Springe direkt zu: Hauptnavigation Inhaltsbereich Zusätzliche Informationen und Links Bereichsnavigation Servicenavigation



Inhaltsbereich

Touren

Inn - Von Wasserburg bis Mühldorf

 Deutschland, Bayern

Der Inn – eine bayerische Loire

Wasserreicher Voralpenfluss mit guter Strömung, einzelne Sohlschwellen bis WW II.

Wasserburg am Inn
Wasserburgs italienisch anmutende »Skyline« zieht zu Beginn der Tour vorüber.
Foto: Alfons Zaunhuber

Immer wieder fragt man mich nach meinem Lieblingswanderfluss rund um München. Stets hadere ich bei der Antwort zwischen Isar und Inn. Die Isar fließt in einem natürlichen Flussbett von Tölz bis (fast) nach München hinein. Das wissen allerdings auch Tausende von nackten Hintern auf den FKK-Kiesbänken und die bierseligen Floß- und Schlauchbootfahrer beim Betriebsausflug – zumindest an den langen Feiertagswochenenden im Frühsommer. Und wenn man ersterem Übel noch was Positives abgewinnen kann (Sonnenbrille nicht vergessen), so sind Blas­musik und Bierbankgejodel selten nach Paddlers Geschmack. Dann doch lieber der Inn ab Wasserburg. Keine Straßen oder ICE-Trassen begleiten den Fluss, links und rechts des Ufers dominiert die Natur, und nur ab und an unterbricht eine Staustufe die freie Fahrt. Bis Mühldorf ergibt das eine Tagesetappe von stolzen 53 km Länge. Möglicherweise etwas hart?

 

Macht nichts, wer früh aufsteht, schafft das schon, selbst der Einkehrschwung in der Klosterwirtschaft Au ist dabei möglich. Wer es gemütlicher mag, hört bereits in Au auf und kann dafür eine Maß Klos­terbier mehr trinken. Oder man startet erst an der Staustufe Jettenbach und befährt dafür die 24 Kilometer lange Strecke auf dem frei fließenden und renaturierten Inn bis nach Mühldorf. Da verpasst man allerdings die Altstadt von Wasserburg und das Klosterbier von Au.

 

Wir stehen lieber früh auf und freuen uns, dass wir die Boote schon am Vorabend in München aufs Autodach geladen haben. Dicke graue Wolkentürme hängen noch über dem Inn, als wir nach einer Fahrt über kleine Nebenstraßen den Einstieg unterhalb der Staustufe Wasserburg erreichen. Während sich unsere Boote im ersten Kehrwasser sammeln, hebt sich urplötzlich der Nebelvorhang. Die Sonnenstrahlen und das perfekte Timing wärmen Fluss und Gemüt. Vor uns liegt die Altstadt von Wasserburg mit ihren malerischen Bürgerhäusern.

Wildwasser, aber nur kurz

Mit Kanu und Kajak auf dem Inn.
Gegen Ende der Tour taucht der Fluss in eine regelrechte Wildnis ein.
Foto: Alfons Zaunhuber

 

Die Rokoko-Fassaden in gelb, braun und terrakotta stammen von italienischen Baumeistern, und wer einmal zu Fuß durch die schönen Patrizierhäuser mit ihren Laubengängen flaniert ist, dem erschließt sich das mediterrane Flair der Stadt besonders.

 

Unsere kleinen Boote gleiten viel zu schnell an der bedeutenden Salzhandelsstadt vorbei und ehe wir uns versehen, sind wir auf einem völlig einsamen Flussabschnitt mit guter Strömung und bewaldeten Steilufern einer Endmoräne, die der Inngletscher zurückgelassen hat. Wie ein grünes Band liegt der Inn vor uns, majestätisch kreisen Graureiher über unseren Köpfen am weißblauen Himmel, und die Mischwälder leuchten in den schönsten Herbstfarben.

