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Touren

Nepal im Frühling

 Touren, Reisereportagen

Rund 6.000 Kilometer von Deutschland entfernt liegt das höchstgelegene Land der Erde. Stefan Motz unternahm mit fünf Freunden im März diesen Jahres einen Ausflug in den südasiatischen Staat am Fuße des Himalayas – immer auf der Suche nach exotischen Gewässern, fremden Kulturen und spiritueller Erleuchtung.

Rund 6000 Kilometer von Deutschland entfernt liegt es, das höchstgelegene Land der Erde. Stefan Motz unternahm mit fünf Freunden im März diesen Jahres einen Ausflug in den südasiatischen Staat am Fuße des Himalayas – immer auf der Suche nach exotischen Ge
Hat wildwassertechnisch einiges zu bieten: Paddelland Nepal.
Foto: Peter Glück

Bei einem meiner häufigen abendlichen Besuche bei Manfred, meinem langjährigen Paddelkollegen, kamen wir auf seinen letzten Nepal-Trip zum Karnali zu sprechen. Mani kam aus dem Schwärmen gar nicht mehr raus und ich machte den Vorschlag, dass wir doch im März nach Nepal gehen könnten. Mani war sofort dabei und meinen Zwillingsbruder Michael mussten wir auch nicht lange bitten. Die Suche nach einem vierten Mann war ziemlich zeitaufwendig. Nachdem ich so ziemlich jeden angeschrieben hatte, der in Frage kam, haben mir dann zum Glück Klaus Süssmuth, Michael Küsel und Peter Glück zugesagt. Bis auf Klausi war ich schon mit allen länger im Urlaub gewesen, doch ich war mir sicher, dass er super ins Team passen würde.

Für keinen anderen Trip hatte ich so viel Zeit für die Planung investiert. Horror-Geschichten von Durchfall, kalten Nächten und prall gefüllten Booten, die wie ein Baumstamm auf dem Wasser treiben und sich nicht steuern lassen, beschäftigten mich. Zum Glück halfen alle zusammen und wir organisierten kurz vor dem Abflug nach Kathmandu das Nötigste. Die Kajaks und alle anderen wichtigen Dinge wie Busfahrten, Übernachtungen, Bergführer und Inlandsflüge organisierte uns Bhanu. Schon bei seiner letzten Reise nach Nepal hatte sich Mani mit seiner Gruppe auf Bhanu verlassen können, der mit seinem Unternehmen von Kathmandu aus alles anbietet was das Outdoor-Herz begehrt.

Am Flughafen in Frankfurt kommt kurz Hektik auf, weil wir etwas zu spät dran sind. Erlaubt sind für jeden Fluggast 20 Kilogramm plus acht Kilo Handgepäck. Das siebte Gepäckstück, unsere Paddel mit Schwimmwesten und Schaumplatten zum Fitten, ist zusammengepackt zu einem schönen großen Bonbon – das finden die Leute am Schalter nicht richtig gut. Weil aber die Zeit knapp ist und außer uns schon alle Passagiere weg sind dürfen wir auch so durch. Zur Feier des Tages bestellen wir uns im Flugzeug gleich mal einen Drink, durch ein Missverständnis mit der netten Stewardess werden aus einem drei. Die Kombi aus dem Fahrbier vom Zug und den drei Whisky Cola drehen mir fast den Magen um. Michael M. und ich verbringen den Rest des Fluges vor der Toilette. Klausi bleibt sitzen, er sieht aber auch nicht so richtig glücklich aus. Michi M. und Klausi behaupten immer noch, dass es am Essen lag, wer's glaubt ...!?

In Delhi angekommen sieht die Welt schon wieder besser aus und der Anschlussflug nach Kathmandu verläuft auch problemlos. Klausi hat da schon Probleme mit seiner Verdauung und muss in Kathmandu erst mal aufs Klo. Ich beneide ihn nicht um seine Erfahrung, die Toiletten sind total verdreckt und stinken.

