Väterchen Frosts kalter Atem hält die Alpen schon viel zu lange im Panzer aus Eis und Schnee gefangen. Dass auch im Winter ein sonniger Tag genügt um des Paddlers Herz aus tiefgekühlter Tristesse zu reißen, haben vier Wiener Paddler am eigenen Leib erfahren. Sophie Brodicky berichtet von zwei Paddeltagen auf der Erlauf.
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Erlauf: Frühlingsgefühle in den Tormäuern
Kaum zieht der März ins Land, durchdringen sie die Paddlerseele: Frühlingsgefühle! Da gibt es die gemeine Paddelsehnsucht, das fröhliche Paddelfieber und den verruchten Paddelwahn. Einzig wahre Therapie: Boote aufs Autodach und ab auf den nächsten Bach. Eine wahre Wundermedizin für ostösterreichische Paddlerseelen findet sich am Nordrand der Alpen, im Naturpark Ötscher-Tormäuer: die Erlauf. Damit die Therapie auch anschlägt, genießt man sie am besten gleich doppelt. Und so ziehen drei Niederösterreicher in die nahen Berge, um den Frühling willkommen zu heißen und finden alles, was das Herz begehrt: Wasser, Well(ch)en, Wasser, kleine feine Stufen, Wasser, unsagbar schöne Landschaft und vor allem: Wasser.
Der erste Ausflug Anfang März erinnert ein wenig an Eiskunstlauf: Die Felsen kleiden sich in wallende Eisgewänder, gefrorene Wasserfälle am Flussufer erzählen vom Winter und die Kälte nagt an den Fingern. Schon am Weg vom Parkplatz zum Einstieg bei der alten Mühle kann man einen Blick in die Klamm werfen und die Vorfreude prickelt ein wenig unter der Haut. Und dann ist es endlich da, das magische Gefühl, am Bach zu sein. Das Boot schwebt im Kehrwasser und Unmengen an Endorphinen jagen Freudenschauer durch den Körper.
Aufgrund des niederschlagsarmen Winters führt die Erlauf Niedrigwasser und so mancher Steinkontakt lässt sich nicht vermeiden, aber ein bisschen Techniktraining und Spurensuche schaden ja bekanntlich nicht. Nur die »Erlaufröhre« umtragen wir, da das Unterwasser ziemlich unsauber ist. Am Ausstieg sind die Finger beinahe tiefgefroren, dafür nehmen wir eine Extraportion landschaftlicher Verzauberung mit nach Hause. Aber wie allseits bekannt: Das Paddelvirus ist chronisch.
Deshalb: Nächstes Wochenende, gleicher Ort, leicht verändertes Team und wieder lechzt das Paddlerherz nach Wasser. Der Pegel ist weiterhin niedrig, dafür zieht der Föhn durchs Tal und die türkisgrünen Kehrwasser laden richtig zum Hineinspringen ein. Kaum am Bach, ist die Welt in Ordnung. Das Fieber erlebt eine Spontanheilung, das Herz schlägt höher, ein Lächeln legt sich auf die Gesichter und was dann kommt, nennt man wohl Glück: von Kehrwasser zu Kehrwasser springen, ein bisschen spielen, sich durch steinigere Passagen schlängeln, unter einem unterspülten Felsen durchducken und sich über die unzähligen Stoamandln auf einer der Schotterbänke freuen.
Ob das Paddelvirus kuriert ist? Unwahrscheinlich. Frühling, wir kommen!


























