Die West-Ost-Verschiebung war geschafft. Jetzt kam der Hauptteil unseres Trips. Wir wollten möglichst weit am Arun hoch tragen und eventuell den Barun befahren. Es gibt nur sehr wenige Informationen über den Barun oder Arun im oberen Teil. Was wir erlebt haben, erfahrt ihr, wenn ihr weiter lest.
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Die Abenteuer des Don Ron (3): Barun und Arun
Auf dem Weg nach Tumblingtar mussten wir vom Lokalbus auf einen Jeep umsteigen. Von jetzt an war nichts mehr mit asphaltierter Straße. Beinahe im Schritttempo ging es über mehrere Stunden vorwärts, manchmal knietief durch Flüsse, wir erreichten Tumblingtar erst bei Dunkelheit. Am nächsten Morgen mussten wir zunächst einmal feststellen, dass Feiertag war und wir weder Jeep noch Träger bekommen würden um weiter nach Num zu ziehen. Wir nutzten den Tag um uns zu erholen, wieder mal Wäsche zu waschen und natürlich um viel Karten zu spielen. Am achten November ging es weiter flussaufwärts in einem Land Rover. Zusammen mit einem israelischen Bergsteiger, seinem Guide Labka, der übrigens schon vierzehnmal auf dem Mount Everest stand und mit Trägern, so dass wir zum Schluss 16 Leute im Offroader waren.
Mit meinen langen Beinen hatte ich keinen Platz mehr im Auto und so stand ich hinten auf der Dachleiter, was unglaublich anstrengend war. Die Straße war vom Monsunregen komplett ausgewaschen und verlangte dem Land Rover alles ab. Nach über sechs Stunden erreichten wir das Ende der Straße auf 2200 Meter Meereshöhe. Wir liefen noch zwei Stunden bis die Nacht herein brach und übernachteten in Mudhe in einem kleinen Guesthouse. Das darf man sich allerdings nicht sehr komfortabel vorstellen. Es standen zwei schmale Betten zur Verfügung, auf denen unsere vier Träger schliefen. Für uns blieb Platz auf dem Bretterboden, was auch seinen Vorteil hatte: Der Rauch vom Feuer in der Bude staute sich über unseren Köpfen.
Am nächsten Tag gingen wir weiter bis Num, wo uns Ruedi verließ. Von hier setzte er seinen Weg fort in Richtung Makalu Basecamp zum Trekken, wir folgten dem Fluss bis nach Barun Bazar. Ein Träger gab in Num auf und so mussten wir weiteres Material und teilweise ein Kajak selber tragen.
Nach drei Tagen Fußmarsch durch traumhafte Landschaft erreichten wir schließlich den Arun an der Mündung des Barun. Nur ganz wenige Touristen dringen bis hierhin vor. Die meisten nehmen Ruedis Route und laufen zum Makalu Basecamp. So wurden wir auch des öfteren komisch angeschaut, als wir mit unseren Kajak durch die kleinen Dörfer zogen. Uns ist nur von einer, eventuell zwei Gruppen bekannt, die mit dem Kajak hier oben starteten.
Über den Barun hatten wir kaum Informationen und wir mussten vor Ort abchecken, ob es möglich wäre einen Teil zu befahren. Der Barun entspringt am Makalu und sollte eigentlich auf etwa zehn Kilometer ab dem Basecamp fahrbar sein. Danach bricht er 2000 Meter zum Arun hinunter. Wir wollten von unten in der Schlucht hochtragen, um zuerst alles einsehen zu können. Leider mussten wir in Barun Bazar feststellen, dass die Klamm, in der der Fluss das meiste Gefälle macht, absolut unzugänglich ist. Das Risiko, in die Schlucht rein zu paddeln und dann irgendwo zwischen hundert Meter hohen Felswänden vor einem unfahrbaren Wasserfall zu stehen und nicht mehr raus tragen zu können, wollten wir nicht eingehen.
So gönnten wir uns einen halben Tag Pause, bevor wir auf dem Arun einsetzten. Vom Weg aus, den wir hochgelaufen waren, konnten wir einige Stellen von Weitem einsehen. Schnell wurde uns klar, dass uns extrem schweres Wildwasser erwartete. Trotzdem, die Wucht und Power des Arun überraschte uns. Mit schätzungsweise 200 Kubik pro Sekunde führte der Arun hier oben schon 50 Kubik mehr, als für die untere Standardstrecke empfohlen war. Es war nicht die eigentliche Schwierigkeit der Stromschnellen, die uns zu schaffen machte, sondern das kontinuierliche Gefälle. Auf einen WW5+ Rapid folgten hundert Meter WW 4-5. Bei einem Fehler landete man in den riesigen Rückläufen, sogenannten »Pourovers«, die einen nie mehr raus lassen und wenn dann nur schwimmend. Als Schwimmer jedoch kann dir niemand helfen und man hat keine Chance ans Ufer zu kommen. Diese »Pourovers« werden auf der mittleren Ötz im Sommer bei Hochschmelze geboren, auf dem Arun werden sie groß und stark!
Nur wenige Rapids konnten wir im Hauptwasser befahren, meistens nahmen wir die WW 5-Chickenline in Ufernähe. Eine Traverse um auf die andere Flussseite zu kommen war schwieriger zu meistern als das meiste Wildwasser, das wir jemals gepaddelt waren. Nach ca. sechs Kilometer gelangten wir zu einer Stelle, wo alles Wasser auf fünf Meter Breite zusammen kam und weitere hundert Meter später über einen sieben Meter hohen Wasserfall in einen absolut unfahrbaren 500 Meter langen Steilabbruch überging. Vergleichbar mit den Achstürzen, aber mit 200 Kubik! Rechtsufrig konnten wir mühsam umtragen. Über eine Stunde brauchten wir dafür und waren anschließend komplett kaputt.
