Der Chiemsee östlich von Rosenheim ist der größte See Bayerns und nach Bodensee und Müritz der drittgrößte See Deutschlands. Paddler finden auf dem »Bayerischen Meer« ein breites Portfolio.
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Chiemsee
Ursprünglich nahm der Chiemsee eine Fläche von fast 240 Quadratkilometern ein, was dem Dreifachen der heutigen Wasserfläche entspricht. Grund für die Verlandung sind Sand und Geröll, die von den Zuflüssen Tiroler Ache und Prien kontinuierlich in den See gespült werden. Paddler finden auf dem »Bayerischen Meer« ein breites Portfolio – von der gemütlichen Feierabendtour samt Feierabendbier auf Frauenchiemsee über Seekajakfeeling bei Starkwind bis zur mehrtägigen Robinsonade mit Sack, Pack und Zelt. Möglich ist, was gefällt.
Charakter:
Alle Ufer sind Kiesstrände, die vorgelagerten Bereiche häufig flach und dicht mit Schilf bewachsen. Im Westen, Norden und Osten schließt sich das überwiegend flache Chiemgau an, während im Süden die A8 München-Salzburg direkt am Seeufer durch das Chiemseemoos vor den dahinter liegenden Bergen vorbeiführt. Der Chiemsee beherbergt drei Inseln: Zwischen der großen Herreninsel mit dem Königsschloss und der dicht besiedelten Fraueninsel mit dem Nonnenkloster und diversen Gaststätten, die zum Anlanden und Verweilen einladen, liegt als kleinste im Bunde die in Privatbesitz befindliche Krautinsel.
Besonderheit:
Mit einer Stunde Anfahrtzeit ab München liegt der See, anders als Starnberger See und Ammersee, deutlich außerhalb der
akzeptablen Distanz der Schickeria mitten in der bayerischen Provinz. Ausgedehnte Villen mit Privatufer, wo schon der Gedanke an ein eventuelles
Anlanden verboten ist, sucht man vergeblich. Sofern nicht durch Schilfbewuchs behindert, ist der gesamte Uferbereich, von den Schutzzonen abgesehen, frei zugänglich.
Beste Zeit:
Der Chiemsee ist meist ganzjährig befahrbar, am schönsten
jedoch außerhalb der Hauptsaison, also von Mitte September bis Ende Mai.
Gefahren:
Die Seeschifffahrt ist für die Wintermonate weitgehend stillgelegt und wird nur zwischen Gstadt und Fraueninsel aufrechterhalten. In den Sommermonaten herrscht aber reger Betrieb mit mehreren Schiffen, die alle das Nadelöhr zwischen Urfahrn und Herreninsel passieren müssen. Hier sollte im Sommer nur zügig und auf direktem Weg gequert werden. Ansonsten übt die Berufsschifffahrt keinen störenden Einfluss aus. Im Sommer ab etwa elf Uhr zum Teil heftiger, thermischer Nordwind mit entsprechendem Seegang (zwischen den Inseln geringer).
Wasser:
Der Chiemsee ist ein Durchfluss- und kein Grundwassersee. Der Wasserstand ist starken jahreszeitlichen Schwankungen unterworfen. Der See erwärmt sich im Frühjahr infolge des starken Zuflusses nach der Schneeschmelze nur langsam und kühlt aus dem gleichen Grund nach längeren Regenfällen auch wieder schnell ab. Bei stabiler Wetterlage ist er im Sommer aber aufgrund der vielen Flachwasserzonen der wärmste Badesee Bayerns.
Naturschutz:
Der Südostteil des Sees um die Mündung der Tiroler Ache ist seit 1954 Naturschutzgebiet und darf nicht betreten werden. Das Gebiet ist seeseitig großräumig und klar erkennbar mit großen Tonnen abgegrenzt. Der seit Jahren zunehmende Populationsdruck hat das Landratsamt Traunstein im Frühjahr 2006 dazu veranlasst, weitere Uferbereiche zu Schutzzonen zu erklären, in denen Befahrung, Ankern, Landen und Baden verboten sind. Diese Teile sind zwar ebenfalls durch Tonnen markiert, allerdings lässt die Betonnung aufgrund der großen Abstände der einzelnen Tonnen nur begrenzt Rückschlüsse auf die Lage des betroffenen Schutzgebietes zu. Hier ist vorbereitendes Kartenstudium gefragt. Ganzjährig gesperrt sind folgende Bereiche:
- der Nord- und Ostteil der Herreninsel von der Schiffsanlegestelle bis zur Südostspitze.
