Die Gute Linie: Trocken bleiben
Die Gute Linie

Hilfsschlinge 2.0

Um die Ecke gucken dank Kehrwasser-Hopping.

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Im Wildwasser sind Hilfsschlingen unabdingbar – zum Beispiel, um Abstand von gefährlichen Prallwänden zu halten. Außerdem kann man dank »Eddy-Hopping« oft überhaup­t erst um die Ecke schauen und die Linie einsehen.

Allgemeines 
Hilfsschlingen im leichten Wildwasser dienen eher Übungszwecken. Im schweren Wildwasser hingegen erweitern sie buchstäblich unseren Horizont (vgl. Philips Linie auf dem Medelser Rhein in dieser Reihe). Aber eine Hilfsschleife fährt man auch, wenn man ein Kehrwasser bewusst in seine Linie einbaut, um in eine bessere Ausgangssituation für die Anfahrt der nächsten Stelle zu gelangen – wie Olaf es auf der Soca zeigt (großes Bild).

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Charakter
Auf der Soca befinden sich viele Unterspülungen und Siphone – die abgebildete S-Kurve macht dabei keine Ausnahme. Die Hauptströmung (A) schlängelt sich durch viele Felsen, es bilden sich einige Kehrwässer (D, E, F, G). Doch vor allem Fels (B) stellt sich der Hauptströmung in den Weg, wodurch die Prallwand (C) entsteht.

Einschätzung 
Die Prallwand (C) ist möglicherweise unterspült, also gilt es, Abstand zu halten. Man könnte einfach Hauptströmung (A) folgen und sich vor Fels (B) möglichst rechts halten. Nachteil: Durch die hohe Fließgeschwindigkeit fällt es schwer, sich von der Strömung zu lösen und Prallwand (C) in der Innenkurve zu umfahren. Getreu dem Motto »Wer nach rechts will, muss von links kommen!« wird Olaf deshalb Kehrwasser (F) in seine Route einbauen. Von hier aus fällt ihm die Traverse der Hauptströmung wesentlich leichter, da er keinen Schwung von oben mitbringt, was ihn nur schneller Richtung (C) schieben würde. Durch die Hilfsschleife im Kehrwasser ist Olaf weniger anfällig für die Strömung und bringt mehr Momentum nach rechts mit.

Befahrung

  1. Olaf hat schon beim Verlassen von Kehrwasser (D) Sichtkontakt zu Kehrwasser (F).
  2. Er quert Hauptströmung (A), ohne die Spitze zu sehr flussab drücken zu lassen.
  3. Kehrwasser (E) schneidet Olaf in einem »S« an (umkanten!) …
  4. … um danach sofort wieder auf die Seitenströmung (H) zu reagieren (erneutes Umkanten) und Kehrwasser (F) anzupeilen.
  5. Von dort aus quert Olaf Hauptströmung (A) erneut. Dabei nimmt er die rechte Kante hoch – so bietet er der Strömung wenig Angriffsfläche und wird nicht von seinem Weg zur Innenkurve abgebracht.
  6. Durch den größtmöglichen Sicherheitsabstand zu (C) muss sich Olaf nun nicht stressen. Gemütlich gleitet er ins Zielkehrwasser (G). Easy, oder?

Steckbrief

Jens Klatt
Fotograf und Autor

Jens ist schon ewig mit dem KANU-Magazin verbunden, erst als freier Mitarbeiter, später dann als Redakteur. Inzwischen hat sich Jens ganz der Fotografie verschrieben und arbeitet für verschiedenste Outdoor- und Reisemagazine.

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