Rund 6000 Kilometer von Deutschland entfernt liegt es, das höchstgelegene Land der Erde. Stefan Motz unternahm mit fünf Freunden im März diesen Jahres einen Ausflug in den südasiatischen Staat am Fuße des Himalayas – immer auf der Suche nach exotischen Ge
Auch die Klöster von Nepal sind einen kurzen Aufenthalt wert.
Foto: Peter Glück

Die erste Fahrt durch Kathmandu zum Benchen, einem Kloster von buddhistischen Mönchen, wo wir unsere ersten Nächte verbringen, ist beeindruckend. Nicht nur der Linksverkehr mit all den wahnsinnig wirkenden Auto- und Motorradfahrern, die sich wie Ameisen mit Hupen durch das Getümmel manövrieren, sondern auch der Müll und der Geruch beeindrucken uns stark. Michael K. und Peter sind sich einig, dass es bei ihrem letzten Trip nach Nepal vor drei Jahren noch nicht so stark verdreckt war. Im Benchen angekommen, einer Oase der Ruhe und Sauberkeit, bringen wir unser Gepäck schnell auf die Zimmer. Den Nachmittag verbringen wir mit Sightseeing und dem Fitten unserer Boote.

Am nächsten Tag verladen wir die Boote auf einen Bus, ein Mitarbeiter von Bhanu wird mit nach Nepalgang fahren und auf unsere Boote aufpassen. Wir verbringen den Tag in Kathmandu und fliegen am nächsten Morgen mit dem Flieger hinterher, das erspart uns eine Nachtfahrt mit dem Bus und wir haben Zeit, gemütlich durch Kathmandus Innenstadt zu bummeln. Am Morgen stehen mein Bruder und ich gerade auf, als Mani plötzlich wie eine Rakete zu uns ins Zimmer geschossen kommt und wegen Sauerstoffmangel fast bewusstlos umfällt. Wir müssen beide lachen und fragen unseren Lama (= spiritueller Lehrer, Mani), was denn los sei. Er erklärt uns, dass er bei dem Leiter des Klosters (Tenga Rinpoche) eine Audienz für uns beantragt hat. Schnell ziehen wir uns alle an und nach einem netten Gespräch mit dem Tenga sind wir uns alle sicher, dass unsere Reise unter einem guten Stern steht. Zur Sicherheit bekommt aber jeder eine Kette und »Lama Köttel« (kleine schwarze Kügelchen aus Kräutern) vom Tenga mit auf den Weg.

Rund 6000 Kilometer von Deutschland entfernt liegt es, das höchstgelegene Land der Erde. Stefan Motz unternahm mit fünf Freunden im März diesen Jahres einen Ausflug in den südasiatischen Staat am Fuße des Himalayas – immer auf der Suche nach exotischen Ge
Wenn Falten sprechen könnten ...
Foto: Peter Glück

Meine erste Mission in Kathmandu ist es, Souvenirs für meine Freundin Lina zu besorgen. Beim letzten Trip nach Kalifornien hatte ich ihr nur ein T-Shirt gekauft, in letzter Sekunde am Flughafen. Dieses Mal hatte ich Besserung versprochen. Also laufe ich hoch motiviert in den ersten Laden und fange gleich mal an zu verhandeln. Anfangs will der Verkäufer für das Tuch 800 Rupien (ca. acht Euro), ich schaffe es, ihn auf 400 zu drücken und freue mich über das tolle Geschäft. Im Nachbarladen allerdings entdecke ich das gleiche Tuch und frage den Verkäufer nach dem Preis, nur um mir selbst zu bestätigen, was ich für ein tolles Geschäft gemacht habe. 400 Rupien, sagt der Verkäufer ohne dass ich verhandelt habe. Verdammt, da hat mich der andere also doch glatt verarscht!

Wir kaufen Rucksäcke, Daunenjacken, Sonnenbrillen usw., um für die Wanderung zum Phoksando Lake gerüstet zu sein. Als ich mal wieder für kleine Paddler muss, zeigt mir Michi eine Toilette. Die Tür ist zu und ich frage einen Polizisten ob man die benutzen darf. Der gibt mir das Okay und als ich die Tür öffne, kommt einer vorbei, wünscht mir »Good luck!« und lacht. Ein Blick in die Toilette reicht, um zu begreifen was er gemeint hat. Am Abend gehen wir alle gemeinsam mit Bhanu und seiner Frau Mina gemütlich essen und fallen wie Steine ins Bett.

