Paddeln Pur

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TID 2016

Die 61. TID hat die Drei-Flüsse-Stadt Passau erreicht und damit die deutsche Etappe erfolgreich beendet. Jetzt geht es weiter nach Österreich. Die ablaufende Hochwasserwelle und das stabile Hochdruckwetter sorgten bislang für eine angenehme Fahrt der über 100 Teilnehmer aus elf Nationen.

Update 6. Juli: Nach ziemlich genau zwei Wochen Fahrt hat die 61. TID inzwischen Österreich von West (Inzell) nach Ost (Hainburg) durchmessen. Österreich begrüßte die Donaupaddler zunächst mit einem heftigen Donnerwetter, hielt dann aber mit der Schlögener Schlinge, mit dem Mühlviertel, dem Struden- und dem Nibelungengau eine schöne und abwechslungsreiche Donaustrecke parat. Herzstück dieses Abschnittes sind aber die zwei herrlichen Tage durch die Wachau. Danach genossen die Donauten einen Ruhetag in der Landeshauptstadt Wien, bevor es zum Abschlussabend nach Hainburg ging. Von dort erreicht man in einer kurzen Etappe die Hauptstadt des nächsten TID-Landes: Bratislava in der Slowakei. 

Update 10. Juli: Die Slowakei hat nur ein kleines Stückchen Donauufer: von der Marchmündung bis kurz vor das Donauknie sind es gut 170 Kilometer. Allerdings liegt die Hauptstadt Bratislava direkt am Fluss, nach Wien in Österreich die zweite Hauptstadt, die die TID-Paddler auf der Fahrt zum Schwarzen Meer durchpaddeln. Nach Bratislava versperren die letzten beiden Stauwehre vor dem Eisernen Tor in Serbien (diese allerdings erst in über 900 Kilometern Entfernung) die freie Donaufahrt: die Schleusen Cunovo und Dunakiliti sind aber in Betrieb und erlaubern eine umtragefreie Überwindung. Die beiden anderen Stationen in der Slowakei sind Gabcikovo und Komarno – jetzt haben die TID-Paddler die Slowakei schon wieder verlassen und sind bei Esztergom nach Ungarn eingereist.

Update: 19. Juli (Ungarn)
Puszta und Paprika, Gulasch und Gewitterstürme – letzteres gehört allerdings nicht zu den Spezialitäten Ungarns. Dennoch mussten die TID-Paddler einiges an schlechtem Wetter und an kühlen Temperaturen auf der ungarischen Etappe aushalten. Zum Glück waren die schwersten Stürme an den jeweiligen Camps nur vorbeigeschrammt. Jetzt zeugen die hochwasserführende Donau, unter Wasser stehende Auwälder, viele umgestürzte Bäume und einige Gebäudeschäden vom ungewohnten Ausmaß der unsommerlichen Großwetterlage in Zentraleuropa.

Zum Höhepunkt der ungarischen Etappe gehört sicherlich die Stadtdurchfahrt durch Budapest, die für einige Wasserwanderer mit Polizeibootbegleitung und megaphonverstärkten Anfeuerungsrufen nicht zum ungetrübten Genuss wurde: just an jenem Tag fanden Probeflüge des Red Bull Air Race statt und die Donau war ab 10 Uhr für jeglichen Schiffsverkehr gesperrt.

Schlussendlich erreichten aber alle Teilnehmer bei herrlichem Wetter den letzten Etappenort Mohacs, kurz vorher konnten die ersten 1.000 Donaukilometer gefeiert werden. Die TID fährt nun nach einem Ruhetag weiter nach Serbien und Kroatien.

Update: 28. Juli (Kroatien)
Den kürzesten Anteil an der TID-Strecke hat Kroatien: nur alle zwei Jahre, so auch heuer, werden zwei Stationen angefahren (in ungeraden Jahren davon nur Vukovar). Station eins ist Aljmas. Dort wurde von der Dorfbevölkerung und dem erst kürzlich gegründeten Kajak Kanu Klub alles aufgefahren, was das TID-Herz so begehrt: schattige Sitzplätze, kühle Getränke, leckeren Kaffee und Kuchen, billige Produkte aus Gemüsebeet und Obstplantage, Fischsuppe und gebratene Fische in bester Qualität. Darüber hinaus gab es noch Live-Musik bis lange in die Nacht. Nur die Moskitos, die sich nach den warmen Hochwassern nun extrem vermehren, hätte man weglassen können.

