Noch immer ist das Land an vielen Ufern des Ammersees gelassen, ruhig. Sonnenlicht lässt das Wasser grün erscheinen, kleine verborgene Buchten und Wiesen laden ein dem Wellenschlag an den flachen Ufern zu lauschen. Es ist ein weiträumiges Land, einfach und alt. Sein Gebiet ist eines der herrlichsten im bayerischen Voralpenland. An einem schönen Frühlings- oder Sommertag spiegelt sich die lange Bergeskette im Süden in seinen Wasssern. Aber der See hält Abstand zum ewigen Schnee der Zugspitze, dem höchsten Gipfel Deutschlands.
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Touren
Ammersee
Ammersee – eine Variante von Axel Kment
Der Klostersee
Der Ammersee stand immer im Schatten des Starnbergersees, wo der Münchner Hof fürstlichen Glanz verbreitete. Der See blieb lange vergessen von den Tausenden, die allsommerlich hinausziehen um sich jeden Winkel schöner Erde zu erobern. Erst die Bahnanbindung an das Westufer 1898 und das Ostufer nach Herrsching 1903 ließ die Besucherzahlen ansteigen.
Die mächtigen Klöster von Andechs auf dem »Heiligen Berg« im Osten und das hochgelegene Marienmünster in Dießen im Südwesten beherrschten ihn und seine Anwohner. Selbst die beiden kleinen Schlösser an seinem Ufer an der Herrschinger Bucht waren klösterliche Sommerresidenzen. Wo immer man sich am oder auf dem Ammersee aufhält, das Kloster Andechs blickt auf ihn herab. Wo heute Bierseligkeit vorherrschen, ist auch ein Ort der drei bedeutendsten deutschen Wallfahrtsorte.
Der Bauernsee
Das Leben am Ammersee war hart. Fangquoten und Abgaben zwangen viele Fischer in den Nebenerwerb. Sie bewirtschafteten die Äcker und Wiesen unter den Waldgürteln der eiszeitlichen Moränenhügel über dem See, arbeiteten als Bauleute und Handwerker oder transportierten mit ihren Booten Wallfahrer und Güter über den See.
Der Künstlersee
Während das Ostufer wohlhabendere Münchner anzog, wählten viele Künstler das bescheidenere Westufer als Heimat oder Domizil auf Zeit. Musiker, Schriftsteller, Journalisten, Maler und Bildhauer bildeten Künstlergemeinschaften. Wilhelm Leibl war der erste, dann die Künstlergemeinschaft »Die Scholle« mit ihrem Einfluss auf die Entwicklung des »Blauen Reiter«. Ein Kleinod ist die mit dem Kajak in Holzhausen direkt anlandbare Künstlervilla Gasteiger mit ihrem Landschaftspark am See.
Naturparadies Ammersee
Der Ammersee ist der drittgrößte See in Bayern, übertroffen nur vom Chiemsee und dem Starnbergersee und er ist der Voralpensee, der sich am weitesten nach Norden erstreckt. Seine Fläche beträgt rund 47 qkm, seine Tiefe bis zu 80 Meter. Die Länge des See beträgt ca. 16 km, die größte Breite von der Herrschinger Bucht im Osten bis Riederau im Westen 6 km. Herrsching im Osten hat mit seinem S-Bahnanschluss nach München viermal so viele Tagesgäste wie das Westufer das mit der »Ammerseebahn« von Augsburg erreichbar ist. Weder im Westen noch im Osten wurden zum Glück große Hotelanlagen gebaut. Die Gäste bevorzugen kleine Häuser, man campt oder wohnt in einer privaten Ferienwohnung. Paddler treten auf dem See seltener auf, Segler sind in der Mehrheit. An den meisten Tagen des Jahres gehört den Paddlern der See alleine, ein wunderschönes Gefühl seinen Gedanken nachhängen zu können. Im Herbst ist Gästewechsel, Wasservögel aus dem Norden nutzen dann den See als Winterquartier. Naturschutzgebiete rund um den See, das Ampermoos im Norden, das Seeholz mit seinen Baumriesen zwischen Holzhausen und Riederau und das Ammermoos im Süden schützen Wasservögel. Flora und Fauna.
