Was passiert, wenn eine erfahrene Wildwasser-Combo für insgesamt vier Monate die Westküste der USA und Kanada unsicher macht? Es kommen wunderbare Bilder dabei raus. Matthias Karl und Florian Fischer waren mit zahlreichen Freunden unterwegs, um jenseits des Atlantiks nach neuen Gewässern zu suchen.
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Going West (1): It never rains in Southern California
»It never rains in sassan California!« Dieser weltbekannte Satz wiederholt sich tagtäglich in unseren Mündern. Dabei ist bei jedem eine gewisse Ironie in der Stimme wahrzunehmen. Bei der Vorbereitung für unseren viermonatigen Aufenthalt in den Amerikanischen Staaten und Kanada hatten wir Bilder von blauem Himmel und stechender Sonne im Hinterkopf. Freunde, die bereits in den letzten Jahren die Gelegenheit hatten in Kalifornien zu paddeln, erzählten von nur einem Regentag pro Monat und drückend heißen Temperaturen. Bei uns scheint jedoch vieles anders zu kommen. Seit etwas mehr als zwei Wochen regnet es täglich. An manchen Tagen lässt sich die Sonne kurz blicken, an vielen jedoch überhaupt nicht – und dabei haben die Bäche ohnehin aufgrund der enormen Schneemengen in den Bergen größtenteils zu viel Wasser.
Am 20. Mai stehen wir vor dem San Francisco International Airport. In den ersten Tagen erledigen wir einige organisatorische Dinge wie Autos zu beschaffen und fehlende Ausrüstung ergänzen. Nach einigen Turbulenzen und dem immer größer werdenden Zeitdruck geben wir uns mit einem mittelmäßigen Geländewagen zufrieden. Die folgenden Tage, bis auch Timo endlich in San Francisco landet, überbrücken wir an verschiedenen Camps mit unterschiedlichen Aktivitäten – Football spielen, Safety-Training und Wellensurfen am Meer, sowie mit diversen Bierchen, die anders als erwartet durchaus bezahlbar sind. Auch in San Francisco lassen wir uns blicken, was sich als eine der schönsten Städte entpuppt, die wir je gesehen haben. Spätestens als ein BMX Fahrer haarscharf über einen an der Ampel wartenden Porsche springt hatte die Stadt unsere Herzen erobert.
Nachdem unsere Gruppe komplett ist, machen wir uns auf Richtung Osten zum South Silver River, der uns als Jetlag-Run empfohlen wurde. Nach einer klaren Nacht fangen wir am frühen Morgen an zu scouten. Passt der Wasserstand? Ist das ein angemessener Bach zum einpaddeln? An der Kernstelle sind wir uns schlussendlich doch einig, dass der Wasserstand bei weitem zu hoch ist. Vor uns steht ein imposantes Naturschauspiel aus einer Kombination von Abfällen, sowie massive Grundgesteinsrutschen mit nur sehr kurzen Pools dazwischen. Folglich entscheiden wir uns lieber mit einem leichteren Fluss bei humaneren Wasserständen zu starten.
Gott sei Dank gibt es in jedem Dorf einen McDonald's mit kostenlosem Internet, in denen wir uns täglich aufhalten, um immer die aktuellen Wasserstände der Flüsse im Auge zu behalten. Es regnet und regnet, das Wetter schlägt auf das Gemüt der Gruppe. Temperaturen um 4°C und Autofahrten über schneebedeckte Straßen geben uns den Rest. Nichts desto weniger beißen wir die Zähne zusammen, hoffen auf einen baldigen Wetterumschlag und paddeln derweil erstklassige Bäche bei perfekten Wasserständen. Am Ausstieg des South Yuba River treffen wir auf Charlie Center, ein Local, der uns den Tipp gibt den South Branch of the Middle Fork Feather anzuvisieren, dies sei eine absolute Perle mit augenblicklichem Top-Wasserstand. Er bietet uns sogar an ihm zu folgen, da er sich ohnehin gleich auf den Weg dort hin machen würde.
Gesagt, getan. Nach einer kurzen Nacht befinden wir uns auf einem Fluss, wie wir ihn bisher nur aus Paddelpornos kennen. Los geht's mit moderatem Wildwasser über schöne Stufen und Katarakte, bis man zu einer markanten Niederklamm gelangt, welche den Auftakt zum eigentlichen Charakter des South Branch einleitet. Unsere Blicke wandern weiter flussabwärts und es sind nur Abrisskanten zu sehen – »Drop and Pool« wie aus dem Bilderbuch. Inzwischen ist die Zeit weit fortgeschritten. Nach sechs kräftezehrenden Stunden wird uns bewusst, dass wir noch einiges vor uns haben. Es folgen einige weitere Stufen, bis wir in ein Kehrwasser gelangen von dem aus nur noch drei gewaltige »Horizon Lines« zu erkennen sind. Wir stellen fest, dass wir unmittelbar vor »99 Problems« stehen. Ein nicht gerade alltäglicher Wasserfall mit schwieriger Anfahrt, der auf weitere Befahrungen wartet. Vollgepumpt mit Adrenalin erreichen wir nach einer aufwändigen Umtrage den letzten und zugleich höchsten Abfall des dreieinhalb Meilen langen Traumbaches. Dieses Mal wurde der Spieß leider umgedreht, und auf das Vergnügen der letzten acht Stunden folgt nun die Arbeit. Um unser Auto zu erreichen steht uns ein einstündiger Rückmarsch bevor. Ausgelaugt, aber dennoch zutiefst befriedigt, stillen wir im strömenden Regen unseren Hunger. In einer Sache sind wir uns einig: Der oberere South Branch Of The Middle Fork Feather zählt definitiv zu den Top Ten jedes Einzelnen von uns.
Der Wetterbericht verspricht einen Lichtblick: Nach drei weiteren Regentagen meint es Petrus gut mit uns und beschert uns Sonne und Temperaturen um die 30°C. Perfekt für einen krönenden Abschluss der vier Heimkehrer. Da unser Urlaub schon nach vier Wochen zu Ende ist, fahren wir einige Stunden Richtung Süden zum wohl bekanntesten Klassiker Kaliforniens: Der Dry Meadow Creek. Bei perfektem Wasserstand und blauem Himmel zählen wir am Abend etwa 200 Bilder auf unseren Kameras.
Für die kommende Zeit lässt sich Gutes prophezeien: Nach langem Warten scheint der Wasserstand am Upper Middle Cosumnes perfekt zu sein und wir machen uns auf zum nächsten Klassiker.
To be continued ...
Unser Dank für die Unterstützung des Trips geht an: den AKC, Kober, Langer, Nookie, Ophion, Mammut und Hilleberg.






































