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Strecken-Aus droht

Abpaddeln auf der Saalach?

Offen und freundlich fließt die Saalach zwischen Unken und Schneizlreuth. Noch, denn ein privates Kraftwerksprojekt könnte hier in Zukunft einen Großteil des Wassers ableiten. Auf dem Spiel stehen sieben Kilometer natürlicher Flusslauf, der besonders Familien, Einsteigern und Genusspaddlern eine einfache, aber lohnende Wildwasserstrecke bietet.

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Die ersten zwei Kilometer der Etappe Unken bis Fronau/Unterjettenberg haben wir heute zeitlich bedingt abgeschnitten, auch wenn dort etwa 500 Meter nach dem Einsetzen das Möschel-Kriterium als »Kernstelle« der unteren Saalach gilt. Etwas oberhalb von unserem Einstieg an der Köstler-Brücke, zwischen dem Nordportal des Achberg-Tunnels und dem sogenannten »Eder Strand« bei Flusskilometer 33,8, soll künftig ein Schlauchwehr der Saalach das Wasser abdrehen. Deshalb sind wir heute hier und deshalb warten drei aufgeweckte Nachwuchspaddler mit mir auf die Rückkehr unserer Shuttle-Fahrer. Der Papa macht derweil vom Ufer aus die ersten Bilder. Darum geht es nämlich: Die untere Saalach aus ihrem Dornröschenschlaf vor die Kamera zu holen. 

Während ich mich über den strahlend milden Herbsttag freue, haben die Kids keine Zeit die Landschaft zu genießen. Sie konzentrieren sich aufs Detail bzw. eine kleine Welle ein Stück oberhalb des Strandes. Surf is up! Zielstrebig rasen die Kinder flussauf durchs Kehrwasser. 

Schnell wird klar: Mit Anfängern bin ich heute nicht unterwegs, und nach einer Weile meldet sich die Sorge, ob den schwer motivierten Jungs auf den folgenden acht Kilometern WW I bis II womöglich langweilig werden könnte? 

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Surfwellen für kleine Paddler

Der Rest unserer Truppe rutscht vom Eder Strand ins Wasser. Im Sommer ist die große Sandbank eine beliebte Naturbadestelle. Auch wir müssen hier pausieren, wenn wir mit unserer dreijährigen Tochter im Schlauchkanadier unterwegs sind. Heute blieb sie erkältungsbedingt zu Hause. Insgeheim bin ich froh, denn so komme ich nach langer Zeit endlich mal wieder im Kajak in den Genuss der Etappe. 

Los geht’s! Unser Fotograf platziert sich auf der Brücke. Ihr zu Füßen liegt der letzte offizielle Ausstiegspunkt im Salzburger Saalachtal. Nur ein paar Meter flussab markiert der einmündende Steinbach die Staatsgrenze zu Deutschland. Ab hier verläuft die Saalach über die nächsten drei Kilometer zwischen den Staaten. Deutschland links, Österreich rechts. Historisch bedingt wohl auch einer der Gründe, warum gerade die untere Saalach bisher nur wenig touristisch gefördert oder beworben wurde. Aktuell laufen Bemühungen, die Ausstiege in Bayern ins touristische Gesamtkonzept für den Kanusport im Salzburger Saalachtal aufzunehmen. 

Nach der Brücke zieht die Saalach nach links über einen Schwall. Je nach Wasserstand bieten ein paar mehr oder weniger große Wellen Spannung, auch wenn die mittige Linie keine Überraschungen bereit hält. Mit knapp 24 Kubik sorgt die Saalach heute für eine sportliche Optik und dicke Backen beim Paddelnachwuchs. Dieser legt auch die Spur vor. Wir Erwachsenen halten uns heute dezent im Hintergrund. 

Im Anschluss wird es ruhiger – zumindest für die Großen. Die Kids finden trotzdem jede Menge Gelegenheiten zum Spielen. Die kleinen Surfwellen bieten für ultraleichte Minipaddler einfach die besseren Bedingungen. Immer wieder finden sich Felsen und Blöcke für den ein oder anderen Rocksplat. Hatte ich tatsächlich gedacht, den Jungs könnte langweilig werden?

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Naturslalom aus Felsen

Eine Gerade im seichten Kiesbett gilt speziell bei niedrigen Wasserständen als kurze Durststrecke. Die Einmündung des Aschauer Baches hier ist im Sommer ein idealer, schattiger Pausenplatz. Mitte Oktober ist es uns allerdings schon etwas zu schattig. Ohnehin drängt die Zeit, schließlich wollen wir den landschaftlich schönsten Teil der Strecke in Schneizlreuth noch bei Sonnenschein erwischen. 

