Alpträume? Wunschträume? Kajakträume! Die Wasserfälle des Castro Laboreiro in Portugal zählen zu den spektakulärsten des Kontinents. Dumm nur, dass der teutonische Kanute einige Hürden zu meistern hat, bevor der Traum vom Fliegen Wirklichkeit wird …
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Portugal – die Wasserfälle des Matthias
Auf einmal waren sie da: Die Bilder von drei sauberen Wasserfällen. Sie waren allgegenwärtig. In Kajakzeitschriften, in Kalendern und auf Postern. Kalifornien wurde spekuliert. Portugal wurde diagnostiziert. Drei saubere Wasserfälle mit beachtlicher Höhe in sauberem Grundgestein und das nur ca. 30 Autostunden von der Mitte Deutschlands entfernt? Grund genug, diese Bilder nicht mehr aus dem Kopf zu bekommen. Und so musste der kleine Matthias schlaflose Nächte verbringen und viele Stunden wach liegen um dann 2008 endlich das erste Mal mit seinen Freunden am oberen Einstieg des Castro Laboreiro zu stehen. Doch so einfach machte es ihm der Laborairo nicht: Der Bach war so trocken wie Omas Sandkuchen und auch heftiges Weinen am Oberlauf brachte kaum ausreichend Flüssigkeit in das Flussbett.
2009 der zweite Versuch: Der Pegel sah ganz passabel aus, weniger allerdings der Ölverlust des Bullis. Der verreckte nämlich am Einstieg und vermasselte den Jungs beim zweiten Anlauf die Tour. Ärgerlich! Und zwar so ärgerlich, dass Matthias nie wieder nach Portugal wollte ... Doch 2010 war es dann wieder so weit. Matthias hatte wieder schlaflose Nächte. Die Bilder des Castro brannten sich in die Träume ein. Also wurde wieder geplant. Freunde wurden für den Plan begeistert, wieder waren Till und Picco von der Essener Kanuschule am Start, aber auch Micha, Ise und Christian von der Outdoordirekt-Kanuschule wurden an Silvester mit Rotkäppchen abgefüllt und von der Teilnahme überzeugt. Auch Dany Frenzl war schnell von der Idee begeistert ...
»Wir brauchen auf jeden Fall zwei Autos«, so Matthias. »Damit uns dat egal is, wenn wieder eine Karre am Einstieg explodiert, bevor wir den Castro wegverhaftet haben.« Gesagt getan. Ende Februar war es nun endlich so weit: Die Karren waren gepackt und es konnte losgehen. (Und ja: Beide Autos haben wieder ordentlich Potenzial, das Land am Westzipfel Europas gar nicht erst zu erreichen.)
Auch eine weitere Angst blieb: Zwei Wochen vor uns war Jonas Grünewald in Galizien und Portugal unterwegs und berichtete von trockenen Flüssen und schlechten Wasser-Prognosen. Doch wir trotzten diesen düsteren Aussichten und machten uns im strömenden Regen auf die Bahn. Nach 32 Stunden erreichten wir Santiago de Compostela, von dort aus ging es zum Warmpaddeln auf den ersten Bach. Und was uns hier überraschte, war Wasser satt. Auch die nächsten Bäche waren voll bis oben hin. Da wir aber nicht wussten, wie viel Wasser der Castro wirklich benötigen würde, machten wir uns schleunigst zum Einstieg auf, um den Pegel zu checken. Und was sahen wir da? Es war zu viel im Bach. Und zwar deutlich. Aber die Autos fuhren noch. Also weg vom Castro und erstmal noch ein paar andere Bäche paddeln. Nach einigen Tagen ließ dann der Regen nach, die Sonne übernahm die Kontrolle über den portugiesischen Himmel und die Pegel fielen. Also wieder zum Castro. Und jetzt stimmte auch der Pegel.
Eine weitere schlaflose Nacht stand bevor, dann ging es auf den Bach, der das Leben des Matthias in den letzen Jahren so arg beeinflusste. Fieses Wildwasser im vierten und fünften Grad erwartete die Freunde. Dann tauchten Sie auf: die drei Wasserfälle des Laboreiro. Nach einigem Gescoute und den darauf folgenden, spektakulären Befahrungen folgte die »Umtrage der Hölle«. Durch Unterholz und Macchia mussten die Freunde ihre Boote um den vierten, unfahrbaren Fall umtragen. Mit zerrissenen Jacken und blutigen Fingern kamen sie schließlich am Ausstieg an. Zerkratzt, zerschunden aber irgendwie doch glücklich endlich den Laborairo in seiner vollen Pracht erlebt zu haben ...




