Dann geht’s endlich los, wir fahren mit Bhanu zum Flughafen, um nach Nepalgang zu fliegen. Das Hotel ist bei weitem nicht mehr mit dem Benchen in Kathmandu zu vergleichen. Der arme Klaus hat immer noch Probleme mit seiner Verdauung und verbringt die Nacht auf dem stillen Örtchen. Nepalgang übertrifft Kathmandu an Müll und Gestank, ebenso machen die meisten Hütten nicht den Eindruck als wären die Dächer dicht. Direkt neben unserem Hotel befindet sich ein Feuchtgebiet mit Enten, Mücken und Schweinen.

Der nächste Tag wird spannend, der zweite Inlandsflug bringt uns nach Juphail.
Die Landepiste zählt zu einer der anspruchsvollsten von Nepal. Geflogen wird nur, wenn die Wetterbedingungen gut sind. Wir haben Sonne und es ist windstill, das beruhigt uns etwas. Nachdem unsere Kajaks und das restliche Gepäck verladen sind, wird das Flugzeug mit Bier vollgestopft. Das verwundert uns etwas, da es sich um einen Charterflug handelt und eigentlich nur wir und unser Gepäck hochfliegen sollten. Was soll's, die Einheimischen wollen halt auch mal ein Bierchen kippen. Einsteigen und los geht's! Der Ausblick aus dem Flugzeug ist super und Mani knipst wie ein Irrer aus allen Öffnungen. Das Schwierige bei der Landung ist, dass die Landepiste relativ kurz ist und ein Durchstarten nicht möglich ist, weil Berge im Weg sind. Runter kommen wir also auf alle Fälle, hoffentlich mit einer schönen Punktlandung. Die Stewardess bittet uns alle die Gurte anzulegen, nur Mani springt während des Landeanfluges auf, um alles sehen zu können – die arme Frau bekommt es langsam mit den Nerven, und wir auch!

Nach einer perfekten Landung und Dal Bhat zur Stärkung verstauen wir unsere Kajaks in einem Schuppen und packen unsere Sachen für die Wanderung. Am frühen Nachmittag wandern wir von Juphail nach Dunai und gehen auch da gleich ins Kloster, um uns spirituell erleuchten zu lassen. Die Audienz beim Lama verläuft wieder ganz lustig. Mani philosophiert mit dem Lama, wir trinken Tee und mampfen leckeres Gebäck.

Rund 6000 Kilometer von Deutschland entfernt liegt es, das höchstgelegene Land der Erde. Stefan Motz unternahm mit fünf Freunden im März diesen Jahres einen Ausflug in den südasiatischen Staat am Fuße des Himalayas – immer auf der Suche nach exotischen Ge
Grenzüberschreitende Nahrung: Outdooressen für den hungrigen Paddler.
Foto: Peter Glück

Am Abend wandern wir ein Stückchen zurück Richtung Juphail zur Brücke, die ins Tal zum Lake Phoksando führt. Unser Guide Tarek, Bhanus Kontaktmann in Juphail, organisiert uns zwei Zimmer zum Übernachten und bei den Nachbarn ein Abendessen. Michi M. und ich möchten lieber auf Nummer sicher gehen und unser selbst mitgebrachtes Reiter Travellunch (Outdoornahrung) essen. Wir wollen vermeiden, dass wir Durchfall bekommen und dann nicht mehr wandern oder Bootfahren können. Während wir beide genüsslich unsere Reiter-Doppelpackung wegflexen, essen die anderen ihren Dal Bhat mit Hühnchen. Als alle mit dem Essen fertig sind, stellt die Hausfrau das Geschirr auf den Boden, damit es der Hund sauber schlecken kann. Was jetzt unhygienischer ist, weiß ich auch nicht so ganz: das verdreckte Wasser vom Bach, in dem flussaufwärts zwei tote Pferde lagen, oder der Sabber von dem Hund.

Am nächsten Morgen kommt unser Bergführer Gopal pünktlich vorbei, alle sind bereit, nur unser Lama braucht wie so oft noch ein paar Minuten länger. Die erste Etappe ist nicht all zu lang, wir wandern durch ein schönes Tal bergauf und durch ein paar Dörfer immer in der Nähe des Baches. Mittags machen wir eine gemütliche Pause an einer Brücke und genießen das schöne Wetter und die angenehme Ruhe.

