Wiesenbach mit einigen flachen Abschnitten, leichte Schwälle (WW I+), keine Verblockung. Auch für Anfänger geeignet. Der »Dooser Katarakt« wenige Meter oberhalb des regulären Einstiegs ist WW II.
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Touren
Wiesent
Loblied auf das Flüssla Wiesent
Ich kenne die Wiesent seit 20 Jahren. Doch wo soll ich anfangen bei meiner Lobeshymne auf dieses fränkische Kleinod? Bei meiner allerersten Paddeltour vielleicht, im 4,30 Meter langen GFK-Boot und mit Holzpaddel, welches kurz vor dem Ausstieg zerbrach? Oder soll ich die Natur vornan stellen, dieses zauberhaft gewundene Tal im Herzen der Fränkischen Schweiz? Oder ist es der unverwechselbare »Charme« der Menschen dort, der mich lockt? Sind es das Bier und die Brotzeiten? Die Kletterfelsen und die Höhlen? Die stillen Morgenstunden im Frühjahr oder Herbst? Die glühenden Sommertage mit vielen freiwilligen Eskimorollen? Sind es das Schauspiel historischer Paddelausrüstung und die Kenterorgien an sommerlichen Feiertagen? Oder ist es das gerechte Bauchweh nach den Unmengen von Kirschen, die so verlockend im Kehrwasser hingen? Es ist wohl von allem ein bisschen, wenn mein Herzla in diesem Meer aus Wald, Wiese, Wasser und Fels ein paar Schläge schneller schlägt. Oder wie heißt es doch so schön über diese Gegend jenseits von Nürnberg: »is eh a andere Welt«.
Die Faszination Wiesent ist also geklärt, doch auf welchem Abschnitt ist sie am betörendsten? Ganz klar diesmal, die große Schleife der Wiesent zwischen Doos und Ebermannstadt muss es sein. Mit den alten Mühlen am Fluss und all den Schwällen und Wehren ist dies sicher der abwechslungsreichste Teil dieses fränkischen Klassikers. Wenn ich Sonntag morgens allein in Bamberg mein Boot auf dem Beiwagen festzurre, den Kickstarter meines Motorrads kräftig durchtrete und mich mit knatterndem Motor über die kleinen Landsträßla Richtung »Fränkische« bewege, dann steuere ich den Ausstieg Muggendorf an.
Dort, am Parkplatz gleich unterhalb des Bahnhofs, deponiere ich die Maschine und trage Boot und Ausrüstung die wenigen Meter zum Bahnhof. Pünktlich um 10.17 Uhr schnauft der historische Zug der Eisenbahnfreunde aus Ebermannstadt um die Kurve. Die mächtige Dampflokomotive transportiert Touristen, Radler und auch den einen oder anderen Paddler samt Boot. Die Lok qualmt und stampft sich immer an der Wiesent entlang flussauf und erreicht nach rund einer Dreiviertelstunde Behringersmühle. Der Einstieg liegt 20 Meter unterhalb, und auf ruhigem Gewässer geht es bis zur Stempfermühle. »Stromschnellen« nach der Brücke fordern erste Opfer unter den Neulingen im Paddelgeschäft.
Wehr und »knallharder« Katarakt
Zwischen Wiesen und Bäumen schlängelt sich der Fluss durch die Natur und erreicht die Sachsenmühle. Mit großem Rumms donnern Geübte dort das steile Betonwehr hinunter.
Gemütlich schwallend geht’s dahin, bis das Naturwehr, die Kernstelle der Strecke, in Sicht kommt. Dieses »knallharde« S sorgt immer wieder für diverse, wenn auch ungefährliche Kenterdramen. Anschließend weitet sich das Tal ein wenig und nach insgesamt 10 km Fahrt erreiche ich den Ausstieg Muggendorf.
Wenn ich dagegen mit Freunden und Auto unterwegs bin, dann muss es die längere Strecke von Doos bis Muggendorf oder gar Ebermannstadt sein. Der Transfer vorab gestaltet sich einfach mittels der ortsansässigen Kanuverleiher (normalerweise nur bei Bootsleihe, aber nachfragen lohnt) oder per Fahrrad. Die Straße von Muggendorf bis Doos ist zwar nur vier Kilometer lang, kürzt aber 15,3 Kilometer Fluss ab. Der Haken ist die 20% Steigung zwischendrin.
