Es wird Herbst im Süden Chiles und immer mehr der europäischen Paddler treten die Heimreise an. Ron Fischer jedoch ist noch nicht am Ende seiner Kajakweltreise. Zusammen mit Mariann Saether und Severin Häberling sammelt er weiter (Erst-)Befahrungen in den Weiten Patagoniens. Mit dem Rio Barrancoso haben die drei eine ganz besondere Flussperle entdeckt.
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Die Abenteuer des Don Ron (10): Rio Barrancoso
Mittwoch, 23. März 2011: Und immer noch waren wir in Villa O'Higgins am südlichen Ende der Carretera Austral. Rio Perez und Rio Mayer konnten wir in den letzten Tagen befahren. Den Einen lief jetzt langsam die Zeit davon, sie mussten zurück nach Pucon oder wollten an den Futaleufu. Ab jetzt waren wir nur noch zu dritt: Mariann Saether, Severin Häberling und ich. Unsere Mission war es, weitere Flüsse auszukundschaften und den Süden Chiles zu genießen. Wer weiß? Vielleicht finden wir ja noch mehr Klassiker.
Dank etwas Glück und Marianns Spanisch-Kenntnissen konnten wir jemanden organisieren der unsere Kajaks mit Hilfe von Pferden das Tal des Rio Mosco hinaufbrachte. Ganz ideal verlief es leider nicht: Drei Kajaks auf einem Pferd waren definitiv eines zu viel, zu oft sind die Boote verrutscht oder gleich vom Pferd gefallen. Nach einem Kilometer wurde dann auch noch der Weg für den Caballero zu eng und steil. Wir mussten die Kajaks und unsere ganze Ausrüstung wieder selbst tragen. Zwei weitere Kilometer führten uns steil bergauf und wir kämpften uns den Weg entlang bis wir uns schließlich entschieden loszupaddeln. Theoretisch hätten wir noch weitere drei Kilometer dem Fluss folgen können, doch dafür hatten wir uns für den Weg auf der falschen Talseite entschieden. Nächstes Jahr dann!
Dennoch hat sich der Aufwand gelohnt. Die Waldschlucht war wunderschön. Wildwasser im mittleren Schwierigkeitsbereich führte uns den Fluss hinab, oft begleiteten uns senkrechte Felswände auf beiden Seiten.
Es gäbe noch viel zu tun in Villa O'Higgins, aber auch uns läuft die Zeit langsam davon. Unser Weg führte uns zwei Stunden in nördlicher Richtung zum Rio Bravo. Für die obere Schlucht hatte es zuviel Wasser, so dass wir nur den »Surprise Canyon« gepaddelt sind. Doch der Wasserstand sank!
So genossen wir einen Traumtag auf dem Rio Bravo, welcher bestimmt zu den besten meines diesjährigen Chiletrips zählt. Der Canyon ist mega-beeindruckend, das Wildwasser schwer, doch stets fahrbar. Für den nötigen Nervenkitzel sorgt der Eingangskatarakt in den »Box Canyon«. Ich ziehe den Hut vor Tyler Curtis der im Jahr 2005 nahezu blind diese zwei Meter hohe Stufe gefahren ist, nur mit der Hoffnung, dass alles gut geht. Es gibt keine Möglichkeit die Stelle einzusehen oder gar zu umtragen!
Mit der Fähre ging es anschließend zurück nach Puerto Yungay, wo wir einen weiteren Fluss erkundeten. Ein kleiner steiler Bach stürzte durch eine wunderschöne Klamm, leider garniert mit einer Stelle, die weder fahrbar noch umtragbar ist. Schade. In Caleta Tortel, einem Dorf das direkt in einem Fjord gelegen ist und dessen Häuser und Wege auf Stelzen gebaut sind, kehrten wir kurz ein. Eigentlich ein nettes Fleckchen, doch vom Standardtourismus hielten wir uns lieber fern und so machten wir uns weiter auf den Weg Richtung Norden. Mit dem Auto überquerten wir unzählige Flüsse, die fast alle noch auf ihre Erstbefahrung warten. Auch deshalb werde ich einfach nicht drum herumkommen nächstes Jahr wiederzukommen!