 

Nach einigen Kilometern nimmt die Strömung ab, die Staustufe Teufelsbruck liegt unmittelbar vor uns. Wer schlau ist, bewältigt die 300 Meter lange Strecke bis zum Wiedereinsetzen mit einem Bootswagen. Die Strömung legt wieder vehement los, und die Flusslandschaft gehört uns ganz alleine. Nach weiteren sieben Kilometern erreichen wir die Straßenbrücke von Gars. Die monumentalen Türme der Stiftskirche lassen wir links liegen, da uns für eine Besichtigung heute keine Zeit bleibt. Nach kurzer Fahrstrecke will die Staustufe Gars mit dem Bootswagen umfahren werden. Nach weiteren drei Kilometern liegt das Barockkloster Au vor uns. Au wurde von den Benediktinern gegründet, heute sind die Franziskaner federführend.

 

Kurz danach passiert man das Schloss Stampfl und bei Fluss-Kilometer 128 erreicht man die Staustufe Jettenbach. Rechts umtragen wir nun unsere Boote rund 600 Meter weit. Ich hasse Wehre und Staustufen. Anschließend belohnt uns der Inn für die Plackerei mit einer völlig ungezähmten Fließstrecke. Einige Schwallstrecken lassen sogar Wildwassergefühle aufkommen und belohnen diejenigen, die ihre Spritzdecke aufgezogen haben. Vorbei an Kiesbänken und dem Städtchen Kraiburg erreichen wir nach langer, aber abwechslungsreicher Fahrt Mühldorf.

 

Wer nach dieser Mammuttour noch Lust auf mehr hat, kann vom Inn jederzeit eine Verlängerung fordern. Denn bis zur Mündung in die Donau bei Passau warten noch viele einsame Lagerplätze unterm Sternenhimmel, Naturschutzgebiete und sehenswerte Städte wie Braunau und Schärding. Dann ist die vorgestellte Tagesfahrt nur Antipasti für ein mehrtägiges Fluss-Menü à la Tom Sawyer und Huckleberry Finn.

Tourinfo: Von Wasserburg bis Mühldorf

 

Länge: 53 km.

 

Beste Zeit: April bis Oktober.

 

Pegel: in Jettenbach mindestens 100 cm (BKV-Pegeltelefon unter 089/15702443 von Fr 13 Uhr - Mo 9 Uhr, Bayerntext Tafel 627/628 oder

 

Internet: www.kanu.de/pegel/index.html).

 

Gefahren: 3 Wehre und Staustufen (sehr gut beschildert), vereinzelt hohe Wellen an den zurück gebauten Sohlschwellen).

 

Auskunft: Verkehrsamt Wasserburg, Tel. 08071/10522,
www.wasserburg.de. Verkehrsamt Mühldorf, Tel. 08631/612226,
www.muehldorf.de.

 

Übernachtung: Camping Moos in Polling nahe Mühldorf, Tel. 08631/612226 (nicht am Fluss gelegen).

 

Gastronomie: Klosterbrau­er­ei Au (Biergarten und Braustüberl).

 

Kanuverleih: Prijon Kanushop in Rosenheim, Tel. 08031/30370 und Blueandwhite in Riedering am Simsee, Tel. 08036/90630.

 

Alternativen: Inn-Radweg, Inn-Museum in Rosenheim (Wasserbau und Schifffahrt), vom 1. April bis 31. Oktober geöffnet, Fr 9 - 12 Uhr, Sa u. So. 10 - 16 Uhr. Ebenfalls interessant das Heimatmuseum in Wasserburg (siehe Text).

 

Literatur: Alfons Zaunhuber: Kanuwandern – Die schönsten Kanutouren in Bayern. Pollner Verlag, zu beziehen im Internet unter www.pollner-verlag.de für 18,- Euro. DKV-Wanderführer für Bayern, 9. Auflage 1999, zu beziehen unter www.kanu.de für 20,35 Euro. HB-Bildatlas Nr. 155: Ostbayern zwischen Donau und Inn, mit Karten im Maßstab 1:200.000. Bikeline Radführer Inn-Radweg 2 mit Karten im Maßstab 1:50.000, Verlag Esterbauer.