Wir übernachten in einer netten Hütte und haben einen lustigen Abend mit der Familie. Als wir unser Reiter Travellunch auspacken und anfangen es zu essen, schauen uns alle ganz neugierig an. Wir bieten ihnen an, es zu probieren. Anfangs wollen sie nicht so recht, doch nach der ersten Kostprobe greifen alle anderen auch zu. Zum Nachtisch rühre ich eine Orangencreme an und biete sie zum Kosten an. Keiner traut sich so recht, also muss das kleine Mädchen probieren, das gerade mal wieder am heulen ist. Nachdem die Mama ihr ein Löffelchen in den Mund gesteckt hat, hört es sofort auf zu heulen und beginnt damit, es selbst aus der Packung zu löffeln. Wir bekommen noch Bier aus Gerste mit Jack Cheese als Aperitif, das sieht auf den ersten Blick echt übel aus, schmeckt aber gar nicht so schlecht. Wir empfehlen der Mutti, ihrer Tochter die Orangencreme weg zu nehmen, nicht dass sie noch einen »Zuckerflash« bekommt. Am nächsten Morgen gehe ich ins Esszimmer und sehe die kleine Tochter schon wieder freudestrahlend die Orangencreme mampfen.

Rund 6000 Kilometer von Deutschland entfernt liegt das höchstgelegene Land der Erde. Stefan Motz unternahm mit fünf Freunden im März diesen Jahres einen Ausflug in den südasiatischen Staat am Fuße des Himalayas – immer auf der Suche nach exotischen Gewäss
Imposanter Ausbilick auf den Phoksando Lake.
Foto: Peter Glück

Der dritte Tag wird ziemlich anstrengend, wir laufen ständig bergauf, bergab und die letzten zwei Stunden auch noch durch Schnee. Am Abend essen wir wieder unser Reiter und lassen die Familie probieren. Selbstverständlich gibt es wieder Dal Bhat und reichlich Tee. Zum Nachtisch verdrücken wir diesmal Mousse au Chocolat und weil keiner sich so recht traut, muss jetzt die Oma ohne Zähne ran. Nachdem sie den ersten Löffel probiert hat, fängt sie an die komplette Portion in Rekordzeit zu vernichten. Die Kinder schauen mit großen Augen zu und können es kaum glauben. Lama Mani nimmt all seinen Mut zusammen und bittet die Oma, den Kinder doch auch noch etwas abzugeben.

Heute steht endlich der Phoksando Lake auf unserem Programm. Der Aufstieg ist teilweise sehr steil und mit Schnee bedeckt, Lama Mani bereut es, dass er seine alten Schlappen mitgenommen hat, die gar kein Profil mehr haben. Am See genießen wir die Aussicht und machen ein kleines Feuer, um Wasser abzukochen. Der Ort ist noch menschenleer, nur die Tochter der Familie ist uns gefolgt, um das Dach vom Schnee zu befreien. In ein paar Tagen werden alle aufbrechen und hoch zum See kommen. Wir befestigen die Gebetsfahnen, die uns Bhanu mitgegeben hat, auf dem Dach, dabei bricht Lama Mani fast mitsamt einem Blech ein. Wie er uns aber gleich versichert, hatte er wie immer alles im Griff. Am nächsten Tag steigen wir komplett ab bis zur Hütte in der wir die erste Nacht verbracht hatten. Nach ca. neun Stunden wandern sind wir alle ziemlich am Ende, freuen uns aber schon auf den ersten Paddeltag.

Am nächsten Morgen geht’s zu Fuß zurück nach Juphail und wir beginnen dort sofort unsere Kajaks zu laden. Wir wollen so schnell wie möglich auf den Bach, um noch ein paar Kilometer paddeln zu können. Als uns Tarek erklärt, dass er für das Unterstellen der Kajaks unverschämte 1.000 Rupien pro Tag möchte, dreht Mani durch und handelt ihn auf 1.000 Rupien für fünf Tage runter. Als wir ihn nach den Trägern fragen, erklärt er uns, dass heute keiner mehr Lust hätte, unsere Boote zum Bach zu tragen. Spätestens jetzt wissen wir, dass Tarek uns übers Ohr hauen möchte – wir lassen unseren Bergführer Gopal die Träger organisieren.

