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Touren

Die Abenteuer des Don Ron (8): Neuland im Süden

15. Februar 2011 von Ron Fischer

Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt: In drei ereignisreichen Wochen erlebten Ron Fischer und Freunde in Chile spannende Abenteuer auf »Weltklasse-Wildwasser«, das sie weder am Plan hatten, noch ein anderer Paddler zuvor gesehen hatte.

Die Abenteuer des Don Ron: Patagonien
Patagonien bedeutet Weite – im Auto heißt das vor allem weite Strecken auf Schotterstraßen.
Foto: Ron Fischer

Wo soll ich anfangen? Es ist unglaublich wie die Zeit vergeht und wie viel man erlebt. Die letzten drei Wochen waren super, jedoch kaum so wie wir es erwartet hatten. Zum »Torres del Paine«-Nationalpark haben wir es leider nicht geschafft. Dafür sind wir in Villa O'Higgins auf Weltklasse-Wildwasser gestoßen und kaum mehr aus der Ecke herausgekommen. Am Plan standen zwei Flüsse am Ende der Carretera Austral. Gemacht haben wir keinen der beiden – dafür fünf andere. Es kommt halt selten so, wie man es erwartet; doch fast immer kommt es gut!

Fast zwei Wochen hatten wir am Rio Baker verbracht. Eine gute Zeit, in der wir viel auf dem Wasser waren. Am Ende ließen die großen Stromschnellen unseren Puls kaum noch ansteigen. Umso größer waren die Augen, wenn es einen dann doch erwischt hat und man eine Stelle zehn Meter neben der Ideallinie kopfunter runter ist oder vom Whirlpool abgesaugt wurde, der einen wirklich, wirklich nicht mehr raus lassen wollte.

Die Abenteuer des Don Ron: Patagonien
Die Szenerie am Rio Oro ist gigantisch. Hier der von 3700 m hohen Bergen umrahmte Gletschersee.
Foto: Ron Fischer

Mariann [Anm. der Redaktion: Mariann Saether] erzählte uns schließlich vom Rio Oro (Goldfluss) in Argentinien. Bei den Einheimischen solle dieser Fluss schon ein Klassiker sein – so hatte zumindest sie es erzählt bekommen. Wir fuhren also statt in den Süden nach Villa O'Higgins, vom Rio Baker aus nach Osten durch das Valle Chacabuco bis Los Posados. Die Fahrt war unglaublich: Wir sahen hunderte Guanacos (eine kleine Lama-Art), Vogelstrauße und Flamingos! Alles in einsamster Wüste. Weit und breit nichts.

Den Rio Oro mussten wir zuerst besichtigen. Nach dem Blick von oben in die Schlucht war leider klar, dass hier viel zu viel Wasser durchs Flussbett schießt. Selbst bei absolutem Niedrigwasser konnten wir uns kaum vorstellen, wie diese Strecke fahrbar sein sollte. Naja, man kann nicht immer auf die Infos der Locals zählen. Trotzdem, die Fahrt an den Rio Oro war jeden Kilometer wert: Die Schlucht ist mega-eindrucksvoll, ebenso der türkisblaue See im Tal und die Gletscher auf den bis 3700 Meter hohen Bergen. Auf dem Rückweg machten wir am Rio Cochrane Halt. Die Wasserfallstrecke ist der Hammer! Erst wenige sind hier vor uns gepaddelt und wir können nicht verstehen, warum dieser Bach noch keinen Weltruhm erlangt hat! Ein absoluter Klassiker!

Die Abenteuer des Don Ron: Patagonien
Die Wasserfälle des Rio Cochrane haben das Zeug zum Klassiker – sind bei Chile-Paddlern aber nahezu unbekannt.
Foto: Ron Fischer

Weiter südlich in Richtung Villa O'Higgins erkundeten wir einige weitere Flüsse. Den Rio Barrancoso hatte ich schon seit meinem letzten Chile-Trip im Kopf. Der Fluss fließt in einer tiefen Schlucht aus einem großen Tal heraus, verläuft in einer Klamm ein paar Kilometer entlang der Straße und flacht dann aus. Was wohl in dieser Schlucht weitab der Straße auf Paddler wartet? Das hatte ich mich schon im Vorjahr gefragt. Mit Severin und Mariann machte ich mich dieses Mal zu Fuß auf den Weg um mehr zu erfahren. Vier Stunden suchten wir unseren Weg durch Dornenbüsche, kletterten Felswände hoch und versuchten einen Blick auf den Fluss zu erhaschen. Was wir zu sehen bekamen, sah nach traumhaftem Wildwasser aus! Doch würden wir unsere Kajaks und die ganze Ausrüstung da hoch bekommen? Wir beschlossen, noch ein weiteres Jahr zu warten und mehr Informationen zu sammeln. (Gestern sind wir den Rio Barrancoso erstbefahren! Wie es doch noch dazu kam, gibt's im nächsten Blog zu lesen.)

