Wenn an Fronleichnam die Trockenzeit an der Bregenzer Ache eine Pause macht, findet der Wildwassernachwuchs dort einen perfekten Trainingsparcours. Aber auch für fortgeschrittene Stürzer gibt es im Bregenzer Wald, dem nahen Kleinwalsertal und im Lechtal Herausforderungen zu entdecken.
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Touren
Paddelregion Bregenzer Wald
Was Oker und Erft noch heute den Nordlichtern, war einst die Bregenzer Ache den Süddeutschen, Österreichern und Schweizern – ein perfekter Trainingsparcours für den Wildwassernachwuchs. Seitdem umfangreiche Ableitungen im Oberlauf einen Großteil des Wasser einfangen, ist die Standardstrecke jedoch an 361 Tagen im Jahr weitgehend trocken.
Eine löbliche Ausnahme zur Trockenzeit an der Bregenzer Ache bietet das Fronleichnams-Wochenende, wenn die Vorarlberger Kraftwerke der Paddelgemeinde bei den Bregi-Days vier Tage lang je vier Stunden Wasser spendieren. Zu dieser Zeit bestehen auch gute Chancen, dass man auf den Nebenbächen und am nahen Lech perfekte Pegel vorfindet. Hier gibt's die Paddelstrecken der Region im Überblick.
Bregenzer Ache
Oberste Bregenzer
Alpine Schlucht, anfangs gefällstark und enge Passagen, etwa auf halber Strecke gefährliches Wehr mit Pegel, unbedingt vorher anschauen. Immer wieder versperren Lawinen den Bach, also ist ständig Vorsicht geboten. Der Einstieg liegt ca. 900 Meter oberhalb von Bad Hopfreben vor einer Straßengalerie. Die Boote müssen zum Bach tief unten in der Schlucht hinunter getragen werden. Ausstieg ist oberhalb des Straßentunnels bei Au-Schoppernau (Einstieg Obere Bregi). Lohnend, aber schwer (WW IV-V). Befahrbarkeit: Mai bis Juni.
Obere Bregenzer
Sehr nette, ca. 5,5 km lange, durchgehende Schwallstrecke. Schwierigkeit WW III. Einstieg oberhalb des Straßentunnels bei Au-Schoppernau, Ausstieg in Au. Befahrbarkeit: Mai bis Juni.
Standardstrecke Bregenzer Ache
Einstieg ca. 1 Kilometer unterhalb von Bezau. Es folgt die schöne, aber kurze Schwarzenbergklamm mit kräftigen Schwällen. Das Wehr bei Andelsbuch (wo ebenfalls viele Paddler einbooten, denen die Klamm zu schwierig ist) hat je nach Wasserstand einen starken Rücklauf. Eventuell links boofen und mit Springer absichern. Oder links umtragen. Immer wieder schöne Surfwellen. Es folgt das Wehr von Egg, eine bei normalen Wasserständen (+/- 15 Kubik) rechts von der Mitte gut fahrbare Holzrutsche. (Dort lauert während des Bregi-Ablasses an Fronleichnam meist KANU-Fotograf Michael Neumann, um möglichst viele Paddler für den Dicke-Backen-Contest am Abend im HIGH-5-Camp abzulichten. Wer dort nicht gewinnt, hat immer noch Chancen, im Folgejahr zum Titelmodel zu werden – wie die KANU-Ausgabe 2/2010 beweist.) Auf der Folgestrecke bis zum Camp des Outdoorveranstalters HIGH 5 in Lingenau steigern sich die Schwierigkeiten kontinuierlich bis zum dritten Grad. Anschließend schaltet die Bregi wieder einen Gang runter und nach insgesamt 12 Kilometern Fahrtstrecke kann man am Bahnhof Langenegg die Tour beenden.
Zuflüsse Bregenzer Ache
Rotach
Die Rotach verschwindet auf ihren letzten vier Kilometern vor der Mündung in einer wunderschönen Schlucht aus Sandstein. Der Schwierigkeitsgrad bewegt sich zwischen WW III-IV (V). Die erste Kernstelle ist der »Wasserfall«, der aus zwei hintereinander folgenden Stufen besteht. Die zweite Kernstelle besteht aus einem gefällstarken Katarakt und einer Grundgesteinsrutsche, an deren Ende ein großer Siphon lauert – hier muss leider umtragen werden. Abgesehen von den beiden Kernstellen gibt es viele kleine Stufen und Katarakte. Einstieg ist am Sportplatz unterhalb der untersten Autobrücke über die Rotach, möglicher Ausstieg ist an der Mündung in die Bregi (Tragen bis zum Camping Doren) oder nach Weiterfahrt in Kennelbach. Befahrbarkeit: März bis April und nach Regenfällen.
