Seekajak-Workshop VISo geht die Rolle
Workshop Seekajak VII

Die große Freiheit

Werden Sie zum Seekajaker mit Nigel Foster

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Sie können paddeln? Beherrschen Wildbäche oder haben schon längere Touren absolviert? Dann ist die hohe Schule des Seekajakfahrens der richtige Schritt, um ein kompletter Paddler zu werden, ein Meister aller Klassen. Der legendäre Nigel Foster erklärt in seinem siebenteiligen Workshop die wichtigsten Feinheiten und Unterschiede.

Wie in den vorangegangenen Workshops beschrieben, wird man auf See mit den unterschiedlichsten Bedingungen konfrontiert. Hast du Wind, Wellen und Gezeiten jedoc­h im Griff, wirst du irgendwann die erste Mehr­tages­tour machen wollen. Dabei entscheidet eine gute Vorbereitung über Erfolg oder Misserfolg.

Gut geplant ist halb gewonnen
Gleich zu Beginn der Planung solltest du dich mit deinen Mitpaddlern abstimmen, was im Mittelpunkt des Trips stehen soll und welche Strecke ihr pro Tag etwa anpeilt. So weiß jeder, auf was er sich einstellen muss, und es gibt keine bösen Über­raschungen. Außerdem sollte Klarheit über die Fähigkeite­n der einzelnen Paddler herrschen, dami­t auf See (etwa bei einem Wetterumschwung) schnelle Entscheidungen ohne lange Diskussionen möglich sind. Informiert immer jemanden über eure Abfahrt und die geplante Ankunft.

Macht euch Gedanken, ob der Tidenkalender für eure Tour eine Rolle spielt. Während der Springflut (größere Differenz zwischen Ebbe und Flut) kann man zum Beispiel den schnelleren Tidenstrom nutzen, um mit wenig Anstrengung viel Strecke zu machen. Dafür wird unter Umständen das Anlanden schwerer, da das Wasser bei maximaler Flut bis zu dem Punkt heranreicht, an dem das Küstenprofil deutlich steiler wird. Während der Nipptide bei Halbmond lassen sich Küsten und Höhlen sicherer erkunden, da sich der Meeres­spiegel weniger hebt und senkt. Dadurch kommen auch deutlich mehr Plätze zum Campieren infrag­e als zur Springflut bei Voll- und Neumond.

Steckbrief

Nigel Foster
KANU-Autor

Zum Autor: nigel foster (60) aus England hat als Expeditionspaddler, Bootsdesigner und Autor sein Leben dem Kanufahren verschrieben. 1977 umrundete er als erster und bislang jüngster Paddler Island. Wenn er nicht gerade die Welt mit dem Kajak bereist, lebt er mit seiner Frau in Seattl­e. Mehr Infos unter: www.nigelkayaks.com.

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Informationen einholen

  • Seekarten der Zielregion geben schon daheim am Schreibtisch Aufschluss über Wassertiefe, Strömungen, Gezeiten und und und. Anhand von Höhenprofi­l und Küstenrelief lässt sich ableiten, wie heftig die Dünung in Küstennähe sein wird.
  • Topografische Karten liefern alle nötigen Info­s über das Festland: Straßen, Ortschaften, lohnend­e Ziele. Bei Landgängen stoßen Seekarten schnell an ihre Grenzen.
  • Veröffentlichungen der Seebehörden und Guidebook­s bieten meist nützliche Hintergrund­informationen, die Online-Recherche liefert eine Fülle an Material, das es zu sortieren gilt.

Der Umgang mit Karten
Per Hand der Karte hinzugefügte Informationen erinnern dich rechtzeitig daran, aufzupassen, hinzuschaue­n oder anzulanden. Zusätzlich helfen Richtungslinien mit Distanzangaben bei der Entscheidung, große Buchten auf direktem Weg zu queren oder lieber entlang der Küste zu paddeln.  

Natürlich müssen die Karten wasserfest sein – sind sie es nicht, nimm eine wasserdichte Hülle oder laminiere sie ein. Durch ein kleines Loch kannst du die Karte am Bootsdeck festbinden, dami­t sie bei rauer See nicht verloren geht.

Die Karte sollte dir einen guten Überblick gebe­n, doch im Zweifel hilft dir ein Kompass bei der Orientierung. Den brauchst du ohnehin, falls die Sicht nicht ausreicht. Befestige den Kompass vor der Luke; hast du ihn im Schoß liegen, musst du hinabschauen, was dazu führt, dass die Stabilität leidet und du schneller seekrank wirst.

