Puuhh, geschafft! Nach vier Wochen in der russischen Wildnis ist das Team der adidas-Sickline-Expedition wieder heil nach Hause zurückgekehrt. Die Bilanz dieses Trips: acht Flüsse im Altai-Gebirge, zwei tote Russen, ein Autounfall, zwei verlorene Paddel, ein geschächtetes Schaf und gar nicht so viel Vodka, wie man annehmen mag. Philip Baues berichtet der Reihe nach.
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Touren
Das Altai-Abenteuer
Mitte Juli fällt der Startschuss für unsere Reise ins tiefste Sibirien. Von München geht es über St. Petersburg nach Novosibirsk. Von dort wollen wir mit Autos weiter südostwärts Richtung Altai-Gebirge reisen. Fast scheitert das ganze Vorhaben aber bereits am Flughafen München: Die nette Dame am Check-In-Schalter will partout unsere Kajaks nicht akzeptieren. Überredungskünste müssen her – und die Kreditkarte. Zwei Minuten vor Abflug schaffen wir es gerade noch in den Flieger zu sprinten. Just in time! In St. Petersburg dann die gleiche Sch.... – wieder nachzahlen, wieder schaffen wir es gerade noch rechtzeitig ins Flugzeug.

Foto: Expeditionsteam
Kurzinfo Altai-Gebirge
Das Altai-Gebirge ist ein bis zu 4.506 Meter hohes mittel-asiatisches Hochgebirge im Grenzgebiet von Kasachstan, Russland (Sibirien), der Mongolei und China. Es erstreckt sich über rund 2.100 km Länge vom Quellgebiet der Flüsse Irtysch und Ob in Südsibirien bis in die Trockenregionen Sinkiags und zum ostmongolischen Hochplateau. Das Klima des Altai ist stark kontinental geprägt, was sich am deutlichsten in den langen, kalten Wintern zeigt. Die warmen oder sogar heißen Sommer sind dagegen kurz. Der höchste Berg im Altai ist die Belucha mit 4.506 m. Es Leben rund 50.000 Personen im zentralen Altai.
Spätestens zwei Tage später ist der Stress der Anreise vergessen. Wir sind am Einstieg des ersten Bachs, dem Chuya River, angekommen. Tomass verspricht uns feinstes Wildwasser auf den nächsten 20 Kilometern – allerdings haben wir auch einen rekordverdächtigen Wasserstand. Da wir aber ohnehin keinen Vergleich haben bomben wir einfach Tomass hinterher. Nach ein paar Stunden auf dem Bach haben wir einen ersten Vorgeschmack auf das, was uns die nächsten Wochen in Sibirien erwartet – BIG Water!!!
Vom Chuya geht auf einer abenteuerlichen Fahrt durch atemberaubende Landschaften zum Chulishman, unserem ersten Multi-Day-Trip. Hier können wir uns die nächsten drei Tage an das Paddeln mit vollgepackten Booten gewöhnen und das einzigartige Gefühl der Abgeschiedenheit in vollkommener Wildnis genießen.
Zwischen den Mehrtagestouren kaufen wir immer wieder in kleinen Dörfern oder Städten Verpflegung ein. Jedes mal ein Highlight der besonderen Art: Aufgrund der harten Lebensbedingungen und der Perspektivenlosigkeit ist Alkoholmissbrauch ein großes Problem im Altai. Wie Zombies stolpern dort die Menschen schon am Morgen über die Straßen und betteln um Bier oder Vodka. Erschreckend! Auch das Essen in Sibirien ist gewöhnungsbedürftig: ungefähr keine Vitamine, dafür fast ausschließlich fettiges, abgekochtes Fleisch und Nudeln mit Mayonnaise. Ohnehin ist Mayo in Russland allem Anschein nach ein universelles Grundnahrungsmittel. Auf Dauer kann einen das ganz schön fertig machen!