Weissach
Die Weissach besteht aus drei Teilstrecken, die leichtes Wildwasser (II-III) bereitstellen. Die Golfparkstrecke und die kleine Weissachschlucht fließen durch eine kleine Waldschlucht. Es empfiehlt sich, die folgende Weissachschlucht dranzuhängen. Gleich am Anfang der Schlucht kommt der »Kristallkatarakt«, der die erste Schwierigkeit markiert. Bei Halbzeit folgen die Weissachstufen, ein sehr schwerer Katarakt (IV-V), der sich immer wieder verändert, da der Hang von rechts in den Bach rutscht. Nach wenigen Kurven kommt ein weiterer, teils recht wuchtiger Katarakt. Bis zur Mündung in die Bregi folgen noch leichte Schwälle. Ausstieg: Camping Doren oder Weiterfahrt bis Kennelbach. Befahrbarkeit: April bis Mai und nach Regenfällen.
Bolgenach
Eine nur einen Kilometer lange WW-Strecke durch die Engenlochschlucht, die es in sich hat. Die Schwierigkeiten liegen bei WW IV-V. Die kurze Konglomeratschlucht bietet eine wuchtige Doppelstufe, einen Schlitz und mehrere Stufen. Einstieg und Ausstieg ist oberhalb vom Dorf Bolgenach (oberhalb des Stausees). Die kurze Strecke muss hochgetragen werden, auf einem Weg direkt neben dem Bach. Befahrbarkeit: April bis Mai und nach Regenfällen.
Über'n Berg
Lutzbach
Der Einstieg befindet sich ca. 1,5 km oberhalb von Buchboden. Am Anfang ist der Lutzbach ein sehr kleiner Gebirgsbach. Er bezaubert durch kleine Katarakte in schöner Landschaft. Die Schwierigkeiten bewegen sich zwischen WW II und IV. Nach ca. 3 der 8 Kilometer langen Strecke folgt die schwerste Passage, die sich geschiebebedingt nach jedem Hochwasser neu präsentiert. Nach diesem Katarakt nehmen die Schwierigkeiten deutlich ab. Man sollte stets auf Baumhindernisse achten. Ausstieg bei Garsella. Befahrbarkeit: Mitte April bis Juni.
Breitach
Ebenfalls nur ein Steinwurf vom Bregenzer Wald entfernt liegt die relativ häufig befahrene Breitach, welche deutlich länger Schmelzwasser führt als die Seitenbäche der Bregi. Sie bietet zwischen Hirschegg und der Breitachklamm schönes, abwechslungsreiches Wildwasser mit zahlreichen schönen Blockstrecken und Schwällen III-IV. Besonders hervorzuheben ist die nach der Mündung des Schwarzwasserbachs folgende Schwendeschlucht. Für den Einstieg gibt es verschiedene Möglichkeiten, eine bevorzugte Einsatzstelle ist am Campingplatz zwischen Hirschegg und Rietzlern. Befahrbarkeit: April bis Juni.
Lech und Seitenbäche
Fährt man vom Bregenzer Wald über den Hochtannbergpass, erreicht man das nahe gelegene Lechtal. Das Herz des Lechs sind die berüchtigten Lechschluchten zwischen Lech und Steeg. Sie sind ein alpines und landschaftliches Highlight und bieten Wildwasser im oberen Schwierigkeitsbereich (WW IV-V mit Stellen V) mit langen Klammabschnitten und uneinsehbaren Zwangspassagen – zudem muss immer mit Lawinen gerechnet werden. Es ist ein großer Vorteil, wenn man einen Mitpaddler hat, der sich in den Schluchten auskennt. Eine detaillierte Beschreibung befindet sich auf www.kanumagazin.de/lechschluchten. Befahrbarkeit: Juni bis August. Im Juni sind die Wasserstände oft noch sehr hoch, und Lawinenreste können eine Befahrung unmöglich machen. Durch den letzten schneearmen Winter ist die Prognose für die Bregi-Days aber keine schlechte. Die untere Lechschlucht ab Warth ist ab dem 15. August gesperrt.
Deutlich einfacher präsentiert sich der Lech ab Steeg mit WW I-II (III). Hier fließt er im offenen Tal vor sich hin, und es kommen Genusspaddler, Familien oder Einsteiger auf ihre Kosten. Einzelne Schwallstrecken und schöne Kehrwasser bieten gerade für den Wildwassereinsteiger gute Gelegenheiten zum Üben. Der Einstieg befindet sich am oberen Ortsende von Steeg an einer schrägen Rampe auf der rechten Flussseite. Eine gute Ausstiegsmöglichkeit ist am Camping Häselgehr oder in Weißenbach. Befahrbarkeit: ganzjährig. Weitere Alternativen sind Hornbach oder der Madaubach. Befahrbarkeit: Mai bis Juni/Juli.












