Der Guil im französischen Dauphinois gilt vielen als schönster Fluss der Alpen. Glasklares Wasser, herrliche Landschaft und faires Wildwasser werden höchsten Ansprüchen gerecht. Christian Zicke stellt in KANU 6/2011 den Traumfluss vor, hier gibt's den Fotoreport dazu.
Inhaltsbereich
Touren
French Kisses am Guil
Endlich stehen wir am Einstieg unterhalb von Aiguilles. Die Sonne brennt und das glasklare Wasser lädt zum Planschen ein. Doch nur in Badehose wollen wir dem Guil auch nicht die Ehre erweisen. Wir zwingen uns in Neo, Paddeljacke und den restlichen Wust, denn der Guil – auch wenn er hier am Einstieg so lieblich aussieht – hat im weiteren Verlauf kerniges Wildwasser in petto. So berichten zumindest der DKV-Führer von 1976 sowie das französische Reisehandbuch, das wir uns im Outdoorshop in Briançon gekauft haben.
Gerade noch dem Hitzetod durch spontanes Kenterrollen im ersten Kehrwasser entgangen, schwingen wir erfreut und frohen Mutes in die zügige Strömung des Guil ein. Als erstes folgt die obere Schlucht. Leichtes Wildwasser II und III, gespickt mit einigen schwierigeren Passagen werden versprochen – und so ist es dann auch. Bis Château-Queyras geht es gemütlich dahin, es bleibt Zeit, die Landschaft zu genießen und ein paar Bilder zu schießen.
Vor dem berühmten Burggraben von Château-Queyras gilt es noch einmal in sich zu gehen. Mythen ranken sich um diesen Teil des Guil. Von WW V und VI berichtet der DKV, von WW IV und V das französische Buch, von »wie Kaiserklamm« und »wie Lammeröfen« berichten unsere Freunde.
Drei Minuten später haben wir den Burggraben hinter uns gelassen. Rasant wie eine Wasserrutsche schiebt der Guil uns durch diesen polierten Felskanal. Nur ganz wenige kleine Kehrwässer laden zum Verweilen ein. Die Schwierigkeiten hingegen überschreiten nie den vierten Grad. Bis auf eine Stelle ist der Burggraben sogar eher Wildwasser III. Aber kraulen sollte man nicht. Denn der Einstieg ins Boot vor dem Ende der circa einen Kilometer langen Klamm wird nicht gelingen.
Nach dem Burggraben geht es zunächst gemächlich dahin. Wildwasser II lädt zum Dümpeln und Landschaftschauen ein. Doch dann wird es wieder steiler und enger – die Schutzengelschlucht beginnt: Kleine Stufen, Walzen und Slalompassagen wechseln sich ab. Die eine oder andere Unterspülung lauert auf denjenigen, der die Linie nicht sicher trifft. Alles bewegt sich aber im vierten Grad, lediglich zum Ende hin muss, je nach Wasserstand, eine Stelle umhoben werden, da dort ein großer Siphon lauert. Diese Stelle ist aber links gut zu umtragen. Nach der Schutzengelschlucht ist Zeit für eine Brotzeit. Die Kiesbank am Ende der Schlucht ist der ideale Platz dafür.
Nach längerer Pause geht es weiter. Direkt im Anschluss folgen die »Anaconda«, eine rassige Fünferstelle, sowie die berühmt-berüchtigten »Guiltreppen«. Die »Anaconda« umtragen wir in Rekordzeit, die »Guiltreppen« sichern wir. Danach wird der Guil offener und ein leichtes Zwischenstück folgt, bevor er noch einmal einen Zahn zulegt. Zwar ist fast alles auf Sicht fahrbar, trotzdem wartet der Guil mit rassigem Wildwasser im dritten und vierten Grad auf. Langweilig wird es nie!
Nach diesem Teil des Guil ist Schluss im Stausee von Maison de Roy. Zwar folgt noch eine weitere Schlucht, diese soll aber sehr schwer sein und für gewöhnlich hat sie durch den Staudamm auch nie genug Wasser für die Befahrung. Wir kehren also in das nächste Kaffeehaus ein und begießen den großartigen Tag auf einem der schönsten Flüsse der Alpen mit einem Pastis und leckeren Crêpes.
Pegel bei der Befahrung: 65 Zentimeter an der Brücke nach den »Guiltreppen«
Teil I: Oberer Guil
Aiguilles bis Château-Queyras – WW II und III.
Teil II: Burggraben
Rund um Château-Queyras – WW III und IV.
Teil III: Schutzengelschlucht
WW IV und eine Stelle WW V, sowie eventuell eine unfahrbare Stelle am Ende (abhängig vom Wasserstand)
Teil IV: Unterer Guil
WW III und IV, »Guiltreppen« und »Anaconda« WW V.
Teil V: Schlucht von Maison de Roy
Abgeleitet und meist trocken. Wenn es Wasser hat, bis WW V. Vorsicht beim ausgesetzten Abstieg in den Schluchtgrund (Abseilen!) und Vorsicht vor plötzlichen Bachspülungen.
Redaktioneller Zusatz:
Dass der Guil stellenweise sehr wenig Platz zu bieten hat, beweist folgendes Video, das mehrere Schwimmer in der Schlucht von Château-Queyras zeigt. Der Kameramann wollte hierbei eigentlich Freunde filmen, die erst nach den vier Pechvögeln die enge Stelle passierten.


































