BodenseeDonautour
Mecklenburg-Vorpommern

Rund um Rügen

Einmal um Deutschlands größte Insel herum paddeln, vorbei an Klippen, urigen Orten und malerischen Stränden – Robert Ringel hat sich diesen Traum erfüllt.

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Deutschlands größte Insel vom Seekajak aus zu erleben, davon träumte ich seit vielen Jahren. Wenn ich im Sommerurlaub an der Ostsee war, habe ich immer wieder nach Möglichkeiten Ausschau gehalten, ein Seekajak zu mieten und loszupaddeln. Leider bot sich diese Chance nie. Vor drei Jahren konnte ich in der Inselwelt vor Dubrovnik im warmen Wasser der Adria meine erste mehrtägige Bootstour unternehmen, und seitdem ließ es mich nicht mehr los: das Seekajakfieber. Also habe ich angefangen mich vorzubereiten. Zunächst habe ich nach Kursanbietern geschaut, die das kleine 1x1 vermitteln: Paddeltechnik, Sicherheitstraining, Kartenlesen und Wetterkunde. An der Nord- und Ostseeküste gibt es verschiedene Anbieter derartiger Lehrgänge. Nach drei Trainings in Flensburg und Stralsund fühlte ich mich sicher genug, gemeinsam mit Axel von Stralsund aus zu starten. In der Stralsunder Kanuschule »Paddelprofi« kaufte ich mir einige persönliche Ausrüstungsgegenstände, lieh einzelnes Equipment und mietete für die Tour ein Boot an.

Nordwärts

Die Tour beginnt am Montagmorgen der letzten Augustwoche. Unsere beladenen Seekajaks werden am Bootssteg des Stralsunder Kanuclubs zu Wasser gelassen. Bei ruhigem Sommerwetter paddeln wir los – Kurs Nord in Richtung Hiddensee. Locker und leicht geht es mit stetem Paddelschlag voran, bald haben wir den Strelasund hinter uns gelassen und folgen rechtsseitig der Fahrwassermarkierung nach Norden. Rast am Zeltplatz Suhrendorf? Nein, uns geht’s gut, zwei Müsliriegel reichen aus, wir ziehen durch nach Hiddensee. Ziel: Neuendorf. Am zeitigen Nachmittag machen wir dort große Mittagspause mit kleinem Spaziergang hinüber zum Weststrand und Badepause. Aber nur einer ganz kurzen, denn das offene Ostseewasser, das der frische Westwind herüber treibt, ist mir zu kalt. Die erste Etappe endet am Nachmittag auf dem Campingplatz Schaprode.
Heftiger Regen und Gewitter entladen sich in dieser Nacht über unseren kleinen Zelten. Am Morgen ist davon nichts mehr zu spüren. Bei spiegelglattem Boddenwasser und stahlblauem Himmel nehmen wir den Kurs vom Vortag auf und folgen der Tonnenlinie durch die Flachwasserbereiche und großflächigen Schutzzonen des Vitter Boddens. Links kommt und geht der markante Hiddenseer Leuchtturm am Dornbusch, der schon zur Mittagsrast am Dransker Strand weit im Süden zu suchen ist. Der zweite Abschnitt dieser herrlichen Hochsommer-Etappe verläuft nordöstlich entlang der Rügener Nordstrände mit vielen Badegästen. Wir paddeln weiter, bis es ruhiger wird. Kurz vor Arkona, am Strand bei Varnkewitz, landen wir die Kajaks an. An diesem einsamen Strandabschnitt endet die zweite Tagesetappe – Kap Arkona und gutes Wetter voraus am nächsten Morgen.

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Ostwärts

Mit einer leichten Brise und Sonnenschein passieren wir Kap Arkona, um gleich danach im malerischen Vitt eine ausgiebige Frühstückspause einzulegen. Ein leichter Wind aus Nord und Ost begleitet uns den langen Ritt die Schabe entlang nach Glowe. Die Brandungswellen spülen uns mit unseren Booten inmitten leicht verdutzer Badegäste an Land. Seekajaks am Badestrand – und auch auf dem Meer selbst – sind hier in Rügen eine Seltenheit. So gibt es folglich neben erstaunten Blicken auch die eine oder andere neugierige Frage zu beantworten. Gut erholt und mir frischem Proviant an Bord, so starten wir am Nachmittag zum letzten Tagesabschnitt ostwärts in Richtung Lohme. Zehn Kilometer sind es bei leichtem Seitenwind entlang der Steilküste zum Tor der Stubbenkammer. Jetzt merke ich zum ersten Mal, dass ich schon ein paar Kilomater in den Armen habe. Langsam schleppt sich das Küstenpanorama rechtsseitig dahin. Genau scannen die Augen das Uferprofil auf der Suche nach dem kleinen Dorf und seinem Hafen. Nach knapp zwei Stunden lenken wir erschöpft unsere Boote in den Hafen. Mit großem Glück bekommen wir ein letztes freies Hotelzimmer im Ort, ansonsten hätte der weiche Rasen am Haus des Hafenmeisters auch einen guten Platz für unsere zwei kleinen Zelte geboten.