Weil es nach Regen aussah suchten wir uns kleine Felsvorsprünge zum übernachten, suchten Holz um was zu kochen und gingen schon bald schlafen. Nach diesem ersten Tag spürte ich eine enorme Zufriedenheit. Ein super Gefühl diesen schweren Abschnitt gepaddelt zu haben.

Foto: Ron Fischer
Am nächsten Morgen ging es im gleichen Stil weiter. Nach zwei Stunden gelangten wir an einen weiteren Rapid. Toro und ich stiegen aus um uns das Ganze anzuschauen. Das Hauptwasser war zu gefährlich, aber der Seitenkanal schien machbar. Einfach in der Mitte über die Kante und runterrutschen und nicht nach rechts, weil das Wasser dort fies unter die Steine zieht. Als Gruppe auf schwerem Wildwasser unterwegs zu sein, heißt sich aufeinander verlassen zu können und jedem voll zu vertrauen. Lukas und Simon blieben im Boot sitzen und wir erklärten kurz wie zu fahren ist. Simon ging als erster und wurde von der Strömung prompt zu weit nach rechts verschoben. Er fuhr mit der Spitze auf einen Stein und sein Heck wurde sogleich vom Wasserdruck nach unten gedrückt. Er steckte senkrecht an dem Stein fest und das Wasser floss schon zur Hälfte über seinen Kopf. Wir reagierten schnell, Lukas sprang vom Ufer auf den Stein an dem Simon klebte und zog ihn aus dem Boot. Die Kameratasche und den Schlafsack konnte er noch retten, danach wurde das Kajak komplett unter Wasser gedrückt. Wir versuchten es mithilfe eines Flaschenzugs aus der Strömung zu ziehen, rissen jedoch nur die Griffschlaufen ab. Das Kajak war nicht mehr zu retten, wir alle jedoch riesig erleichtert, dass Simon sicher im Trockenen stand.
Schnell war klar, dass Simon aus der Schlucht zu Fuß bis nach Tumblingtar würde laufen müssen. Als wäre alles nicht schon schlimm genug, hatte Simon bei der Aktion auch noch seine Schuhe verloren. Meine Teva-Flipflops in Größe 42 (Simon hat Größe 48) waren ein schlechter Ersatz, aber besser als gar nichts.
Toro, Luke und ich paddelten weiter und Simon machte sich zu Fuß auf den dreitägigen Hike zurück nach Tumblingtar. Schon nach kurzer Zeit auf dem Fluss nahmen die Schwierigkeiten ab und wir erreichten nach wenigen Stunden den normalen Einstieg für die oberen Arun-Schlucht. Es war kalt und immer noch regnerisch, so wärmten wir uns im kleinen Ort mit heißem Tee, bevor wir wieder los paddelten um einen Schlafplatz zu suchen.
Die Nacht verbrachten wir wieder unter einem Felsvorsprung, den wir zuerst vom Sand freischaufeln mussten. Auf dem Fluss nahmen die Schwierigkeiten wieder zu, von jetzt an nicht mehr mit WW 4-5 zwischendrin, sondern moderatem WW 3. Das erlaubte Spielereien im Fluss und war mental nicht mehr ganz so fordernd. Wir konnten es richtig genießen. Kurz nach Mittag trafen wir auf Ruedi. Er war zurück vom Trekken und fand mithilfe eines Trägers dort zum Fluss, wo die Schwierigkeiten wieder abnahmen.
In der folgenden Nacht regnete es endlich mal nicht: Wir fanden einen super Strand, wo wir kochten, Karten spielten und schliefen. Am nächsten Tag erwartete uns auf 40 Kilometern nonstop traumhaftes Wuchtwasser. Das meiste immer noch auf der Chickenline in Ufernähe, aber doch voll zu genießen. Kurz vor der Dunkelheit hatten wir doppelt so viel Strecke gemacht wie anfangs angenommen und den Flughafen in Tumblingtar erreicht.
Als erstes versuchten wir heraus zu finden wo Simon steckt. Wir riefen in den einzelnen Dörfer an und fragten ob der »Große« schon vorbei gekommen ist. »Ahh, der ohne Schuhe!?«, war jeweils die Antwort. So wussten wir ungefähr wo er war und waren sicher, dass er am nächsten Morgen in Tumblingtar ankommen würde. Die Landebahn in Tumblingtar war noch immer nicht in Stand gesetzt worden, die Flieger jedoch landeten und starteten jetzt einfach auf der Wiese nebenan. Der Flieger gleich am ersten Tag war leider schon voll, doch am 18. November klappte es und wir konnten nach Kathmandu zurück fliegen.
Für mich wird der Trip für ewig in Erinnerung bleiben. Es gab viele Probleme und Herausforderungen, die wir gemeinsam meistern mussten. Der Blick zurück gibt mir ein super Gefühl. Die Landschaft war traumhaft, die Schluchten der Hammer und der Fluss eine harte Herausforderung.
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Der weitere Tourplan
Nach sechs Wochen Nepal strebt Ron einen kleinen Urlaub im sonnigen Bali, zum Surfen und Paddeln auf Java, an. Danach wird er mit einigen Kollegen in Süd-Süd-Patagonien im »Torres del Paine«-Nationalpark als erste Wildwasserpaddler überhaupt nach großen Wasserfällen und noch größeren Stromschnellen suchen.








































































