Anmeldestart für das PappbootrennenFür eine frei fließende Salzach
Szene

Wo ist Freya Hoffmeister?

Am 25.3.17 ist Freya Hoffmeister in Seattle (USA) zu ihrer Nordamerikaumrundung aufgebrochen. In 44 Paddeltagen hat sie inzwischen 1654 Kilometer zurück gelegt.

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Die ersten 1.000 Kilometer hat sie in über 50 Tagen hinter sich gebracht. Derzeit ist Freya seit 60 Tagen unterwegs und hat dabei in 44 Paddeltagen 1.654 Kilometer zurückgelegt.

Im Durchschnitt ist sie 8:12 Stnden pro Tag gepaddelt, hat dabei 38 Kilometer pro Tag zurückgelegt und zwar mit durchschnittlich 4,6 Kilometern pro Stunde unterwegs.

Wie muss man sich das vorstellen? Meist geht Freya Hoffmeister früh morgens schon vor 7 Uhr »zur Arbeit«, sprich: aufs Wasser, und paddelt je nach Wetterlage um die acht Stunden. In der Regel schafft sie täglich an die 35 Kilometer, ab und an überschreitet sie aber auch die 50-Kilometer-Tagesmarke – wofür sie dann jedoch etwas länger braucht, nämlich an die 11 Stunden; denn bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von knapp 5 Kilometern pro Stunde dauert halt alles etwas länger. In Anbetracht dessen, dass Freya inklusive Verpflegung und Trinkwasser rund 75 Kilogramm Gepäck mit sich führt und dass bei der Berechnung ihrer Durchschnittsgeschwindigkeit auch die täglichen Pausenzeiten mit einbezogen werden, ist das gar nicht so langsam, wie manch stromabwärts paddelnder Rallye-Fahrer denken mag.

Steckbrief

Justine Curgenven
Filmerin

Die Britin Justine Curgenven, die Freya Hoffmeister auf einem Teil ihrer Tour begleitet, ist professionelle Fotografin und Kamerafrau. Ihre Filme laufen unter anderem auf National Geographic Channel, Channel 4, Channel 5 and the BBC. Justine produzierte viele preisgekrönte Seekajak-Filme, unter anderem »Kayaking the Aleutians«, der mit neun Preisen ausgezeichnet wurde, unter anderem dem Großen Preis des Graz Film Festivals und den Preis des Deutschen kajak Film Festivals. Viele ihrer Beiträge sind auf ihrer Website www.cackletv.com erhältlich. 

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Völkerverständingung

Dieses Mal steht bei Freyas Umrundung – ganz im Gegensatz zur ihrer Australienrundtour – nicht im Vordergrund, möglichst schnell einen Kontinent »abzuhaken«! Vielmehr will sie sich dieses Mal etwas Zeit nehmen. Diese Kontinentaltour soll nämlich auch der » ölkerverständigung« dienen. Und so hat Freya, die vom DKV für ihre Leistungen zur »Botschafterin des Kanusports« ernannt wurde, auf ihrer Homepage www.freyahoffmeister.com seetüchtige Kanutinnen und Kanuten dazu aufgerufen, sie auf einer oder mehreren Etappen zu begleiten.

Die bekannte britische Seakayakerin Justine Curgenven, die zur Zeit auf Vancouver Island lebt, hatte dieses Angebot auch schon angenommen und Freya zehn Tage entlang der Pazifikküste von Vancouver Island Gesellschaft geleistet. Und der Amerikaner Mike Dziobak (61) reiste per Auto vier Tage lang aus Michigan (USA) an, um Freya auf der »Inside Passage« von Alaska zu begleiten, und zwar von Prince Rupert bis nach Sitka.

Ein Experiment, welches nicht frei von Risiken ist. Dennoch, die Tage mit Justine waren ein voller Erfolg und die mit Mike scheinen auch nahezu reibungslos zu vergehen. Freya packt wohl vor dem Start etwas schneller, dafür ist Mike mit seinem US-amerikanischen QCC-KAYAK »Q700X« (549x53 cm) unterwegs kaum zu bremsen. Freya verfügt bei der Querung von Brecherzonen über mehr Erfahrung und Mike folgt ihr dann, wenn es kritisch wird, nahezu »blind«. Freya liebt den Kontakt zum nahen Wasser und zeltet möglichst dicht hinterem Spülsaum und Mike, nun, der verzieht sich lieber ins bewaldeten Hinterland, weil das mehr Schutz vor Wind und fliegender Gischt bietet. Dafür – und damit sind wir wieder beim ersten Punkt  braucht er etwas länger, um am nächsten Morgen sein ganzes »Gerödel« wieder zurück zum Seekajak zu bringen. Nur eines muss Mike noch begreifen: bei einer Annäherung aus dem Hinterland Freya rechtzeitig zuzurufen: »Hey Freya, I am not a bear!«

UND WIE KOMMT FREYA VORAN?

Natürlich, Wind und Welle, richtiger: starker bis stürmischer Wind und von der einlaufenden Dünung erzeugte Grundsee bereiten ihr immer wieder Probleme. Soll sie auf- oder ablandig entlang der vor ihr liegenden Inseln paddeln, wo gibt es »brandungsfreie« Anlandemöglichkeiten? Die Routenplanung wird wesentlich davon bestimmt, Grundseen möglichst zu umfahren oder ganz zu meiden.

