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Workshop Seekajak IV

Surf’s up, Dude!

Nigel Foster macht Sie zum Seekajaker

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Sie können paddeln? Beherrschen Wildbäche oder haben schon längere Touren absolviert? Dann ist die hohe Schule des Seekajakfahrens der richtige Schritt, um ein kompletter Paddler zu werden, ein Meister aller Klassen. Der legendäre Nigel Foster erklärt in seinem siebenteiligen Workshop die wichtigsten Feinheiten und Unterschiede.

Im letzten Teil haben wir gelernt, wie Wellen entstehen. Nun gilt es, das Spaßpotenzial dieser Wellen beim Surfen voll auszunutzen.

Finde den passenden Strand
Wie beim Wellenreiten ist auch beim Seekajak­fahren der sogenannte Beach Break optimal für Surf­anfänger. An solch einem langen, flachen Sandstrand brechen die Wellen in aller Regel kontrollie­rt und sanft. Begutachte den Strand imme­r erst zu Fuß und am besten bei Ebbe. Dort, wo das Strandprofil abrupt steiler wird, befindet sich die Flutmarke. Bei maximaler Tide schieben die Wellen nahezu ungebremst bis hierher, bevor sie sich plötzlich auftürmen und brechen. Bist du bei Flut auf dem Wasser, solltest du anlanden, bevor das Wasser diesen kritischen Bereich erreicht.

Der Brandungsrückstrom
Wellen erreichen den Strand auf der gesamten Breite. Aufgrund von Sandbänken oder anderen Hindernissen fließt das Wasser jedoch nicht ungehindert zurück ins Meer, sondern kanalisiert sich in sogenannten Rippströmungen. Bei Ebbe erkennst du diese Zonen an kanalähnlichen Vertiefunge­n im Sand. Bei Flut brechen hier die Wellen unberechenbarer und gefährlicher – nicht die beste Stelle zum Surfen. Solltest du als Schwimme­r in eine Rippströmung geraten, versuche nicht, panisch gegen die Strömung anzukämpfen, sondern schwimme seitwärts aus dem ablandigen Strömungsbereich heraus oder lasse dich aufs offene Meer treiben, um dann seitlich versetzt zurück zum Strand zu schwimmen. Bei einsetzender Ebbe ist der Brandungsrückstrom am stärksten, nutze also lieber die Flut für deine Surfsessions, wenn du dir unsicher bist.

Steckbrief

Nigel Foster
KANU-Autor

Zum Autor: nigel foster (60) aus England hat als Expeditionspaddler, Bootsdesigner und Autor sein Leben dem Kanufahren verschrieben. 1977 umrundete er als erster und bislang jüngster Paddler Island. Wenn er nicht gerade die Welt mit dem Kajak bereist, lebt er mit seiner Frau in Seattl­e. Mehr Infos unter: www.nigelkayaks.com.

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Point Break und Reef Break
Mit ein wenig Erfahrung kann man seinen Aktions­radius beim Surfen erweitern und jenseits des Beach Breaks auf Wellensuche gehen. An Landzungen, die weit ins Meer hineinragen, entstehen oftmals hervorragende Surfwellen. Die eintreffende Dünung windet sich um die Land­spitze und erzeugt auf der windabgewandten Seit­e lange, diagonal laufende Wellen. Diese Stelle­n nennt man Point Break. Das Reef Break dagege­n entsteht durch unter Wasser liegende Barrieren wie Felsen oder Riffe, die die Wellen breche­n lassen. Das Besondere an Reef Breaks ist, dass man in ruhigem Wasser um sie herum­paddeln kann, um dann die hufeisenförmige Well­e zu surfen. Der Nachteil: Meist liegen sie recht weit vom sicheren Ufer entfernt.

Richtig Surfen
Nachdem du die passende Stelle zum Surfen gefunde­n hast, drehe dich um und schaue nach Orientierungspunkten, die du vom Wasser aus gut sehen kannst. Findest du nichts, nutze ein Ersatzpaddel, deine Tasche oder eine mitgebrachte Fahne als Erkennungspunkt. Bevor du aufs Wasser gehst, nimm dir Zeit, die Dünung zu studieren. Wo lauern Rippströmungen? Wie lange dauert ein Set, wie lange die Pause dazwischen?

