Flachwasser-Labyrinth aus Hauptspree und unzähligen Flussarmen. Einige Wehre, meist mit Schleusenanlagen.
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Touren
Spreewald - Von Lübbenau zur Wotschofska
Auf Irrwegen durch den Spreewald
Für mich war der Spreewald früher eigentlich nix Besonderes. Viele Jahre lang war es das Natürlichste der Welt, am ersten Oktoberwochenende mit dem ganzen Verein in den Süden des Landes Brandenburg zu fahren. Dort, etwa hundert Kilometer vor den Toren Berlins, teilt sich die Spree in unzählige Flussarme, auch Fließe genannt, windet sich durch Wiesen und Wälder, Äcker und Dörfer – und bildet so ein einmaliges Labyrinth aus Wasser und Wald. Über 600 Kilometer Wasserwege auf engstem Raum, kaum Motorboote, nur reizvolle Natur. Paddlerherz, was willst du mehr? Das dort ein kleines Naturparadies verborgen liegt, begriff ich erst kürzlich, nachdem ich viele Länder bereist habe, etliche Flüsse gepaddelt bin und gut 500 km entfernt wohne. Ohne Zweifel, der Spreewald zählt neben der Mecklenburger Seenplatte zu den besonderen Flecken der Ex-DDR.
Im Sorbischen heißt der Spreewald »Blota«, übersetzt Sumpf. Dieser prägte das Leben der Sorben (ein slawisches Volk, welches seit 1500 Jahren in der Lausitz zu Hause ist) wohl mehr als Rad und Wagen, denn teilweise füllen die einzelnen Fließe den Spreewald so gründlich aus, dass für Straßen nur wenig Platz bleibt. Als Fortbewegungsmittel dienen seit jeher die flachen Holzkähne. Sie werden ohne Motor betrieben, der Kahnführer stößt sich mit einem langen Holzstab, dem Holzrudel, vom Boden ab.
Die Kahnfahrt durch den Spreewald ist ein Muss für Touristen. »Die Entdeckung der Gelassenheit« heißt es dazu in einer Werbebroschüre. Abgerundet wird der Charme des Spreewaldes noch heute durch die hier ansässigen Sorben, die mit ihrer Tradition, ihrer Kunst und ihrer eigenen Sprache eine Minderheit in Deutschland darstellen. Auch die Namen der einzelnen Fließe haben eine ungeahnte Melodik: Sapolla, Schrebenza, Bluschnitza, Mutnitza – wow, das hört sich vielleicht Sorbisch an! Was passiert wohl, wenn man einen Einheimischen nach dem Weg fragt?
Gurken statt Medaillen bei der Spreewaldfahrt
Für uns bedeutete die Spreewaldfahrt aber nicht nur Vergnügen, denn es galt den letzten Wettkampf der Saison zu bestreiten. Kein Slalom, kein Marathon, kein Sprint, nein, im Spreewald trägt man Orientierungswettkämpfe aus.
Nur mit einer kleinen Karte bewaffnet, muss man sich rund zwanzig Kilometer durch die Irrwege des Spreewaldes kämpfen, um insgesamt zehn Kontrollpunkte abzufahren. An jedem Kontrollpunkt verziert man seine Karte als Beweis mit einer Lochzange, nur an Punkt 5 nicht: Dort erhält man ein Glas Spreewaldgurken mit dem Auftrag, mindestens eine Gurke mit ins Ziel bringen. Gar nicht so einfach, denn schließlich sind die Gewürzgurken aus dem Spreewald die leckersten der Welt. Aber abgesehen von den Gurken ist dieser Wettkampf kein Zuckerschlecken. In den engen Kanälen drängeln sich Horden von Konkurrenten, überholen ist nicht immer möglich. Von Zeit zu Zeit muss man mal einen Kilometer gegen die Strömung fahren, manches Mal das ein oder andere Wehr umtragen – Schleusen würde zu lange dauern. Bei den kleinen Wehre kann man auch versuchen, einfach hoch zu paddeln.
So manches Faltboot ist damit zwar überfordert, aber wer gewinnen will, muss halt Opfer bringen. Wie ein Irrer am Stock ziehen macht auch selten Sinn, denn außer in den Hauptgewässern ist es nicht sehr tief. Je aggressiver man paddelt, desto tiefer sinkt das Boot ins Wasser. Viel schöner ist es hingegen, wenn man sich einfach auf die Welle seines Vordermannes hängt. Denn dann beginnt dieser ganz von allein schneller zu fahren, seine Welle wird größer, seine Unterarme hart, und sein Gesicht ganz rot – das erkennt man auch von hinten.
Manche Teilnehmer schaffen es erst im Dunkeln ins Ziel, wenn die Masse schon auf dem Weg zur »Wotschofska« ist. In dieser Gaststätte findet immer die Paddler-Party statt, mit Siegerehrung, Tanz und Bier. Für den Rückweg hat sich die Fahrtenleitung immer etwas Besonderes ausgedacht: Eine romantische Kahnfahrt durch die Stille des Spreewaldes, nur mit Fackeln ausgestattet. Die Romantik bleibt dann allerdings meist auf der Strecke, vielmehr hallen schräge Trinklieder durch die Nacht. Am nächsten Morgen kommen dann wieder die Spreewaldgurken zum Einsatz, genauer gesagt dessen Rest, das Gurkenwasser als Katerfrühstück.
Tourinfo: Von Lübbenau zur Wotschofska
Am besten von Lübbenau über Lehde zur Wotschofska und von dort weiter Richtung Nord-Osten in den Hochwald. Dann wieder in den Süden nach Leipe und von dort zurück zum Startpunkt nach Lübbenau.
Länge: 14 km.
Beste Zeit: Ganzjährig. Am besten in der Nebensaison, weniger Touristen, Sie wissen schon.
Befahrungsregelung: Gewässerkarte nicht vergessen.
Gefahren: Kahnausflüge mit Heizdeckenverkauf.
Übernachtung: Campingplatz »Am Schlosspark«, Lübbenau, Tel. 03542/3533, www.spreewaldcamping.de und »Am Ostgraben«, Schwarze Ecke 32, Burg, Tel. 035603/18773, Fax 18778, www.zelten-in-burg-spreewald.de.
Gastronomie: In fast jeder Ortschaft, meist sind die Kneipen direkt vom Wasser aus erreichbar, in manchen bekommen Paddler sogar Rabatt.
Kanuverleih: Bootsverleih und Kahnfahrten, H. Konzack, Dorfstraße 48, 03226 Leipe, Tel. 03542/43559.
Alternativen: Lehder Bauernhaus- und Gurkenmuseum, An der Dolzke 6, Lübbenau, Tel. 03542/89990. Geöffnet von April bis Oktober (10 - 18 Uhr oder nach Vereinbarung).
Literatur: Karten: Märkische Gewässer, Kümmerly + Frey. Wasserwanderkarte Oberspreewald/Unterspreewald (ISBN 3-929600-23-4, 3,80 €) Speziell für Paddler erstellt. Auf Grund der großen Nachfrage erschien im Jahr 2002 bereits die 4. aktualisierte Auflage.



