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Touren

Sauer - Von Wallendorf bis Rosport

 Deutschland, Rheinland-Pfalz

Herbststimmung auf der Sauer

Als Dreiländerfluss fließt die Sauer von ihrer Quelle in den belgischen Ardennen durch einsame, reizvolle Wald- und Wiesentäler über Luxemburg zur bundesdeutschen Grenze.

Es ist Mitte Oktober, Sonntag, 8 Uhr früh. Eine anhaltende Folge von Piepstönen lässt uns aus tiefem Schlaf erwachen. Oh, wie ich es hasse, dieses Geräusch meines kleinen Reiseweckers, quält es mich doch schon das ganze Jahr hindurch. Doch das Aufstehen lohnt sich, der Himmel ist sternenklar und die Temperatur nahe des Gefrierpunkts. Über der sanft geschwungenen Bergkette am Horizont zeigen sich die ersten Nebelschwaden. Keine Viertelstunde später wärmt eine heiße Tasse Kaffee unsere Hände.

 

Schöne Landschaft, gut erreichbar, ganzjährig fahrbar, und ein Wetterbericht, der nichts zu wünschen übrig lässt. Wir hatten gestern gute Gründe, Richtung Sauer aufzubrechen. Ein kurzer Anruf bei Freunden genügte, um sie von einer gemeinsamen Tour zu überzeugen. Spontan wurden Oma und Opa als Babysitter für unsere knapp einjährigen Zwillinge eingespannt und los ging's. Es soll die erste Tour nach unserer Kanu-Babypause werden.

 

Wir lassen die Boote am Campingplatz in Wallendorf zu Wasser, wo die saubere Our in die Sauer mündet. Es ist sehr still um diese Zeit. Der Nebel gibt der Landschaft einen eigentümlichen Reiz. Steil abfallende bewaldete Hänge säumen das Ufer, kleine und große Felsen durchbrechen das Wasser. Wir genießen beim Paddeln diese Naturschönheiten. Alle, außer Nicole, denn sie ist mit ihren Gedanken bei unseren Kindern. Sie kann gar nicht richtig abschalten. Der Mutterinstinkt ist größer als ich dachte.

Dreiländerfluss im Schatten der Eifel

Mit dem Kanu auf der Sauer in der Eifel.
Es muss nicht immer Kanada sein: Indian Summer in NRW.
Foto: Dietmar Bode

 

Wenige hundert Meter hinter der Brücke in Wallendorf erwartet uns ein Wehr, das wir problemlos rechts durch die Floßgasse befahren; ein spritziger, langer Schwall lässt die Boote auf hohen Wellen schaukeln.

 

Danach beruhigt sich der Fluss, doch die zügige Strömung zieht uns rasch weiter. Der kühle Wind greift mit tausend Fingern ins dichte Laub, Sonnenstrahlen tanzen wie Irrlichter auf dem Wasser. Gegenüber der fünfbögigen Steinbrücke in Dillingen steigen wir aus um die nur wenige Schritte vom Fluss entfernte »Tränenley« anzuschauen; ein seltsamer Kalkfelsen mit einer kleinen Höhle, in der Wasser aus dem Gestein sickert. Dieses verliert einen Teil seiner Kalkfracht und rieselt dann in Tausenden von Tröpfchen herab – gerade so, als weine der Fels.

 

Weiter geht die Fahrt. Zwischen Steinblöcken rauscht die Sauer zügig über flachen Grund. Bald darauf wird das Wasser in einer großen Flussschleife ruhig wie ein See, Steilwände verengen das Flussbett. Die Umgebung spiegelt sich im stillen Wasser und verleiht der Sauer ihren eigenartigen Reiz. Hier wird uns klar, dass wir wirklich eines der Filetstücke der Eifelflüsse befahren. Danach geht es wieder zügiger voran. Zwischenzeitlich ist Nicole durch die intensiven Eindrücke der Sauer so fasziniert, dass sie sich wieder mit voller Begeis­terung auf die Kanutour einlassen kann.