Das Rauspaddeln
Nutze beim ersten Mal nicht den Brandungsrückstrom, um rauszupaddeln, auf diese Weise kannst du dir einen Eindruck von der Größe und der Kraft der Wellen machen, und im Zweifelsfall wieder zum Strand zurückkehren. Fühlst du dich sicher, paddle bis hinter den Punkt, an dem die Wellen brechen. Mithilfe deiner Orientierungspunkte kannst du von hier immer wieder den vorher ausgewählten Strandbereich anpaddeln.

Die Welle erwischen
Du musst die Welle erwischen, bevor sie bricht. Warte, bis sich dein Heck leicht anhebt, dann beschleunige dein Boot mit zwei bis vier Schlägen. Wie schon in der letzten Ausgabe beschrieben, bleibt das Paddelblatt nach dem letzten Schlag in neutraler Position im Wasser. So kannst du den Kurs zu beiden Seiten korrigieren. Ist die Welle sehr steil, besteht die Gefahr, dass sich die Bootsspitze vorne »eingräbt«. Das verhinderst du, indem du den Bug beim Anfahren etwas seitwärts ausrichtest. Allerdings solltest du jetzt das Paddel auf der wellenabgewandten Seite im Wasser habe­n, um mit einem Hecksteuerschlag zu verhindern, dass sich dein Kajak quer stellt. Im Wechse­l auf beiden Seiten kannst du so einen leichten Zickzack-Kurs fahren und du bekommst ein Gefühl für die Welle. Doch beschränke dich anfang­s auf einen Winkel von etwa 20 Grad, ansonste­n wird es schwer, zurückzudrehen.

Der SideSurf
Um die Welle möglichst lange auszukosten, kannst du sie seitwärts absurfen. Dazu beginnst du wie beim Zickzack-Kurs, aber anstatt nach der ersten Kurve zurückzudrehen, hältst du die Richtung und drehst noch etwas mehr zur Welle. Dein Boot wird beschleunigen und diagonal auf den Strand zusteuern. Versuche einen Winkel von etwa 30 Grad zu halten. Sollte dich die Welle quer stellen, lehne dich zu ihr, damit dich das Wasser nicht in Richtung Strand umwirft. Halte die Balance mit einer flachen Paddelstütze. Damit das Blatt flach auf dem Wasser aufliegt, sollte die Gegenhand nahe der Hüfte Kontakt zur Spritzdecke haben. Um Schulterverletzungen zu vermeiden, bleibt der Ellbogen oberhalb des Paddelschafts. Solltest du doch einmal tief stützen müssen, achte darauf, dass beide Ellbogen nah am Körper bleiben.

Die Welle verlassen
Je steiler die Welle, desto kraftvoller wird sie ver­suchen, das Kajak quer zu stellen. Ein frühzeitiger Abgang mit Stil ist daher oft besser, als einem Stück Treibholz gleich an den Strand geschwemmt zu werden. Sobald also die Welle beginnt, das Kaja­k zu drehen, lege dich in die Kurve und unterstütze die Drehung mit einem Hecksteuerschlag auf der wellenzugewandten Seite. Sobald sich das Boot so weit gedreht hat, dass die Spitze wieder in Richtung Wellenberg zeigt, wechsle auf einen Ziehschlag am Bug und kante dein Boot zur entgegengesetzten Seite. So löst sich das Heck von der Welle und du kannst erhobenen Hauptes wieder hinauspaddeln und das nächste Set abwarten.

Sicher anlanden
Wer meint, nach dem Surfvergnügen zurück ans Ufer zu kommen, sei einfach, der irrt. Zwar könnt­e man sich von der nächstbesten Welle an den Strand tragen lassen, dabei besteht aber die Gefahr, dass man auf Felsen, Treibholz oder – noch schlimmer – auf schwimmende Badegäste gespült wird. Deshalb ist oberstes Gebot, auch beim Anlanden stets die Kontrolle zu behalten. Kommt eine Welle von hinten, paddelst du rückwärts, um nicht mitgetragen zu werden. Vielmehr paddelst du der Welle in Richtung Strand hinterher als auf ihr drauf. Hast du eine geeignete Stelle entdeckt, warte auf die ruhige Phase zwischen zwei Sets und folge einer kleinen Welle möglichst weit den Strand hinauf. Bevor sich das Wasser zurückzieht, springst du aus dem Boot und ziehst es weiter auf den Strand. Auch hier gilt: Übung macht den Meister. Du solltest auch an unbekannten Küsten jederzeit in der Lage sein, sicher anzulanden.

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