Best of AustriaMit Bike und Boot durch die Alpen

Anzeige

Die Criviscia – ein Ersatz für den Rizzanese?

Im Frühjahr 2015 machte eine Gruppe junger Paddler um Niels Jung Korsika unsicher. Eines der Highlights war die vermutliche Erstbefahrung der oberen Criviscia.

Eine Erstbefahrung auf Korsika?! Ja, trotz unzähliger Flussführer, Internetbeschreibungen und Videoguides soll es das noch geben. Vielleicht war die einstündige Trageaktion bisher der Grund für die »Jungfräulichkeit« der Criviscia beziehungsweise des obersten Rizzanese.

Seit die Standardstrecke des Rizzanese in einem Stausee versenkt worden ist, sparen sich viele Korsika-Paddler den Weg in den Südwesten der Insel – nur der Codi allein lohne sich nicht, so die Meinung vieler. Doch erstens ist schon das ein Irrglaube – der Codi ist bei einem guten Pegel immer eine Reise wert – und zweitens gibt es jetzt noch einen Grund mehr, den Revier-Radius zu erweitern:

Anzeige

Anzeige

Wenn man von Zonza aus auf der D420 Richtung Codi fährt, überquert man eine Brücke oberhalb derer die Criviscia aus einer typisch korsischen Steilklamm hevorkommt. Nach langem Suchen in den klassischen Flussguides mussten wir eine dicke Staubschicht von der  Josef-Haas-Bibel klopfen, um Rat zu finden, aber selbst das brachte uns nur bedingt weiter. Haas beschreibt nämlich lediglich den Abschnitt ab der Brücke, daher galt unser Interesse zu 100 Prozent dem bisher unbekannten Oberlauf.

Also wieder rein ins Auto und entlang der D520 nach einem geeigneten Einstieg Ausschau gehalten. Doch schon in der Ortschaft Nocce die Ernüchterung: Hier endet die Straße und jeder, der sein Auto liebt, hält hier definitiv auch an. Nach zwei Stunden Wandern und näherem Kennenlernen der korsischen Macchia wurde uns klar, warum »Crocs« nicht unbedingt als Marktführer in Sachen Wanderschuhe gelten. Dafür konnten wir uns aber ein Bild vom Terrain machen und beschlossen, einzubooten. Uns lockte der besondere Reiz einer möglichen Erstbefahrung!

Am Bach angekommen, war es schon 14:00 Uhr – auf keinen Fall sollten wir jetzt noch weiter rumtrödeln. Die ersten 500 Meter waren schnell geschafft und bargen keine großen Schwierigkeiten. Doch nach einer Linkskurve nahm dass Gefälle zu und wir besichtigten den ersten langen Katarakt, welcher am Ende in eine Grundgesteinsrutsche mit erheblichen Rücklauf überging. Nach einigem Hin und Her wurde die Stelle mit der Ausrede des Zeitdrucks schnell umhoben.

Doch schon bei der nächsten Stelle bot sich die Gelegenheit zur Revanche: Ein traumhafter Fünf-Meter-Wasserfall mit einer Schrägwalze in der Anfahrt. Nach durchweg gelungenen Befahrungen ging es mit höchst motivierten Paddlern weiter durch verblockte Katarakte und Grundgesteinspassagen. Der nächste Höhepunkt ließ nicht lange auf sich warten und kündigte sich schon durch einen Freudenschrei von Erik an, der ihn als erstes besichtigte. Der Grund für seinen Gefühlsausbruch präsentierte sich in Form einer großen Rutsche, die in einer Vier-Meter-Stufe endete.

Spätestens hier waren die Schmerzen in den Schultern vom Bootetragen vergessen und vollkommen in Adrenalin umgewandelt. Ohne Unterbrechung ging es weiter mit wunderschönen Slides, die sich mit einfachereren verblockten Passagen abwechselten. Immer wieder  tauchten herausragende Stellen vor unseren Augen auf, die den anfänglichen Gewaltmarsch mehr als nur ausglichen. Jedoch rückte proportional zum puren Genuss auf dem Bach auch der Zeiger auf der Uhr voran und wir waren froh, als wir die Klamm vor der Ausstiegsbrücke erblickten. Die finale Rutsche war der perfekte Abschluss für einen unvergesslichen Paddeltag.

Korsika Criviscia min 3.54 – min. 4.57

Info

Criviscia – korsische Paddelperle

Einstieg: Von der D420 auf die  D520 einbiegen und bis Nocce fahren. Von dort aus die Boote über den Wanderweg bis zur nächsten Brücke tragen (ca. 1,5 Stunden).

Ausstieg: An der Straßenbrücke der D420

Schwierigkeit: 5 km WW IV–V

Charakter: typisch korsischer Bach, der  vor allem durch herausragende Grundgesteinskombinationen, die immer wieder von verblockten einfacheren Abschnitten unterbrochen sind, gekennnzeichnet ist.

Wasserstand: Wenn die Rutsche in der Klamm gut fahrbar ist, sollte der ganze Abschnitt gut fahrbar sein (ca. 4 Kubik). Der Codi sollte einen guten/hohen Wasserstand haben.

Anzeige