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Touren

Hochrhein - Vom Bodensee bis Schaffhausen

 Deutschland, Baden-Württemberg

Kreuzfahrt mit Schweizer Einschlag

Ab Mammern geht der Bodensee langsam in den Rhein über. Auf der Folgestrecke dürfte der Rhein der wasserreichste deutsche Fluss mit Trinkwasserqualität sein. Der Fluss führt durch die Aus­läufer der Hegau-Vulkane. Kurz vor Stein beginnt eine komfortable Strö­mung, die die folgenden 20 km zum Vergnügen macht und sogar stehende Wellen zaubert.

Mit den Tourenkajaks in Stein am Rhein.
Ein letztes Foto in Stein, dann beginnt die Schussfahrt.
Foto: Michael Neumann

Manche Ereignisse sind von solcher Bedeutung, dass sie lebenslang in Erinnerung verbleiben. Der erste Schultag, das erste Rendezvous, das erste selbst verdiente Geld. Für mich war es mein erster Fluss. Ich war zehn Jahre alt und meine Eltern hatten den Bodensee als Dauerstandort für ihren Wohnwagen auserkoren. Kurz zuvor hatte ich von meinem ahnungslosen Patenonkel ein selbst gebautes und schon damals antiquiertes Kajak geschenkt bekommen. Meinen Vater hatte ich in der Folge so lange bequengelt, bis er ein Einsehen hatte und sich auch ein Boot kaufte.

 

Auch wenn sich bei meiner ers­ten Rhein-Tour vom Bodensee-Aus­fluss bei Stein am Rhein bis Schaffhausen keinerlei Anfängerdramen abspielten, so habe ich jedes Detail der Fahrt noch vor dem inneren Auge. Zuerst das mittelalterliche Stein am Rhein mit seinen engen Gassen und Toren. Ich weiß nicht warum, aber seither hisst sich jedes Mal, wenn ich an das Städtchen denke, in meinem Kopf die leuchtend rote Flagge mit dem Schweizer Kreuz. Und ganz grün ist meine Erinnerung. Grüne Wiesen, grüne Wälder und grünes Wasser. Fasziniert war ich von der deutschen Enklave Büsingen, rund herum umgeben von der Schweiz. Dort kann man deutsche Briefmarken in einem deutschen Postamt mit Schweizer Franken bezahlen. Und weit und breit kein Zollhäus­chen. Meine Weltsicht ist weiter geworden an diesem Tag. Das Tolls­te aber war für mich aber die Rückfahrt mit dem großen Kursschiff. So groß, dass sogar unsere Kajaks darauf Platz hatten. Danach stand mein Berufswunsch fest, ich werde Kapitän.

 

Zum Kapitän hat es am Ende zwar nicht gelangt, aber Chef ist doch auch okay. Und in meinem Konstanzer Kajakladen verkaufe ich zumindest Schiffe, wenn auch solche ohne Motor. Ich musste also nicht lange überlegen, als mich KANU nach dem schönsten Fluss der Region Bodensee fragte. Es ist natürlich der Hochrhein, direkt vor meiner Haustür. Und manchmal bin ich sogar in Kapi­tänsmission unterwegs, wenn mal wieder Not am Mann ist und ich nicht genügend Guides für die von mir angebotenen Füh­rungs­fahrten auf dieser Strecke zusammen bekomme.

 

Nun könnte man einwenden, dass zuviel der vorgestellten Strecke inklusive des Ein- und Ausstiegs auf Schweizer Hoheitsgebiet liegt, um als eine der schönsten Kanutouren Deutschlands durchzugehen. Aber das ist zu klein gedacht. Denn wer will, kann an vielen Stellen rechts­ufrig anhalten und sich ein Eis mit Euro kaufen.

Von Mammern zum Rheinfall

Im Sonnenuntergang auf dem Hochrhein.
Die Strecke ist zwar nur 24 Kilometer lang, doch Genießer brauchen dafür locker bis zum Sonnenuntergang.
Foto: Michael Neumann

 

Mammern bietet sich als Einstieg an, da Bahnhof, Parkplatz und Schiffsteg nah beieinander liegen und man sich auf den ersten Kilometern See gut ein­paddeln kann.

 

Nach Eschenz ver­engt sich der See zum Rhein. Sogleich wird der Paddler von leichter Strömung und einigen stehenden Wellen begrüßt. Wer sich den Weg zwischen der Klosterinsel Werd und ihren beiden Nachbarinseln gesucht hat, passiert als nächstes die Rheinbrücke von Stein. Anlegen kann man am bes­ten auf der rechten Seite hinter dem Hafen. Kinder und Junggebliebene können hier mit einer Miniatureisenbahn fahren. Vielleicht hätte ich doch lieber Lokomotiv­führer werden sollen?

