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Touren

Winterpaddeln auf Korsika

 Touren, Reisereportagen

Spontaner Wintertrip auf die »Ile de beauté«

Im Winter nach Korsika? Jawohl! Christian Zicke und Nadja Matschulat verlegten den Start der korsischen Paddelsaison auch dieses Jahr auf Anfang Januar.

 

Da es im Winter in Deutschland kalt ist und in Chile nicht, fahren im Moment scheinbar alle nach Südamerika. Weil es aber leider nicht immer möglich ist nach Übersee zu entfliehen, suchen Nadja und ich nach näher liegenden Alternativen für die Flucht vor dem Glatteis. Schon in den Jahren zuvor hatten sich unsere Winterreiseziele auf Galizien und Korsika beschränkt und auch diesmal entschieden wir uns zu einer spontanen Neujahrs-Tour auf der »Insel der Schönheit«.

T-Shirt-Wetter & volle Bäche?

Mit Schwung in den "Staubsauger" am Golo.
Saugt auch im Januar: Nadja am legendären Staubsauger des Golo.
Foto: Christian Zicke

 

»Korsika im Winter?« wird sich jetzt der eine oder andere eingefleischte Korsika-Fan fragen. »Jawohl«, sagen wir, denn wir waren schon einige Male zwischen November und Februar auf der Insel und hatten bisher immer angenehme Wasserstände und Temperaturen weit über Null. Mit ein bisschen Sonne bringt es der korsische Winter teilweise sogar auf schickes T-Shirt-Wetter. Mit den korsischen Wasserständen ist es auch im Winter so eine Sache - da kann man genauso viel Glück oder Pech haben wie im März, April oder Mai. Man kann im Winter aber ziemlich sicher sein, dass die großen Flüsse wie Tavignano, Taravo und Golo in jedem Fall laufen. Wichtig ist es, vorher die Niederschläge im Auge zu behalten, um dann relativ spontan aufzubrechen, wenn die Wetterlage passt.

 

Seit Oktober 2008 beobachteten wir also die Niederschläge und Schneehöhen auf Korsika und halten regen Email-Kontakt mit dem Campingplatz Ernella am Tavignano. Vom Mitte Oktober bis Ende Dezember lauten die Berichte der Korsen wie folgt: »Das Wetter ist regnerisch aber nicht so kalt, die Flüsse sind gut voll«. Für uns der Befehl zum Losfahren.

Stürmische Überfahrt

Ein Strand in Korsika.
Fern von Glatteis & Frost: Frühstückszeit an der Liamone.
Foto: Christian Zicke

 

Auf der Fähre vom französischen Toulon nach Korsika kommen uns erste Zweifel. Das Mittelmeer ist welliger als geplant, ganze sechs Stunden quält uns die Übelkeit – uns und eigentlich auch alle anderen Passagiere. Das erste Wildwasser haben wir also schon bei der Überfahrt!

 

Wir landen in Ajaccio an der Westküste der Insel an und planen zum Einpaddeln den Taravo unter den Kiel zu nehmen. Dieser ist gut eingeschenkt und somit entschließen wir uns auch die nächsten Tage an der Westküste verbringen und alle drei gängigen Etappen des Taravo zu bepaddeln. Nach einigen netten Tagen setzen wir zur Ostküste über. Im Osten haben wir aufgrund eines spontanen Kälteeinbruchs, den man ja auch in Deutschland mitbekommen hat, schlechte Karten. Die Schneefallgrenze ist zu weit abgesunken. Die kleineren Flüsse wie Travo, Fium Orbo und Co. führen nur sehr wenig Wasser.


Korsika auf einer größeren Karte anzeigen

Hochwasserschäden und Unwetter

Am Vecchio bei klarem Winterwetter.
Winterliche Ruhe auch am Vecchio.
Foto: Christian Zicke

 

Wir setzen unsere Fahrt erstmal in Richtung Tavignano fort, um uns beim Camping Ernella ein Bungalow klar zu machen. Auch hier ist es knackig kalt. Das Bungalow hat durch den anhaltenden Regen der vergangenen Monate leider einen Wasserschaden. So verbringen wir den Abend zwar am prasselnden Kaminfeuer, schlafen aber bei bitterkalten Temperaturen wieder im Bulli. Der Campingplatzbesitzer erzählt uns am nächsten Morgen von den vergangenen Unwettern im November und Dezember und zeigt uns, wo auf dem Campingplatz das Wasser gestanden hat. Wir sind beeindruckt was der Tavignano so alles überschwemmt hat und können uns jetzt auch erklären, warum uns die Etappen auf dem Taravo teilweise so verändert vorkamen. Auf der gesamten Insel hat es Unwetter und anhaltende Niederschläge gegeben. Regen in diesem Ausmaß war den Korsen bisher kaum bekannt.

 

Das Hochwasser hat auch das Kraftwerk am Beginn der Tavignano-Schlucht in Mittleidenschaft gezogen. Darüber freuen wir uns, als wir an diesem Tag die landschaftlich reizvolle Etappe bepaddeln. Der Kraftwerksausfall sorgt für einen guten Wasserstand und wir stellen fest, dass sich auch hier die eine oder andere Stelle verändert hat. Allerdings ist der Tavignano nach wie vor gut fahrbar.

Gute Aussichten für's Frühjahr

Winterliche Landschaft bei Corte.
Schnee über Corte. Gute Aussichten für's Frühjahr 09.
Foto: Christian Zicke

 

Für den folgenden Tag ist der Golo etwas weiter im Norden eingeplant. Auch der führt ordentlich Wasser, zunächst fahren wir aber wieder zum Meer um dort zu campen. Am Strand ist es auch im Winter deutlich wärmer ist als im Gebirge.

 

Nach einigen entspannten Tagen auf Korsika heißt es wieder Abschied nehmen. Die Ausbeute der Flüsse war in diesem Jahr nicht so groß, dafür konnten wir die paddelfreie Zeit zum Wandern und Entspannen nutzen. Außerdem haben wir für die kommende Saison gute Aussichten im Gepäck: Die Korsen vermuten, dass das Wetter bis in den März hinein schlecht bleiben wird. Angesichts der schon jetzt großen Schneemengen verspricht das Frühjahr 2009 auf Korsika einen wasserreichen Saisonstart.

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