Auch das Reisen in den sibirischen Bergen unterscheidet sich drastisch von europäischen Standards. Straßen verdienen kaum diese Bezeichnung. Die wilde, abenteuerliche Romantik des Offroad-Fahrens weicht ziemlich schnell ausgeprägten Rückenschmerzen. Umso lustiger ist es dafür mit unseren beiden russischen Fahrern Locha und A-Dog. Die beiden sprechen zwar kein Wort Englisch, dafür überzeugen sie mit fahrerischem Können und Brechstangentaktik bei der Autoreparatur. Letztere ist häufig von Nöten: Mehrmals täglich fällt der Auspuff ab, streikt das Getriebe oder die Zylinderkopfdichtung gibt den Geist auf.
Ähnlich aufregend sind auch die Flüsse. Dreieinhalb Tage und 100 Kilometer sind wir auf Karagem und Argut unterwegs, die riesige Rapids und fantastisches Wildwasser für uns bereit halten. Leider finden wir an einem der schweren Katarakte einen toten russischen Rafter. Zuvor war ein Heli durch die Schlucht geflogen, der – wie wir später erfuhren – nach einem zweiten vermissten Sportler suchte. Auch bei unserer nächsten Tour auf dem Bashkaus machen wir wieder eine grausige Entdeckung: Am Ufer liegt ein Ertrunkener, der offenbar schon etwas länger tot ist. Ohne uns davon verrückt machen zu lassen, paddeln wir diesen grandiosen Fluss und tragen unsere Namen in das »Buch der Legenden« ein. Zu Ehren ihrer bei der Erstbefahrung im Jahr 1976 verunglückten Kameraden brachten die überlebenden Rafter im folgenden Jahr eine Gedenktafel und ein Buch für nachfolgende Abenteurer am Fels über der Unglücksstelle an. Unser Team war in all den Jahren erst die zweite europäische Gruppe.
Die einzige wirkliche Auszeit vom Big-Water nehmen wir uns am Kurkure-River: oberhalb eines beeindruckenden 30-Meter-Wasserfalls reihen sich vier Stufen von vier bis zehn Meter Höhe aneinander. Bei strahlendem Sonnenschein genießen wir es, etwas weniger Wasser unterm Boot zu haben und definierte, technische Stellen zu paddeln. Grandios!
Gegen Ende unserer Reise kehren wir noch einmal in die Mahzoy-Schlucht auf dem Chuya zurück, wo wir uns die letzten zwei Tage mit ein paar Non-Stop-Runs austoben. Dem Anlass gebührend kaufen wir am letzten Abend ein Schaf, um endlich ein vernünftiges Essen auf die Teller zu zaubern. Zum Glück ist einer unserer Fahrer routiniert im Umgang mit Fleisch, das noch weglaufen kann und vermutlich sogar einen Namen hat. Mit einem geübten Schnitt ist die Kehle durch und das kleine Schäflein kann seiner eigentlichen Bestimmung zugeführt werden. Frischer geht’s wohl nicht. So verbringen wir einen tollen letzten Abend am Fluss, bevor es am nächsten Tag zurück zum Flughafen in Novosibirsk geht.
Wie immer war es ein grandioses Abenteuer und einfach eine tolle Zeit mit den Jungs! Obwohl einige vorher noch nicht zusammen beim Paddeln unterwegs waren, haben wir uns super verstanden und viel Spaß auf und abseits des Baches gehabt. Dope! Und die Russen sind verdammt noch mal verrückte Hunde!
Viele Grüße
Das Team: Florian Dillier, Thilo Schmidt, Bernhard Mauracher, Philip Baues, Timo Köster, Stephane Pion, Tomass Marnics, Sam Sutton, Jared Meehan und Olaf Obsommer
Danke an unsere Sponsoren: adidas, Prijon, wavesport, sweet, Kober, TyWarp, Langer, hf, Piranha, Ortlieb, Lettman und Bliss Stick






















































































































































































