 

Wer nur den strömenden Teil der Tour fahren will, steigt erst hier ein. Unterhalb von Stein legt der Rhein so richtig los, die Strömung ist beachtlich, und hinter den vielen Pfählen im Stromzug rauscht es ordentlich. Kurz vor Diessenhofen gibt es sogar stehende Wellen in der Flussmitte, die mit einem Tourenkajak gesurft werden können.

 

Zur Mittagsrast landet man am besten am Strandbad Diessen­hofen vor der Holzbrücke an. Hier kann man grillen, Eis essen und baden. Anschließend kommt man nach Büsingen und zum Schweizer »Paradies«. Dann beginnt die Gemarkung Schaffhausen. Leihkanus werden links beim Campingplatz Rheinwiesen abgegeben, wer das eigene Kanu dabei hat, bootet einhundert Meter unterhalb rechts beim Bootslager des Kanuclub aus. Der Ausstieg lässt sich nicht verfehlen, man braucht also keine Angst zu haben, versehentlich die Zweitbefahrung des Rheinfalls einige hundert Meter flussab zu unternehmen. Dieser sollte unbedingt besichtigt werden, bevor man mit Bahn oder Schiff zurüch fährt. Rheinfallbefahrer wollte ich übrigens nie werden...

Tourinfo: Vom Bodensee bis Schaffhausen

 

Länge: 24 km.

 

Beste Zeit: ganzjährig. Besonders schön im Spätsommer, wenn viele Flüsse längst trocken sind.

 

Gefahren: Die Schifffahrtsrinne wird durch Pfähle (»Wiffen«) mit grün-weißen Rauten markiert. Die Kurs­schiffe fahren normalerweise auf der grünen Seite. Maßgeblich ist aber die Linie zwischen zwei Tafeln und die verläuft teilweise im abso­luten Zickzackkurs. Da Kurs­schiffe Vorfahrt haben, sollte man als Kanu­fahrer einfach frühzeitig ausweichen. Allerdings sollte man auch darauf achten, dass man den Wiffen selbst nicht zu nahe kommt und vor ihnen querschlägt.

 

Übernachtung: Die Jugendherberge in Stein (Tel. 0041/52/7411255) ist preiswert, freundlich geführt und optimal gelegen. Paddler sind willkommen, Kajaks und Kanadier können gemietet werden. Schöne, paddlergerechte Campingplätze sind am Touranfang in Mammern (Camping Guldifuss, Tel. 0041/52/ 7411320) und am Tourende in Schaff­hausen-Langwiesen (Cam­ping Rheinwiesen, Tel. 0041/52/ 6593300). Hier befindet sich auch die Abgabestation des Bodensee-Kanuweges.

 

Gastronomie: Wer morgens in Mammern startet, kann in Stein frühstücken. Bei der Bäckerei gibt es seit dem Jahrhunderthochwasser von 1999 auch essbare Sandsäcke. Mittags kann man im Strandbad Diessenhofen grillen. Hier bekommt man in der Saison für ein paar Fränkli Feuerholz und ein kaltes Bier. Gute Restaurants mit lokaler Küche und viel Bodenseefisch finden sich ansonsten in jedem Ort in unmittelbarer Nähe zum Fluss.

 

Kanuverleih: Die Boote der am Bodensee-Kanuweg beteiligten Verleihstationen können in Schaff­hausen-Langwiesen abgegeben werden. Die nächste Station ist die Jugendherberge Stein. Von den Stationen in Hegne (Tel. 07533/ 6384), Markelfingen (Tel. 07732/ 10430) und auf der Insel Reichenau (Tel. 07534/999767) können 2-Tages­touren unternommen werden.

 

Alternativen: Der gesamte Boden­see (vor allem Überlinger See und Untersee) ist ein hervorragendes Paddelrevier. Der Rhein kann natür­lich auch unterhalb vom Rheinfall in Richtung Basel befahren werden. Ebenso die Zuflüsse Bregen­zer Ache, Schussen und Argen, sowie die nahe Thur.

 

Literatur: Alle Infos erhält man im kostenlosen Magazin »Kanu Bodensee«, das jährlich vom Kanu­Zentrum Konstanz ( Tel. 07531/959597) herausgegeben wird.