Südwärts

Zeitgleich mit uns macht der Nationalpark-Ranger sein kleines Motorboot im Lohmer Hafen klar. Ein leichter Wind aus Nord und Ost ist unser Begleiter an diesem Sommermorgen zum Höhepunkt der Tour. Genussvoll paddeln wir entlang der Kreideküste von Stubbenkammer und Königsstuhl zum Wissower Klinken. Immer im respektvollen Abstand zum Ufer, gemäß dem Verlauf der Nationalpark-Grenze. Glasklares Wasser, Sonnenschein, leichte Wellen und ein traumhaftes Uferpanorama – so zeigt sich Rügen von seiner allerschönsten Seite! In Sassnitz ist es Zeit für die Mittagspause. Vorausgesetzt wir finden einen Landepunkt. Ein massiver Granitwall schützt die gesamte Uferlinie. Doch da gibt es einen winzigen hellen Fleck. Vorsichtig fahre ich heran, und es sind tatsächlich zwei Meter Sandaufschüttung unmittelbar vor dem Steinwall. Mit großer Vorsicht landen wir die Boote und tragen sie über den Steinwall hinauf zur Wiese an der Uferpromenade. Eine leckere Sassnitzer-Fischmahlzeit krönt diesen Höhepunkt der Tour.
Frischer Ostwind sorgt für ordentlichen Kreuzwellenschlag entlang der Hafenmauern von Sassnitz und Mukran. Da hilft nur Abstand halten und Augen auf bei etwaigem Schiffsverkehr. Wir paddeln noch ein kleines Stück entlang der Prorer Wiek und lassen dann den Tag an einem schönen Strandabschnitt geruhsam ausklingen.
Der nächste Tag führt uns entlang der viel besuchten Ostrügener Badeorte Binz, Sellin und Göhren. Wir genießen die Zeit in unseren Kajaks bei herrlichem Sommerwetter in Ruhe und guter Distanz zu überlaufenen Badestränden. Bei Baabe finden wir am Abend ein ruhiges Fleckchen für die Nacht unter traumhaftem Sternenhimmel am Strand. Etappe sechs führt uns entlang der ruhigen, flachhügeligen Halbinsel Mönchgut. Passend zur herben Landschaft mit ihrem Wechsel flacher und steiler Uferprofile wechselt auch das Wetter sein Profil. Frischer Westwind überrascht uns mit mehreren kurzen Regenschauern auf dem Weg nach Thiessow. Am Nachmittag lagern unsere Boote am südlichsten Punkt der Halbinsel, nur wenige Gehminuten entfernt vom wunderbaren Hotel »Haus Mönchgut«.

Heimwärts – mit Wind und Wellen

Am Morgen begrüßt uns gleich nach den ersten Paddelschlägen herbstlicher Westwind auf unserem Kurs herum um Mönchgut. Ich kämpfe mit mir, mit meinem Boot und mit den Wellen. Immer wieder muss ich kräftezehrende Steuerschläge setzen, um das Boot gegen seitliche Wellen auf Kurs zu halten. So macht das Paddeln keinen Spaß. Unterhalb der Reddevitzer Höft finden wir einen geschützten Pausenplatz an Land. Pause – endlich. Stärkung und Kartenstudium. Eine halbe Stunde später sind wir auf dem direkten Weg in den Wellen- und Windschatten zur Insel Vilm. Diesmal geht es mit richtig eingestelltem Skeg kontinuierlich und effektiv voran. Nach einer Mittagsrast in Lauterbach verläuft der Nachmittagskurs im Windschutz parallel zum Ufer, wo wir am Abend den rustikalen Naturcampingplatz im Pritzwald auf Zudar erreichen. Am Morgen des letzten Tages kündigt ein kraftvoller Westwind in Begleitung schwarzer Regenwolken das nahe Ende des Sommers an. Von Zudars Südspitze bis zur Glewitzer Fähre sind es fünf Kilometer bei vollem Einsatz gegen den Wind in Stärke 4+. Vor der Querung auf die Landseite gönnen wir uns am Fährimbiss noch eine Stärkung mit heißem Kaffee und Brötchen. Mit neuer Kraft kreuzen wir den Strelasund hinüber nach Stahlbrode und paddeln von dort die letzten 20 Kilometer weitgehend unter Festlandschutz zurück nach Stralsund. Die Hansestadt empfängt uns nach acht Paddeltagen mit Sonnenstrahlen, die sich durch eine aufreißende Wolkendecke kämpfen.  

Reiseinfo: Rügen

Vorbereitung: Dazu gehört ein wiederholtes Training in Paddeltechnik, inklusive grundlegender Sicherheitstechniken wie Stützen, Steuern und Wiedereinstieg sowie Skegeinsatz, bis eine automatisierte Grundsicherheit erreicht ist. Unabdingbar sind Kenntnisse im Kartenlesen und eine kleine Wind- und Wetterkunde, damit der Tourenverlauf sicher vorausplanbar und ggf. Alternativen möglich sind. Ebenso wichtig sind Kenntnisse zur richtigen Beladung des Bootes als Voraussetzung für dessen effiziente Steuer- und Fahrbarkeit. Für all das werden von unterschiedlichen Anbietern mehrtägige Trainingskurse angeboten, die am besten direkt auf der Nord- und Ostsee stattfinden sollten, um authentisches Lernen auf kaltem Wasser zu realisieren.

Anreise: Stralsund ist mit Bus und Bahn, aber auch mit Auto sehr gut erreichbar. Idealer Ausgangspunkt ist der Stralsunder Kanuclub, bei dem auch die Kanuschule Paddelprofi entsprechende Kurse anbietet und mit Material und Informationen hilfreich zur Seite steht. Infos: www.paddelprofi.com.

Reisezeit: Mitte Juni bis Anfang September – am besten außerhalb der Hauptsaison.

Übernachtung/Verpflegung: Die Insel Rügen verfügt über eine Vielzahl von Zeltplätzen, Hotels und Pensionen unmittelbar in Küstennähe. Ebenso sind in mehreren größeren Orten in Küstennähe Einkaufsmöglichkeiten und Restaurants fußläufig erreichbar.

Literatur:
· Wassersportkarten im Tourenatlas TA6 – Mecklenburg-Vorpommern, ISBN: 978-3-929540-79-6
· faltbootwiki: www.faltboot.org/wiki/ (Suchbegriff Rügen)

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