Verzasca und Sesia waren gestern. Ihr jüngster Trip führte das Wildwasser-Trio Julian Schäfer, Ben Jung und Dominik Vogt Mitte Juni ins norditalienische Aostatal. Gemeinsam mit einheimischen Freunden befuhr die »Italian Connection« Soana, Ayasse und Chiusella.
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Aostatal: Life can be so good and easy!
Life can be so good and easy! Nach diesem Motto beginnt unser Wochenende mal wieder bereits Donnerstag Mittag mit der Fahrt in Richtung Aostatal. Dort sollen wir unseren italienischen Freund Andrea treffen, der schon begierig darauf wartet, uns einige Flüsse zu zeigen. Gut gelaunt und voller Tatendrang kommen wir – Julian Schäfer, Dominik Vogt und ich – in der Nacht auf Freitag in der Nähe der Soana an. Andrea, der pünktlich um 8.00 Uhr am Treffpunkt erscheint, eröffnet uns drei Optionen: Soana, Ayasse und Chiusella. Wir entscheiden uns für die Soana, die zwar viel Wasser hat, aber genau das Richtige ist, um ein geniales Wochenende einzuläuten.
Am Einstieg (»Villanuova«) der oberen Soana angekommen, präsentiert sich das Tal von seiner schönsten Seite. Helles Gestein, hohe Berge und glasklares Wasser. Der Charakter ist ähnlich der mittleren Verzasca, wobei der Fluss je nach Wasserstand mit einigen klebrigen Walzen aufwartet. Im oberen Teil empfangen uns mehrere Katarakte, die etwas länger, aber fair zu fahren sind. An einer Stufe, die unbedingt rechts befahren werden muss, sollte man sich seiner Line sehr sicher sein, da sonst die Fahrt auf bzw. in der gegenüberliegenden Wand endet. Die Stufe ist übrigens von der Straße aus sehr gut zu sehen.
An einer Hängebrücke angekommen, beginnt der untere Teil, der allerdings bei unserem Wasserstand gleich mit einer Umtragung der folgenden Stelle auf der rechten Seite fortgesetzt wurde. Die nächsten Flusskilometer bieten sehr schönes Wildwasser mit kleineren Stufen und mehreren Katarakten. Zwei Stellen empfehlen sich einer genauen Besichtigung: Die erste ist eine etwa drei Meter hohe Stufe mit einem ordentlichen Rücklauf, die zweite Stelle sieht aus wie ein Steinlabyrinth, dessen einzige Durchfahrt in einem Siphon endet. Das Ende unserer Fahrt ist in der Ortschaft »Pont Canavesa«, ab hier wird die Soana breiter und verliert an Attraktivität. Unmittelbar am Ausstieg befindet sich ein Parkplatz, der offiziell für Camper zum Nulltarif angeboten wird.
Ohne lange zu überlegen schlagen wir unsere Zelte auf und kochen in alter Paddelmanier eine ordentliche Portion Spaghetti. Andrea regt an, am nächsten Morgen zur Chiusella zu fahren. Die hat zwar etwas wenig Wasser, aber sie wäre nun mal ein absoluter Klassiker. Außerdem kommt sie unserem Plan entgegen, einige Höhenmeter zurückzulegen.
Am Einstieg der Chiusella bei Fondo werden wir an einer römischen Brücke bereits von zwei weiteren italienischen Paddlern erwartet, die regelrecht heiß darauf sind, uns ihren Hausbach zu zeigen. Von der Sonne verwöhnt und mal wieder umgeben von einer sagenhaften Bergkulisse, beginnen wir unsere Fahrt in relativ flachem bis fast unbefahrbarem Wasser. Der dürftige Wasserstand beginnt an unserer Motivation zu nagen. Wir hatten zwar mit wenig Wasser gerechnet, aber ein derartiger Mangel gibt uns zu denken. Wir müssen jedoch nicht lange warten und die Chiusella beginnt ihren wahren Charakter zu präsentieren. Die ersten Stufen erweisen sich als optimal, um sich auf die kommenden Schwierigkeiten einzustellen. Zu Beginn ist es zwar ein wenig eng, aber nach und nach erscheinen die ersten Grundgesteinrutschen, die richtig Laune aufkommen lassen. Relativ schnell folgt eine etwas höhere Stufe, die im oberen Teil aus einer Rutsche besteht, gefolgt von einer etwa fünf Meter hohen Stufe. Sowohl von links als auch von rechts lässt sich diese gut einsehen. Wer keine Lust auf die Stufe hat, umträgt einfach auf der rechten Seite.
