HeimatflimmernNeuland im Norden
Touring

Durch's wilde Elsass

Das Paradies für Paddler findet man manchmal da, wo man es garnicht vermutet. Das große Elsässer Ried bietet gleich mehrere kleine Flüsschen, die den Duft der Freiheit verströmen. Und Straßburg? Auch wild, auf eine andere Art.

 

 

Anzeige

Das Elsass (französisch Alsace) ist eine Landschaft und ehemalige Region im Osten Frankreichs und erstreckt über eine Fläche von 190 auf 50 Kilometer. Es gehört zur Region »Grand Est« mit Straßburg als Hauptstadt. Das Elsass grenzt an Deutschland und an die Schweiz. Im Osten wird das Elsass durch den Rhein begrenzt, im Westen auf weiten Strecken durch den Hauptkamm der Vogesen. Im Norden markieren Bienwald und Pfälzerwald wichtige Grenzgegenden, im Süden der Nordrand des Jura. Der überwiegende Teil wird von der Elsässischen Ebene (Plaine d’Alsace) eingenommen und von der Ill durchflossen.

Ill: Colmar/Sélestat (Schlettstadt) 25 Kilometer lang.
Sehr ruhiger Fluss. Wir empfehlen den Einstieg beim Club cano-kayak von Colmar. Die ersten zehn Kilometer sind nicht so sehenswert, interessanter wird es ab „Maison Rouge“. Die letzen 15 Kilometer durchqueren eine hübsche wilde Teilstrecke: Das Naturreservat von Illwald. Ausstieg in Sélestat beim Centre Sportiv Intercommunal. 


Ill: Sélestat/Huttenheim (le Bornen) 25 Kilometer ruhiger Flusslauf.
Ohne Zweifel die schönste Teilstrecke der Ill. Von Anfang an keine Gelegenheit missen, den Hauptlauf zu verlassen, vor allem, um den Illwald zu erkunden, der eine Anzahl sehr urwüchsiger Verzweigungen bietet, vor allem die Blind. Weiters gibt’s, schöne abwechslungsreiche Landschaften, Ebenen und Wälder. Kurz nach Ehnwihr, auf der Höhe eines großen Strandufers, mündet ein kleiner Flusslauf in den Wald: der Bornen. Ein kleines, wildes Juwel, sehr seicht, das sich ruhig schlängelt. Wunderbares Abenteuerambiente, vor allem wegen der herabhängenden Zweige. Nach einigen Kilometern durch den Wald stößt man auf einen Staudamm. Dieser kann umtragen werden, aber lieber den Flussarm nehmen, der nach links abzweigt: Die Schwartzlach, die zum Dorf Ebermünster führt, mit dem sehenswerten Barocken Kloster. Dann stößt man wieder auf den Bornen, der kurz darauf in die Ill einmündet. Hübsche Durchquerung des Dorfs Kogenheim auf dem rechten Flussarm (sehr eng). Stopp in Sermersheim, Brücke am rechten Ufer, oder im darauf folgenden Dorf Huttenheim.

Der Brunnwasser
Zweifellos der schönste Süsswasserfluss des Elsass. Großer Klassiker, unbedingt befahren. Start der Strecke in Rhinau. Zehn Kilometer ruhige Fahrt durch große Wildnis mit wechselnden Stimmungen. Enges Flussbett, mit Zweigen verhangen, Schilf, größere Sumpflandschaften, Waldflüsschen. Empfindliches Naturreservat: unbedingt die Regeln befolgen. Viele Vögel und Bisamratten, die wenig Scheu zeigen. Klares, durchscheinendes Gewässer, wegen der Grundwasserzuströme. Ende der Reise, wenn der Fluss den D20 trifft, nahe des Rheins (Paddelverbot!)