Zweite Station ist Vukovar, wo die lange sichtbaren Kriegsschäden aus den neunziger Jahren langsam durch aufwändige Neubauten ersetzt werden. Nur der zerschossene Wasserturm soll als Mahnmal unrepariert stehen bleiben. Dafür ist ein modernes Einkaufszentrum gleich neben dem Platz entstanden: kurze Wege für die TID-Paddler.

Update: 4. August (Serbien)
Ein einzelnes Bild von den vielen Highlights der Donaustrecke durch Serbien herauszusuchen, grenzt an ein Ding der Unmöglichkeit. Viele Kilometer artenreicher Auwald, versteckte (und manchmal zugewachsene) Seitenarme, Festungen, Burgen und nette Gasthäuser am Ufer, die Stöckelschuhparade auf der Skadarska in der Hauptstadt Belgrad und nicht zuletzt die abwechslungsreiche und an Höhepunkten überfrachtete Fahrt durch das Eiserne Tor, dem letzten Donaudurchbruch. Serbien gehört zu den schönsten und erlebnisreichsten Abschnitten der TID, von der Gastfreundschaft ganz zu schweigen.

Serbien endet mit den beiden Stauwerken Djerdap I und II, den letzten Hindernissen der Strecke. Die restlichen 900 Kilometer fließt die Donau frei dem Schwarzen Meer entgegen. Deshalb auch ein Bild von der TID in der Schleuse Djerdap I, kurz vor Kladovo. Vorher musste wegen widriger Winde kurzfristig die Schleusenseite gewechselt werden, was leider auch zu drei Kenterungen im aufgewühlten Wasser vor dem Kraftwerk führte. Allen Bademeistern wurde aber schnell wieder in die Boote geholfen und als es dann in der Doppelschleuse 34 Meter abwärts ging, beruhigten sich die Wellen und die Nerven. Auf nach Bulgarien!

Update: 22. August (Bulgarien)
Der längste TID-Abschnitt mit über 500 km führt durch das goldene Bulgarien. Vor allem bei Sonnenaufgang oder -untergang taucht das Licht alles in einen gelb-orangenen Glanz. Dieses Jahr gibt es außerdem wechselhaftes Wetter, schöne Strände, traditionelle Tänze, warmes Duschwasser an allen Camps und auch die Gastfreundschaft ist balkantypisch offen und herzlich.

Auch wenn die deutsche Gruppe seit Kladovo, Serbien, deutlich geschrumpft ist (drei kommen mit dem TID-Shuttlebus aus Deutschland an, sieben mal so viele fahren zurück nach Hause), machen die Bulgaren das wieder wett, indem sie mit allerlei schwimmendem Gefährt dazustoßen: Faltboote in allen Stadien der Reparaturbedürftigkeit, ein alter Trabbi, der mit Schwimmponton, Außenborder und Piratenflagge gepimpt wurde oder die große gelbe „Galeere“, deren „Rudersklaven“ aus mehr oder weniger sehbehinderten Menschen bestehen. Diese werden von ein paar hilfsbereiten und aufmerksamen Betreuern umsorgt und ihre Einschränkung machen sie mit guter Laune und einer großen Portion Abenteuersinn wieder wett.

Nach Silistra bei Donau-Kilometer 375 wechselt die TID nun nach Rumänien und es sind nur noch neun Paddeltage bis zum Schwarzen Meer.

Update: 31. August (Rumänien)
Rumänien ist noch mal eine Spur wilder, einfacher, spannender. Die Camps liegen oft fernab der Zivilisation, sanitäre Anlagen sind Mangelware. Dennoch bringen die Einheimischen alles an Lebensnotwendigem heran: mit Pferdekarren, in Tankwagen, durch Stromgeneratoren. Feuerstellen werden errichtet, die großen Kochkessel sind voll mit Fisch- oder Bohnensuppe. Für den Extrahunger gibt es oft noch eine Kleinigkeit vom Grill. Alles kann mit mehr oder weniger gekühlten Getränken herunter gespült werden. Manchmal kann man seine Vorräte an einem kleinen Verkaufsstand auffüllen.

