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Touren

Wasserwanderweg Mosel

 Deutschland, Rheinland-Pfalz

Im Mäandertal: Kanuwandern auf der Mosel

Zur Weinlese im Kanu auf der Mosel. Die Mosel ist der größte Rhein­zubringer und wurde jüngst durch die Installation etlicher Ein- und Ausstiegsstellen zum offiziellen Wasserwanderweg befördert. KANU-Reporter Alex Krapp war zur Inspektion vor Ort, hat sich aber nicht nur am Wasser gelabt.

Auf der Mosel nichts besonderes: Binnenschiff-Slalom.
Foto: Param Gill

»Super Wetter!«, sagt Frau Lenz, und ich sage dazu mal lieber nichts. Vor dem Panoramafenster des Frühstücksraums unserer Pension ziehen gruselfilmreife Nebelschwaden vorüber und nur mit viel gutem Willen lässt sich das andere Ufer des Flusses ausmachen. Auch bei meinen beiden Tischnachbarn erntet Frau Lenz mit ihrer optimistischen Einschätzung nur hochgezogene Augenbrauen. Sie registriert die Skepsis. »In zwei, drei Stündchen hat sich der Nebel aufgelöst, dann scheint die Sonne auf die feuchten Trauben und macht die Schale weich, genau richtig für den Wein.«

 

Frau Lenz betreibt ein Weinhaus in Pünderich und wie so ziemlich jeder hier in der Gegend beurteilt sie das Wetter ausschließlich danach, ob es gut für den Wein ist oder nicht. Und dieses Jahr war das Wetter anscheinend so gut, dass der Wein schon zwei Wochen vor dem üblichen Termin reif war. Ein völlig verregneter August scheint dem Wein und Frau Lenz nichts ausgemacht zu haben.

Viele der eigens für Kanuten angelegten Stege liegen direkt am Ortskern der Moseldörfer.
Foto: Param Gill

Paddler beurteilen das Wetter danach, ob es für genug Wasser reicht und falls ja: Möge ihnen immerfort die Sonne scheinen! Doch wenn Frau Lenz und der Wein es brauchen, lassen wir den Nebel noch ein Weilchen die Trauben befeuchten und fahren auf der kleinen Straße die wenigen Kilometer aus dem Moseltal hinauf zum Aussichtspunkt am Bummkopf. Schon auf halber Strecke strahlt uns blau der Septemberhimmel entgegen. Am Parkplatz angekommen, sehen wir den Nebel von seiner schönsten Seit­e – von oben. Eine graue, wabernde Schlange liegt über den Mäandern des Moseltals. Hier bei Zell beschreibt der Fluss eine 180-Grad-Kehre, die beiden Schleifenenden liegen an der engsten Stelle nur 300 Meter auseinander. Im Nebelmeer kann man den Lauf der Mosel nur erahnen, die eingeschlossene Landzunge ragt als Insel aus den Wolken. Karina und ich blicken andächtig auf das Naturschauspiel, während der Fotograf etwas von »Kontrastumfang«, »Vordergrund« und »reinblitzen« murmelt. Wenig später hat sich der Nebel verzogen und die Sonne erweicht endlich die Schalen von Frau Lenzens Trauben. Uns beschert sie vollkommenes Paddlerglück: Sonnenschein nach ergiebigen Niederschlägen.

 

Braun wie der Colorado und mit beachtlicher Strömung fließt die Mosel dahin, das plattgedrückte Gras am Ufer zeigt, wie hoch das Wasser gestern noch stand. Allzu viel Schweiß werden uns die 12,5 Kilometer nach Bullay wohl nicht kosten. Ein Umstand, der auch Karina, die heute zum ersten Mal im Kanu sitzt, schnell mit dem trüben Wasser versöhnt. Bei normalen Pegeln müssen Paddler auf der Mosel mit einer Strömungsgeschwindigkeit von teilweise unter einem Kilometer in der Stunde rechnen, und manch rheinverwöhnter Tourenpaddler hat in der zweiten Tageshälfte schon das Fluchen gelernt.

Vor den Schleusen kommt der Fluss selbst bei unserem Pegel fast ganz zur Ruhe und man paddelt wie auf einem See.

