Es klingt verführerisch – statt Tourenboot und Wildwasserkajak nur noch ein einziges Kajak benutzen, das beide Paddelwelten eint. Geht das? KANU hat zwei neue Crossover-Kajaks getestet.
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Test & Technik
Nimm 2, zahl 1: Liquid Logic Remix XP und Pyranha Fusion im Test
Vor Jahren gab es mal die Werbung »Ich bin zwei Öltanks«. Man kaufte sich einen einzigen Öltank, hatte aber zwei. Das klang absurd, aber wenn man den Werbern Glauben schenken durfte, hat es wohl gestimmt. Jetzt gibt es zwei Kajakhersteller, die dasselbe von ihren neuen Modellen beteuern. Nicht, dass sie Öltanks wären. Aber: »Ich bin zwei Kajaks« behaupten sie. In vollem Ernst. Die Crossover-Kajaks Liquid Logic Remix XP 10 und Pyranha Fusion erheben den Anspruch, Wildwasserkajak und Tourenboot in Personalunion zu sein. Kein fauler Kompromiss, stattdessen ein Kajak, das die Lücke zwischen Flachwasser und Wildwasser nicht nur schließt, sondern auch breit überdeckt. Das klingt nach Marketing-Tamtam. Sowas kann doch nichts Halbes und nichts Ganzes sein? Nicht Fisch, nicht Fleisch?
Zugegeben, die Idee eines Kombikajaks ist nicht neu, das haben andere Hersteller zuvor auch schon versucht – Aber trafen damit nicht den Nerv der Szene. Paddler, die sich in den zwei Paddelwelten gleichermaßen zu Hause fühlten, bedienten sich lieber weiterhin bei altgedienten Wildwasserkajaks mit akzeptabler Länge fürs Tourenpaddeln, oder sie hatten gleich zwei Pferde im Stall. Ein Wildwasserkajak, ein Wanderboot. Fertig, aus!
Kombikajaks: Zwei in einem, geht das?
Die neuen »Crossover-Kajaks« sehen aus wie konventionelle, ein wenig altmodische Wildwasserkajaks, aber in beiden Booten steckt eine ganze Menge Know-how und Ausstattung drin.
Zunächst haben beide Hersteller es tatsächlich geschafft, Wildwasser- und Touring-Fahreigenschaften harmonisch zu verbinden. Beide geben im leichten bis mittelschweren Wildwasser eine gute Figur ab, der Fusion dürfte sich sogar eine Stufe drüber behaupten können. Sie sind für über drei Meter Länge akzeptabel wendig, gleiten präzise in Kehrwasser, halten ihre Linie in den Stromschnellen und haben ein mustergültiges Auftauchverhalten. Sowohl Remix XP als auch Fusion liegen unglaublich satt und sicher im Wasser. Auch die Ausstattung ist voll wildwassertauglich. Beide Sitzanlagen sind präzise einstellbar, große Einstiegsluken garantieren Komfort und Sicherheit. Hier punktet vor allem der Fusion Connect 30 mit solider Prallplatte und perfekter Ergonomie. Den Remix XP gibt es leider nur mit Rasterfußstütze, spätestens ab WW II-III sollte daher Schluss sein. Trotzdem erfüllen beide Aspiranten alle weiteren Kriterien für ein vollwertiges WW-Kajak. Die eine Hälfte vom großen Versprechen wurde eingehalten.
Ein drei Meter langes Kajak hat natürlich nicht den Geradeauslauf eines langen Touring-Kajaks, aber trotzdem ist es sowohl Liquid Logic als auch Pyranha gelungen, den beiden Kajaks viel Laufruhe und eine ordentliche Portion Grundgeschwindigkeit zu verpassen. Längere Strecken über Flachwasser geraten keineswegs zur Qual, man findet sich schnell in einem rhythmisch-dynamischen Paddelschlag wieder. Das Skeg verbessert bei beiden Modellen die Spurtreue nur unwesentlich, ist aber es eine große Hilfe bei Seiten- und Schiebewind.
Kombikajaks: Neue Möglichkeiten
Heckabschottung, Gepäckluke und Gepäcknetze erhöhen den Ladekomfort und eröffnen ganz neue Horizonte.
Wer sparsam packt, kann locker für ein Wochenende oder länger Gepäck einladen. Der Stauraum ist deutlich umfangreicher als bei einem großvolumigen Trekkingrucksack. Und dank der vorzüglichen WW-Eigenschaften der beiden Boote muss man sich nicht nur auf geruhsame Gewässer beschränken, sondern kann sportlich interessante Abenteuertouren auf Wildwasser- und Wanderflüssen kombinieren. Einen Wildfluss von der Quelle bis zur Mündung zu paddeln ist ein ganzheitliches Erlebnis und mit den Crossover-Kajaks eine Kleinigkeit. Beispiel gefällig? Der Inn vom Morteratschgletscher bis Passau, die Isar von Scharnitz bis Plattling, die Loisach von Garmisch bis Wolfratshausen – die Tür für spannende Abenteuer vor der Haustüre wird mit diesen Booten weit aufgestoßen.
Kombikajaks: Viel Kajak für wenig Geld
Eine klare Ansage ist auch die Preispolitik. Beide Kajaks sind trotz umfangreicher Ausstattung und guter Verarbeitung für unter 1000 € erhältlich.
Nicht nur die anfängertauglichen Fahreigenschaften sollen Einsteiger in die Kombikajaks locken, auch der Preis dürfte Wirkung zeigen. Besonders deutlich macht dies Pyranha mit dem abgepeckten Fusion (Zusatz RT). Es gibt eine Rasterfußstütze statt Prallplatte; Griffe, Sitz, Schenkelstützen und Rückengurt sind weniger aufwendig, das Skeg ist nachrüstbar (60 €) und Gepäcknetze fehlen. Dafür kostet der Fusion nur 679 €, da lohnt sich nicht einmal der Blick auf den Gebrauchtbootmarkt. Kein Wunder, dass der Fusion das bestverkaufte Pyranha-Kajak der Saison 2009 ist. Natürlich sind reine Spezialisten besser, ein reinrassiges Touringboot läuft schneller und bietet mehr Platz für Gepäck, ein WW-Kajak ist wendiger und hat mehr Reserven, wenn es richtig zur Sache geht. Wer aber nur ein Kajak in der Garage liegen haben möchte, der ist mit den neuen Allroundern bestens bedient, denn sie sind das »Schweizer Messer« unter den Kajaks: nicht nur Touren- und WW-Kajak, sondern auch Anfänger-, Wochenend- und Abenteuerboot. Ein echtes Universalwerkzeug. Viel Fisch, viel Fleisch!
Und der Öltank? Der war gar nicht zwei in einem. Nur ein Öltank mit Schutzhülle. Was für eine Enttäuschung.
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