Grundsee zu umfahren ist übrigens gar nicht so schwer, wenn beim Paddeln stets vor einem der Horizont nach »Brechern« Ausschau gehalten wird. Tauchen dort vor einem immer größer werdende Wogen auf, die aufsteilen und schließlich brechen, muss man sich diese Stellen merken und möglichst seeseitig umfahren. Je erfahrener man ist, desto aufmerksamer ist man und desto erfolgreicher gelingt es einem, diesen meterhohen Grundseen auszuweichen.

Wenn man jedoch wie Freya tagelang, wochenlang, monatelang unterwegs ist, kann man nicht stets auf das Glück setzen, solche »White Spots« immer umfahren zu können. Irgendwann hat man dann auch mal Pech. So auch Freya und ihre Mitpaddlerin Justine. Freya wurde von solch einem plötzlich vor ihr aus dem Nichts aufbauenden Brecher gestreift. Eine Kenterung konnte sie durch eine kräftige hohe Stütze gerade noch so verhindern. Justine dagegen wurde von dem Brecher voll erwischt, kenterte … und rollte wieder hoch. Zum Glück wurde sie von dem Brecher nicht mit in die Brandungszone transportiert, sodass sie die Chance nutzen konnte, möglichst schnell aus dem kritischen Bereich wieder heraus Richtung Seeseite zu paddeln.

 

 

Materialermüdung

Ihr schwedischen Long-Distance-Kayak-Modell von POINT 65°N vom Typ »Freya« (560x58 cm, ca. 400 Liter Volumen) hatte Freya bei ihrer Umrundung von Südamerika gute Dienste geleistet. Obwohl die Gewässerbedingungen sehr ähnlich sind, beide Male trifft sie auf  brandungsumtoste Felsküste, hat sie jetzt mit ihrem extra verstärkten Modell gleich von Anfang an Probleme. Mal leckte es hier, mal dort, schließlich überall.

Nachdem sie erst einen Monat unterwegs war, fand sie schließlich einen hilfsbereiten Bewohner von Vancouver Island, der sich bereit erklärte, über das Unterschiff eine neue Mattenschicht zu laminieren. Glück gehabt, wie damals als sie vor der brasilianischen Küste beim Surf über ein Riff ihr Seekajak schrottete, und zwar quasi vor der Haustür eines GFK-Bootsbauers! Leider steht nach 50 Tagen in Prince Rupert erneut ein Generalüberholung des »Unterbodenschutzes« an und wieder fand sie vor Ort jemand, der sich bereit erklärt hat, das für sie zu übernehmen. Ja, sind die Leute an der Nord-Pazifikküste alle so hilfesbereit … zu jedermann oder nur zu »jederfrau«!?

 

Weiter geht's!

Nach diesem erneuten  Boxenstopp auf Prince Rupert geht es am  Fahrtentag #53 weiter. Zuvor wird noch der neue Mitpaddler auf seine »Expeditionstüchtigkeit« gecheckt und per Google Earth der vor ihr liegende Küstenabschnitt bis Sitka (Alaska) nach Biwakmöglichkeiten abgesucht. Bislang verfügte sie über eine Liste von Anlandeplätzenvon kanadischen Küstenkanuwanderern. Nun muss sie wieder selber suchen. Ganz so viele Strandplätze stehen ihr auf dieser Zwischenetappe nicht zur Verfügung, dafür aber mehrere kleinere, abgelegene Siedlungen!

 

Fahrtentag #62: Hochwasserprobleme

Lang verläuft alles reibungslos … fast. Am 62. Fahrtentag verschätzen sie sich jedoch an der Ostseite von Dall Island damit, wie hoch in der Nacht die Tide auflaufen wird. 90 Zentimeter mehr Tide führen dazu, dass Freya & Mike eine unruhige Nacht erleben. Kurz nach Mitternacht plätschert das Wasser immer lauter und als Ergebnis hebt Freya eine knappe Stunde  ihren Zeltboden an, damit er nur unter- und nicht überspült wird.

 

Fahrtentag #63: Stromkabbelung

Ja, wer sich nach Alaska begibt, der kann immer was erleben. Am nächsten Fahrtentag, dem Tag #63, müssen nördlich von Dall Island die Tlevak Narrows, eine Meeresenge, gequert werden, in der während der Hochphase der Tide sich eine Gezeitenströmungsschnelle (Tidal Race) ausbildet, die bis zu 15 Stundekilometer, bei Springtide sogar noch stärker strömen kann. Diese Stromkabbelung gilt es möglichst in der Niedrigwasserphase zu meistern, was jedoch voraussetzt, dass schon kurz nach 5 Uhr früh am Morgen gestartet und folglich schon um kurz vor 4 Uhr aufgestanden und gepackt werden muss (Sonnenaufgang ca. 4.30 Uhr). Da Freyas Begleiter, Mike, zu langsam packt, paddelt sie schon mal voraus, wohl wissend, dass er sie noch vor der Enge einholen würde. Um es vorweg zu nehmen, noch während der Stauwasserphase konnten beide diese Enge durchfahren.

Fahrtentag #64: Gruppenzusammenhalt?

Rächt es sich nun, dass Freya am Tag zuvor frühmorgens schon lospaddelte, bevor ihr Begleiter startbereit war? Jedenfalls dieses Mal hat Mike sein Seekajak nicht nur schneller gepackt, sondern unterwegs spurtet er plötzlich los und lässt Freya außer Rufweite zurück. »Dumm gepaddelt!« Dann macht er – aus »erzieherischen« Gründen??? – einen kleinen Abstecher und geht an Land, so dass Freya wieder umkehren muss, wenn sie nicht solo weiter paddeln will!

Mehr: freyahoffmeister.com/posts/