Mit einem kleinen Schwall nimmt die Saalach wieder Fahrt auf. Mittlerweile hat der Jüngste das Zepter des Vorfahrers fest in der Hand und legt die Linie vor. Die nachfolgende Schwallstrecke kommt dabei wie gerufen. Im Bereich Schneizlreuth verläuft die Saalach noch natürlich in ihrem Bachbett. Große Felsen mit alten, überhängenden Buchen sorgen für ursprüngliche Kehrwasser. Eine Kulisse, vor der man häufig auch die Mutterkuhherde des Gasthaus Schneizlreuth trifft. Oft sieht man hier badende Kühe und Kälber – zum Anlanden ist in diesem Fall das gegenüberliegende Ufer besser geeignet.

Heute hat die Herde keine Lust aufs Wasser und genießt lieber die Herbstsonne auf der angrenzenden Wiese. Überhaupt hat sich der Herbst in den vergangenen Nächten ordentlich ins Zeug gelegt und das Ufer in kräftige Farben getaucht. Satt gelb leuchten die Buchen, klar und blau strahlt die Saalach im warmen Nachmittagslicht. 

Ein leicht verblockter Schwall entpuppt sich als gelungene Spielwiese für die Kids. Mehrere Felsen formen einen kurzen Natur-slalom, der nun ausgiebig zum gekonnten Kehrwasserfahren genutzt wird. Auch die kleine Surfwelle am Ende scheint wie gemacht für kurze Kinderboote.

Ursprünglicher, 
unverbauter Gebirgsfluss

Mittlerweile ist die Nachmittagssonne hinter den Bäumen verschwunden, der Oktober zeigt bissig seine Zähne. Nach der Eisenbrücke in Schneizlreuth weitet sich das Flussbett, Kiesbänke spalten die Saalach, und teilweise bleibt bei diesem Wasserstand lediglich eine schmale Fahrrinne. Der ursprüngliche Charakter des unverbauten Gebirgsflusses fasziniert auch hier, denn derart ausgespülte Kehrwasser und Buchten sind selten. Darüber thront eindrucksvoll der massive Kalkstock der Reiteralpe. Erst hier, sieben Kilometer nach unserem Start, würde nach dem Kraftwerksbau das ausgeleitete Wasser rückgeführt.

Ein weiteres Mal teilt sich die Saalach und bietet beste Bedingungen für ein Familien-Duell! Die Kids nehmen umgehend Fahrt auf – und entscheiden sich für den linken Flussarm. Mist! Als Streckenkenner wissen wir uns auf verlorenem Posten, denn die Saalach läuft rechts in eine wahrlich ausgeprägte Kehrwasser-Bucht. Trotzdem geben wir unser bestes – aber nur, um unsere fünf Herausforderer elegant und locker vorbeiziehen zu sehen. Die Pizza geht also auf Kosten der Gastgeber. 

Die historische Betonbrücke in Fronau kündigt den nahen Ausstieg an, der unter der Radwegbrücke am linken Ufer recht rustikal einen Abhang hinauf führt. Was als gemeinsames Fazit bleibt ist, dass auch dieser Abschnitt der Saalach ein großer Verlust wäre. Als Einsteiger- und Genießerstrecke, zum Familienpaddeln und als natürlicher Flusslauf, eingebettet zwischen die Berge des Salzburger Saalachtales und der Biosphärenregion Berchtesgadener Land.

Kraftwerkspläne an der Saalach

Von St. Martin bei Lofer bis zur Staustufe Kiebling bei Bad Reichenhall fließt die Saalach über gut 27 Kilometer  natürlich bis sehr naturnah in ihrem Bachbett. Der WWF stuft diesen Abschnitt aufgrund des ökologischen Zustandes als »sehr hoch schutzwürdig« ein. Bereits Ende der 1960er-Jahre verhinderte eine Bürgerinitiative einen massiven Wasserkraft-Ausbau im Saalachtal. Nur deshalb zieht hier heute überhaupt jemand am Paddel. 

Uns Paddlern bietet das Saalachtal eine Spielwiese von mild bis wild und das ganze Jahr über brauchbare Pegelstände. Die beschriebene Strecke reiht sich am unteren Ende der Schwierigkeitsskala an die beliebten Saalach-Etappen zwischen Unken, Lofer und St. Martin. 

Das Kraftwerksprojekt in Unken und Schneizlreuth wurde Mitte November 2018 in Deutschland und Österreich offiziell eingereicht. Vor Ort kämpft die grenzüberschreitende Bürgerinitiative »Wasser ist Leben – Rettet die Saalach« Hand in Hand mit der Saalach Allianz für die Freiheit der Saalach. Unterstützt werden die Initiativen vom Bund Naturschutz Bayern und Naturschutzbund Österreich, Vertretern der Fischerei, dem Tourismusverband Salzburger Saalachtal, Rafting-Anbietern, Privatvermietern, Hoteliers,  Gastronomen und den örtlichen Paddlern.