Das Beladen des Seekajaks
Packe so, dass dein Kajak ausgewogen im Wasser liegt. Schwere Ausrüstung möglichst nahe an die Mitte, leichteres Equipment weiter Richtung Bug und Heck. Achte auch darauf, dass die Ladung rechts und links gleichmäßig verteilt ist.

Wichtige Ausrüstung griffbereit
Mit der Zeit weißt du, welche Dinge du oft brauchst und wo du sie am besten verstaust. Direkt am Mann sollten Signalfackel, Pfeife, Funkgerät oder Handy, ein Snack, Sonnenbrille und -creme sein. Andere Dinge sind in der Tagesluke besser aufgehoben: die Thermoskanne mit heißem Tee, das Lunchpaket, eine zusätzliche Windjacke, die Stirnlampe und vielleicht eine Rolle Duct Tape.

Weißt du mit Handpumpe und Paddelfloat umzugehen, verstaue beides neben dem Sitz. So kommst du leicht daran, wenn du nach einer Kenterung neben dem Boot schwimmst.

Wer clever ist, hat ein Ersatzpaddel dabei, denn im Notfall kommst du ohne Paddel kaum zurück zum Strand. Logischerweise solltest du das Ersatzpaddel erreichen, ohne das Kajak verlassen zu müssen, das heißt, du hast es auf dem Deck oder im Cockpit. Stelle sicher, dass es dich im Notfall nicht beim Aussteigen behindert.

Das Handling eines beladenen Kajaks
Voll beladen lässt sich dein Boot schlechter beschleunigen, manövrieren und stoppen. Allerdings hilft dir die zusätzliche Masse beim Herauspaddeln durch anrollende Wellen und auch das Rückwärtspaddeln beim kontrollierten Anlanden (siehe Teil 4 dieses Workshops) wird einfacher. Außerdem liegt ein schweres Kajak stabiler im Wasser und lässt sich in der Regel leichter rollen. Du wirst weniger anfällig für Wind, aber mehr für die Strömung. Ein etwas kürzeres Paddel macht dir das Leben leichter – du brauchst weniger Kraft pro Schlag und du kannst eine höhere Frequenz paddeln.

Das Bergen eines beladenen Kajaks
Normalerweise lässt sich ein gekentertes Boot dank der Heckabschottung einfach entleeren: Man hebt den Bug an, und das Wasser läuft aus der Luke. Das jedoch ist bei einem schwer beladenen Kajak nicht so einfach – zumal der Retter ja selbst im Boot sitzt. Besser ist es, das Kajak umzudrehen, wieder einzusteigen und das Wasser herauszupumpen. Weil Handpumpen im Gegensatz zu Elektropumpen unempfindlich gegenüber Salzwasser sind, sind sie die sicherste Methode. Grundsätzlich gilt: Je weniger Wasser im Boot, desto besse­r. Deshalb sollte ungenutztes Volume­n durch Schaumteile oder Ausrüstung gefüll­t werden. Zwische­n vorderer Abschottung und Fußstütze ist beispielsweise ein perfekter Platz für die Isomatte im wasserdichten Packsack.

Anlandeplätze finden
Das Vorankommen auf See hängt von den herrschenden Bedingungen ab, deshalb können nicht immer alle Übernachtungsplätze im Voraus geplant werden. Wenn möglich, suche einen Platz, an dem du einfach anlanden, am nächsten Morgen aber auch ohne Probleme wieder ablegen kannst. Du solltest dir also Gedanken um den Stand der Gezeite­n, den Wind und die zu erwartende Dünung machen. Überlege, ob es ein windgeschützter Platz sein soll oder ein offenes Camp, bei dem eine frische Brise die Mückenplage im Zaum hält.

Frischwasser erleichtert sowohl das Kochen als auch die Körperpflege. Halte frühzeitig nach einer geeigneten Stelle Ausschau – zu oft schon hat sich das vermeintlich perfekte Camp als Privatgrund, Vogel­kolonie oder felsdurchsetzte Fläche erwiesen.

Hinaus in die weite Welt
Ein mehrtägiger Selbstversorgertrip im Kajak weckt ein ganz besonderes Gefühl von Freiheit. Wenn dann noch alles nach Plan läuft, du den Anforderungen der Tour gewachsen bist und abends am Lagerfeuer den Sonnenuntergang genießt, wirst du eine tiefe innere Befriedigung erleben. Nimm dir also die Zeit für eine gute Vorbereitung und starte mit einem Trip, der zu deinen paddlerischen Fähigkeiten und deinem Know-how passt. So wird auch dein erster »Overnighter« zu einem unvergesslichen Erlebnis. Viel Spaß beim Paddeln!

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