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Touren

Rum um Amrum: Ein Eiland, viel Wind und viele Wellen

 Touren, Reisereportagen

Nach Amrum und um Amrum herum – was stark an einen Zungenbrecher erinnert, war das Programm einer Nordseetour von Norbert Patzke Ende August 2010. Gemeinsam mit Sebastian Höfer war er der Einladung von Eckehard Schirmer zur Tour »Rum um Amrum« gefolgt: »Für Hartgesottene! Nichtraucher. Tagesleistung wetterabhängig bis 65 Kilometer, ohne Deckslast«, lautete die Ausschreibung in der Kurzfassung.

Foto zur »Rum um Amrum«-Tour 2010.
Am Treffpunkt wird die Ausrüstung für die Me(e)hrtagestour startklar gemacht.
Foto: Sebastian Höfer

27. August 2010, 15 Uhr. Seit 30 Minuten stehen Sebastian und ich am Fährhafen Schlüttsiel und warten auf die weiteren Teilnehmer der »Rum um Amrum«-Tour. Sieben bis neun Paddler haben sich angemeldet, doch während wir überpünktlich in den Startlöchern scharren, lassen die Mitpaddler auf sich warten. Schließlich tauchen Organisator Eckehard Schirmer und Sabine auf und wir erfahren, dass unsere kleine Gruppe bereits komplett ist. Die miese Wetterprognose hat wohl den meisten die Lust auf die Tour verdorben.

Foto zur »Rum um Amrum«-Tour 2010.
Gute Stimmung an Ufer wie auf See.
Foto: Sebastian Höfer

Noch strahlt allerdings die Sonne mit voller Kraft vom Himmel. Nicht mit der Fähre, sondern mit unseren Seekajaks wollen wir von Schlüttsiel auf die Hallig Hooge übersetzen. Von dort wollen wir am nächsten Morgen die Amrum-Umrundung zu starten. In aller Ruhe beladen wir die Boote und bereiten uns auf die Abfahrt vor. Mit der ablaufenden Flut legen wir los. Zweieinhalb Stunden benötigen wir bei Windstärke vier bis wir Hooge erreichen. Bald ist das Camp errichtet und das Abendbrot fertig. Trotz der gemütlichen Stimmung zieht es uns früh in die Zelte. Die 20 Paddelkilometer fordern ihren Tribut.
Unbeeindruckt von meiner Müdigkeit reißt mich der Wind nachts mehrmals aus dem Schlaf. Der Wind hat ordentlich aufgefrischt, rüttelt und zerrt kräftig an den Zelten. Morgen nach Amrum? Bei Windstärke 7?! Auf keinen Fall! Lesen und Spazierengehen, so sieht das Tagesprogramm wohl eher aus.

Foto zur »Rum um Amrum«-Tour 2010.
Hübsche Zeltplätze sind auf der Tour Standard.
Foto: Sebastian Höfer

28. August 2010, 7 Uhr. Der Wind hat nach all dem Geblase der letzten Nacht wieder einen Gang runter geschalten. Immer noch weht eine steife Brise – doch günstig für unser Vorhaben, so dass Eckehard nach dem Frühstück sein O.K. gibt. Wir können die Amrum-Tour machen und starten mit frischer Kraft in Richtung Nordwest. Mit gut 20 Quadratkilometern ist Amrum die zehntgrößte Insel Deutschlands. Wie ein Bumerang liegt die Nordfriesische Insel südlich von Sylt am Rand des Wattenmeers. Von unserem Ausgangspunkt auf Hooge sind es gut zehn Kilometer bis wir den Südzipfel erreichen.

Foto zur »Rum um Amrum«-Tour 2010.
So gemütlich war der Seegang nicht immer.
Foto: Sebastian Höfer

Acht bis zehn Kilometer vor Amrum frischt der Wind wieder auf. Auweia. Sieben Beaufort blasen uns entgegen, Wind und Gischt direkt ins Gesicht. Die anstrengende Paddelarbeit in den hohen Wellen macht sich vor allem im Rücken bemerkbar. Meine Muskeln sind platt. Zudem sitzt mir ein leichtes Angstgefühl im Nacken. Noch nie zuvor hatte ich es im Meer mit 1,5 Meter hohen Wellen zu tun. Das Unbehagen beeinträchtigt mich beim Paddeln, macht mich unsicher. In der Brandungszone an der Westseite von Amrum türmen sich die Wellen sogar bis zu zwei Meter auf. Was für ein Glück, dass ich die hohe Paddelstütze bereits gelernt habe!

Foto zur »Rum um Amrum«-Tour 2010.
Nach harter Fahrt endlich angekommen.
Foto: Sebastian Höfer

Wir paddeln weiter bis zur Nordspitze, setzen nach Föhr über und gönnen uns endlich eine große Pause. Ich hätte nichts dagegen jetzt Feierabend zu machen und frage mich, ob meine Paddelkollegen die Anstrengung nicht spüren? Sie müssen kaputt sein, doch keiner gibt das zu! Wieder hat der Wind zugenommen und peitscht uns mit Spitzen von acht Beaufort Hallig Hooge entgegen. Surfend – mit Heckruder, Konterschlägen und flacher Stütze – schaffen wir es schließlich erschöpft aber wohlbehalten rum um Amrum.

Foto zur »Rum um Amrum«-Tour 2010.
Dem aufmerksamen Beobachter bieten sich auf Amrum immer wieder idyllische Szenen.
Foto: Sebastian Höfer

29. August 2010. Ein laues Lüftchen von vier bis fünf Beaufort und auflaufende Tide begleiten uns zurück nach Schlüttsiel. Ich bin froh für die Tour meinen neuen Engländer »Pilgrim« gewählt zu haben. Ansonsten wäre ich bestimmt als Treibgut an irgendeinen Nordseestrand gespült worden. Das aufregende Paddelwochenende mit einer Gesamtpaddelstrecke von immerhin 93 Kilometern hat Eindruck hinterlassen und ich werde die Tour rum um Amrum bestimmt nicht so schnell vergessen.

Die nächste Tour »Rum um Amrum« findet übrigens von 15. bis 17. August 2011 statt. Alle Info findet ihr im KANU-Terminkalender.