Die wohl chaotischste Tour, die um Ostern der »Insel der Schönheit« vom fotogenen Lächeln zum breiten Grinsen verhalf. Motiviert, unkoordiniert und limitiert starten nicht die einzigen, aber bestimmt die lustigsten zehn Wildwasser-Adepten für zwei Wochen gen Korsika.
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Korsika(os) 2009 - Ein Reisebericht
Unser Korsika(os) - Wie man(n)'s macht und wie nicht...
Sauerstoffnot – Aua, Kopf rot!
Wer hatte eigentlich die Idee am Morgen nach einer Geburtstagsparty in den Paddelurlaub zu fahren? Vorhersehbarerweise schaffen wir es gegen 15 Uhr tatsächlich noch zum Hofer, dem österreichischen Aldi, um uns mit reichlich Nudeln und Co. für zweieinhalb Wochen Korsika einzudecken. Passt alles rein! Der Bus ist beladen mit Booten, Stühlen und allem was noch so dazu gehört - Nudeln hauptsächlich. Der erste Zwischenstopp nach 15 km bringt schon die erste erschreckende Zwangspause: Dampfende Rauchwolken verdecken die Sicht, der Kühler des Fiat-Bullis qualmt wie der Schicksalsberg. Glück gehabt, der Deckel vom Kühler liegt noch brav auf der Batterie, wohl vergessen zuzudrehen - also alles wieder im Lot, weiter geht's oder vielmehr los!
Ich fahre, du fährst – wo Fähre?
Nachdem wir unseren Bierproviant schon beim ersten Übernachtungsstopp bei Lilli und James in Versam »entsorgt« haben, geht's am nächsten Tag auf ins Tessin zur Verzasca - Einpaddeln für Korsika. Eine steinige Angelegenheit und Schnee am Einstieg - Na super, da hätten wir auch in Tirol bleiben können. Nach gefühlten 47 Stunden Fahrt durch Italien, schlafen wir auf dem Fährenparkplatz in Savona, um dann morgens festzustellen, dass die nächste Fähre nach Korsika erst wieder in knapp 2 Wochen fährt. Fein, also umplanen. In Windeseile düsen wir weiter nach Livorno und erwischen dort gerade noch unsere Fähre. So, jetzt aber: Endlich Urlaub! Während der Überfahrt können wir uns stundenlang auf Deck in die Sonne legen - Balsam für die nach Sommer lechzende Paddlerseele.
Ja Männer, Bootfahren!
Nach abendlichem Kajak-TÜV: Heißwasser + Axtstiel = Bootsreparatur, begeben wir uns auf den unteren Golo, um herauszufinden aus welchem Grund der berüchtigte »Staubsauger« wohl seinen Namen hat. Sven findet es mit einer fünf sekündigen Aufzugfahrt in tiefere Stockwerke heraus und taucht grinsend auf. Jetzt sind wir wohl auf Korsika angekommen. Juhu! Nachdem dann die »Punker« - das zweite Drittel unserer Truppe - auch eingetroffen sind, geht's weiter mit unterem Vecchio und der Tavignano-Schlucht: Von wegen stufig-steinig! Bei den vorherrschenden Pegelständen über 2 Meter präsentiert sich uns wuchtiges Wildwasser. Bijan's Stein-Paranoia hat somit einen Tag Pause und sogar die Sonne hat Lust sich zu zeigen – ihre Prämiere seit unserem Verlassen der Fähre. Was könnte schöner sein? Na klar, mittlerer Vecchio, Travo, Fium Orbo - alle mit perfekten Wasserständen.
Die Tage vergehen wie im Flug, auch wenn unser nun komplettes Team – bestehend aus acht Paddlern und einem »Shuttlebunny« ohne Führerschein und Bikini - es nicht gerade früh auf's Wasser schafft. Nur müssen wir uns daran gewöhnen, erst dann am Einstieg anzukommen, wenn die Tschechen schon ihre Autos nach der Tour wieder abholen. Aber schließlich sind wir im Urlaub und lassen uns davon nicht im Geringsten stören. Oft schaffen wir es sogar, vor Einbruch der Dunkelheit unser Camp zu erreichen - Ja Mann!
Baden, Allemann!