Mit seiner länglichen Form und der großen Herrschinger Bucht erinnert der See aus der Vogelperspektive an eine Okarina, dem tönernen italienischen Instrument. Bei guter Kondition und ruhigem Wetter vorausgesetzt, lässt sich der See in sechs bis acht Stunden umrunden. Auch Querungen sind möglich.
Doch Vorsicht: Rasch von Westen eintreffende Sommergewitter entfachen unvermittelt hohe Windstärken mit stark böigen Winden, die jährlich einigen Seglern zum Verhängnis werden. Gelbliche Blinklichter an den Ufern geben Warnzeichen. Auf die mögliche Sturmgefahr machen 40 Blitze in der Minute aufmerksam. Ein Blinklicht mit 90 Blitzen in der Minute kündigt die unmittelbar bevorstehende Sturmgefahr an. Jetzt ist es spätestens ratsam, Ufernähe anzusteuern. Mehrtägige konstante Ostwinde im Sommer haben Windstärke vier bis fünf. Sie führen warmes Sommerwetter mit sich und lassen gleichlaufende lange und hohe Wellen entstehen , die den Puls des Paddlers beim sportlichen Wellenreiten höher klettern lässt. Zu den Glücklichen zählt, wer bei diesem Wind der über hundertjährigen »Albatros« einer Zweimast-Yawl, dem Flaggschiff auf dem Ammersee, begegnet und sich auf eine Wettfahrt einlässt.
Geheimtipp Ammersee
Unter den Aktiv-Urlaubern ist das Trekken im Kajak und Kanu auf dem Ammersee noch ein Geheimtipp. Man lässt sich gerne treiben, hält ein Picknick am Ufer und unternimmt Ausflüge per Rad oder Fußwanderung zu den vielen Sehenswürdigkeiten rund um den See. Das Boots- und Radvergnügen hilft Paaren bei der Blindabstimmung und schweißt Familien zusammen.
Die 40 km lange Ammerseeumrundung ließe sich natürlich für adrenalinsüchtige Paddler in einem Zug durchpaddeln. Der Genusspaddler mit und ohne Kinder verliert dann aber so manches Kleinod auf seiner Wegstrecke am Ufer aus den Augen.
Ammersee mal vier
Kaum ein Paddler kennt den Ammersee so gut wie Axel Kment – folgerichtig kann man seine Lieblingstouren bedenkenlos empfehlen.
Von St. Alban nach Utting (12 km )
Nach einem gutem Frühstück bietet der Camping Platz in St. Alban eine gute Einsetzmöglichkeit. St. Alban ist einer der schönsten Flecken rings um den See. Die in den See hinausragende Landzunge wurde oft als „Malerwinkel“ bezeichnet. Hier liegen ein kleiner Segelhafen, Fischerhütten und die malerische am Seeufer liegende spätgotische Kirche St. Alban mit angeschlossenem Benediktinerinnenkloster. Im Süden liegt das Bergmassiv der Zugspitze, Wetterstein- und Karvendelgebirge samt den vorgelagerten Bergketten Herzogstand, Heimgarten und Benediktenwand.
Vor Riederau gleiten wir an einem abwechslungsreichen Ufer mit Schilfbestand, schmucken kleinen Häusern und wechselndem Baumbestand vorbei bis wir vor Riederau an einem der schönsten Restaurants direkt am Wasser, das „Seehaus“ passieren, das frühere »Curry’s Inn«, benannt nach dem bekannten Arzt, Segler und Tüftler Dr. Manfred Curry, der in Riederau lebte. Curry ist jedem Segler ein Begriff, sie verdanken ihm die überaus nützliche »Curry Klemme«.
Riederau bietet ein schönes Strandbad mit einem originellen Strandcafé im Tippi-Look. Im und neben dem Strandbad kann gut angelandet werden. Ein Parkplatz liegt in unmittelbarer Nähe. Riederau blieb lange ein beschauliches Ferienidyll mit sehr individuellen Häusern und Bauernhöfen, umgeben von großen Gärten und stattlichen Bäumen, das heute noch das Gesicht des Ortes prägt.
