Wildwasser-BasicsDie Gute Linie: Hilfsschlinge 2.0
Die Gute Linie

Trocken bleiben

Augen zu und durch? Oder lieber grazil im Zick-Zack-Kurs?

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Wie schwierig ein Katarakt ist, hängt nicht zuletzt auch von der gewählten Linie ab. Augen zu und durch, oder lieber grazil im Zick-Zack-Kurs? Mit der richtigen Route und den passenden Schlägen kann man die Bootsspitze trocken halten und damit vermeiden, zum Spielball der Strömung zu werden.

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Charakter
Die Hauptströmung (A) zieht in einer leichten Rechtskurve den Katarakt hinab. Es erinnert etwas an einen Korkenzieher: Erst bildet der Fels (B) rechts eine Art Locke/Querwalze (C), dann schiebt die Strömung nach links, um dort etwas schwer Definierbares zu bilden: Kein richtiges Prallwasser, keine echte Walze – nennen wir es »stehendes Schwabbelwasser« (D). Die Walze (E) im Anschluss hat zwar wegen des Felsblocks (F) links keinen Auslauf, allerdings ist sie zur Flussmitte offen und – zumindest bei diesem Pegel – nicht sehr rückläufig.

Steckbrief

Jens Klatt
Fotograf und Autor

Jens ist schon ewig mit dem KANU-Magazin verbunden, erst als freier Mitarbeiter, später dann als Redakteur. Inzwischen hat sich Jens ganz der Fotografie verschrieben und arbeitet für verschiedenste Outdoor- und Reisemagazine.

Einschätzung
Große Gefahrenstellen gibt es in diesem Katarakt nicht. Weder lauern Unterspülungen oder Siphone, noch stellt die Abschlusswalze (E) ein ernstzunehmendes Hindernis dar. Die Frage ist also weniger, ob man fährt, sondern vielmehr, wo man fährt. Mittig runterbolzen oder versuchen, eine möglichst saubere Linie zu fahren? Bei Ersterem besteht die Gefahr, vom Wasser eingedeckt zu werden – was einen gewissen Kontrollverlust bedeutet, da man sich nicht mehr auf, sondern im Wasser bewegt. Will man jedoch Herr der Lage bleiben – oder es zumindest versuchen –, bietet sich eine leichte Rechts-links-Kombi an: immer hoch auf den höchsten Punkt. Außerdem macht diese aktive Linie knapp neben der Mitte viel mehr Spaß, als sich einfach nur »durchnudeln« zu lassen.

Befahrung

  1. Philip startet aus dem Kehrwasser und schert in die Haupt­strömung (A) ein. Feingefühl ist gefragt: Zu viel Tempo und er kollidiert mit Fels (B); ist er zu langsam, verhungert er in der Verschneidungslinie und kommt nicht weit genug nach rechts.
  2. Philip ist in der Strömung. Um Geschwindigkeit aufzunehmen, ist es zu spät. Wichtig ist nun, mit einem beherzten seitlichen Boofschlag das Boot nach rechts auf die Locke (C) zu heben.
  3. Philip setzt links sofort mit einem zweiten Schlag auf der linken Seite nach, um nicht zu früh nach links geschoben zu werden.
  4. Dann wird umgekantet: Linke Arschbacke hoch, Oberkörper nach rechts – somit zeigt Philip dem Schwabbelwasser (D) seinen Allerwertesten und vermeidet Oberwasser. Zudem kann er sein Paddel zur Stabilisierung rechts in die ablaufende Strömung halten, um nicht zu stark ausgebremst zu werden.
  5. Der Schwung heiligt die Mittel: Philip bleibt mit dem Ober­körper einfach rechts, auch wenn so die Gefahr größer wird, dass seine Bootsspitze nach links in die Walze einfädelt.
  6. Hat sie nicht. Gut so!

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