- der Ostteil des Aiterbacher Winkels (Schafwaschener Bucht).
- der Nordostteil zwischen Campingplatz Lambach und Seebruck mit Ausnahme des Badeplatzes in Esbaum, zu dem ein 100 m breiter Stichkanal führt.
- Vom 1. März bis 31. Juli sind gesperrt:
- der Bereich Rottspitz westlich von Übersee. Dieser Abschnitt ist ein bei Paddlern und FKK-Jüngern aufgrund seiner Abgeschiedenheit und schweren Erreichbarkeit von Land her sehr beliebt.
- der Süd- und Westteil der Herreninsel von Südostspitze bis zum Schlosskanal. Der beliebte Landeplatz an der Südostspitze ist über einen etwa 50 m breiten Korridor zwischen ganzjähriger und zeitlich begrenzter Schutzzone weiterhin zugänglich.
- die Halbinsel Sassau zwischen Prien und Urfahrn.
- Genauere Infos gibt es unter www.chiemsee-segeln.de/schutzzonen.htm.
Anfahrt/Einsetzpunkte:
Es empfiehlt sich, die großen Touristenzentren Prien, Gstadt, Seebruck und Chieming zu jeder Jahreszeit zu meiden (dort finden sich nur wenige Parkplätze, kein günstiger Seezugang). Je nach Anfahrtrichtung empfehlen sich folgende Einsetzpunkte:
- bei Anreise über die A8 München-Salzburg bis zur Ausfahrt Übersee, dort dann der hintere, frei zugängliche Bereich des Strandbades. Begrenztes Platzangebot.
- über die Ausfahrt Bernau zum Badeplatz Rimsting an der Prienmündung (in Rimsting an der Kirche rechts zum See) oder der Badeplatz in Urfahrn kurz vor Breitbrunn. Bei beiden Badeplätzen ist die Anzahl der (gebührenpflichtigen) Stellplätze begrenzt und im Sommer schnell überfüllt, im Frühjahr und Herbst aber gebührenfrei und weitgehend vereinsamt.
- Bei Anreise von Norden her ist der Badeplatz in Esbaum zwischen Seebruck und Lambach/Gollenhausen zu empfehlen. Der Parkplatz ist groß, gebührenfrei und wird hauptsächlich von Radlern genutzt. Da der Seezugang nur etwa 20 m breit ist, halten sich Badetourismus und Parkplatzandrang in Grenzen. Vorsicht: Der Badeplatz liegt inmitten der ganzjährigen Schutzzone und kann nur durch einen 100 m breiten Korridor direkt verlassen werden. Die zwei nächstliegenden Tonnen markieren die Zufahrt.
Rastplätze:
Wo der Schilfbewuchs es zulässt, kann angelandet werden (Schutzzonen beachten). Die beliebtesten Rastplätze sind der Strand an der Promenade in Chieming, der Kiesstrand nördlich von Übersee und westlich des Naturschutzgebietes, der Bereich Rottspitz (1. März bis 31. Juli Schutzzone, nicht anfahren), die Südostspitze der Herreninsel mit genialem Ausblick auf die Chiemgauer Alpen, der Mündungsbereich des Schlosskanals, die Prienmündung, die Fraueninsel.
Übernachten:
Campingplatz Harras bei Prien.
Campingplatz Lambach.
Campingplatz Unterhochstätt/Chieming.
Essen:
Die obligatorische »Chiemseerenke« in der Gaststätte
Inselwirt auf der Fraueninsel sollte jeder Paddler einmal genossen haben.