Wer auf Grundgestein steht, wird sich in die Chiusella sehr schnell verlieben. Jedoch sollte man stets konzentriert sein und die ein oder andere Stelle nicht unterschätzen und vielleicht jemand anderen vorfahren lassen. Trotz unserer Begeisterung haben wir auch einen kleinen Zwischenfall, bei dem sich ein Mitglied unserer Gruppe mit einem Stein anlegt und blutend zur Erkenntnis gelangt, dass Gestein nun mal härter ist. Der Ausstieg befindet sich auf der rechten Seite, unmittelbar unter der großen Straßenbrücke, von der man noch mal einen sehr schönen Blick auf die Chiusella und ihre unvergessliche Eigenart genießen kann.
Was wäre ein Kajaktrip in Italien, ohne eine ordentliche Pizza zu mampfen? Getrieben vom Hunger machen wir uns auf in Richtung Ivrea. Bereits während dem Essen kommen die ersten Pläne auf, den angefangenen Abend in Turin fortzusetzen. Bestimmt hätte dies im vollen Exzess geendet und dafür gesorgt, dass wir nicht wie geplant früh morgens unseren dritten und letzten Paddeltag begonnen hätten, sondern erfahrungsgemäß gegen 12.00 Uhr voll verkatert und unmotiviert auf den Bach gegangen wären. Dagegen ist ja nichts einzuwenden, vorausgesetzt, man hat mehr als drei Tage Zeit, zumal sich ein Ruhetag bzw. Hangover-Tag bei einem längeren Trip anbieten würde. Aber nicht in unserem Fall.
Somit ist mal kurz für schlechte Stimmung gesorgt, da nicht jeder von dieser Einsicht überzeugt ist. Jedoch sollte sich am kommenden Tag zeigen, dass wir auch trotz Enthaltsamkeit nicht vor 12.00 Uhr auf den Bach kommen würden. Bevor wir unseren Schlafplatz aufsuchen, kommt uns nämlich noch die spontane Idee, den super genialen und ausgeleuchteten Wildwasserkanal in Ivrea zu befahren. Es bleibt jedoch bei der Idee, da sich keiner mehr so richtig in die nassen Klamotten zwingen will. Die Nacht verbringen wir am Ausstieg, bzw. etwas unterhalb eines vier Meter hohen Wehres an der Ayasse. Auch hier treffen wir einen italienischen Paddler, den wir bereits im Valsesia kennengelernt hatten.
Nach viel Blabla geht es dann am Sonntagmorgen endlich zum Einstieg (»Pontboset«) der oberen Ayasse, die gleich mit einem guten Kracher zu Beginn für volle Aufmerksamkeit sorgt. Die Stelle lässt sich gut von der darüberliegenden Brücke einsehen, wobei die erste etwa acht Meter hohe Rutsche, gefolgt von einer ähnlich hohen Rutsche, ein wenig erschreckend aussieht. Die Strömung zieht bei der zweiten Rutsche auf eine Felsnase, die einem Kicker ähnelt, der sich anbieten würde, um den Boof deines Lebens zu machen – jedoch sollte dieser umpaddelt werden. Die folgenden Stufen sind einfach nur der Hammer. Gut einsehbar und fast immer mit einem Pool versehen, gräbt sich die Ayasse talabwärts. Vorsicht ist geboten nach etwa der dritten Stelle. Die kommende Stufe ist nicht sauber zu befahren und muss hier unbedingt von der rechten Seite aus besichtigt bzw. umtragen werden. Via Felsenstart geht die Fahrt weiter, gefolgt von einer kleinen Stufe und einer Stufe im Anschluss, die einen Kicker hat, der das Boot unerwartet aushebelt.