Unser nächster Halt: Rio Barrancoso. Bereits auf dem Hinweg hatten Mariann, Severin und ich die Schlucht eingesehen. Es schien alles perfekt, doch wie würden wir mitsamt unserem Material hoch in das Tal gelangen? Jorge vom »El Mosco« in Villa O'Higgins gab uns den nötigen Tipp. Er beschrieb uns den Weg zu einer Farm auf der eine Deutsche namens Lili wohnt, sie solle jemanden kennen der Pferden besitzt. Zufälligerweise trafen wir nicht nur Lili in ihrem Hause an, sondern auch ihren Nachbar Nelson, der mitsamt seinen Pferden bei ihr zu Besuch war! So führte eines zum anderen und als wir dann auch noch erfuhren, dass man hier Schwarzbrot und hausgemachte Marmelade erwerben konnte, war auch dieser Tag perfekt.
Am nächsten Morgen trafen wir Nelson wie vereinbart am Talausgang. An seinen Zügeln gingen sechs Pferden. Zwei Packpferde, je eines für uns und natürlich noch sein eigenes. Ach ja, ein kleines Pony trabte auch noch den ganzen Tag einer der Stuten hinterher. Nelson war genial! Obwohl er noch nie zuvor Kajaks transportiert hatte, schien es, als hätte er in seinem Leben nie etwas anderes gemacht. Die Kajaks und Packsäcke mit Essen, Schlafsäcken und Tarp hielten fast den ganzen Tag auf den Pferden. Nur ganz selten mussten wir die Gurte nachziehen. Fünf Stunden waren wir mit den Pferden in atemberaubender Landschaft unterwegs. Trotz einsetzendem Regen konnte man auf die Gletscher sehen. Wir ritten über einen Bergrücken in das Tal hinein. Oberhalb von dort, wo wir zum Fluss gelangten, war das Tal groß und offen, der Fluss einfach. Wer weiß, vielleicht gibt es ganz oben noch eine Schlucht? Egal, der Tag neigte sich dem Ende zu und vor uns bog der Fluss um die Ecke in eine tiefe Schlucht hinein. Was will man mehr? Wir spannten Wurfsäcke und bauten uns ein Tarp, suchten trockenes Feuerholz um zu kochen und tranken den Wein den wir auf den Pferden mitgebracht hatten. Pura vida!
Zum Glück stieg das Wasser über Nacht nicht noch weiter. Auch das Wetter war am nächsten Tag besser. Nach einem feinen Nudelfrühstück packten wir die Boote und los ging's. Obwohl wir den Fluss vorher erkundet hatten und wahrscheinlich alles von weit oben eingesehen hatten, wussten wir nicht genau was auf uns zu kommen würde. Wir waren zu weit weg um Details zu erkennen. Am Anfang mussten wir einige Male mehrere Hundert Meter weit vor klettern um sicher zu gehen, dass nach der Kurve keine Gefahr lauert. Wir kamen gut vorwärts, paddelten traumhaftes Wildwasser im vierten und fünften Schwierigkeitsbereich. Der Tag war einfach zu geil um wahr zu sein! Wir hatten nur zwei einfache Umtragestellen, der Rest war fahrbar und genial. Die »Drecksstelle«, die einen zwingt aus der Schlucht raus zu tragen, die alles zunichte macht und die man auf einem solchen Trip eigentlich erwartet, kam einfach nicht! Auch den Ausstieg fanden wir nach etwa sechs Stunden auf dem Fluss sofort und es war weniger mühevoll als erwartet zur Straße hoch zu tragen. Rio Barrancoso – bestimmt eine der schönsten Erstbefahrungen, die wir jemals erleben durften. An alle, die in den Süd-Süden Chiles fahren: Paddelt den Rio Barrancoso!
Für uns endete der Tag mit einer langen Fahrt nach Cochrane, wo wir uns eine ganz besondere Seite südamerikanischer Kultur zu Gemüte führten: Beim örtlichen Rodeo bewähren sich die einheimischen Heißsporne beim wilden Tanz mit bislang unberittenen Pferden.





























