Nach einer sehr flachen Landzunge folgt eine langer Schilfgürtel bis kurz vor Holzhausen mit dem unmittelbar angrenzenden 65 Hektar großen Naturschutzgebiet Seeholz, eines der wertvollsten Wald-Naturschutzgebiete Bayerns. Die Holzernte ruht seit über 50 Jahren weitgehend, Todholz fördert auch viele Spechtarten, die wiederum Wohnraum für Höhlenbrüter schaffen. Ein wunderbarer Rad-Wanderweg führt durch diesen Rest von Urwald. Das Ufergebiet ist sehr flach, der im leichten Wind raschelnde Schilfgürtel mit kleinen verschwiegenen Buchten lädt zum Träumen ein und erinnert an die Mecklenburgische Seenplatte. Etwa 500 m landeinwärts liegt der kleine Ort Holzhausen, eine malerische dörfliche Schönheit: im »Sonnenhof« laden Biergarten und Gasthof zum Verweilen ein. Für viele Maler, vorwiegend aus München, wurde in der »Prinzregentenzeit« Holzhausen ein künstlerischer Treffpunkt. Wer weiterpaddelt, umrundet nach kurzer Strecke eine kleine flache Landzunge und findet hier eine wenig bekannte Badestelle mit Steg und großer öffentlich zugänglicher Liegewiese. Eine weitere Besonderheit: der direkte Zugang führt zum »Gasteiger Park« mit der kleinen Jugendstilvilla des Malerpaares Gasteiger. Das kleine Museum ist in einen ausgedehnten Landschaftspark eingebettet, umgeben von einem prächtigen Blumengarten und mächtigen Eichen. In dieser dörflichen Abgeschiedenheit entwickelte sich die „Künstlerkolonie Holzhausen“ mit bekannten Namen wie Walter Georgi, Eduard Thöny, Fritz Erler, Adolf Münzer und weiterer bekannter Journalisten des Magazins »Simplicisissimus«.
Utting mit dem originellen hölzernen Zehn-Meter-Sprungturm liegt vor uns. Am Ortseingang imponiert das neugotische Selzam Schlösschen mit Steildach und Erkertürmchen. Das Anwesen wurde von dem Maler Eduard Selzam um 1900 errichtet. Die ehemaligen in Fachwerkbauweise errichteten Ökonomiegebäude wurden zu Ferienwohnungen umgebaut.
Im kleinen Hafen von Utting spielt sich ein reges Bootsleben ab. Wer hat Lust zum Pflücken? Unmittelbar nach dem Sprungturm stehen Brombeerhecken am Ufer, die von Land aus nicht erreichbar sind.
Die »Alte Villa« im Norden Uttings inmitten einer Parkanlage nahe dem Freizeitgelände mit gut erreichbarem Campingplatz ist ein gut geeigneter Ausstieg. Die Villa bietet eine gute Küche mit wunderbarer Terrasse inklusive Seeblick. Der zugehörige Biergarten mit Jazz und Frühschoppen am Sonntag ist weit bekannt.
Für Paddler bietet der nahe Campingplatz nur für Zelte eine gesonderte Wiese abseits der Wohnmobile.
Von Utting nach Stegen (6,5 km)
Bootshafen und Schiffsanlegestelle Schondorf liegen 3.5km nördlich. Der Ort hat sich aus dem einstigen Fischer- und Bauernsiedlung zu einem beliebten Wohn- und Urlaubsort mit einem hohen Freizeitwert entwickelt. Auch Bert Brecht verbrachte hier viele schreibende Urlaube. Am Hafen steht die älteste Kirche am Ammersee. St. Jakob aus dem 12. Jahrhundert zählt zum Typus der so genannten »Turmkapellen« mit Wehrturm im Obergeschoss. Gegenüber können hungrige und durstige Gemüter in die gut geführte »Seepost« einkehren und von der Terrasse dem munteren Treiben zuschauen.
Auf dem Weg nach Norden passieren wir einen stillen buchtenreichen Uferabschnitt, den Weingarten. Das folgende große Erholungsgebiet am Echinger Ammerseeufer lässt bei mitpaddelnden Kindern Freude aufkommen. Sie finden reichlich Spielmöglichkeiten auf der Liegewiese des Strandbades. Mit seiner flachen Uferzone, die bis zu 150 Meter in den Ammersee hinein das Stehen ermöglicht, ist Eching für Surf-Anfänger besonders gut geeignet.