Am frühen Nachmittag haben wir es geschafft. Es geht aufs Wasser! Der Thuli Bheri hat nicht viel Wasser, deshalb sind wir auch nicht von weiter oben gestartet. Nach wenigen Kilometern kommen aber schon die ersten super Wildwasserstellen, in denen wir uns an die schwer beladenen Boote gewöhnen können.
Der erste Schlafplatz ist perfekt, wir bauen Tarp und Zelt auf und machen Feuer. Nach der Wanderung mit Übernachtung in einer Ziegenhütte freuen wir uns alle auf unsere erste Nacht, in der wir ganz allein sind und vom Nepali TV entspannen können. Während ich beim Einschlafen im Zelt liege, frage ich mich, ob ich als jüngster Teilnehmer dieser Expedition überhaupt als Leitwolf tauge. Ich komme mir vor wie Guido Westerwelle, ein Rest von Unsicherheit bleibt.

Rund 6000 Kilometer von Deutschland entfernt liegt es, das höchstgelegene Land der Erde. Stefan Motz unternahm mit fünf Freunden im März diesen Jahres einen Ausflug in den südasiatischen Staat am Fuße des Himalayas – immer auf der Suche nach exotischen Ge
Endlich geht's aufs Wildwasser!
Foto: Peter Glück

Das Wetter ist auch am folgenden Tag perfekt, bis jetzt hatten wir immer Sonne und angenehme Temperaturen. Beim gemeinsamen Frühstück direkt am Bach habe ich plötzlich das Gefühl, dass ein Stein neben uns eingeschlagen ist. Wir kennen die Geschichten von steinewerfenden Einheimischen. Ich kann allerdings niemanden entdecken. Ein paar Minuten später geht der Beschuss dann aber weiter, jetzt erkennen wir Kinder, die vom anderen Ufer Steine auf uns werfen. Das andere Ufer liegt ca. 30 Meter höher als unser Platz, ein Treffer wäre also nicht ungefährlich. Während unserer Reise wurden wir mehrmals und auf jedem Bach von Leuten mit Steinen beworfen. Zum Glück gab es nie einen Treffer, obwohl es manchmal verdammt knapp war.

Der nächste Abschnitt ist wieder Traumwildwasser, langsam haben wir uns auch an die vollen Kajaks gewöhnt und genießen jeden Kilometer. Am Abend schaffen wir es gerade noch, Tarp und Zelt vor dem Regenschauer aufzubauen. Wir machen noch schnell Feuer und setzen uns alle ins Zelt, nur Michi M. lässt seine Paddelklamotten an und kocht uns heißes Wasser fürs Abendessen. Wir essen alle im Zelt und freuen uns, als der Regen sich verzieht und wir alle wieder raus ans Lagerfeuer können. Michael K. und Klausi sind auch glücklich, dass der Regen aufgehört hat, denn unter ihrem Tarp hat sich schon langsam eine Pfütze gebildet.

Am Lagerfeuer kommt Mani auf die geniale Idee, den großen Stein, der seit ca. drei Stunden im Feuer steht, als Sitz zu verwenden. Obwohl ihn alle mindestens zwei Mal warnen, dass der Stein verdammt heiß sein muss, versucht er sein Glück und verbrennt sich dabei die rechte Hand ziemlich übel. Zum Glück hat er eine gute Hornhaut und mit einer Schmerztablette kann er dann auch einschlafen.

Rund 6000 Kilometer von Deutschland entfernt liegt es, das höchstgelegene Land der Erde. Stefan Motz unternahm mit fünf Freunden im März diesen Jahres einen Ausflug in den südasiatischen Staat am Fuße des Himalayas – immer auf der Suche nach exotischen Ge
Mit voll beladenen Booten folgt man auch der Schwerkraft etwas schneller.
Foto: Peter Glück

Das Wildwasser bleibt weiterhin schön und schwer, die Temperaturen werden mit jedem Tag wärmer, an dem wir weiter ins Tal kommen. Auch unsere Boote werden von Tag zu Tag leichter. Wir fahren bis nach Awulgurta, ein Ort an dem am Anfang und Ende jeweils eine Hängebrücke den Ein- und Ausstieg für ein ca. drei Kilometer langes Umtragestück markiert. Flussabwärts gesehen an der rechten Seite steigen wir aus, um unser Lager aufzubauen. Die ersten Kinder kommen, um mit unseren Klamotten zu spielen.

