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Know-How

Schlaue Online-Tools für Paddler

02. Juni 2010 von Christoph Scheuermann

Informationstechnologische Neuerungen für die Kajakgemeinschaft nutzbar machen: Mit diesem Anspruch und viel Engagement schufen zwei Paddler praktische Angebote zur Tourenplanung auf der Basis des Web 2.0.  

Die Rivermap hat's im Blick: Ideale Pegel auf Vorderrhein, Glenner und Albula.
Foto: Rivermap Screenshot

Der Schweizer (und übrigens Ex-KANU-Praktikant) Mischa Leber präsentierte bereits 2008 sein Flussinformationssystem »Rivermap.ch«. Die Rivermap bündelt für die Flüsse der Schweiz Informationen zu Wasserstand, Streckeneigenschaften und Gefahrenstellen und stellt die Befahrbarkeit in einer digitalen Karte dar. Als Mashup (d. h. ein Medieninhalt, der sich aus der Vermischung vorhandener Quellen generiert) nutzt das Projekt die Schnittstellen von Google Maps und verknüpft Abflussdaten hydrologischer Institute sowie Referenzwerte von Paddlern. Dem User präsentiert sich die Befahrbarkeit farblich geordnet im gewünschten Maßstab. Gefahrenstellen können interaktiv von jedem Paddler  schnell und unkompliziert erfasst werden. Diese Flusshinweise ergänzen den DKV-Flussführer, werden gesichtet und fließen in die nächste Auflage mit ein. Der Rivermap Blog informiert über technische Neuerungen und bietet nützliche Tipps zur Nutzung des Web-Angebots. Mittlerweile können die Informationen von über 130 aus 200 Strecken direkt am Fluss über das Handy abgerufen werden. Rivermap.ch wird ständig aktualisiert von aktiven Paddlern, um Mithilfe wird gebeten.

Für jeden Paddler was dabei: Das Revier der Bregi-Days.
Foto: Screenshot Google Earth

Ebenfalls auf Grundlage von Google-Karten hat der Bremer Sebastian Ungemach ein nützliches Planungstool für Paddelbootreisende entwickelt. Die Browser-basierte Anwendung "Google Rivers 2.0" verzeichnet Touren, Playspots und paddelbare Wasserfälle in ganz Europa und verlinkt mit weiterführenden Info-Seiten.

Schon in der ersten Übersicht erkennt der Benutzer die Schwierigkeit des Abschnitts auf der Markierungsnadel. Klickt man darauf werden basale Eigenschaften der Strecke sowie der Link zur Beschreibung angezeigt.

Zur Zeit ist die ganze Bandbreite nur mit Google Earth nutzbar, Applikationen für Google Maps und eine für Smart Phones kompatible Ausgabe sind auf der Projektliste. Fokus der verzeichneten Ziele ist West- und Mitteleuropa, eine Erweiterung geplant.

 

 

Wer mehr wissen will findet den Pressetext des Entwicklers zum Download:

Mittels dieser ZIP-Datei könnt ihr den Tourenplaner in Google Earth integrieren:

Die KANU-Online-Redaktion erleichtert euch den Zugang zu den beiden Info-Portalen mit folgenden Downloads:

Außerdem bat KANU den Kopf hinter der Rivermap Mischa Leber und Google Rivers 2.0 - Programmierer Sebastian Ungemach zum Interview.

Porträt von Mischa Leber.

Erfinder der Rivermap: Mischa Leber
Foto: Mischa Leber

Welche Motivation steht hinter euren Projekten Google Rivers 2.0 und Rivermap?


Sebastian:
Naja, in Zeiten steigender Benzinpreise ist es halt so eine Sache
mal eben 200 oder 300 km für einen Nachmittag zum Paddeln zu fahren, wenn man hoch im Norden wohnt. Mal ganz zu schweigen von der Zeit, die man auf der Straße lässt. Grob gesagt hatte ich keine Lust mehr mindestens 100 km zu fahren um zum nächsten Playspot zu kommen.
Mittlerweile bin ich jedoch an dem Punkt angekommen, an dem ich meine mit einem solchen Tool auch die Effizienz auf Paddeltouren z.B. in Österreich steigern zu können. Somit verbringe ich einfach mehr Zeit auf dem Bach.

Mischa: Es geht um die ganz simple Frage: Wo kann ich hin zum paddeln? Der Prozess um dies zu beantworten war mir schon immer viel zu kompliziert. Dutzende Seiten anzusurfen oder aus hunderten Listeneinträgen eine Info zu extrahieren schien mir nicht die optimale Lösung zu sein. Und wenn es nichts besseres gibt, muss man es halt selber machen.

Was sind die Ziele eurer Arbeit?


Sebastian: Mein erstes Ziel war es, einem guten Paddelkumpanen die geographische Lage einiger bekannter Playspots zu verdeutlichen, da ich von Zeit zu Zeit gefragt wurde, ob wir denn nicht mal auf einen Samstagnachmittag nach Plattling fahren könnten.
Klar kann man das machen, nur sind das von Bremen aus mal eben 750 km.
Als das geschafft war, und ich mich noch ein wenig durch Google Rivers, das 2006 auf Soulboater.com erschienen war, inspirieren lassen hab, war die Idee geboren einen eigenen Tourenplaner auf Basis von Google Earth zu entwickeln. Dieser sollte es mir ermöglichen durch direkt verlinkte Abschnittsbeschreibungen die Tourenplanung effizienter zu gestalten, mir sofort eine Anfahrtsbeschreibung liefern und einen Überblick verschaffen, welche Touren oder Spots ich nach dem Paddeln noch anfahren kann.
Rundum, eine Effizienzsteigerung in allen Bereichen der Tourenplanung und , wenn es sich weiterentwickelt, eine riesige Open-Source-Playspot- bzw. WW- Touren-Sammlung.