Achtung, die nächste Stufe ist sehr rückläufig, zumal die Strömung nur wenig Spielraum zum Korrigieren bzw. in meinem Fall zum Schwimmen lässt. Rechts besichtigen und umtragen, bevor es dann weiter über mehrere Stufen bis zu einer sehr langen Grundgesteinrutsche geht. Anfänglich hatten wir unsere Bedenken, dass wir bereits in der Anfahrt auf die Mütze bekommen würden, jedoch zeigen uns die italienischen Kollegen vor, wie es geht – Slidefeeling vom Feinsten.
Der folgende Flussabschnitt ist laut unserer italienischen Führer nicht lohnenswert, was wohl auf fünf Umtragungen zurückzuführen ist. Wir beschließen an dieser Stelle, die Autos zu holen, um den weiter unten gelegenen Teil (»Pont-Saint-Martin«) zu bepaddeln. Diesmal geht es orographisch rechts mit dem Auto bis zu einer Biegung flussaufwärts und von dort aus in Richtung Hängebrücke weiter flussaufwärts mit unseren Booten zu Fuß. Von der Hängebrücke lässt sich der wohl geilste Teil der Ayasse gut einsehen. Eine Kombination aus drei Wasserfällen bzw. Rutschen, die bis zu acht Meter hoch sind und von der Brücke aus gerne unterschätzt werden. Beeindruckt von dieser Stelle, laufen wir noch weiter flussaufwärts, bevor wir unsere Befahrung fortsetzten. Die Stufen in diesem Bereich sind je nach Wasserstand sehr rückläufig und nicht sehr einladend für einen Schwimmer. Eine Stelle muss ziemlich lästig auf der linken Seite über eine stark rutschige Felsplatte umtragen werden. Im Anschluss locken zwei Genussstufen, bevor dann das eigentlichen Highlight wartet. Bereits von der Brücke aus kann man den etwa acht Meter hohen ersten Fall gut besichtigen, jedoch nicht mehr umtragen.
Unser italienischer Frauenbeglücker fährt ohne Probleme als Erster und wartet daraufhin im Pool. Auf unserem Plan steht Filmen, und somit bin nun ich an der Reihe, um schnellstmöglich alles vorzubereiten. Zuversichtlich und mit einer super Line geht es via Meltdown die Stufe runter und endet mit einer offenen Spritzdecke, etwa 300 Liter Wasser im Boot und einer Kombination aus drei weiteren Zwangswasserfällen. Ich beschließe, die Spritzdecke wieder drauf zu ziehen und gut bepackt die folgenden Stufen zu befahren, zumal ich keine andere Wahl habe. Mächtig tief geht es dann die zweite Stufe runter, wobei ich dank meines Gewichtes keine Probleme mit der etwas rückläufigen Eingangsstufe habe. Jedoch öffnet sich die Spritzdecke wieder und das Spiel beginnt von vorne. Schließlich schaffe ich es dennoch ohne Aussteigen die weiteren Stufen bzw. Rutschen erfolgreich zu befahren, um letztlich noch für eine gute Aufnahme ans Land zu kommen. Schön gefilmt zeigt die eine oder andere Sequenz, dass nicht nur ich, sondern auch Andrea mit der Kombination zu kämpfen hatte.
Mit diesem letzten Eindruck verabschieden wir uns aus dem Aostatal, um noch rechtzeitig nach Hause zu kommen und wie gewohnt pünktlich Montagmorgen wieder zur Arbeit zu gehen.






































