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Szene

Über die Ziellinie

Nach drei Wochen Abwechslung auf dem Fluss kommen die Elbefahrer glücklich in der Hansestadt an

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Ich bin schon wieder zuhause und habe die Wellen der Elbe und den weiten Himmel der niederdeutschen Landschaft gegen festen Boden und Betondecke eingetauscht.

Draußen vor dem Fenster rauscht statt des Laubes an den Bäumen der Verkehr. Noch fällt es leicht, sich an die Abenteuer der 23. Internationalen Elbefahrt zurück zu erinnern. Der Alltag hat mich noch nicht fest in seinem Griff, aber die Arbeit lauert und statt der grünen, bewaldeten Hügel am Ufer liegen Berge an Papierstapeln auf dem Schreibtisch...

Tangermünde verlassen wir nach einem erholsamen Ruhetag, allerdings weint der Himmel Tränen. Am Ende dieser Etappe durch das flache Land der Mittelelbe wartet die erste Schleuse der Tour. Allerdings liegt sie nicht an der Elbe, sondern am Havel-Elbe-Verbindungskanal, in den wir bei Kilometer 422,9 einbiegen und der uns zum Etappenort Havelberg führt. Die Schleuse teilen wir uns mit dem Präsident aus Tangermünde.

Auch die nächsten Etappenorte Wittenberge und Dömitz liegen nicht direkt an der Elbe. In Wittenberge ist der Wassersportverein am Ende des langen Hafenbeckens zu finden. An den Verladerampen ist allerdings nichts los, beim Rundgang durch das recht nette Städtchen fallen einem auch gleich die vielen leerstehenden Häuser auf.

In Dömitz müssen wir ein Stück in die Müritz-Elde-Wasserstraße einbiegen, um den Wasserwanderrastplatz des Ortes zu erreichen. Leider ist das Wetter immer noch trüb und regnerisch, die Etappe relativ lang, sodass zu wenig Zeit für einen Besuch der interessanten Festungsanlage bleibt und man lieber trocken und gemütlich im Hotelrestaurant des Dömitzer Hafens sitzt, das aufwändig in ein altes Speichergebäude integriert wurde.

Fast 40 Stunden Dauerregen bringen die Elbefahrer an den Rand des Erträglichen. Manch einer hat Hochwasser im Zelt und nasse Sachen, andere verändern lieber die Etappenorte und suchen sich ein Hotel für die Nacht. Für die geschichtsträchtige Landschaft der ehemaligen innerdeutschen Grenze hat man wenig Blicke übrig, wenn man mit dem Kinn auf der Brust versucht, die recht langen Etappen einigermaßen motiviert hinter sich zu bringen.

Aber in Geesthacht beim Kanu-Club, kurz vor der großen (und einzigen) Elbschleuse, kommt wieder die Sonne raus. Überall hängen Sachen zum Trocknen, die Mitglieder des Kanu-Clubs bieten eine hervorragende Bewirtung und schnell sind die trüben und feuchten Stunden auf dem Wasser vergessen. Die Stimmung ist gut und alle freuen sich auf die Ankunft in Hamburg.

Wie vorhergesehen öffnen sich die unteren Schleusentore von Geesthacht genau zum Zeitpunkt des Tidenwechsels. Die Elbe fängt wieder zu fließen an und wir reiten auf dem Ebbstrom mit. Hamburg ist erreicht, die Internationale Elbefahrt ist nach über 660 Paddelkilometern am Ziel angekommen.

Am Folgetag gibt es mehrere Optionen, Hamburg zu Fuß oder mit dem Kanu zu entdecken. Ich entscheide mich für die „Hafen- und Stadtrundfahrt“, die von HH-Allermöhe zunächst durch Hafen und Speicherstadt führt. Dann paddeln wir die Alster hinauf und enden am Goldbekkanal beim Bootshaus des VfL 93. Ein herrlicher Abschluss dieses Abenteuers quer durch Deutschland.

Die Internationale Elbefahrt entstand nach der Wiedervereinigung aus mehreren Teilfahrten auf beiden Seiten der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze. Nach einer fünfjährigen Pause ab 2008 wurde sie 2014 mit der 20. Ausgabe wiederbelebt und lockt seither jedes Jahr bis zu 100 Teilnehmer auf den weitgehend naturbelassenen Strom quer durch Deutschland. Hauptaugenmerk ist nicht nur das Paddeln, sondern auch die Kultur und das Leben am Fluss. Die meisten Etappenorte bieten dazu ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm.

Alle Infos: www.internationale-elbefahrt.de