Die Träger sind wie vereinbart vor Ort und packen gleich mit an. Als wir auf der anderen Seite oben auf Dorfhöhe stehen, sehen Michi M. und ich, dass es bei diesem Pegel zwar hartes Wildwasser wäre, wir sind uns aber einig, dass es für unsere Gruppe fahrbar wäre. Wir versuchen die anderen davon zu überzeugen, dass wir den Trägern das vereinbarte Geld geben, unsere Kajaks wieder zurück tragen und weiterpaddeln so weit es geht. Peter lässt sich schnell überzeugen, bei den anderen drei stoßen wir leider auf weniger Euphorie. Sie möchten das Stück lieber umtragen und an der nächsten Hängebrücke wieder einsteigen. Nachdem wir fünf super schöne Katarakte gefahren sind, taucht Klaus im Getümmel der Einheimischen auf und erzählt uns dass es noch ziemlich lang so weiter geht. Schweren Herzens und mit Tränen in den Augen beginnen auch wir mit dem Umtragen, wir setzen 100 Meter oberhalb der Hängebrücke ein und fahren noch zwei schöne Stellen. Das Wildwasser nach der Brücke ist super und entschädigt für die Umtrage oberhalb. Außerdem sind Kompromisse selbstverständlicher Bestandteil bei einer solchen Expedition.

Wir kommen gut vorwärts, bis der Jefe von Klaus aufplatzt und wir regelmäßig neu tapen müssen. Der Lagerplatz ist mal wieder perfekt, es gibt genug Sandbänke zum Übernachten und warm genug ist es auch. Wir haben uns mit Bhanu für morgen in Rimnigat verabredet. Zum Abendessen fahren alle noch mal richtig dick auf, wir haben ein paar Reiter Travellunch Päckchen übrig und lassen es uns gut gehen. Zum Schlafen legen wir uns in den Sand und genießen den schönen Sternenhimmel. Auf dem Weg nach Rimnigat kommen noch sehr viele schöne Katarakte, wir freuen uns über jeden einzelnen und genießen den tollen Tag. Mani hat heute Geburtstag und bei Bhanu schon mal ein paar Bierchen geordert. In Rimnigat angekommen warten wir auf Bhanu, der aber nicht kommt. Wir versuchen Bhanu mit unserem Satellitentelefon zu erreichen, um alles abzuklären, der Empfang ist aber sehr schlecht.

Nach langem Hin und Her steht fest, dass wir morgen noch mal 50 Kilometer WW 1-2 paddeln müssen. Die Straße ist so schlecht, dass Bhanu keine Chance hat uns hier abzuholen. Zum Glück haben wir gestern nicht alles aufgefuttert und machen es uns am Straßenrand gemütlich. Wir haben wie immer nach einem langen Paddeltag richtig Kohldampf und freuen uns schon auf unser Abendessen aus der Tüte. Chili con Carne, Chicken Curry, Beef Stroganoff und andere Leckereien stehen auf dem Speiseplan. Die Einheimischen beobachten alles ganz genau, auch als Mani bekleidet mit einem Regenponcho zur Tarnung zum kacken geht. Als es dunkel wird, gehen fast alle nach Hause, nur ein paar Halbstarke bleiben und schauen uns weiter zu. Mani und ich beschließen, ein paar Geburtstags-Biere im Ort zu organisieren, die Jungs führen uns zu einem »Laden« und helfen uns die Biere zurück zu tragen. Als Dankeschön bekommen sie auch ein Bier, im Gegenzug zeigt uns einer der Jungs stolz die tollen Videos, die er auf seinem Handy hat. Spätestens jetzt platzt Manis Illusion von der heilen schönen Welt.

Rund 6000 Kilometer von Deutschland entfernt liegt es, das höchstgelegene Land der Erde. Stefan Motz unternahm mit fünf Freunden im März diesen Jahres einen Ausflug in den südasiatischen Staat am Fuße des Himalayas – immer auf der Suche nach exotischen Ge
In Nepal werden die Boote andersrum getragen.
Foto: Peter Glück

Der nächste Tag ist warm und ganz schön anstrengend, die schöne Landschaft und Tierwelt entschädigt aber für die Mühen. Kurz vor unserem Ziel wartet Bhanu mit dem Bus auf uns. Wir sind froh, es geschafft zu haben und fahren in der Nacht noch zurück nach Nepalgang.

