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Tested on Tour

Der »Racecreeker«

Lettmann aktuelles Wildwasserkajak hat eine lange Testphase hinter sich. Herausgekommen ist ein schneller und gleichzeitig stabiler »Racecreeker« – ein Testbericht nach einer Saison im Manta.

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Nach dem Erfolgsmodell Granate hat sich die Firma Lettmann aus Moers mehr Entwicklungszeit gelassen als viele Mitbewerber, um eine neues Wildwasserkajak auf den Markt zu bringen. Dies ist für das Familienunternehmen aus dem Ruhrgebiet jedoch üblich. Wie schon bei der Granate gab es beim Manta unzählige Prototypen, die getestet und mehrfach verbessert wurden. Und erst wenn Cheftester Jochen Lettmann zufrieden ist, wird das Boot freigegeben. Dabei ist der Hersteller dem aktuellen Trend gefolgt und hat nun mit dem Manta auch ein neun Fuss/272 Zentimeter-Kajak im Sortiment.

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Bei der ersten Betrachtung sieht man Altbewährtes und viel Neues. Geblieben sind die zugegebenermaßen spartanische, aber solide und funktionale Innenausstattung mit der verstellbaren 3D-Prallplatte, den variablen Schenkelstützen (wahlweise für dünne oder kräftige Oberschenkel) und den Ratschen an den Seiten des Cockpits zum Einstellen des Rückengurts. Die Sitzanlage ist bewusst leicht und funktional gehalten, bietet aber ohne eigenes Fitting weniger Komfort als bei manch anderem Hersteller. Dafür gehört der Manta zu den leichteren Booten in seiner Größe auf dem Markt. Und: Den Sitz gibt es in zwei verschiedenen Größen. Vor allem der vorgeformte »Rodeo-Sitz« mit 36 Zentimeter Breite passt wie angegossen. 

Auffallend und neu sind der hochgezogene Rocker (Kielsprung) am Bug und die markante Heckpartie. Auf dem Oberschiff hat der Manta drei »Heckspoiler«, die angeblich für Vortrieb beim Auftauchen sorgen sollen. Am Unterschiff bilden sich im letzten Viertel des Kajaks aus dem Rundboden zwei Kanten heraus. Diese geben dem Kajak, laut Lettmann, deutlich mehr Spurtreue. Aber ist dem auch so?

Schnell und stabil

Der Beschreibung nach soll der Manta den Spagat schaffen, gleichzeitig ein gutmütiges Wildwasserboot, aber auch ein wettbewerbsfähiges Kajak für Extremrennen zu sein.

Bei den ersten Paddelschlägen im Flachwasser fällt auf: Der Manta ist für seine Länge und sein Volumen verhältnismäßig schmal. Logisch – er soll ja auch schnell sein. Und das ist er! Was aber erstaunlicherweise nicht zu Lasten der Kippstabilität geht. Er liegt ruhig und satt im Wasser. Aufgrund des runden Unterschiffs lässt sich der Manta leicht rollen, und es gibt keine Kante über die man stolpert. Der Manta hält gut die Spur. Sobald man in die ersten Wellen und Walzen paddelt, merkt man den ausgeprägten Bugrocker. Es ist super easy, mit dem Manta auf Weißwasser zu paddeln, ohne von jeder Welle gestoppt zu werden. Ein entscheidender Faktor, wenn es darum geht, im Wildwasser stets die Kontrolle über seine Linie zu haben und damit schnell zu sein.

Und auch die Heckpartie leistet gute Dienste. Bei normaler Sitzhaltung bietet das Heck genügend Kielsprung, um den Manta zu boofen. Gerät man in Presswasser, erfährt man den Sinn der Kanten am Heck. Mit etwas Rücklage greifen diese, und man paddelt mit dem Manta schnurgerade durch Verwirbelungen und Querströmungen. Von den Heckspoilern auf dem Oberschiff sollte man allerdings keine Wunder erwarten. Der Manta taucht kontrolliert und sauber auf, aber einen Turbo erfährt man durch die Schrägrippen nicht. Dafür sehen sie zusammen mit dem Mantalogo gut aus. Immerhin.

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Aktiv fahren!

Wer von einem klassischen Creeker mit etwa 2,50 Meter Länge in den Manta steigt, wird eventuell nicht sofort die Vorzüge erkennen. Das Kajak ist aufgrund der Länge nicht so drehfreudig wie ein kürzeres Creekboot oder ein Riverrunner. Außerdem erfordert das Design einen aktiven Fahrstil, bei dem nicht nur der Kanteneinsatz gefragt ist, sondern vor allem auch die Körperhaltung eine große Rolle spielt. Generell will das Boot mit Vorlage gepaddelt werden. Bequeme Kanuten mit Vorliebe zum Rückengurt werden sich umstellen müssen. Denn wie schon beschrieben, kann man durch gezielte Vor- und Rücklage das Boot bei Kehrwasser, Ein- und Ausfahrten oder in Presswasser hervorragend aussteuern. 

Hervorzuheben ist die Möglichkeit, den Manta auch als Raceversion zu bestellen. Diese Option ist nicht nur für die ambitionierten Rennfahrer interessant. Durch etwas weniger Plastik in der Bootshülle und kleinere Veränderungen schafft es Lettmann, ein Wildwasserkajak mit unter 20 Kilogramm Gewicht zu produzieren (genauer gesagt: 19 Kilogramm). Durch die dünnere Plastikschale verliert das Kajak insgesamt etwas an Steifigkeit (was beim Paddeln jedoch kaum auffällt). Aber bei jeder Portage dankt der Rücken einem die Entscheidung für die leichtere Variante. Und zum Thema Haltbarkeit: Für den Test nutzten wir eine Raceversion. Nach einer Saison und etwa 65 Paddeltagen sind keine nennenswerten Makel aufgetreten. 


Fazit: Der Manta ist ein ausgewogenes, schnelles Wildwasserkajak ohne große Schwächen für Paddler, die im Optimalfall zwischen 70 und 95 Kilogramm wiegen (eine Version für Leichtgewichte ist in Planung). Dynamische und/oder leistungsorientierte Paddler werden in dem Kajak richtig Spaß haben. Sowohl in der Geradeausfahrt als auch auf der Kante in Kehrwässern läuft der Manta schnell und zielgenau. Das Boot rollt sicher von Kante zu Kante und bietet die nötige Stabilität im schweren Wildwasser, so dass man stets Vollgas geben kann – egal, ob im Rennen oder auf der Feierabendrunde. 

Technische Daten:

Länge: 272 cm

Breite: 65 cm

Volumen: 320 Liter

Lukengröße: 93 x 50 cm (innen 86 cm)

Gewicht: 21,5 kg / 19 kg (Race-Version)

Empfohlenes Paddlergewicht: 60-100 kg

Preis: 1149,- Euro

Info: www.lettmann.de