Infrastruktur für Kanuten

Eine Weinprobe gefällig? Auf der Moselstrecke jederzeit möglich.
Foto: Param Gill

 

Der Bootssteg in Pünderich ist auf die wechselnden Wasserstände bestens ausgelegt, da er schwimmend konstruiert ist. Der Steg ist einer von 25 neuen Anlegestellen, die im Zuge des Projektes »Wasserwanderroute Mosel« eigens für Kanus und Ruderboote gebaut wurden. Zwischen der Mündung bei Koblenz und Schweich bei Flusskilometer 178,2 finden Paddler nun alle 20 bis 30 Kilometer einen Steg, der nicht weiter als 20 Zentimeter über die Wasseroberfläche hinausragt. Und auch alle anderen Ausstiege verdienen sich das Prädikat »kanutenfreundlich«. Wer die ganze Strecke von Schweich bis zum Deutschen Eck an der Rheinmündung zurücklegen möchte, ist, je nach Wasserstand und Kondition, zwischen 7 und 10 Tagen unterwegs. Wer weniger Zeit hat, nutzt die begleitende Bahnlinie oder die Touristendampfer, um am Ende des Tages das Auto nachzuholen.

 

Wir hingegen genießen heute den Luxus eines Shuttle-Fahrzeuges – der Fotograf will vom Ufer aus ein paar Bilder machen. Gleich nachdem wir an dem neuen Steg in Pünderich ins Boot gestiegen und die obligatorischen vier bis zehn Mal durchs Bild gefahren sind, paddle ich in die Flussmitte und tue das, was ich am besten kann: treiben lassen.

 

Es ist jedes Mal beeindruckend, wie unvermittelt einen das Wasser aus dem Alltagsleben reißt. Weinberg links, Weinberg rechts, durch die Mitte strömt ein Fluss. Golden scheint die Sonne, mild strömt Herbstluft in die Lungen und die Wellen plätschern munter gegen den Rumpf. Dazu ein Himmel in Techni­color. Es gibt schlimmere Schicksale als eine Bootspartie auf der Mosel.

König der Lüfte?

Zwischen Mosel links und Mosel rechts liegen nur 300 Meter Luftlinie, aber elf Kilometer Paddelstrecke.
Foto: Param Gill

 

Und wenn die ganze Arbeit der Fluss macht, bleibt Zeit für eine Expedition ins Tierreich. Heute: der Höcker­schwan. Zugegeben, nicht unbedingt mein Lieblingstier. Schon zu oft habe ich im Geiste einen Schwanenangriff mit dem Paddel abgewehrt. Doch dieses Exemplar hier will nicht kämpfen, nur ab­heben. Startgewicht: bis zu 15 Kilo. Höckerschwän­e zählen zu den schwersten flugfähigen Vögeln der Welt. Trotz gewaltiger Flügelschläge (Spannweite: bis zu 2,40 Meter) hebt dieser Feder-Jumbo seinen Körper nur ansatzweise aus dem Wasser, den restlichen Schub bringen die Schwimmhäute zwischen seinen Zehen. Patsch, patsch. Reichlich unmajestätisch drückt er sich auf dem Wasser ab. Dieses Exemplar braucht eine Startbahn von gut 100 Metern, bis endlich das Fahrwerk einklappt. Nach jedem Flügelschlag sackt der schwere Körper wieder ein Stück nach unten. Wie man so bis nach Afrika kommen will, ist mir schleierhaft. Wohl nicht umsonst bleiben die meisten Schwäne im Winter in Deutschland. Nach kurzem Tiefflug landet er wieder, seine Schwimmhäute diesmal als Bremse nutzend.

 

Ein Frachtschiffverband reißt mich aus der Naturbeobachtung. Und erinnert daran, dass die Mosel nach dem Rhein die zweitwichtigste Schifffahrtsstraße in Deutschland ist. Bis ins französische Metz werden hier bis zu 16 Millionen Tonnen im Jahr transportiert, hauptsächlich Kohle. 14 Schleusen gewährleisten seit 1964 den Frachtverkehr. Viel Platz haben die bis zu 50 Meter langen Schiffe auf dem kurvenreichen Fluss nicht, und um die Nerven der Schiffer zu schonen und sich weiterhin im Einklang mit der Binnenschifffahrtsverordnung zu befinden, sollten Paddler am Rand bleiben. Nachdem wir die Wellen im Fahrwasser des Dampfers abgeritten sind, kehrt wieder Ruhe ein.
Die Blicke verlieren sich in dem riesigen Gittermus­ter der Weinstöcke, die sich rechts und links des Flusses die Hänge hochziehen. Über sechs Millionen Stöcke zählt man allein in der Verbandsgemeinde Zell. Große Schilder zeichnen die einzelnen Weinlagen aus. Das Rebstockspalier des »Briedler Herzchens« geleitet uns bis Zell. Auf der Straßenbrücke steht schon der Fotograf und will das alte Fotografenspiel spielen: »Noch mal, bitte!«