Wer die Radlstrecke gut hinter sich gebracht hat, wird mit einem der schönsten Abschnitte der Wiesent entlohnt. Gleich hinter Doos fließt sie hurtig an einer Spundwand durch die enge Durchfahrt. Rechts oben kommt dann die »Riesenburg« in Sicht, eine Versturzhöhle, von der sich ein malerischer Blick auf das Bächla und die bunten Boote tief unten erhaschen lässt. Über die Schottersmühle zieht sich das enge Tal in vielen Schleifen bis zur Behringersmühle.
Am Mühlkanal ist Umtragen angesagt, was auf neuen Wegen aber problemlos möglich ist. Was folgt, ist das schon beschriebene Stück bis Muggendorf. Danach wechseln ruhige Abschnitte mit »gefällstarken« Passagen, an denen man prima Kehrwasser fahren üben kann. Wir passieren die Burgruine Neideck, und nach 22,7 Kilometer beim Freibad Ebermannstadt haben selbst die ganz Harten unter uns lange Arme und gewaltigen Durst. Den löscht man am besten im Gasthaus »Kohlmanns Garten« in Muggendorf: Dort gibt es »a Draumblick auf mei Heimad, exzellente fränkische Klöß, a kühls Bier und nette Wirtsleud!«
Tourinfo: Von Doos bis Ebermannstadt
Länge: 22,7 km.
Beste Zeit: Immer! Wasser hat es ganzjährig, aber zu Ferienzeiten und an sommerlichen Wochenenden ziemlich viele Paddeltouristen.
Begel: Kenn ich fei kan, aber vielleichd gibds an. Wenn die Brüh rechd braun iss, bleibds besser daham – oder sedsd die Düdn auf den Schädel, wirfds dem hf sei Wesdla drüber und schmeisd a Wurfsäckla in den Kahn.
Befahrungsregelung: Die Wiesent darf von 31.3 bis 31.8 nur zwischen 8 und 17 Uhr und nur flussabwärts befahren werden. Und bitte, bitte: Barkd ned wie d’Sau, benutzt die gekennzeichneten Ein- und Ausstiege, schleift keine Boote über Wiesen und nehmt Rücksicht auf Angler, Anwohner und die Natur, damit weitere Einschränkungen ausbleiben.
Gefahren: Rausch aufgrund der extrem hohen Brauereidichte. Niedrige, siphonartige Brücke nach der Riesenburg (km 3,0 ab Doos), unfahrbar! Rechtzeitig anlanden, bei viel Wasser ziemlicher Sog. Diverse Wehre, aber alle beschildert, leicht erkennbar, zum Teil fahrbar, alle leicht zu umtragen.
Übernachtung: jede Menge Campingplätze, Ferienwohnungen, Pensionen.
Gastronomie: An fast jeder Mühle hängt ein Gasthaus dran, an Ortschaften mindestens vier bis fünf.
Kanuverleih: an der Stempfermühle (nahe Behringersmühle): www.leinen-los.de, Tel. 0170/7551943. Doos Einstieg: Kajak Mietservice, 09196/998423. Muggendorf: Aktiv-Reisen, Tel. 09196/998566. Die modernsten Kajaks bietet Leinen los. Ansonsten schippern historisches Bootsmaterial Marke Taifun und diverse Kanus und Sit-on-tops herum. Alle Anbieter locken mit einem gut funktionierenden Transferservice. An Wochenenden und zu Ferienzeiten müssen Leihboote langfristig vorher reserviert werden.
Alternativen: Wandern und Klettern, Kajaksurfen auf der Bamberger Rathauswelle.
Literatur: Norbert Blank: Fränkische i-Tüpfäla – erlesene fränkische Spezialitäten und ihre Selbsterzeuger. Verlag Fränkischer Tag, buchverlag@fraenkischer-tag.de oder info@bilder-botschaften.de.




