ArdèchePaddeln gegen Plastikmüll
Interview

Paddeln für die Umwelt

Der Reiseveranstalter Club Aktiv veranstaltet in Zusammenarbeit mit dem KANU-Magazin eine Seekajak-Reise für den guten Zweck: Plastikmüll nicht nur vermeiden, sondern auch einsammeln. Das Reiseziel vom 24. Mai bis 2. Juni 2019 heißt Kroatien. Das KANU Magazin hat mit Lutz Müller, Vorsitzender des Aufsichtsrats, über seine Initiative gesprochen.

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KANU: Gäste bezahlen Geld für eine Reise – und sollen dann unterwegs den Müll einsammeln. Ist das nicht ein bisschen skurril?

Lutz Müller: Nun, auf den ersten Blick mag das ja sein. Aber die Reise ist ja mehr als nur Müll einsammeln. Wir wollen uns zum einen umweltbewusster verhalten, also beim Einkaufen auf weniger Verpackung achten, sorgsam mit den Ressourcen umgehen. Ich denke, davon nimmt jeder etwas mit nach Hause. Zum anderen wollen wir neue Konzepte zusammen mit den Reisegästen entwickeln, wie wir künftig Müll auf den Reisen vermeiden können. Und last but not least, im Vordergrund steht natürlich das Paddeln an der schönen kroatischen Küste.

KANU: Wie verfällt man als kommerzieller Reiseveranstalter auf so einen guten Zweck?

Lutz Müller: Teilweise durch Frust. Seit Jahren stört es mich, auf den Paddeltouren auf Müll zu stoßen. Müll schwimmt im Meer, Müll liegt an den Stränden. Unterwegs habe ich immer schon Müll gesammelt. Die Idee kam über Gespräche mit KollegInnen im Forum anders reisen. Das ist der Verband für nachhaltig tätige Reiseveranstalter, den wir vor 20 Jahren mit gegründet haben. Dort wird viel über Ökologie auf Reisen und Nachhaltigkeit nachgedacht. 
Das Ganze wird ja auch vom KANU Magazin begleitet, und so erhoffen wir uns – zumindest auf längere Sicht – eine Breitenwirkung und eine Sensibilisierung für das Thema. Deshalb auch das Motto der Reise »Mach Urlaub und tu' Gutes.«

KANU: Die Aktionen auf der Reise gehen ja über das bloße Einsammeln von Plastikmüll hinaus. Was genau ist noch geplant, gerade im Hinblick auf die Öffentlichkeitsarbeit?


Lutz Müller: Im Moment versuche ich, Kontakte zu engagierten Bürgern auf Krk zu knüpfen. Geplant sind Gespräche mit Ortsansässigen über das Problem und was wir gemeinsam dagegen unternehmen können. Die Aktion wird dann auch über unseren Facebook-Kanal und den Blog »live« gepostet. Da erhoffe ich mir auch ein bisschen Unterstützung vom Kanu Magazin.

KANU: Mit wieviel Müll rechnen Sie denn? Und wie wollen Sie ihn mit den begrenzten Stauräumen der Seekajaks transportieren?

Lutz Müller: Das ist schlecht einzuschätzen. Aber die Paddeltour wird von Land her mit unserem Kleinbus samt Hänger begleitet. Dort können wir den Müll dann verstauen. Außerdem bin ich noch auf der Suche nach einem lokalen Recyclingbetrieb, so dass wir den Müll dort abgeben können. In den Seekajaks sollte nur sporadisch Müll verstaut werden, nämlich den, den wir auf dem Wasser finden.

KANU: Und warum Kroatien? Ist die Situation dort besonders dramatisch?

Lutz Müller: Die Wahl von Kroatien war ziemlich willkürlich. Was ich auf jeden Fall vermeiden möchte ist, dass der Eindruck entsteht, dass Kroatien besonders auffällig wäre. Das Müllproblem begegnet mir nämlich überall, in Norwegen, in Schottland, Dänemark, sogar die wunderschönen Strände auf den Seychellen sind mit Plastikflaschen und Plastiktüten garniert. Und man kann sagen: Je einsamer die Strände und Buchten sind, je mehr Müll sammelt sich dort an. Diese Reise hat vor allem symbolischen Charakter, und der Zeigefinger bleibt da, wo er hingehört: am Paddel.

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KANU: Reden wir hier über eine einmalige Aktion oder geht es danach weiter?

Lutz Müller: Wir haben vor, diese Art von Paddeltour als festen Bestandteil in unser Programm einzubauen. Ich sehe das als ein Projekt an. In jedem Jahr sammeln wir neue Erfahrungen und bekommen neue Anregungen auf den Touren, die wir dann im Folgejahr austesten können. Ich finde die Idee, zusammen mit unseren Reisegästen neue Konzepte zu entwickeln, recht reizvoll. Reisen hinterlässt ja nun einen ökologischen Fußabdruck. Und je mehr Menschen sich dessen bewusst sind, desto nachhaltiger werden Reisen. Und das nicht nur bei uns.

KANU: Und das Wissen darum, dass die Auswirkungen dieser Reise nicht mehr sind als ein winziger Tropfen Wasser auf einen gigantischen heißen Stein, kann Sie gar nicht entmutigen?

Lutz Müller: Veränderungen brauchen Zeit, zumindest, wenn sie nicht oberflächlich sein sollen. Vor gut 20 Jahren haben wir das Forum anders reisen mit gegründet. Die Absicht war, ökologisch verantwortungsvollen und nachhaltigen Reiseveranstaltern eine Stimme zu geben. Die erste Aufgabe war, eine Messlatte zu setzen. Das war damals das Kriterium »Flug«. Ein Unding in einer Branche, für die es normal ist, selbst kürzeste Entfernungen mit dem Flieger zu überbrücken. Heute ist das forum anders reisen DIE Instanz, wenn es um das Thema Nachhaltigkeit in der Branche geht. Dass wir es ernst meinen, zeigt ja auch die Tatsache, dass wir bei Club Aktiv den CSR-Prozess (Anm. d. Red.: Corporate Social Responsibility) fest in unsere Firmenkultur verankert haben. Wir reden also nicht über diese Themen, wir leben sie. Also kurz zusammengefasst: Wenn nicht wir damit beginnen, wer macht es denn sonst?

KANU: Bis jetzt hört sich das Ganze stark nach Arbeitseinsatz an. Bleibt denn auch Zeit für ein bisschen Urlaub?

Lutz Müller: Paddeln ist doch Arbeit, oder (lacht)? Nein, ganz im Ernst: Was unsere Paddeltouren auszeichnet und das wichtigste daran ist, Spaß in der Gruppe zu haben. Das gemeinsame Erleben, die Freude am Teilen, die gegenseitige Unterstützung sind wesentliche Elemente all unserer Reisen. Und warum sollten wir das auf genau dieser Reise nicht haben? Wo wir doch so viel Gutes tun.

Detaillierte Infos zur Reise gibt es hier: https://www.kanumagazin.de/reise/europa/paddeln-gegen-plastikmuell/; www.club-aktiv.de/wir-gegen-plastikmuell

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