Von da aus geht es dann weiter nach Kathmandu – wir haben richtig Glück, denn seit sechs Tagen wird am Flughafen gestreikt und es geht kein Flieger mehr hoch nach Juphail. Die nächsten zwei Tage verbringen wir mit Sightseeing und Shoppen in Kathmandu und brechen dann auf zum Bhote Kosi. Am selben Tag paddeln wir noch den unteren Abschnitt, der bei unserem niedrigen Wasserstand und dem vielen Müll, der sich über den Winter im Bachbett angesammelt hat, nicht so schön war. Wir genießen es trotzdem mit leeren Booten zu paddeln.

Am nächsten Tag nehmen wir den oberen Abschnitt in Angriff. Heute ist Hol Fest, das Fest der Farben. Dazu bespritzen sich die Einheimischen bespritzen mit Wasser und bewerfen sich mit meist roter Farbe. Auf dem Weg zum Einstieg wird auch unser Bus immer farbenfroher und als wir an unserem Zielort aussteigen sind wir leichte Beute für die einheimischen Kinder. Wir steigen direkt unterhalb eines E-Werks ein und paddeln eine superschöne und anspruchsvolle Schlucht, für die wir einen perfekten Pegel haben. Peter und Mani fühlen sich nicht so gut, sie besichtigen die chinesische Grenze und gehen in den heißen Quellen zum baden. Am nächsten Tag fahren wir denselben Abschnitt gleich noch einmal, diesmal gönnt sich Michael Küsel einen Tag zum relaxen.

Am Abend fahren wir weiter Richtung Thamba Kosi, der steht als letzter Bach auf unserer Liste. Wir haben wieder mal einen niedrigen Pegel und befürchten das Schlimmste, doch der obere Abschnitt entpuppt sich auch bei diesem Pegel als sehr lohnend. Mal wieder haben wir super Wetter und genießen den letzten Paddeltag unserer Reise. Kurz vor dem Ziel machen wir noch eine kleine Pause, ich hole zur Feier des Tages mein letztes Mousse au Chocolate aus dem Boot und wir futtern es genüsslich. Auf dem Weg zurück nach Kathmandu besichtigen wir auf Manis Drängen noch ein Kloster und Nachmittags noch Bhaktapur, die Königsstadt. Nur Michi bleibt im Bus, der hat sich während der Busfahrt schon mehrmals übergeben und hat nun die zweifelhafte Ehre, die öffentlichen Toiletten von Kathmandu zu benutzen.

Rund 6000 Kilometer von Deutschland entfernt liegt es, das höchstgelegene Land der Erde. Stefan Motz unternahm mit fünf Freunden im März diesen Jahres einen Ausflug in den südasiatischen Staat am Fuße des Himalayas – immer auf der Suche nach exotischen Ge
Die versammelte Mannschaft mitsamt einheimischer Bevölkerung.
Foto: Peter Glück

Den darauf folgenden Tag verbringen wir noch in Kathmandu und fliegen am nächsten Morgen zurück nach Deutschland. Mani und Michi M. bleiben noch ein paar Tage und gehen in einen Nationalpark. Beim Krokodile-glotzen zappelt und springt Mani mal wieder wie ein Verrückter im Baumstamm herum, sodass Michi M. schon Panik hat, dass er gleich mit den Panzerechsen Bekanntschaft schließen wird.

Zurück in Kathmandu besuchen die beiden noch ein paar Vorlesungen vom Frühlingskurs im Kloster, mir ist bis jetzt aber noch nicht aufgefallen dass die beiden dadurch weiser geworden wären. Mani fällt in einen maßlosen Kaufrausch und schleppt am Tag des Abfluges einen XXXL Rucksack mit zum Flughafen, prall gefüllt mit 45 Kilogramm plus zwei große Säcke fürs Handgepäck. Als er den Sack auf die Wage legt, bekommt die Angestellte fast einen Herzinfarkt und möchte 700 € für das Übergepäck haben. Mani beginnt fast zu weinen und belabert die arme Frau ohne Punkt und Komma. Sein Versuch, Bhanu die Sachen wieder nach draußen zu bringen, scheitert. Bhanu ist schon längst über alle Berge und nicht mehr auffindbar. In seiner Verzweiflung springt er über den Tresen und versucht die Frau am Schalter zu überreden, alles mitzunehmen. Als diese sich nicht mehr zu helfen weiß, droht sie Mani damit, das Ticket zu zerreißen. Währenddessen versucht Mani einem anderen Angestellten die Sachen aufzudrehen, mit dem Auftrag, sie Bhanu zu bringen. Aber auch dieser Versuch scheitert und Michi M. beschließt, dass der Flieger, der in ein paar Minuten abhebt, nicht ohne ihn fliegen wird, und lässt Mani zurück. Der Glückspilz findet dann tatsächlich noch einen Dummen, der ihn kostenlos durchlässt und ihn sogar noch persönlich zum Flieger begleitet, der nur noch auf Mani wartet.