Der Rhin Tortu
Auch „Krimmeri“ genannt, ist der Rhin Tortu eine hübsche Spazierfahrt, rund zwölf Kilometer lang. Hier wechseln sich Waldlandschaften, Dörfer und Ebenen ab, die Fahrt endet in Straßburg (+ 7 Kilometer). Einstieg hinter dem Festsaal von Plobsheim oder wenn möglich schon vorher, um die Natur vor dem Dorf zu genießen, das prächtige und auch moderne Bauten aufweist. Nach dem Stück, an dem man an der etwas lauten Autobahn vorbeikommt, mündet man in den Neuhofer Wald, im Süden von Straßburg. Sehr wildes Flussbett, augenscheinlich höher gelegen als die umliegenden Wälder und Sümpfe, schöne Aussichtsstrecke. An der Beckermühle kann man wieder an Land gehen (rechtes Ufer, Straße nach Ganzau) oder auf dem linken Ufer weitertragen, um mit den 7 Kilometer Straßburg Innenstadt fortzufahren. (z. B. Kayak Club ASCPA) Diese letzte Stadt-Sektion weist wohlhabende Stadtteile und weniger ansehnliche Strecken auf, der Empfang ist unterschiedlich freundlich.

Die Zembs
Eindeutig der kleinste der befahrbaren Elsässer Flüsse. Nur in kleinen Gruppen befahren. Start nähe Kogenheim. Ein einfaches Flüsschen mitten in den Maisfeldern. Dann taucht die Zembs rasch in die Wälder ein. Niedrige Böschungen, Algen, Wasserlinsen. Auch hier, sehr wildes Ambiente, hübsche Wasserspiegelungen in den Tunneln aus Geäst. Durchquert einige Dörfer (Rossfeld, Herbsheim), wo man keiner Menschenseele begegnet, nur ein paar Schwanenfamilien. Ausstieg empfohlen in Herbsheim oder bei einer der Brücken vor Gerstheim.

Weitere befahrbare Flüsse: Moder, Blauwasser, Bruche, Schiffwasser, Bennwasser, Grienwasser

Straßburg
Das Navigieren in Straßburg ist für Kanufahrer nicht einfach. Bitte also erst Informationen und Genehmigungen bei den lokalen verantwortlichen Stellen einholen. Kanus und Kayaks sind keine Seltenheit auf den zahlreichen Kanälen, aber die Ausflugsboote haben Vorrang und die Schleusenwärter sind zu Paddlern nicht immer freundlich. Einige Kanäle sind für Kayaks und Kanus verboten. Trotz der Widrigkeiten ist es die Mühen wert!

Ausgangspunkt: Club de Strassburg Eaux Vives (Wildwasser), Nordstadt. Vom Club aus kann man die Ill hinauf bis zum barrage à aiguilles (Aal-Staudamm) gelangen (Boot tragen). Hier kann man die eindrucksvollen Gebäude des Europäischen Parlaments und des Europäischen Rats bewundern. Zwei Möglichkeiten, um zum Stadtzentrum zu gelangen: die Ill flussaufwärts in südlicher Richtung (Bürgerliche Häuser und sehenswerte moderne Architektur, u.a, der Sitz von der Fernsehanstalt ARTE) oder das europäische Parlament nördlich umschiffen und den Fluss Aar erreichen, der eine wildere Kulisse im Herzen der Stadt bietet. Diese beiden Seitenarme stoßen bei der Kirche St. Paul wieder zusammen (nicht zu verwechseln mit der Kathedrale von Straßburg – diese hat nur einen Turm). Von da aus fährt man die Ill langsam in Richtung „petite France“ (kleines Frankreich) hinauf, es gibt keine andere Möglichkeit als umzudrehen und zum Startpunkt zurück zu kehren. Tatsächlich kann man die Schleusen für Kanus nur in absteigender Richtung befahren. 
Oder Startpunkt beim Club ASCPA, im Südwesten der Stadt gelegen, unweit des Staudammes Vauban. Bei dessen Überquerung findet man die fünf Kanäle der »petite France«, die alle außer dem zweiten in linker Richtung für Kanus verboten sind. 
Für eine Gesamttour durch Straßburg ist es ratsam beim Club ASCPA zu beginnen und die Tour bei Straßburg Eaux Vives zu beenden. ASCPA 03 88 39 68 24.

Eine ausführliche Reportage zum Elsass finden Sie in Ausgabe 02/2017 des Kanu Magazin. 

Anzeige

Anzeige

Anzeige