Der Rizzanese präsentiert sich uns am oberen Ende des Sinnvollen eingeschenkt und der deprimierende Anblick der gigantischen Staudammbaustellen vermiest uns den Tag. Wir beschließen diesen lieber auf dem Codi und anschließend in den heißen Quellen »Bains de Caldane« zu verbringen. Nach intensiver Verhandlung mit dem ca. 130 Jahre alten Wächter über die Badeerlaubnis, erklärt sich dieser bereit, seine Schrotflinte nicht zu benutzen - Obwohl wir an Autos und Duft eindeutig als Kajakfahrer zu erkennen sind. Dann dürfen wir pro Nase 4 Euro berappen und unser Duschzeug wieder ins Auto packen - Waschen verboten! Dass das Wasser etwa so warm ist wie eine gestern Vormittag eingelassene Badewanne stört uns kaum, wenigstens riecht es nach faulen Eiern und somit weniger nach uns.
Rizzanese - Polonaise
Am nächsten Tag starten wir einen weiteren Anlauf zum Rizzanese, der uns diesmal wohl gesonnener empfängt: Kristallklar, wärmer als in den Alpen und mit perfektem Wasserstand. Da ein großer Teil des oberen Flussabschnitts durch regelmäßige Sprengungen leider unpassierbar ist, müssen wir die Boote über einen kleinen Weg unterhalb der Baustelle zum Fluss hinab tragen. Hier haben praktischer Weise bereits am Vortag die französischen »Steinzeit-Stürzer« Vorarbeit geleistet: Bewaffnet mit Topolino, Integralhelm und Machete.
Der Fluss bietet uns alles, was zu einem standesgemäßen, korsischen Paddeltag dazugehört: In Rückläufen steckenbleiben, Bootsklemmer, unterzuckerte Fotographen, die ohne Abmeldung taumelnd in die Wildnis entschwinden, halbe Freewheels am zehn-Meter-Fall, einen ortskundigen (ha!) Kameraden (»Ich glaub' da kommt nix mehr...«) und per Bluterguss spontan größen-verdoppelnde Ellenbogen. Ach ja, Sonnenschein und nasale Einläufe für alle gab's gratis dazu. Da stört es uns kaum, dass wir nach bestimmt 33 Stunden am Bach - mittlerer und unterer Rizzanese inklusive scouten, schwimmen und fotografieren - noch etwa zwei Stunden auf unser Shuttle warten.
Zu unserem Glück schenken uns die Nachbarländler am Ausstieg eine Flasche tschechische »Kopfschmerzen«, das vertreibt uns die Zeit und wärmt den strapazierten Körper. Was für ein Tag!
Grinsend und ausgepowert verlassen wir das von EDF (Électricité de France) geschändete Tal und lassen uns zum Ausklang den oberen Golo angedeihen: Wunderschön, mit knackigen Stufen und selbst der obligatorische Paddlerstau vor den Kernstellen vermag es kaum uns den letzten Paddeltag zu vermiesen. Korsika ist doch immer wieder eine Reise wert und nett, um alte Freunde, neoprenschuh-leer-trinkende Holländer und bestimmt die Hälfte aller Wildwasser-Enthusiasten zu treffen. Das Ganze noch atmosphärisch gekrönt von der landschaftlichen Schönheit der »Scala di Santa Regina« - Oh Korsika, du Insel der Schönheit - Danke für eine tolle Zeit!
Ein paar »sinnvolle« Tipps und Tricks für Korsika-Novizen:
- Kleine Gruppen bedeuten weniger Toilettenpapierverbrauch. Stimmt, aber vor allem die Möglichkeit vielleicht schon vormittags auf den Bach zu kommen.
- Campingplätze gibt's wie Sand am Meer (oder Steine im Fium Orbo) und kosten ca. 5-8 Euro pro Nase und Tag. * Essen ist nicht teurer als in Österreich und ein 1 Meter langes Baguette sättigt einen Paddler für genau 45 Minuten.
- Einen 120 Jahre alten Korsikaführer vom legendären Herrn Haas mitzuführen eröffnet dem Plastikbootpaddler ungeahnte Style-Tipps.
- Die Fähre im Vorhinein zu buchen kann bis zu 2/3 der Kosten ersparen.
- Wer abends Bier trinkt fühlt sich nicht unbedingt fitter am nächsten Tag - das gleiche gilt für Pastis: Man bedenke die Nachwirkungen beim Trinken von Wasser am nächsten Tag.
- Wer sich zwei Wochen lang von Müsli-Riegeln ernährt bekommt eine sehr regelmäßige Verdauung.
- Wer komplett ohne Geld in den Urlaub startet, spart sich elegant das (die) Kenterbier(e).
- Unbedingt vorher abklären, was als »Schwimmer« zählt: Klemmen, aussteigen und dabei ins Wasser fallen?





