Das Nordende wird durch Schilfgürtel, kleinere Inseln und seine flache Uferzone markiert. Ein gewisser Abstand zu nistenden Vögeln auf den Inseln ist angebracht. Am Abfluss der Amper erreichen wir Stegen, dem Heimathafen der Ammerseeflotte, Surferparadies und Biergartenidylle. Das Seehaus »Schreyegg« bietet für jeden Geschmack etwas – ob gehoben oder bayerisch urig. Bei schönem Wetter schweift der Blick von hier über den gesamten See bis zu den Alpen.
Von Stegen nach Herrsching (12 km)
Ab jetzt wird der Blick über den weiten See zur Alpenkette geprägt. Eine große Liegewiese unmittelbar hinter dem »Schreyegg« lädt zum ruhigen Picknick ein. Bis Buch bleibt das Ufer geruhsam und grenzt an einen Höhenzug am einzigartigen Steilufer des Ammersees. Buch ist ein kleiner lebendiger Ort mit Schiffsanlegestelle und Strandbad. Das Ufer wird jetzt parkähnlich, bis wir nach 2 km Breitbrunn erreichen. Auf großen Flächen wird hier Obstbau betrieben. Wer sich die Zeit für einen der schönsten Blicke auf den Ammersee genehmigen möchte, möge den nahegelegenen Jandersberg (617m) besteigen. Die folgenden 6 km grenzen an den Rieder Wald. Kenner der Badeszene suchen hier viele kleine von Schilf und Sträuchern umgrenzte einsame und öffentlich zugängliche Buchten auf. Das Wasser ist flach und warm, es lädt zum Schwimmen ein. Wir finden ufernah auch kleine aufgeschüttete Steininsel auf denen wir anlanden können.
Am Nordende der langen Herrschinger Bucht erscheint auf einer Anhöhe das gelb bemalte Schloss Ried, die ehemalige Sommerresidenz der Zisterziensermönche aus den Kloster Fürstenfeld. Das Südende der 1,5 km langen Seepromenade Herrschings markiert die Sommerresidenz Mühlfeld. Die Mönche vom Kloster Andechs waren von 1597 bis ins 19. Jahrhundert hier die Schlossherren. Herrsching ein Ort mit 10000 Einwohnern besitzt kein gewachsenes Zentrum aber die längste Seepromenade Deutschlands. Dichtgedrängt reihen sich Restaurants, Hotel, Kiosk, und Biergärten aneinander. Besonders im Herbst finden sich hier sehr gute Surf- und Segelbedingungen. Nicht zu verachten sind die von der Kirche St. Martin ausgehenden Pilgerpfade auf den Heiligen Berg Andechs, Ort der durstigen Seelen im Kloster Andechs. Am Ende der Seepromenade kann im Süden vor dem Restaurant Seespitz »da Mario« sehr gut angelandet werden. Bei einem gutem Essen kann auf der Terrasse in die untergehende Abendsonne hineingeträumt werden. Als Besonderheit bietet sich an einem frühen Sommerabend die Seeüberquerung nach Riederau an.
Von Herrsching nach Dießen/St. Alban (14 km)
Am Ostufer begleiten uns zunächst viele Villen, Gärten und Badestege. Auf halber Strecke nach Aidenried beherrscht wieder naturbelassenes Ufer den Strand nur unterbrochen durch das Erholungsgelände Aidenried mit Bademöglichkeit. Im Segelbootshafen und Weiler Aidenried bietet die Ausflugsgaststätte »Aidenried« mit Blick auf Dießen, Marienmünster und das buchtenreiche Vogelschutzgebiet am Südufer bayerische Schmankerl. Über 300 verschiedene Vogelarten wurden bislang nachgewiesen. Auf 500 ha Fläche bieten naturbelassene Verlandungsflächen der Ammerzuflüsse, Feucht-/ Streuwiesen, Weiden und Erlen auch für Vogelbeobachter und vorbeifahrende Paddler ein besonderes Erlebnis.
