Pyranha_Fusion_DuoTipps von der Expedition
Tested on Tour

Festboot für den Rucksack

Ein robustes Kajak aus PE, dessen Teile ineinander gestapelt in einen Rucksack passen – das KANU Magazin konnte das erste Exemplar des Pakayak Bluefin 14 in Europa probepaddeln.

Anzeige

Das Prinzip ist klar: Das Boot funktioniert wie diese russischen Matroschka-Püppchen. Soll heißen, kleine Teile werden in große gestapelt, so dass man ziemlich viel auf wenig Platz unterbringt. Doch während das bei den Püppchen aus Russland lediglich anmutet wie eine liebevolle Spielerei, macht es beim Pakayak Bluefin 14 durchaus Sinn. Der Clou, einfach und genial gleichzeitig: Man hat hier ein Hartschalen-Kajak vor sich, das in einen Rucksack passt. Zugegebenermaßen in einen relativ umfangreichen – das Packmaß beträgt 107x61x41 Zentimeter. Und ganz leicht ist das Paket mit etwa 28 Kilogramm auch nicht. Aber in einen Kellerverschlag oder einen durchschnittlichen Kofferraum passt es allemal, und für eine kurze Distanz vom Parkplatz zum Einstieg können einigermaßen trainierte Zeitgenossen so etwas schon mal schultern – was aber nur bei unebenen Verhältnissen nötig ist, denn der Rucksack verfügt über Rollen. Und für Leute, die mit der Bahn oder dem Flugzeug verreisen und ein Festkajak mitnehmen möchten, ist das Pakayak auch die Lösung (auch wenn man im letzteren Fall ziemlich sicher Übergepäck anmelden muss – aber das ist das Los unzähliger Outdoorsportler).

Anzeige

Mit wenigen Handgriffen aufgebaut

Doch wie funktioniert das Ganze in der Praxis? Vor der Probefahrt liegen sechs Einzelteile vor uns, kleine Spitzhütchen für Bug und Heck, zur Bootsmitte hin größer werdende Teile. Innerhalb weniger Minuten hat man die Einzelteile zusammengefügt – und zwar mittels eines innovativen Verbindungssystems, genauer gesagt einer Kombination aus Haken, Schnallen und Schnappverschlüssen, die erstaunlich wenig Kraftaufwand erfordert. Ziemlich narrensicher das Ganze, so dass es schon beim ersten Mal flott von der Hand geht. Allerdings sollte man darauf achten, dass die Verbindungsstücke sauber bleiben. Wer sein Exemplar also am Sandstrand oder am schlammigen Ufer aufbaut, der sollte etwas darunter legen.

Was nach dem Aufbau vor einem liegt, ist ein vollwertiges Fest-Tourenkajak mit allem, was dazu gehört: robuster Rumpf aus PE, abgeschottete Laderäume mit großen Gepäckluken in Bug und Heck, Gepäckspinnen vor und hinter dem Fahrer sowie einem geräumigen Cockpit. Etwas ungewohnt erscheint lediglich die Silhouette – flapsig formuliert: breite Brust, schmaler Hintern. Aber das ist zum einen dem Matroschka-Prinzip geschuldet, schließlich müssen die Teile ineinander passen. Und zum anderen haben sich die Konstrukteure vom Roten Tunfisch inspirieren lassen, und der ist einer der schnellsten Fische der Welt. Der Blick in die Fischwelt scheint hilfreich, denn mit dem Pakayak kommt man schon mit wenigen Paddelschlägen auf flotte Tourengeschwindigkeit. Der Geradeauslauf funktioniert wie auf Schienen, die Wendigkeit ist so, wie sich das für ein Boot von 4,27 Metern Länge gehört – all das prädestiniert das Pakayak für ausgiebige Touren auf Seen, an der Küste und auf Wanderflüssen, und zwar auch dann, wenn die Wasserläufe kräftig mäandern und etwas schmaler ausfallen. Einsteigerfreundlich ist das Bluefin 14 obendrein, und das gleich in doppeltem Sinne: Paddelnovizen fühlen sich in dem kippstabilen Boot schnell wohl, und auch hüftsteifen Zeitgenossen fällt der Einstieg in die große Cockpitluke (86 x 46 Zentimeter) leicht.

Anzeige

Zurück in die Tasche

Wieder an Land erfolgt die Probe aufs Exempel: Das gute Stück muss zurück in den Rucksack. Die Verschlüsse sind im Nu gelöst, das Kajak in seine Einzelteile zerlegt. Nun muss man nur noch der Gebrauchsanweisung folgen und die Teile korrekt ineinander stapeln. Das tut man am besten, indem der untere Teil schon im Rucksack steht. Danach muss man die ersten Male ein bisschen aufpassen, dass jedes Teil richtig platziert wird. Aber schon bald geht das wie im Schlaf. Nun noch die Rucksackhülle über das Ganze ziehen, und schon  schließt sich der Reißverschluss über den gestapelten Kajakteilen so mühelos und ohne Quetschen wie der Ihres Schlafsacks.

Übrigens: Bei der Entwicklung des Boots haben die Konstrukteure in den USA auch an die Umwelt gedacht. Genauer gesagt an die bedrohte Art, deren Namen das Boot trägt: den Blauflossen-Tunfisch (Thunnus thynnus), auch Roter Thun genannt. Nicht nur, dass dieser Fisch beim Bootsentwurf Inspiration war – ein Teil des Gewinns geht an eine Stiftung zu seinem Schutz. Und: Der Besitzer eines Pakayaks wird regelmäßig über Neuigkeiten bezüglich des Schutzes des Roten Thuns informiert. Bei der Produktion werden recycelte Materialien verwendet. Und man ist bestrebt, den CO2-Fußabdruck zu minimieren. 

Fazit: Das Pakayak Bluefin 14 ist eine echte Neuerung im Kajakmarkt. Wer ein Festboot möchte, aber keinen Platz hat, ein klassisches Modell zu lagern und/oder es zu transportieren, hier hat er die Lösung. Und das, ohne bei der Performance Abstriche machen zu müssen. Auf- und Abbau sind ein echtes Kinderspiel, nicht viel schwieriger als bei einer Matroschka-Puppe. Aber viel sinnvoller.

Technische Daten

Material: UV-resistentes Polyethylen 

Länge: 427 cm

Breite: 61 cm

Cockpit: 86 x 46 cm 

Gewicht: 28 kg

Max. Zuladung: 135 kg

Packmaß: 107 x 61 x 41 cm

Farben: chili/rot, surf/grün, habanero/orange, sunshine/gelb

Preis: 2795,- Euro

Infos: www.faltboot.de