 

In Bollendorf plätschert der Grenzfluss Sauer munter an den hübschen Häusern des Luftkurortes vorbei. Auf der Uferpromenade flanieren Urlauber; Restaurants und Cafés laden zur Einkehr ein. Gemütlich treiben wir dahin, bis die Türme des Echternacher Klosters sichtbar werden. Malerisch liegt das Dorf Echter­nacher­brück im Tal der Sauer, überragt von blanken Felsen. Da wir unser Auto mit dem Bus von Wallendorf nachholen wollen, beenden wir die Tour an dieser Stelle. Es ist spät geworden an diesem Sonntag im Oktober. Diese zwei Tage haben tiefe Eindrücke hinterlassen. Wir werden auf alle Fälle wiederkommen. Aber das nächste Mal mit unseren Kindern, so dass auch Nicole die Tour von Anfang an genießen kann.

Tourinfo: Von Wallendorf bis Rosport

 

Die Sauer windet sich in weit ausholenden Schleifen durch den deutsch-luxemburgischen Naturpark. Die untere Sauer ab Wallendorf ist 20 bis 30 m breit, hat eine träge Strömung, kaum Schnellen und eignet sich hervorragend für Familien mit Kindern. Die vorgestellte Etappe bietet sich als Tagestour an, kann aber durch Verlängerung ab Heiderscheidergrund zur Wochenendfahrt ausgedehnt werden.

 

Länge: 18 km.

 

Beste Zeit: Ganz­jährig gut befahrbar, besonders schön im Herbst.

 

Pegel: Ab 60 cm in Bollendorf fahrbar. Pegel unter Tel. 06526/210.

 

Gefahren: Alle Wehre sind leicht erkennbar und zum Teil fahrbar, bzw. leicht zu umtragen.

 

Befahrungsregelung: Abschnitt Walllendorf bis Rosport 16.7. bis 30.9 nur Einzelfahrten erlaubt; übrige Jahreszeit frei.

 

Übernachtung: Campingplatz »Sauer-Our«, Wallendorf, Tel. 06566/ 352, www.eifelidyll.de. Geöffnet vom 01.04. bis 31.10. Süd­eifel-Jugendherberge Bollendorf, Bollendorf, Tel. 06526/200. Weitere Übernachtungsmöglichkeiten bestehen in den vielen Gäs­tezimmern in Wallendorf oder Bollendorf (Gastgeberverzeichnis beim Verkehrsamt anfordern).

 

Gastronomie: Am Ortsrand des reizvoll gelegenen Ferienortes Wallendorf, nur 200 m von den beiden Grenzflüssen Sauer und Our entfernt, liegt die empfehlenswerte Gaststätte »Forellenhof«.

 

Kanuverleih: Outdoor Freizeit, 10, Rue de la Sûre,
L-6350 Dillingen, Tel. 00352/869139, www.outdoorfreizeit.lu.

 

Alternativen: Basilika, altes Rathaus und das Kloster in Echternach. Die dortige Liboriuskapelle gewährt einen traumhaften Blick ins Tal. Die berühmte Springprozession findet alljährlich am Pfingstdienstag statt. Wandern und Radfahren entlang der Sauer und im Naturpark Südeifel. Bei gutem Wasserstand die benachbarten Flüsse Our, Prüm und Nims.

 

Literatur: »Kanuwandern in Nord- und Westdeutschland«, Gerlach/Nejedly, 5. Auflage 2002, BLV Verlag, www.blv.de, 17,95 Euro. »Nordfrankreich/Benelux«, DKV-Auslandsführer Band 6, DKV-Kanuführer für Südwest-Deutschland (detail­ierteste Beschreibung der Sauer).

 

Karte: »Wassersport-Wanderkarte Nr. 3 Deutschland-Südwest«, Maßstab 1:450.000, Jübermann Kartographie und Verlag, Auflage 1998.