Vor den ersten Häusern Dießens kann an einer kleinen Bucht gut angelandet werden, hinter Bäumen liegt etwas versteckt ein größerer Parkplatz. Dießen bietet einen gewachsenen Ortskern, Markt, Kultur und urige Einkehrmöglichkeiten. Der Hafen wird von der Schiffsanlegestelle, hölzernen Fischerhütten, Segelvereinen und Segelschule beherrscht. In unmittelbarer Nähe im alten Fischerviertel laden Cafés und Bistros zum innehalten ein. Die nahe Markthalle ist einer der sozialen Treffpunkte wo sich an Samstagen jeder trefflich mit frischen Lebensmitteln verproviantieren und stärken kann. Besondere Attraktion ist an Himmelfahrt der große überregional bekannte Töpfermarkt der jedes Jahr im Mai viele Tausend Besucher anlockt. Vor dem Endziel Camping Platz St. Alban gleiten wir an der alten Kirche St. Alban vorbei. Ein Pflichtbesuch gilt dem Seerestaurant im Camping Platz St. Alban. Von der Seeterrasse genießen wir nicht nur einen unglaublichen Ausblick über den See zum Kloster Andechs, sondern auch ein sehr gutes Essen mit stilvollem Ambiente.
Nachpaddeln & genießen
Der Ammersee ist mit 47 qkm der zweitgrößte der hier vorgestellten Seen und markiert gleichzeitig das nördliche Ende des so genannten Pfaffenwinkels, der im Wesentlichen aus dem Landkreis Weilheim-Schongau besteht. Der Name Pfaffenwinkel leitet sich dabei von der bayerischen Bezeichnung für Pfarrer ab und weist auf eine außergewöhnlich hohe Dichte von Kirchen und Klöstern hin.
Entstehung
Geologisch entstanden ist der Ammersee während der Würm- bzw. Risseiszeit. Aus dem heutigen Karwendel, der so genannten »Garmischer Pforte«, schob sich damals der Ammergletscher ins Voralpenland und hinterließ bei seinem Abschmelzen, eingebettet in die Seiten- und Endmoränen des Gletschervorschubs einen See, der etwa 6-mal so groß war wie der heutige Ammersee.
Befahrungsgebote
Der Ammersee ist fast zur Gänze frei zugänglich, nur der am Südende gelegene Bereich der Ammermündung zwischen Dießen und Fischen ist Ramsar-Schutzgebiet und darf weder befahren noch betreten werden.
Wind
Bei ruhiger Wetterlage bildet sich spätestens am späten Vormittag fast das ganze Jahr hindurch ein steifer Nord-Ost-Wind, weshalb es in der Regel ratsam ist, Rundtouren entgegen dem Uhrzeigersinn anzugehen (da die meisten Einsetzpunkte am Nordende liegen). Das Ostufer ist etwas höher als das Westufer und bietet – zumindest manchmal – etwas Windschutz auf der Rückfahrt.
Besonderheiten
Es gibt zwei ausgewachsene Flachwasserzonen, die von Seglern gemieden werden müssen, für Kanuten aber, mit Ausnahme historischer Tiefstände, kein Hindernis darstellen. Die erste liegt am Nordende zwischen dem Strandbad in Eching und dem Stand westlich des Dampfersteges in Stegen. Hier kann man, so man will, im knietiefen Wasser von Eching bis nach Inning quer durch den See waten. Die zweite Zone liegt beim Rieder Eck, der nördlichen Zufahrt zur Herrschinger Bucht. Die Seichtzone erstreckt sich hier über 100 m in den See. Bei starken westlichen Winden bildet sich hier eine ausgedehnte Brandungszone, wenn die Wellen nach etwa 3 km freier, tiefer Fläche (Fetch genannt) auf diese Untiefe treffen.
Zugang
Man kann direkt am Rieder Eck kurz vor Herrsching parken, das Boot etwa 30 m durch den Wald zum See tragen und ist dann direkt in der »Playzone«. Allerdings fängt hier der frühe Vogel den Wurm, da der Platz bei Starkwind auch bei Surfern und Kitern sehr beliebt und die Anzahl der möglichen Parkplätze begrenzt ist.