Die Abenteuer des Don Ron: Patagonien
Scouten am Rio Barrancoso.
Foto: Ron Fischer

Auch am Rio Bravo waren wir schon letztes Jahr gewesen. Doch auch dieses Mal hatte der obere Canyon zu viel Wasser. Wir paddelten den »Surprise Canyon« und erkundeten noch einen weiteren großen Seitenfluss, was uns zu der Erkentnis brachte: Wir brauchen einen Helikopter!! Es ist unmöglich auf anderem Wege dort hoch zu kommen, aber es wäre mehr als lohnend! Bei unserer Ankunft in Villa O'Higgins regnete es mal wieder. Wir suchten uns ein Cabana (Bungalow) zum Übernachten und gingen ganz fein auswärts essen. Das darf nach endlosen Nächten im Freien auch mal sein! Etwa 500 Menschen leben in Villa O'Higgins. Besiedelt wurde die Gegend erst in den 1940er-Jahren, die Straße erreichte das Dorf 1998! Hier ist das Ende der Carretera Austral, der wahrscheinlich berühmtesten Schotterstrasse der Welt, die viele Fahrradfahrer anlockt. Sie und die Fußgänger sind die einzigen, die von Villa O'Higgins per Fähre weiter in den Süden gelangen.

Die Abenteuer des Don Ron: Patagonien
Anne Hübner in den Kaskaden des Rio Perez.
Foto: Ron Fischer

Am nächsten Morgen fuhren wir den Rio Mayer entlang zur argentinischen Grenze. Die Straße endet dort, doch auf der anderen Seite gibt es einen Fluss, von dem ich schon Bilder gesehen hatte. Das muss der Ultra-Klassiker sein! Dieser Fluss fließt zwischen dem chilenischen und argentinischen Grenzposten durch. Mit einem guten Offroader kann man hier östlich nach Argentinien rüber queren. Ein paar Tage zuvor soll jedoch ein Jeep beim Versuch den Fluss zu überqueren verunglückt sein. Die Zöllner wollten uns nun nicht über die Grenze lassen: Ein weiteres Unglück im Fluss, egal ob mit dem Auto oder im Kajak, müsse unbedingt verhindert werden, hieß es. Einen guten Tipp bekamen wir dann doch noch vom Zöllner: »Fahrt etwas zurück und biegt bei der nächsten Gelegenheit nach rechts ab. Folgt der Straße und ihr gelangt zum Rio Perez, dort gibt es ein paar Wasserfälle! Zwanzig, vier und sieben Meter hoch!« Wohoo, nichts wie los! Wir fanden, was wir suchten. Am Ende der Straße setzten wir im Lago Cristi ein und paddelten zu dessen Ausfluss. Auf eine wunderschöne Eingangsstufe folgte ein kurzer Canyon und dann der hohe Wasserfall. Theoretisch fahrbar! Insgesamt vielleicht 16 bis 18 Meter hoch, aber nicht ganz einfach ... Ich wollte unbedingt fahren, doch am Schluss waren die Eier doch nicht dick genug. Schade, aber die nächste Möglichkeit kommt bestimmt. Es folgten noch eine schöne Rutsche und eine Doppelstufe. Ein weiterer Klassiker war erstbefahren!

Die Abenteuer des Don Ron: Patagonien
Der Rio Mayer: Genussfluss mit Zeit zur Vogelbetrachtung?
Foto: Ron Fischer

Am nächsten Tag stiegen wir auf dem Rio Mayer ein. Weitab der Straße fließt er etwa 25 Kilometer durch eine Schlucht. Wir hatten kaum Informationen. Anscheinend soll in einer Klamm ein langer Rapid sein, den hatte Jorge (DER Kontakt in Villa O'Higgins!) zumindest einmal aus einem Flugzeug gesehen. Auf Google Earth sah der Rest (bei schlechter Auflösung) aber nicht sehr spektakulär aus ;). Am Einstieg sagte ich noch zu Mariann: »So, ist doch auch mal schön einen einfachen, aber schönen Fluss als Erster zu befahren. Einen Klassiker am Ende der Welt. Für den Durchschnittspaddler sozusagen.« Vier Tage später waren wir am Ausstieg!

Kurz nach dem Einsetzen paddelten wir in eine mega Klamm hinein. Einfaches Wildwasser, doch auf beiden Seiten senkrechte Felswände. Trotzdem sahen wir immer wieder ein Kehrwasser, von wo aus man aus der Schlucht hätte klettern können.

Die Abenteuer des Don Ron: Patagonien
Bald zeigt der Rio Mayer sein wahres Gesicht: Wildwasser 5 höchster Güte zwischen weglosen Wänden.
Foto: Ron Fischer

Alles war im dritten Schwierigkeitsgrad, bis der erste Fünfer kam: Links ein Monster-Rücklauf, rechts die Möglichkeit dran vorbei zu paddeln. Alle kamen mehr oder weniger gut durch bis Maxi, der als Vorletzter an der Reihe war, den Rücklauf erwischte. Irgendwie kam er im Kajak sitzend raus! Gleich darauf blieb Jakob ebenfalls im Rücklauf hängen und wurde regelrecht aus dem Boot gerissen! Wir konnten Jakob und alles Material rausfischen – nur ein Teva-Schuh blieb verschollen. Eine weitere schwere Stelle folgte und dann waren wir aus der Schlucht raus. Wir waren völlig begeistert vom Wildwasser, das wir hier fanden. Der Hammer! Jetzt nur noch bis zum Ausstieg paddeln! Die Wände rückten wieder näher zusammen, fast senkrecht auf beiden Seiten, wenige Kehrwasser, immer noch fernab der Straße und dann diese Abrisskante ...

Mehr gibt's im nächsten Blog!

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