Wir möchten uns bei Bhanu von »Amazing Nepal Adventure« für die tolle Organisation unserer Reise bedanken. Außerdem möchten wir Simpert Reiter für die Unterstützung Ihrer Outdoor-Nahrung danken, ohne die unsere Abenteuer nicht so einfach und vor allem lecker möglich gewesen wären. Ein Dank geht auch an die Firma Zölzer, die Spitzenbeutel mit Reißverschluss sind unschlagbar und sorgen zuverlässig für eine trockene Ausrüstung.

Wir hatten eine super Zeit in Nepal und dass wir wieder kommen werden steht sicher fest.

Paddeln in Nepal

Solo-Trip von Ron Fischer am Buri Kandaki, Nepal.
24.11.2010

Die Abenteuer des Don Ron (4): Buri Kandaki

Weltenbummler Ron Fischer meldet sich aus Bali, äääh Nepal, wo er sechs Tage solo auf dem unbekannten »Buri Kandaki« unterwegs war. Der »super, mega Trip« war Rons letztes nepalesisches Abenteuer bevor er nun in Südostasien vorerst Sonne, Strand und Meer genießt.
Foto zur Nepalreise von Ron Fischer und Freunden (Teil 3).
24.11.2010

Die Abenteuer des Don Ron (3): Barun und Arun

Die West-Ost Verschiebung war geschafft. Jetzt kam der Hauptteil unseres Trips. Wir wollten möglichst weit am Arun hoch tragen und eventuell den Barun befahren. Es gibt nur sehr wenige Informationen über den Barun oder Arun im oberen Teil. Was wir erlebt haben, erfahrt ihr, wenn ihr weiter lest.
Foto zur Nepal-Reise von Ron Fischer und Team.
23.11.2010

Die Abenteuer des Don Ron (2): Zum Arun

Ron Fischer tourt diesen Winter einmal um die Welt. Erster Stopp ist Nepal, wo er mit Lukas Wielatt, Thomas Rogenmoser, Simon Hirter und Ruedi Raschle am Barun River ein Kajakabenteuer der besonderen Art erleben möchte. In zweiten Teil des Nepal-Blogs berichtet Ron von der unkonventionellen Anreise zum Arun. Aus Mangel an Flugverkehr machen sich die Jungs kurzerhand per Boot auf den Weg ...
Foto zur AKC-Nepal-Expedition »Ice2Jungle«.
16.11.2010

Nepal-Expedition »Ice 2 Jungle« erfolgreich

Dem AKC-Expeditionsteam »Ice 2 Jungle« ist die Erstbefahrung des Annapurna-Abflusses Modi Khola unterhalb des Gletschers auf 3600 Meter gelungen. Mit der 8091 Meter hohen Annapurna 1 im Rücken, kämpfte sich das siebenköpfige Paddelteam auf eisigem Gletscherwasser durch steile Felskatarakte dem Dschungel entgegen.
27.10.2010

Die Abenteuer des Don Ron (1): Kathmandu

Ron Fischer tourt diesen Winter einmal um die Welt. Erster Stopp ist Nepal, wo er mit Lukas Wielatt, Thomas Rogenmoser, Simon Hirter und Ruedi Raschle am Barun River ein Kajakabenteuer der besonderen Art erleben möchte. In regelmäßigen Abständen gibt Ron die Position der Mannschaft durch, damit auch die Daheimgebliebenen live dabei sein können. Seit Dienstagmorgen befindet sich die Crew in Kathmandu, den Rest berichtet Don Ron im Folgenden selbst.