Im August ist Norwegen Paddlerland. Schnell wird aus einem kleinen Team eine veritable Kajakmannschaft, wie auf der Rauma, die David Ernst mit einer Crew aus Augsburg unters Plastikschiff nimmt. Der wahren Prüfung stellt sich der Weltreisende jedoch gemeinsam mit Jonas Grünewald am Flemming Fossen, wo er sich ein Geburtstagsgeschenk der besonderen Art abholt.
Bereichsnavigation
- Sie sind hier:
- »Startseite
- »Touren
- »Reiseblogs
- »Boundless (2): Prüfung am Flemming Fossen
Inhaltsbereich
Touren
Boundless (2): Prüfung am Flemming Fossen
Heute Morgen sind Jonas Grünewald und ich schon früher auf den Beinen als üblich. Gestern haben wir den Flemming Fossen auf der unteren Rauma besichtigt und uns vorgenommen dieses Monster zu befahren. Wir haben »Hummeln im Hintern«. Nervös wie kleine Kinder bereiten wir Frühstück zu. Danach treffen wir uns mit Michel, Martin und Tobi aus Augsburg, mit denen wir beschließen, erstmal die Obere Rauma zu paddeln und dann eventuell die Untere gleich dran zu hängen.
Gesagt – getan. Martin schwimmt gleich in der ersten Stufe, danach will er für den Rest des Tages nicht mehr aufs Wasser. Zu viert paddeln wir weiter. Vor genau 15 Tagen war ich das erste Mal auf der Oberen Rauma unterwegs. Am Ende der Strecke hatte ich mir meine Schulter verletzt und musste sieben Tage pausieren. Etwas nervös bin ich auch heute. Doch ohne weitere Zwischenfälle kommen wir am Ausstieg an. Das Wetter ist schön und die Sonne scheint. Das war in den letzten Tagen nicht oft der Fall.
Jonas will gleich weiter. Den anderen ist nicht mehr nach paddeln zu Mute, da ihnen noch die letzten Tage in den Knochen stecken. Dann also gleich weiter zum Flemming Fossen! Während Jonas größte Sorge dem Wetter gilt (und dass er beim Aufschlag nicht bewusstlos wird), hoffe ich, dass der nächtliche Regen den Wasserstand nicht hat ansteigen lassen. In wenigen Minuten sind wir am Wasserfall angelangt. Stolze 20 Meter misst dieser Fossen. Und mächtig ist er auch. Der Wasserstand ist immer noch gut und nach kurzem Besichtigen legt Jonas die Linie vor, während ich filme.
Auch ich muss noch mal in mich gehen und besichtigen. Soll ich es trotz lädierter Schulter wagen? Die Linie ist eindeutig, aber nicht unbedingt einfach. Ich entschließe mich für eine Befahrung, gebe dem Kamera- und Safety-Team das OK, setze mich ins Boot, schließe die Spritzdecke und rutsche ins Kehrwasser. Kurz spritze ich mir Wasser ins Gesicht und dann steche ich mit voller Geschwindigkeit aus dem Kehrwasser.
Das aufgewühlte, mit Pilzen durchsetzte Wasser macht es nicht einfach zu traversieren. Dann die Spitze zum Fall hin drehen, und in die Verschneidung stechen. Mit einem weiteren Schlag das Boot ausrichten, Paddel zur Seite, Oberkörper möglichst flach auf die Spritzdecke und auf den Einschlag warten. Die Sicht während dieser Schussfahrt ist gleich null. Die Wucht des Aufpralls reist mich fast aus dem Boot. Ich bin kopfüber und muss hoch rollen. Im Pool wartet Jonas auf mich. Jubelnd paddle ich zu ihm. Die ganze Anspannung ist verflogen.
Zwei Tage zuvor, an meinem Geburtstag, meinte Jonas zu mir: „»Ich schenke dir eine gute Linie am Wasserfall!« Heute habe ich mein Geschenk bekommen.
Auf dem Weg zu unserem Camp fahren wir an zwei Radfahrern vorbei. Wie beim Radrennen reicht Jonas eine Banane und Müsliriegel aus dem Beifahrerfenster und versorgt die Reisenden mit Energie für den Anstieg.
Ein toller Tag heute!
















