MITGAS Schüler-Rafting 2017XXL Paddel Festival im Kanupark
Szene

Weiter geht's: Auf den Flüssen Europas

An der Soča wird gleichzeitig gegen die Verbauung des Flusses gekämpft

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Round Two

Angekommen in Livorno und gut warm gepaddelt von Korsika, sind wir höchst motiviert die besten Klassiker im Tessin und Piemont anzugreifen. Der Grund für unsere spontane Entscheidung die Zelte auf Korsika abzubrechen, sind die sehr vielversprechenden Wetterberichte in der wunderschönen Gegend rund um den Lago Maggiore. Diese Vorhersagen sind nicht unbedingt jene, die sich für einen Familienausflug eignen, sondern eher eine Garantie für ein nasses und vor allem kaltes Vergnügen.

So fahren wir mehr oder weniger die Nacht durch und kommen um 4 Uhr morgens am Einstieg der unteren Verzasca an. Wie erwartet ist der Pegel dieser Perle sehr hoch, was unsere Herzen ebenfalls höher hüpfen lässt. Die River-App zeigt einen Wasserstand von 60 m³/s an. Schnell machen wir unseren VW Passat schlafbereit und schlüpfen in den warmen Schlafsack. Doch nur vier Stunden später sind wir nach einem kleinen Frühstück bereits am Einstieg des mittleren Abschnittes der Verzasca. Mittlerweile ist der Pegel ein wenig gesunken und zeigt 55 m³/s an.

Auf den kommenden rund zehn Kilometern erwarten uns reichlich Stellen die – einfach gesagt – ein Traum eines jeden Wildwasserpaddlers sind. Starke Stromschnellen, kombiniert mit reichlich Gefälle, dazu perfekte „Boofs“, Doppelstufen, lange Katarakte und obendrein noch klares Wasser. Besser geht es nicht! Das Ende der mittleren Verzasca ist eine bekannte Stelle namens „Luzifers Rutsche“: Eine Kombination aus einer Eingangsrutsche und einer circa ein Meter hohen Endstufe.

Anschließend folgt das grande Finale auf dem unteren Abschnitt. Der untere Abschnitt der Verzasca zählt zu einem der größten Klassiker im ganzen Revier rund um den Lago Maggiore, wenn nicht sogar europaweit. Abhängig von dem Wasserstand variiert auch der Schwierigkeitsgrad dieses Abschnittes. Bei unserer Befahrung waren ohne Zweifel all unsere Wildwasserkenntnisse und Techniken gefragt um diesen Teil erfolgreich befahren zu können. Daniel und meine Wenigkeit sind seit mehreren Jahren gemeinsam auf vielen Bächen unterwegs und auch an diesem Tag können wir die ganze Befahrung, ausgenommen von zwei Stellen, der Verzasca sehr gut meistern.

Gastfreundschaft an der Mellezza

Bedingt durch den starken Regen sind glücklicherweise alle Bäche im Tessin nahezu randvoll. So auch die Schlucht auf der unteren Mellezza: Ein Klassiker höchsten Grades. Steiles Gefälle, lange Katarakte, tiefe Schlucht und eine Länge von zwölf Kilometern machen die Mellezza zu einem einzigartigen Erlebnis.

Doch zuerst machen wir uns auf die Suche nach einem geeigneten Schlafplatz. Das Ganze stellt sich in dem kleinen Mellezzatal als nicht allzu einfach heraus. Schlussendlich entscheiden wir uns bei einem Haus direkt neben der Kirche zu klingeln und fragen, ob man sich denn in der Scheune neben dem Haus unterstellen dürfe..? Ein Mann öffnet uns die Tür und kommt sofort mit offenen Armen auf uns zu und bietet uns nach fünf Minuten einen Kaffee an. Das ganze wird dann expandiert und wir befinden uns schlussendlich in seinem Haus bei einem zehn Jahre alten Rotwein und einem absoluten Festmahl.

Am nächsten Morgen bekommen wir frischen Kaffee und ab geht es auf die Mellezza. Wie man im Bootfahrerjargon zu sagen pflegt: „Stoke is high as fuck“ – es ist ein absoluter Traumbach. Erschöpft und zugleich mehr als glücklich machen wir uns mal wieder auf den Weg zurück zu unserem Auto. Per Anhalter, versteht sich. Dies funktioniert hier in der Schweiz und Italien übrigens sehr gut.

Wasserfälle unserer Heimat

Am nächsten Morgen treffen wir uns mit guten Freunden wieder am Einstieg der Verzasca. Mit von der Partie sind Viktor Klaus, Michael Motz, Pia Haberer und Jessica Droujko. Auf dem Programm stehen Runden auf der Verzasca drehen und einfach nur die Seele baumeln lassen.

Nachdem uns auch diese Gruppe nach dem Wochenende verlässt, machen wir uns auf den Weg zum obersten Cannobino. Dank der Beschreibung von Olaf Obsommer können wir den Ein- und Ausstieg sehr schnell finden. Eingebootet in Finero, ein kleines Bergdorf, erreichen wir recht schnell den ersten Wasserfall. Wie in Olafs Beschreibung, ist dieser etwa acht bis 10 Meter hoch und fällt in eine Niederklamm. Dies ist zugleich der Auftakt der interessanten Stellen.

Direkt im Anschluss folgen viele Stufen und Grundgesteinsrutschen. Da wir beide den Bach nicht kennen, gehen wir sehr konzentriert an das Ganze heran. Schlussendlich erreicht man einen perfekten fünf Meter hohen Wasserfall der zugleich den Ausstieg ankündigt. Wieder einmal sind wir einen neuen und wunderschönen Bach in unserer „Heimat“ gepaddelt.

Balkan Rivers Tour

Übrigens: Schon mal von der Balkan-Rivers-Tour gehört? Wir sind auf dieses Event in Korsika aufmerksam gemacht worden. Der Organisator Rok Rozmann arbeitet mit Leib und Seele an diesem Projekt. Diese Veranstaltung dreht sich rund um den Schutz vor Verbauungen der Wildflüsse in der Balkangegend. So leitet Rok zusammen mit seinem Team eine Tour beginnend an der Soča bis nach Montenegro an den Morača Fluss. Das gemeinsame Ziel ist der Erhalt dieser wundervollen Flüsse und deren unberührter Natur. Bis jetzt konnte Rok Rozmann neun von insgesamt 2800 betroffenen Flüssen vor einer Verbauung schützen. Dies scheint zunächst nicht allzu viel zu sein, dennoch ist es ein großer Schritt in eine sehr gute Richtung.

Auch wir möchten nicht untätig zusehen, wie unser Lebenselixier langsam aber sicher sprichwörtlich den Bach herunter geht. So steht für uns fest, dass wir uns schleunigst auf den Weg machen und gegen die Verbauung der Soča protestieren. Angekommen in Bovec, treffen wir sehr viele gleichgesinnte Paddler und gemeinsam paddeln wir die Soča vom Ursprung, weit oben im Tal, bis zur Mündung im Meer. Sieben Tage an der Soča und wir sind wieder einmal vollgepackt mit extrem schönen Erinnerungen und einem breiten Grinsen auf dem Gesicht!

Anschließend geht unsere Reise weiter in die Nordalpen. Dort soll es genügend regnen, um die Bäche auf einen guten Pegel zu bringen. Wir sind gespannt was uns alles noch erwartet...

Text: Pirmin Dlugosch