen.

Decktaschen und Sitz sind aber nicht die einzigen liebevoll durchdachten Details an den Tsunami-Booten von Wilderness. Dazu kommen zwei wasserdicht abgeschottete Gepäckräume, mit runder Luke im Bug und ovaler im Heck. Genügend Platz für einen Wochenendtrip, wenn man sich etwas einschränkt auch für etwas mehr. Außerdem Handgriffe an Kordeln, mit denen man das Boot tragen kann, ohne seine Handgelenke verdrehen zu müssen, eine Gepäckspinne hinter dem Cockpit, Decks- und Sicherheitsleinen, verstellbare, gepolsterte Schenkelstützen sowie eine optionale Steueranlage. Erfreulich einfach und ruckelfrei verläuft auch das Einstellen der Fußstützen: einfach den jeweiligen Hebel um 90 Grad drehen, die Fußstütze in die gewünschte Position schieben, Hebel zurück in die Ausgangsstellung und damit arretieren, fertig.

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Unbeirrbar

Auf dem Wasser verhilft die Knickspant-Konstruktion des Unterschiffs dem Boot zu einer hohen Sekundärstabilität. In puncto Fahrverhalten überzeugt das Tsunami 140 mit flottem Tempo und fast schon »sturem« Geradeauslauf, was unter anderem auf die relativ lange Wasserlinie und den stromlinienförmig-schlanken Zuschnitt des Unterschiffs im Bugbereich zurückzuführen ist. Das Kajak liegt wie auf Schienen und verzeiht kleine Unregelmäßigkeiten beim Paddeln wie ein gutmütiges Arbeitspferd. Selbst weniger erfahrene Paddler müssen also nicht befürchten, viel Kraft und Energie in das Halten der Richtung investieren zu müssen – ungewollt nötig gewordene Bogenschläge gehören im Tsunami 140 schon bald der Vergangenheit an.

Wer aber nun meint, ein Boot unter sich zu haben, dass »nur« flott und unbeirrt geradeaus fahren kann, der irrt: Für ein Boot dieser Länge erwies sich das Tsunami bei der »Probefahrt« als erfreulich manövrierfreudig. Und: Beim Ankanten wird der gewünschte Effekt sofort spürbar – lange bevor man den gefühlten Kipppunkt erreicht. Das Revier des Tsunami 140 sind somit Seen, Küste und Flüsse, die durchaus kräftig mäandern dürfen, allerdings ohne allzu verblockt zu sein.

Übrigens: Die Tsunami-Boote von Wilderness gibt es in mehreren Größenvarianten. Eine Alternative im Tourenbereich ist das Wilderness Tsunami 145, 15 Zentimeter länger als das 140er Modell, ausgestattet mit zwölf zusätzlichen Kilogramm Zuladung und geeignet für etwas größere, schwerere Paddler.

Fazit: Das Tsunami 140 ist ein Tourenkajak von echtem Schrot und Korn. Es besticht mit durchdachter, hochwertiger Ausstattung ebenso wie mit ausgewogenem Fahrverhalten und echten Allround-Eigenschaften. Darüberhinaus ist es ein gutmütiger Gefährte für den Trip von ein paar Stunden oder von ein paar Tagen. Das heißt aber nicht, dass sich nur Einsteiger in diesem Boot wohl fühlen. Erfahrenere, sportlich ambitionierte Tourenpaddler können darin mit viel Vergnügen ordentlich Strecke machen – wenn sie nicht der Versuchung erliegen, sich in diesem verdammt bequemen Sitz zurück zu lehnen, in die Sonne zu blinzeln und einfach mal vom Gas zu gehen.

Technische Daten: Wilderness Systems Tsunami 140
Länge: 427 cm
Breite: 65 cm
Material: PE
Gewicht: 24 kg (mit Steueranlage 25 kg)
Einstiegsluke: 91 x 51 cm
Zuladung: 147 kg
Farben: mango, breeze blue, eclipse, infinite yellow, borealis green, solar
Preis: ab 1349,- Euro
Weitere Infos: www.wildernesssystems.com