 

Nachdem wir uns ein paar Mal die Strömung hochgearbeitet haben, nur um wieder 30 Meter flussab zu paddeln, hat er endlich genug und wir Mittagspause.
Und wer in Zell irgendwo einkehrt, kommt an einem Namen nicht vorbei: »Schwarze Katz«. So heißt die berühmteste Weinlage des Fachwerkstädtchens. Weinhändler aus Aachen wollten bei einem Zeller Winzer Wein kaufen, konnten sich aber nicht entscheiden, welches Fass. Da sprang eine schwarze Katze auf eines der Fässer und buckelte. In der Annahme, die Katze wolle den Wein mit der besten Qualität verteidigen, entschieden sich die Aachener für dieses Fass. Das Tier hatte wohl einen ausgezeichneten Riecher, der Tropfen wurde berühmt und die Lage, aus der der Wein stammte, hieß fortan »Schwarze Katz«.

 

Ein paar Schwarze Katzen später paddeln wir weiter Richtung Bulley. Wir sind allein, die Frachtschiffe scheinen Mittagspause zu machen. Nur ein weiterer Kanadier schippert am Horizont. Die Schatten werden schon länger, im milden Licht leuchten die Weinberge noch verlockender, und mein Auge tastet schon die Häng­e nach der Weinlage ab, die ich mir heute Abend zu Gemüte führen werde.

 

Wir sind jetzt gute elf Kilometer gepaddelt und nur 300 Meter von unserem Ausgangsort entfernt. Sie erinnern sich, die Moselschleife. Gleich hinter dem flachen Hügel auf der linken Flussseite liegt Pünderich, davor unser Ziel, Bulley. Eine doppelstöckige Stahlfachwerkbrücke kündigt den Ort an. Die Brück­e war die erste dieser Art in Deutschland. Ein Eisenbahntunnel, der die Landzunge durchquert, führt direk­t zu einem weiteren Superlativ: das mit 786 Metern längste Hangviadukt einer Eisenbahnstrecke in Deutschland. Eisenbahninteressierte erwandern die Strecke auf dem »Kanonenbahnweg«.

Ein Weinberg zur Hochzeit

Fachwerkhäuser findet man an der Mosel überall.
Foto: Param Gill

 

Unsere Aufmerksamkeit für solche eisenbahn­historische Leckerbissen ist indes gerade etwas getrübt. Im Ortskern von Bulley steht eine nackte Frau. Genau­ genommen ist es eine Statue auf einem Brunnen, von der wir nur den Rücken sehen. »Die bewegt sich!«, meint der Fotograf und greift schon nach seiner Kamera. »Die kann sich nicht bewegen, die ist aus Bronze«, sage ich. Aber sie bewegt sich doch, ganz langsam. Die Statue muss über irgendeinen Mechanismus mit dem Brunnen verbunden und sein, und durch den Wasserdruck dreht sich die nackte Schönheit nun ganz langsam zu uns herüber. Wir versuchen, dem Schauspiel nicht allzu viel Beachtung beizumessen. Allzu frivol wird es dann auch nicht, denn die Lady bedeckt ihre Blöße mit einem Kleid, das sie vor die entscheidenden Körperpartien hält. »Brautrock« erklärt die Bedienung im Café, das sei der Name der bekanntesten Weinlage von Bulley. Und eine gute Weinlage braucht an der Mosel auch eine Geschichte. Die Bezeichnung geht zurück auf den durch sein ausschweifendes Leben verarm­ten Grafen Beißel. Den einzigen Ausweg aus seiner Misere sah er darin, dass sein Sohn eine gute Partie machen sollte. Eine entsprechende Braut fand sich schon, doch als Brautvater musste er die Hochzeit ausstatten. Doch wovon? Da nahm der reiche Brautvater eine­n Weinberg des Grafen zum Pfand und bezahlte die Hochzeit. Den Weinberg schenkte er dann wiederum seiner Tochter unter der Auf­lage, dass die Erlöse aus dem Weinberg alleine ihr zustünden, nahm er doch an, auch der junge Graf würde durch seine Ausschweifungen die Familienkasse belasten.
Am nächsten Tag verschaffen wir uns einen Eindruck davon, wie so ein ausschweifendes Leben wohl ausgesehen haben könnte.