Auch andere Paddelstrecken sind derzeit wegen Kraftwerksplänen und/oder drohender Befahrungsverbote in der Diskussion: zum Balkan siehe KANU 6/2018, zur Isar siehe KANU 1/2019, zur Murg siehe KANU 2/2019 (erscheint am 12. April).

Reiseinfo Saalach

Unken bis Fronau, zehn Kilometer WW I-II: freundliche Übungsstrecke mit großen Kehrwassern und kleinen Herausforderungen im offenen, überschaubaren Bachbett. Ideale Einsteiger-Ergänzung zu den bekannten Saalach-Strecken. 

Beste Zeit: Frühjahr bis Herbst. 

Einstieg: am Festplatz in Unken (Ausstieg Etappe Au bis Unken). Alternativ an der Köstler-Brücke, etwa drei Kilometer flussab. Zufahrt hinter BP-Tankstelle an der Staatsgrenze. Parkplatz am rechten Ufer. 

Ausstieg: unter der Fahrradbrücke Fronau. Parken rechts am Ortsbeginn an der Zufahrtsstraße.

Pegel: lohnend ab etwa 20 Kubik am Pegel Unterjettenberg/Saalach unter 
www.hnd.bayern.de. 

Region: Das Salzburger Saalachtal bietet Wildwasser aller Schwierigkeitsgrade und das ganze Jahr über brauchbare Wasserstände. Aushängeschild ist die Standardstrecke Au bis Unken (fünf Kilometer WW II (III)). Die Teufelsschlucht (drei Kilometer WW IV-V (V+)) lockt zahlreiche Profis ins Tal. 

Essen & Trinken

In Schneizlreuth: Gasthaus Schneizlreuth/Postwirt: uriges Traditions-Gasthaus mit Biergarten und original bayerischem Flair. Regionale Zutaten und Fleisch aus eigener Haltung, Jagd und Metzgerei. Freitag, Samstag, Sonntag und an Feiertagen durchgehend geöffnet. Tel.: +49 (0)8651 4165, www.gasthaus-schneizlreuth.de

Haiderhof: traumhaft (ab)gelegener Brotzeitgarten etwas oberhalb der Mündung des Aschauer Bachs. Zufahrt über die eiserne Saalachbrücke in Schneizlreuth. Ab der Abzweigung von der B21 etwa drei Kilometer flussauf am rechten Ufer. Geöffnet 1. Mai bis 30. September. Tel.: +49 (0)8651 767570, www.haiderhof.net

In Unken: Wirtshaus & Pizzeria Dorfcafé: Unkens beste Pizza (und mehr) und ein großer Spielplatz im Gastgarten – ideal für Familien! Küche von 11.30 bis 14 Uhr und 17 bis 20 Uhr, Samstags bis 21. Uhr. Montag Ruhetag. Pizza auch zum Mitnehmen. Tel.: +43 (0)6589 7156, www.dorfcafe-unken.at

Landhotel Schütterbad: nur 300 Meter vom Einstieg am Alten Sportplatz in Unken. Gemütliche Terrasse, abwechslungsreiche Küche sowie herrliche hausgemachte Kuchen und Strudel. Juniorchef Chris zieht selbst gerne am Paddel. Tel.: +43 (0)6589 4296, www.schuetterbad.at

Übernachten & Camping

Camping Steinpass: idealer Standort in Unken für die unteren Saalach-Strecken, etwa 150 Meter vom Fluss mit eigener Aus-/Einstiegsstelle am beschriebenen Abschnitt. Naturstellplatz mit freier Platzwahl. Saison: 1. Juni bis 15. September, bei guter Witterung auch früher. Tel.: +43 (0)664 442 8269, www.camping-steinpass-unken.at

Camping Grubhof: Komfort-Camping in St. Martin/Lofer. Naturstellplätze auf der Saalachwiese, großer Gruppenraum und Neopren-Trockner, außerdem Almhütten. Saison: Ende April bis Allerheiligen. Tel.: +43 (0)6588 82370, www.grubhof.com

Privatzimmer und Ferienwohnungen: Unken bietet österreichweit das niedrigste Preisniveau bei Privatvermietern. Zimmer und Ferienwohnungen zum Teil in direkter Flussnähe. Besonders paddlerfreundliche Betriebe werden ab Frühjahr 2019 speziell ausgewiesen. Übersicht unter www.unken.co.

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