Kokatat Idol

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Nortik Fold 4.2

Das Origami-Kajak made in Germany

Die japanische Kunst des Origami, die sich mit dem Falten von zum Teil hochkomplizierten dreidimensionalen Gebilden aus Papier beschäftigt, ist jahrhundertealt. In dieser Technik werden kleine Nachbildungen von Blüten, Vögeln, Schmetterlingen, Flugzeugen und Schiffen als Deko oder Spielzeug  hergestellt. Bei uns hingegen sieht man nicht mal mehr Papierflieger über die Schulhöfe trudeln. Vermutlich weil man fürs Falten derselben beide Hände bräuchte – die sich jedoch am Smartphone festklammern.

Die Idee, aus einem zusammenhängenden Stück Kunststoff-Plattenmaterial ein gebrauchstüchtiges Wasserfahrzeug zu zimmern, das man beliebig oft entfalten und wieder zuklappen kann, ist relativ neu. Erst brauchte es ein geeignetes Materia­l. Die Anzahl der Einzelteile des Nortik Fold 4.2 ist für ein zerlegbares Kajak sensationell klein: Nämlich neun! Als da wären:

  • eine konturierte und mit vorgeprägten Faltlinien versehene Kunststoffplatte
  • vier Querspanten aus Polyethylen
  • eine ausklappbare PE-Platte als doppelter Boden im Sitzbereich
  • ein Polstersitz
  • zwei Kederschienen zum Verschließen des Vor- und Achterdecks

 Der Süllrand ist längsgeteilt, beide Hälften sind mit der Rumpfplatte wasserdicht verklebt. Es gibt keinerlei lose Verbindungselemente wie Schrauben, Riemen oder Splinte, die man verlieren könnte. Entsprechend schnell geht der »Aufbau« über die Bühne: Platte ausklappen, vier Spanten in Position bringen, Cockpitplatte einsetzen, Hülle oben zuklappen, Kederschienen aufschieben, Sitz eingurten – fertig! Beim Schließen der Bootshülle werden die Innereien des Bootes (Spanten, Cockpitplatte) automatisch arretiert. Nur ein »Wurfboot« (nach dem Vorbild der Wurfzelte), das man einfach in die Luft schmeißen könnte und das als fertiges Kajak wieder herabfiele, wäre noch simpler aufzubauen!

Steckbrief

Norbert Erdmann
KANU-Autor

Norbert Erdmann paddelt alles, was kein Leck hat. Als KANU-Cheftester ist er Experte für Technik-Fragen und kennt sich auf dem Kanumarkt aus, wie kein Zweiter. 

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Gewiss, ein Aufblas-Kajak ist auch einfach startklar zu machen, aber nicht unbedingt in kürzerer Zeit. Außerdem muss man als Luftboot-Pilot mit vergleichsweise bescheidenen Fahreigenschaften vorliebnehmen. Nicht so der Besitzer eines Fold 4.2! Dank der Steifigkeit und der spitz zulaufenden Ende­n der Bootshülle fühlt sich das Fold auf dem Wasse­r wie ein Festboot an. Der scharfe Bugsteven schneidet besser durchs Wasser als die stumpfe Nas­e eines Schlauchkajaks, der Hecksteven sorgt für gute Führung und einen tadellosen Geradeauslauf. Selbst bei stärkerem Seitenwind aus wechselnder Richtung blieb das Fold von allein kursstabil, was durchaus keine Selbstverständlichkeit ist: Manche ausgewachsenen Seekajaks tun das nicht und könnten sich von diesem perfekt getrimmten »Freizeit­kajak« etwas abgucken!

Das Fold besitzt weder Skeg noch Steuer, kommt aber gut ohne zurecht. Nach einer ausgiebigen Rundfahrt auf dem windigen Walchensee bei ordentlic­h Wellengang stellten wir fest, dass der ­Innenraum staubtrocken blieb, obwohl des Öfteren eine Welle übers Vorschiff schwappte. Vor allem zieht der Rumpf selbst kein Wasser, weil es sich um ein Vollmaterial handelt. Zum Vergleich: Beim »Oru-Kayak«, einem weiteren Origami-Kajak aus den USA, läuft nach und nach etwas Wasser über die offenen Schnittkanten in die Kapillaren des verwendete­n Hohlkammer-Materials hinein, aber von selbst nicht wieder heraus.

Gegenüber konventionellen Faltbooten, die aus einem komplexen Innengerüst und einer darübergezogenen Haut bestehen, ist das Fold wesentlich schneller aufgebaut und auch leichter, denn seine klappbare Hülle ist Gerüst und Haut zugleich. Die Steifigkeit des Rumpfes kommt bereits durch die in Längsrichtung verlaufenden Knicklinien zustande, die wie Profile wirken und quasi die Funktion eines Innengerüsts übernehmen. Lediglich vier Spanten sind nötig, um den Bootskörper auch in Querrichtung zu versteifen. Darüber hinaus ist das Packmaß eines zerlegten Fold 4.2 deutlich kleiner als das eines traditionellen Faltboots.

Gegenüber einem vergleichbar langen Schlauchkajak bietet das Fold ein um Klassen besseres Fahrverhalten und einen freien Innenraum, der nicht von Luftkammern verengt wird. Nicht zuletzt ist das Fold 4.2 auch ein echter Hingucker: Die milchig-weiß­e Hülle und die klaren Linien verleihen dem Boot einen sehr ästhetischen Anblick.

Über eines sollte man sich aber im Klaren sein: Es handelt sich hier nicht um ein Wildwasserboot, mit dem man hemmungslos über Kiesbänke oder gar Felsen heizen kann, sondern um ein Kajak zum Spazierenfahren auf Seen, an geschützten Küsten und auf tiefen Flüssen. Nicht der technische Schwierigkeitsgrad ist der limitierende Faktor (es darf gern Wind und Wellen haben), sondern schlicht und einfach die Wassertiefe. Das Fold 4.2 ist keine Mimose, aber harte Stein- und Grundberührungen sollte man trotzdem vermeiden. Was für Carbonboote, Schlauchboote und normale Faltboote gilt, ist auch beim Fold angesagt: Zum Auf- und Abbauen ist die weiche Wiese einem Schotterweg vorzuziehen, das Ein- und Aussteigen erfolgt am besten im seichten Wasser. Die Devise lautet: »Immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel!«

Fazit: Das Nortik Fold 4.2 ist das High-End-Klappkajak mit einer rekordverdächtig kurzen Aufbauzeit und einem absolut anfängerfreundlichen Fahrverhalten. Sofern man ihm keine anderslautenden Befehle erteilt (etwa in Form eines einseitigen Paddelschlags), bleibt das Fold auf Kurs, auch bei stärkerem Seitenwind. Ein Freizeitboot der Luxusklasse mit maximale­m Mobilitätsfaktor und einer sehr technischen, fotogenen Optik.

Technische Daten // Nortik Fold 4.2

Länge/Breite: 425 x 65 cm

Gewicht: 15,3 kg

Zuladung: max. 130 kg

Sitzluke: 82 x 53 cm außen, 76 x 46 cm innen

Innenhöhe im Kniebereich: 29 cm

Packmaß: 92 x 39 x 74 cm

Preis: ab 1190 €

Info: Out-Trade GmbH, www.faltboot.de

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