Rumänien ist auch wilder und herausfordernder, was das Wetter und die Tagesetappen angeht. Bei strammen 3 oder 4 Windstärken Gegenwind mit hohen Wellen bis zu 50 Kilometer Strecke zu bewältigen, bringt manchen Teilnehmer an den Rand seines Könnens. Aber genau dafür hat man ja die vorhergehenden 2.000 Kilometer als Trainingsstrecke.

Aber Rumänien bedankt sich für den Besuch mit abwechslungsreicher Landschaft, einer reichhaltigen Tierwelt, einfachen und lebensfrohen Menschen, die bereitwillig alles teilen, was sie haben. Man muss sich nur darauf einlassen, viel Geduld mitbringen und genießen.

Höhepunkte sind die Ankunft in Tulcea und das rauschende ROWMANIA-Festival am dortigen Ruhetag. Ein Wochenende mit Sportevents (Canadierrennen, Triathlon), einem bunten Markt der Möglichkeiten und guter Live-Musik bis spät in die Nacht. Die Tour International Danubien ist ein wichtiger Teil dieser Veranstaltung, dessen Schirmherr und Initiator der rumänische Paddelheld Ivan Patzaikin (mehrfacher Olympiasieger im Kanusport) ist.

Update: 6. September: Schlussakkord am Schwarzen Meer
Am 31. August erreichte die TID das Schwarze Meer. 75 Tage waren seit der Eröffnung in Ingolstadt vergangen, davon wurde an 62 Tagen gepaddelt. über 2.500 Kilometer wurden auf der Donau und ihren Seitenarmen zurückgelegt. Die kürzeste Etappe lag mit 16 Kilometern zwischen Hainburg und Bratislava; die Längste mit 66 Kilometern zwischen Baykal und Belene in Bulgarien. Im Schnitt waren es 41 Kilometer pro Tag (Ruhetage nicht eingerechnet).

19 Deutsche, 4 Österreicher, 2 Rumänen und 1 Schweizer haben dieses Jahr die Gesamtstrecke zurückgelegt – über 120 Paddler im Alter von 20 bis 85 Jahren waren streckenweise zusammen unterwegs (aus allen acht TID-Ländern, aus den Niederlanden und aus Australien). Die Gesamtzahl aller Kanuten, die an der 61. TID teilgenommen haben, entzieht sich meiner Kenntnis. Ebenso die Liter getrunkenen Bieres, die Kilogramm Fisch- oder Fleischeinlage in den Kochkesseln oder die Anzahl der entstandenen Blasen und Schwielen an den Händen.

Mein persönliches Fazit: gerne wieder TID, allerdings wohl (vorerst?) nicht mehr die Gesamtstrecke. Aber eine erneute Teilnahme ist in den nächsten Jahren ja auch etappenweise möglich: die Biergärten Bayerns, die Weinberge der österreichischen Wachau, die slowakische Hauptstadt Bratislava, Puszta und Paprika Ungarns, das „kleine“ Donauland Kroatien, das Eiserne Tor Serbiens, das goldene Bulgarien und die Wildheit Rumäniens lassen sich auch mit zwei oder drei Wochen Sommerurlaub entdecken.

Anmeldestart für die 62. Tour International Danubien 2017 ist der 31. Dezember. Alle Infos zur TID auch beim 46. TID-Freundschaftstreffen vom 13. bis 16. Oktober in Leipzig: http://www.tour-international-danubien.org/treffen.php

Die TID (Tour International Danubien) ist die weltweit größte Kanuwanderfahrt und führt jedes Jahr die Donau hinab vom bayrischen Ingolstadt bis ins rumänische Sfantu Gheorghe am Schwarzen Meer. Wer die Gesamtstrecke von 2.500 Kilometern unter den Kiel nimmt, ist elf Wochen unterwegs. Organisiert wird die Tour von acht der zehn Donauanrainerstaaten, Teilnehmer kommen aus der ganzen Welt. Alle Informationen auf www.tour-international-danubien.org.

KANU-Autor

Steckbrief
Falk Bruder

Schon seit 20 Jahren ist Falk Bruder (48) der KANU-Stechpaddel-Beauftragte. Egal ob TID, Internationale Elbefahrt oder Wildnistour in Alaska – Falk ist stets kniend und mit dem Stechpaddel unterwegs.