Geparkt wird ansonsten entweder in Herrsching beim Strandbad, oder am Nordende des Sees. Dort verläuft die Autobahn A96 von München nach Lindau, die man, von München kommend, entweder an der Ausfahrt Inning oder 5 km später an der Ausfahrt Eching verlässt. Man kann zwar direkt am Dampfersteg in Stegen parken (wenn man früh dran ist) und dort tatsächlich das Boot direkt von Autodach ins Wasser werfen – sofern man sich nicht von den saftigen Parkgebühren und der abschrecken lässt und die geplante Strecke in der Höchstparkdauer von maximal vier Stunden schafft. Besser bewährt hat sich das Strandbad in Eching. Am Echinger Kreisverkehr nach Süden ins Naherholungsgebiet abbiegen und nicht den Zeichen zum ersten Parkplatz folgen. Letzterer ist zwar groß, liegt aber etwa 200 m vom Wasser entfernt (Bootswagen unerlässlich). Außerdem gibt es hier nur einen schmalen Zugang zum Ufer durch den Schilfbereich. Stattdessen etwa 300 m weiterfahren bis unmittelbar an der linken Seite der Straße der Parkplatz des Badebereiches Eching auftaucht. Der beste Platz ist am Südende bei der Wasserwacht, wo man die Boote nur etwa 30 m zum Wasser tragen muss. Aber hurtig: Die Anzahl der Plätze ist beschränkt, ab 11 Uhr muss man im Sommer schon viel Glück haben, um noch ein Plätzchen zu ergattern.
Touren
Die gesamte Ammerseerunde ist etwa 40 km lang (und damit in der gleichen Größenordnung wie beim Starnberger See. Wer sich das antun will, sollte gute Kondition und 6 bis 8 Stunden Zeit mitbringen. Aber eine derartige Tour ist am Ammersee eher die Ausnahme.
Eine einfache, schöne Tour beschränkt sich auf das Westufer des Sees. Man fährt in Eching los und hangelt sich entlang der Schilfgürtel entweder bis zur Landspitze südlich von Utting oder gleich bis nach Dießen. Normalerweise hat man auf dem Rückweg dann kräftigen Gegenwind und es bietet sich dann an, die Rückreise entweder in Utting (Wirtshaus am Dampfersteg) oder in der Seglermarina in Utting-Nord (Restaurant etwa 50 m vom Strand) zu unterbrechen.
Beliebt sind sonst auch die Dreieckskurse Eching-Utting-Herrsching-Eching oder Herrsching-Utting-Dießen-Herrsching. Wer die Tour so legt, dass er in Herrsching Zwischenstation macht, der findet dort eine reiche Auswahl an »Jausenstationen« und kann von dort auch nach Andechs wandern. Die südliche Wasserfront von Herrsching fällt etwas aus dem sonst üblichen Rahmen, da man dort eine ähnlich mondäne Villenbebauung findet wie am Starnberger See – allerdings in wesentlich kleinerem Rahmen und durchaus sehenswert.
Übernachten
Campingplatz der Gemeinde Utting, Gabriele Bielmeier, Seestraße 36, 86919 Utting am Ammersee, Tel. 08806/7245, Fax 958643, campingplatz-utting@t-online.de, www.ammersee-camping.de.
Camping St. Alban, Seeweg Süd 85, 86911 Dießen,?Tel. 08807/7305,?Fax 1057,?www.camping-ammersee.de.
Zimmerreservierung unter www.ammersee-region.de.
Essen
Eching: Strandcafe am Badeplatz. Einfach zu finden. Neben der Wasserwacht landen, etwa 50 m unter den Bäumen zum Cafe
Utting: Strandcafe direkt am Dampfersteg. Nicht zu verfehlen, aber nicht ganz billig, wenig Landefläche (etwa 10 m)
Utting Nord: Café im Freizeitgelände. Neben dem südlichen Steg anlanden, Boote deponieren, etwa 30 m bis zum Café.
Herrsching: Etwa 200 m nördlich des Dampferstegs anlanden, Café und bayerische Wirtschaft direkt voraus.
Infos
www.ammersee-region.de & www.pfaffen-winkel.de.
Norbert Blank: Bayern – die schönsten Kanutouren (mit Seen-Special), Bruckmann Verlag, 2005, ISBN 9783765441929, 19,90 €.
Stefan Herbke: Die schönsten Freizeitziele im Fünfseenland. Bruckmann Verlag, 2002, ab ca. 10 € bei www.amazon.de.