 

Nur fünf Kilometer von Moselkern entfernt liegt die durch den 1000-Markschein berühmt gewordene Burg Eltz. Wie ges­tern schon liegt früh morgens noch ein Nebel über den Senken. Die berühmte Burg hüllt sich anfangs noch in dicke Schwaden, bis sich die Sonne durchkämpft und den Tau aus den Wiesen trocknet. Drüben im Moseltal, nur fünf Kilometer entfernt, dürften jetzt auch die Trauben in der Sonne liegen. Frau Lenz wird sich freuen. Und wir können endlich paddeln.

Wasserwanderroute Mosel

Weinberge und Flussmäander prägen das Moseltal. Der Fluss ist neben dem Rhein die zweitwichtigste Schifffahrtsstraße in Deutschland. Dennoch muss man als Paddler nicht fürchten, vor lauter Schiffen das Wasser nicht mehr zu sehen. Auch der Verkehr auf der den gesamten Flussabschnitt begleitenden Bahntrasse hält sich in Grenzen.

 

 

 

 

 

Charakter:

 

Die von der Mosellandtouristik ins Leben gerufene Wasserwanderroute Mosel umfasst genau 178,2 Kilometer und führt von Schweich bis Koblenz. Das Gebiet ist touristisch hervorragend erschlossen, die Strecke lässt sich nahezu beliebig einteilen oder abkürzen. Die Strömung der Mosel ist nur mäßig, je nach Wasserstand, Dauer der Landgänge und Bootstyp sollte man zwischen 20 und 30 Kilometer pro Tag einplanen. Ein Flyer gibt Auskunft über die Lage der Stege und die Adressen der Verleiher. Die Broschüre ist bestellbar bei Mosellandtouristik, Postfach 1310, 54463 Bernkastel-Kues, Tel. 06531/97330, Fax 973333. Im Netz: www.mosellandtouristik.de.

 

Weinproben:

 

Unzählige Möglichkeiten, z.B. Weinhaus Lenz, Hauptstraße 31, 56862 Pünderich, Tel. 06542/2350.

 

Wasserqualität:

 

Die Sauberkeit der Mosel ab Luxemburg lässt zu wünschen übrig, Abwässer werden zum Teil direkt eingeleitet, ab Trier hat sich der Fluss aber wieder einigermaßen erholt.

 

Gefahren:

 

In den engen Mäandern der Mosel kann es aufgrund des Schiffverkehrs manchmal eng werden. Paddler sollten immer ein wachsames Auge auf die Berufsschifffahrt haben. Eine Schwimmweste sollte selbstverständlich sein.

 

Befahrungsregeln:

 

Auf der Mosel gelten die Richtlinien der Moselschifffahrtspolizeiverordnung. Kanus gelten als Kleinfahrzeuge und müssen als solche Großfahrzeugen ausweichen. Also: Fahrrinne freihalten und nur bei Bedarf (und unter Beachtung der Vorfahrtsregel) kreuzen.

 

Transport:

 

Entlang der Mosel führt eine Bahnstrecke, das Umsetzen des Autos stellt daher nirgendwo ein Problem dar. Fahrplan: www.bahn.de. Noch stilvoller lässt es sich mit den vielen Ausflugsdampfern umsetzen.

 

Übernachtung:

 

Zahlreiche Unterkünfte entlang der Mosel, am besten informiert man sich auf den Seiten der einzelnen Fremdenverkehrsämter (Auswahl s. u.), eine Gesamtübersicht findet sich in der Broschüre der Wasserwanderroute Mosel (s. o.).

 

Karten:

 

Eine sehr grobe, für Paddler aber ausreichende Karte findet sich in der Broschüre der Wasserwanderroute (s. Charakter). Wer es genauer mag und/oder zusätzlich auch wandern will, nimmt die topografischen Karten des Landesvermessungsamtes Rheinland-Pfalz im Maßstab 1:25000 für je 5,90 Euro.

 

Sehenswertes:

 

Zahlreiche Burgen liegen direkt an der Mosel und im Umland. Besonders sehenswert: Burganlage in Cochem (www.reichsburg-cochem.de), Burg Eltz, erreichbar zu Fuß (5 km) von Moselkern aus, Info: www.burg-eltz.de.

 

Infos:

 

Mosellandtouristik, Postfach 1310, 54463 Bernkastel-Kues, Tel. 06531/ 97330, Fax 973333. Im Netz: www.mosellandtouristik.de oder info@mosellandtouristik.de.
Tourist-Information Zeller-Land, Rathaus, Balduinstraße 44, 56856 Zell, Tel. 06542/96220, info@zellerland.de.