Wenn nicht gerade Herbstregen die Bäche füllt, bleibt die Auswahl an schwerem Wildwasser Ende November in den Ostalpen übersichtlich. Freunde ausgesetzter Klammabschnitte werden dennoch fündig. In Osttirol halten Isel und Tauernbach kurze, aber umso ausgesetztere Extrem-Etappen für Schluchtenfüchse ohne Flugangst bereit. Daniel Herzig, Reiner Glanz, Robert Machacek und David Krismayr haben sich in der Iselschlucht umgesehen.
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Osttirol Adventures: die Iselschlucht
Zwischen Umzugs-, Uniabschluss-, Reise- und diversen anderen Stressen kam es bei mir in der letzten Zeit zu einer eineinhalbjährigen Osttirolpause. Eigentlich eine Schande, verbrachte ich zuvor doch fast sieben Sommer in diesem erstklassigen Wildwasserrevier rund um Lienz.
So kam es mir sehr gelegen, als ich Reiner Glanz am Dienstagnachmittag durchs Handy fragen hörte: »Was machst Du am Donnerstag? Iselschlucht?«. Schwer abzulehnen, stand der eher selten befahrene Abschnitt unterhalb der klassischen Hinteren Isel (Hinterbichl bis Bobojach, WW 3-4+) doch schon länger auf meiner Wunschliste. Spätestens seit Hannes Brandstätter die Iselschlucht zu seinem Osttiroler Favoriten gekürt hatte.
Schnee am Einstieg
David Krismayr und Robert Machacek erwarteten uns bereits hochmotiviert am Ausstieg und berichteten uns von eisigen Temperaturen am Einstieg. Tatsächlich, Raureif und Schnee empfangen uns in Bobojach an der Brücke. Also schnell Boote abladen und lieber auf der sonnigen Virgener Schotterstraße umziehen! Beim rechtsufrigen Hochfahren ließen sich die meisten Schwierigkeiten mit ein wenig Gekletter problemlos scouten. Lediglich von der vorletzten und gleichzeitig spektakulärsten Stelle sollte man sich nicht wie wir täuschen lassen.
Die Strecke präsentierte sich dann als ebenso kurz, wie lohnend und spannend. Nach nur kurzer Zeit zum Einfahren folgte der Auftakt, eine etwa eineinhalb Meter hohe Stufe mit tricky Einfahrt, und boofen möchte man am liebsten schon. Danach schneidet sich die Isel ihren Weg durch eine Niederklamm mit etlichen technischen und schnellen Stellen im vierten und fünften Grad. Bald hieß es dann aufgepasst – ein komplett verklauster Wasserfall zwang uns aus den Booten und zum rechtsufrigen Umseilen. Zum Glück hatten wir alle Sitzgurte und volle Alpinausrüstung dabei, was uns die Sache mit Ausnahme des eher fragwürdigen ersten Sicherungsplatzes recht stressfrei erledigen ließ. Gleich darauf folgte der nächste Umseiler einer eher kurz gehaltenen Diskussion – der Landweg wurde einhellig bevorzugt. Also – noch wartet eine recht unsaubere Doppelstufe mit einem wohl sieben Meter hohen Ausgangswasserfall (mit recht harter Landung) auf ihren Erstbefahrer!
Linienwahl dank Teleobjektiv
Zwei flotte Passagen weiter folgte das große Finale – eine holprige Einfahrt und dann eine Rutsche mit ungefähr zehn Metern Gefälle, gute vier Meter davon im Freiflug! Doch Achtung – was aus 100 Höhenmetern scoutbar aussah, stellte sich auf Wasserhöhe als absolute Zwangspassage ohne Besichtigungsmöglichkeit heraus. Ein paar Blicke auf das beim Scouten geschossene Telefoto später, fasste sich Reiner ein Herz und fuhr als erster ein - und ließ uns beinahe erstarren. Die rumplige Einfahrt schickte ihn nach fast erfolgreichem Kampf doch glatt kieloben runter! Bange Sekunden, dann Erleichterung bei uns oben – zwar baumelte die Helmkamera nur mehr an der Reepschnur, aber das ist jetzt nebensächlich. Hauptsache Reiners rechte Hand ist am Helm. Mit mulmigem Gefühl fuhren wir der Reihe nach in die Stelle ein – zum Glück ohne Zwischenfälle, dafür mit breitem Grinsen nach dem Einschlag. Kleiner Tipp: ganz rechts einfahren, an der Abrisskante mittig links und dann entweder ganz (!) nach links, oder – besser und einfacher – nach rechts raus.
Second Run...
Wäre die nächste und letzte Stelle vernünftig umhebbar, würde man außer Rückenschmerzen wohl nicht viel versäumen. Doch so blieb uns nichts anderes übrig, als bootsverachtend die insgesamt ungefähr vier Meter hohe, seichte Doppelstufe runterzubomben – recht so!
Am Ausstieg angekommen, ging es nach Genießen der letzten Sonnenstrahlen für Robert und Dave jobbedingt wieder nach Salzburg. Reiner und ich beschlossen, noch einen Tag länger zu bleiben, um am nächsten Tag die super Strecke nochmal zu paddeln. Ein schneller Run zu zweit ohne große Zwischenfälle und einer angenehmen Ladung Adrenalin. Gut, zugegebenermaßen nicht ganz ohne Zwischenfälle: Bleibt man bei der Abschlussrutsche zentral, wartet ein recht fetter, angewinkelter Kicker auf den Befahrer – ganz rumgekriegt hab ich den unfreiwilligen Kickflip nicht. Also, aufgepasst!
Streckeninfo
Länge: ca. 3 Kilometer (Bobojach bis Brücke in Virgen, ca. 1 Kilometer oberhalb des Einstiegs zur Virgenschlucht)
Beste Befahrungszeit: Spätsommer und Herbst
Pegel: bei uns 75cm am Pegel Hinterbichl (gut für den ersten Versuch)
Schwierigkeiten: WW (4)-5, zweimal X (einmal davon WW 6?), mindestens einmal umseilen
Wir möchten uns recht herzlich bei unseren Sponsoren für die tolle Unterstützung bedanken: Stohlquist, Kober, Robson, Werner, Nil, FNA-Headgear, Vita-Club, Dragorossi, Pyranha, °hf, La Ola Lienz, kajakladen.com.



