Mischa: Wie es die Überschrift der Webseite schon verrät: „Häufiger, gezielter und sicherer auf den Fluss“. Das heißt, die Rivermap sollte mir vor allem eine Übersicht zur Befahrbarkeit eines grösseren Gebietes zu geben. Weiterhin sollte mir der Dienst den Vergleich verschiedener Möglichkeiten mit Einbezug wichtiger Zusatzinfos (Wetterprognosen, Schneehöhen, Unwetterwarnungen) bieten um optimal zu entscheiden und zusätzlich das Wissen um aktuelle Gefahren sowie Änderungen respektive Erweiterungen zum Flussführer vermitteln.

Wie lang habt Ihr daran gearbeitet, seit wann sind Eure Dienste nutzbar?

Sebastian: Gearbeitet habe ich an dem ganzen seit etwa einem Jahr, allerdings auch nur dann wenn ich Zeit und Lust hatte ;-).
Nutzbar ist dieser Tourenplaner seit etwa Herbst 2009. Veröffentlicht
habe ich ihn aber erst Ende März diesen Jahres.

Mischa: Begonnen habe ich im Winter 07/08 und wollte erstmal eher ausloten was überhaupt machbar ist. Einerseits vom technischen und andererseits auch vom visuellen Aspekt. Dann hat es mich immer mehr fasziniert und ich habe ziemlichen Aufwand rein gesteckt. Da ich zu der Zeit gerade Informatik studierte, hat sich das bestens ergänzt. Und wenn das Konzept stimmt, spielt es keine Rolle mehr wie viele Abschnitte verwaltet und angezeigt werden. Online ging die Seite dann Mitte 2008.

Entwickler des Google Rivers 2.0:
Sebastian Ungemach
Foto: Sebastian Ungemach

Welche Entwicklungen plant ihr für die Zukunft?

Sebastian: Da das iPhone bzw. Smartphones an sich recht groß im Kommen sind, habe ich mir gedacht, dass ein App für solche Telefone eigentlich genau das richtige wäre. Da dies aber sehr schwer umzusetzen ist, konzentriere ich mich im Moment darauf, eine Internetseite zu schreiben, die alle Touren und Playspots optimiert für Smartphones anzeigt.
Ich muss insgesamt mal schauen, wer mir diese Saison so über den Weg läuft und welche Ideen diese Person dann mitbringt. Also wenn ihr gute Ideen habt, immer her damit.

Mischa: Weitere Gebiete im Ausland wären natürlich toll, doch der Aufwand dazu übersteigt meine Kapazitäten. Das Studium ist zu Ende (lacht). Nebst dem Zusammentragen der Abschnitte braucht auch das Entwickeln der Abflussextrahierung etwas Aufwand. Sollte jemand Interesse dazu haben, kann das System gerne genutzt und entsprechend ergänzt werden.
Für das vorhandene Gebiet der Schweiz und des angrenzenden Auslandes sollen die Informationen nochmals etwas verdichtet und erweitert werden mit dem Ziel das Risikomanagement zu verbessern.

Was war euer größter Erfolg bzw. Euer herbster Rückschlag in der Entwicklung des Projekts?

Sebastian: Oh, die gab es eigentlich überhaupt nicht, weder das eine noch das andere. Oder ?
Doch, das Feedback in den Foren nach der Veröffentlichung fand ich schon
ziemlich cool.

Mischa: Die positiven Rückmeldungen und der rege Gebrauch der Seite freuen mich natürlich. Als ich kürzlich im Tessin war, konnten wir mithilfe eines iPhones die gesamte Tourenplanung abdecken: beim Frühstück RiverMap Mobile mit den Befahrbarkeitsdaten ansehen, Flusshinweise kontrollieren und über das Merkblatt die Ein- und Ausstiegskarten nachschlagen. Das war für mich persönlich schon ziemlich nahe am Optimum!
Weniger toll ist es zu sehen, wie sich nur ein kleiner Teil der Besucher aktiv beteiligt. Mit den Flusshinweisen wäre es jedermann schnell und einfach möglich, seine Erkenntnisse nach dem Paddeln einer Strecke einzutragen, damit sie der nächste findet und profitiert. Damit könnte dem Wildwassersport mehr Sicherheit und Struktur gegeben werden. An diesem Punkt wären auch offizielle Stellen gefordert, leider ist dort aber das Bewusstsein dafür nicht vorhanden.

Vielen Dank für Eure Zeit und diese Zeilen.

 

 

Mischa Leber, 33, Informatikingenieur, saß seit 1988 in den verschiedensten Booten: Abfahrt, Polo, Rodeo und immer auch Wildwasser. Unter anderem absolvierte er vor pber 10 Jahren ein Praktikum beim KANU MAGAZIN und arbeitete als Kanulehrer und Raftführer in der Kanuschule Versam. Am liebsten paddelt er direkt vor der Haustüre in der Ostschweiz.

 

Sebastian Ungemach, 23, studiert BWL in Bremen und arbeitet auf einer Werft in der Logistik. In seiner Freizeit sorgt er als DJ für die richtigen Vibes zur richtigen Zeit. Auf die Frage nach seinem Lieblingspaddelrevier antwortet er: "Einen echten Favoriten habe ich eigentlich nicht. Wenn man mit guten Freunden unterwegs ist, ist jedes Revier geil."